Hartz IV

Sarrazin: "Viele Arbeitslose haben kein Geldproblem"

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Geld werde manchmal zweckentfremdet und etwa fürs Rauchen ausgegeben. Sarrazin sagte aber auch: Der Großteil der Arbeitslosen will arbeiten.

Berlin. Nach Ansicht von Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin ist Geldmangel bei vielen Hartz-IV-Empfängern nicht das zentrale Problem. „Viele Dinge, die wir der Armut zuschreiben, haben an sich mit individuellem Verhalten zu tun“, sagte Sarrazin am Donnerstagabend bei einer Diskussion in Berlin. „Menschen können es vielleicht nicht ändern, dass sie keine Arbeit haben, aber was sie ändern können ist, ob sie morgens aufstehen und ihren Kindern ein Schulbrot machen.“

Der für seine teils umstrittenen Äußerungen bekannte SPD-Politiker und frühere Berliner Finanzsenator verwies darauf, dass nach Studien des Senats im sozial schwachen Stadtteil Wedding in 45 Prozent der Kinderzimmer Fernseher stünden. Im vergleichsweise wohlhabenden Westend dagegen liege die Quote bei 4,4 Prozent. In dem Stadtteil, wo auch Sarrazin wohnt, gebe es auch weniger Fettleibige als in anderen Teilen Berlins. „Aber das hat nichts mit Geld zu tun “, sagte Sarrazin. „Selbst wenn der Fernseher billig ist, kostet es nicht mehr, ihn aus dem Kinderzimmer rauszuholen.“

Sarrazin verteidigte seinen Speiseplan für Hartz-IV-Empfänger, mit dem er als Senator für Aufregung gesorgt hatte. Hartz-IV-Empfänger erhielten für Lebensmittel genau so viel Geld wie Durchschnittshaushalte dafür ausgäben. Wenn es doch nicht reiche, liege es daran, dass das Geld zweckentfremdet werde, etwa für das Rauchen oder für elektronische Geräte. Gleichzeitig gebe es die Tendenz, die Kinder in die Suppenküche zu schicken.

Die Begriffe „reich“ und „arm“ seien relativ, sagte Sarrazin. „Der Empfänger von Grundsicherung ist im Vergleich mit der durchschnittlich verdienenden Familie der 60er reich – von der objektiven Kaufkraft her.“ Arbeitslosigkeit sei ein anderes Thema als Unterschichtverhalten, auch wenn es Überlappungen gebe. „Man darf nicht pauschalieren“, betonte Sarrazin. Nur ein Drittel der Langzeitarbeitslosen sei nach Untersuchungen arbeitsfähig, aber - unwillig. Die übrigen wollten arbeiten, seien teils aber nicht in der Lage.

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