Im Web hat der Wahlkampf zwischen den Koalitionspartnern längst begonnen

SPD und CDU: Attacke im Internet

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Christian Kausche und Christoph Rybarczyk

Die einen lassen den Wirtschaftsminister wie eine Kasperle-Puppe am New Yorker Times Square zappeln, die anderen verhöhnen den Außenminister und seinen Doppel-Vornamen: SPD und CDU haben im Internet nur noch Häme füreinander übrig. Ein Experte sagt auf abendblatt.de, ob das den Parteien nützt.

Hamburg/Berlin. Die einen lassen den Wirtschaftsminister wie eine Kasperle-Puppe am New Yorker Times Square zappeln, die anderen verhöhnen den Außenminister und seinen Doppel-Vornamen: SPD und CDU sind in der Großen Koalition in Berlin zwar noch Partner bis zur Bundestagswahl am 27. September. Doch im Internet haben sie nur noch Häme füreinander übrig.

Das geht bis in die persönlichen Verunglimpfungen der honorigen Minister Karl-Theodor zu Guttenberg und Frank-Walter Steinmeier, denen solche Attacken der eigenen Partei peinlich sein dürften. Zwar sind die Videos nur verlinkt, doch das sehr prominent.

Doch gemacht wird, was den Usern mutmaßlich gefällt. Noch bei der hessischen Landtagswahl gingen Roland Koch (CDU) und Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) im Internet vergleichsweise zahm miteinander um. Jetzt ist das Klima innerhalb der Großen Koalition durch Angriffe offline und online bedroht.

"Diese Entwicklung mit Negativ-Anschlägen auf den politischen Gegner ist schon seit Längerem zu beobachten", sagt der Experte für politische Kommunikation im Internet, Christoph Bieber (Universität Gießen) zu abendblatt.de.

Bislang hätten die großen Parteien immer ihre Jugendorganisationen vorangeschickt, die vor allem in Comic-Formaten im Netz andere Parteien attackierten. "Da konnte man in Spielen dem Kanzler mit dem Hammer auf den Kopf hauen. Da herrschte die Einstellung: Es muss lustig sein", so Bieber.

Mittlerweile würden CDU und SPD durch die Erfolge von Barack Obamas Netzkampagne angestachelt, Ähnliches in Deutschland zu versuchen. Bieber hält das vorerst für fruchtlos: "Obama brauchte zwei Jahre, um dieses Unterstützernetzwerk aufzubauen." Selbst den großen deutschen Parteitankern fehlten die Ressourcen.

Aber ob Angela Merkel im wöchentlichen Video-Podcast, Jürgen Trittin, Cem Özdemir oder Thorsten Schäfer-Gümbel die Spitzenpolitiker lassen auf Teufel komm’ raus twittern und machen sich in Facebook und anderen Online-Communities breit. Auf YouTube laden Parteihelfer mitunter sogar inkognito Videos hoch, um die Online-Fetischisten da abzuholen, wo sie sich tummeln.

Die Hamburger Agentur Kolle Rebbe kümmert sich mittlerweile um die CDU. Die Werber haben dank ihrer Kundenkontakte (Google, Otto Group, Bionade) ein ausgefeiltes Instrumentarium für Online-Kampagnen. Die SPD hat den exzentrischen Blogger Sascha Lobo ohnehin in ihren Reihen.

Trotz des gigantischen Online-Aufwandes seiner Kampagne ließ es sich Barack Obama als Präsidentschaftskandidat trotzdem nicht nehmen, traditionell quer durchs Land zu reisen. Als Reverenz an Abraham Lincoln nahm er sogar den Zug zur Amtseinführung. Von wegen Information Highway.

Experte Bieber sieht in der politischen Kommunikation Deutschlands noch große Unterschiede zu den USA: "Das Fernsehen wird das Leitmedium bleiben." Beim TV-Duell zwischen Angela Merkel und Gerhard Schröder 2005 schauten 21 Millionen Deutsche zu da muss man im Netz schon ausgiebigst klicken.