Chef des Innenausschusses übt heftige Kritik

CDU-Konservative machen Front gegen Merkels Öffnung nach links

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Florian Kain, Karsten Kammholz und Barbara Möller

Bosbach kritisiert "Sowohl als auch"-Programm. Bischof mahnt: wieder auf das C besinnen.

Berlin. Die Auseinandersetzung um die von Angela Merkel betriebene Öffnung der CDU für linke Wählerschichten setzt sich auch nach der Vorstandsklausur in Berlin fort. "Ich fürchte, dass der Streit um das Profil der Partei weitergeht, solange ein entschiedenes Sowohl-als-auch als geschickte Strategie gilt", sagte Wolfgang Bosbach, Vorsitzender des einflussreichen Innenausschusses und Wortführer des Katholischen Arbeitskreises der CDU, dem Hamburger Abendblatt.

"In den letzten Jahren hat es schon eine Reihe von Papieren gegeben mit dem Tenor: ,Die Union darf die Konservativen nicht vernachlässigen'", begründete Bosbach seine Kritik. "Aber eine nachhaltige Wirkung konnte ich noch nicht feststellen." Es sei zwar richtig, dass der Parteivorstand sich künftig verstärkt um Wähler konkurrierender Parteien bemühen wolle. Er sei aber gespannt, wie das gelingen solle, ohne gleichzeitig die konservative Stammwählerschaft aus dem Blick zu verlieren. Der langjährige Unions-Fraktionsvize erinnerte an die überdurchschnittlich hohen Verluste, die die CDU in dieser Zielgruppe erlitten habe. "Das darf uns nicht gleichgültig lassen."

Zuvor hatte bereits der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, die CDU zu einer Rückbesinnung auf christliche Werte aufgerufen. "Ich glaube, dass wir der CDU helfen können, sich wieder neu auf die Werte zu besinnen, von denen wir leben."

CDU-Parteichefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht ihren Kurs für die CDU durch die Vorstandsklausur hingegen bestätigt. Die einhellige Zustimmung zu der im Vorstand verabschiedeten "Berliner Erklärung" zeige die "breite und deutliche Unterstützung" für ihren Kurs, der darauf abziele, ein Angebot für jeden in der Gesellschaft zu machen. Unterstützung signalisierte auch Hamburgs CDU-Landeschef Michael Freytag: "Wer Wahlen gewinnen will, darf nicht nur seine Stammwähler mitnehmen wollen", sagte er dem Abendblatt.