Kommentar: Richtungsstreit in der CDU

Merkel braucht keinen Hofprediger

Angela Merkel sollte das Präsidium der Union um einen Platz erweitern - für einen Hofprediger, der aufpasst, dass das Christliche (das "C") nicht zu kurz kommt.

Angela Merkel sollte das Präsidium der Union um einen Platz erweitern - für einen Hofprediger, der aufpasst, dass das Christliche (das "C") nicht zu kurz kommt. Der Job wäre wie geschaffen für Würdenträger vom Schlage Meisner oder Mixa, die etwa immer noch Homosexualität (Vorsicht, Koalitionspartner Westerwelle!) für eine Sünde halten.

Angela Merkel wäre ganz schnell nicht mehr Kanzlerin, die CDU mindestens da, wo die SPD schon heute ist: bei 20 Prozent und wahrscheinlich noch viel weniger. Die Sozialdemokraten glauben nämlich immer noch, sie seien die Arbeiterpartei, auch wenn es in Deutschland kaum noch Arbeiter im historischen Sinne gibt - aber immer noch mehr als heutzutage Menschen am Sonntag in die Kirche gehen.

Wer mehr "C" will, muss auch sagen, wie er Politik auf der Basis des Christentums begründen will, wo die Gesellschaft immer weniger christlich geprägt ist. Angela Merkel hat die CDU schon längst für die Wähler der Mitte (und darüber hinaus!) geöffnet. Nur deshalb ist sie heute Kanzlerin und die Christenpartei an der Regierung.

Die SPD hat dann überzeugende Wahlergebnisse einfahren können, wenn sie sich wie unter Willy Brandt, Helmut Schmidt oder auch Gerhard Schröder für andere als die ausschließlich traditionelle Stammwählerschaft geöffnet hat. Das haben diese Männer ihrer Partei nicht immer erklären können. Schmidt ist daran ein wenig, Schröder gänzlich gescheitert.

Daran sollte sich Frau Merkel erinnern, wenn konservative Bedenkenträger jetzt murren, und in diesem Sinne Führung ausüben. Ohne Basta, aber mit Erklärungen für ihre Haltung.

Aber ein wenig mehr Haltung und damit auch Orientierung dürfte es schon sein, Frau Merkel.