Ein Grillfest als "Jahrhundert-Ereignis"

Bush-Besuch: In Trinwillershagen ist alles penibel für George Bush vorbereitet. Die Bewohner des kleinen Ortes wissen nicht so recht, was ihnen der hohe Besuch nützt. Der Ministerpräsident sagte gleich ganz ab.

Trinwillershagen. Das 30-Kilo-Wildschwein hängt schon ab und ist vom Kreisveterinäramt zum Verzehr freigegeben. Am Birkenweg beschnüffeln Polizeihunde die Gullydeckel. Vor dem Kulturhaus sprechen Männer in schwarzen Anzügen und mit verspiegelten Sonnenbrillen kurze Anweisungen in ihre Funkgeräte. Drinnen im Saal werden Tische eingedeckt, an der Decke hängen violette und weiße Luftballons. Hinter dem Sportplatz stehen TV-Übertragungswagen. Heute abend wird dort ein Hubschrauber landen: US-Präsident George W. Bush kommt auf Einladung von Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Grillfest nach Trinwillershagen.

"Jeder arbeitet hier sehr hart und macht einen wunderbaren Job", sagt US-Botschafter William Timken dem Abendblatt. Zusammen mit dem Hamburger US-Generalkonsul Duane C. Butcher schaut der Diplomat noch mal in der vorpommerschen 1300-Seelen-Gemeinde nach dem Rechten. "Unser Präsident wird hier einen guten Eindruck vom deutschen Leben bekommen und sich beim Barbecue sehr wohl fühlen", ist Timken überzeugt.

Überall zwischen Diplomaten, Polizeibeamten, Kamerateams und unentwegt klingelnden Telefonen ist Olaf Micheel zu finden. Der 37jährige, der das Wildschwein am Montag mit einen einzigen Schuß erlegt hat, richtet in seiner Gaststätte Zu den Linden das Fest aus: "Gegen Mittag werfe ich den Grill hier draußen am Teich an, dann dreht sich das Schwein mit zwei Umdrehungen pro Minute und ist nach gut sechs Stunden fertig." Das etwa eineinhalb Jahre alte Tier wird mit Zwiebeln und Speck gespickt und mit Würzmischung eingerieben.

Der Bush-Besuch sei das "Jahrhundertereignis" und "Höhepunkt meiner gastronomischen Laufbahn", so Micheel. Etwa 100 Gäste werden erwartet. "Das ist nichts im Vergleich zu den Büfetts, die wir sonst für 700 Leute ausrichten", so der Gastronom, der Angela Merkel schon zweimal bewirtet hat.

Bürgermeister Klaus-Dieter Tahn (59) ist als einziger aus dem Ort zum Grillfest eingeladen und weiß, daß viele Menschen in Trinwillershagen dem Aufwand kri-tisch gegenüberstehen. "Ich hätte mir gewünscht, daß mehr Leute aus der Gemeinde dabeisein können. Aber die Liste hat die Bundeskanzlerin gemacht."

Ringstorff sagt ab. . .

Auf der fehlte bis Dienstag auch der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Harald Ringstorff (SPD). Dann aber wurde noch eine Einladung losgeschickt, die gestern in der Staatskanzlei eintraf. Zu spät befand Ringstorff und sagte ab.

. . . die Landrätin auch

Keine Zeit zum Grillen mit Bush findet auch die PDS-Landrätin von Rügen, Kerstin Kassner. Aus Zeitgründen schlug sie die Einladung aus. Außerdem beginne morgen ihr Urlaub.

"Wir haben doch nichts von diesem ganzen Aufwand", sagen auch Birgit Winkler (47) und Ulf Ziror (43) in Trinwillershagen. Die beiden Ein-Euro-Jobber der Gemeinde streichen eine Wand an der Rückseite des Reiterhofs. Auf diese Mauer fällt der Blick aus dem Eckzimmer, wo George W. Bush und seine Frau Laura sich vor dem Grillen frisch machen können. "Aber glauben Sie, daß die das überhaupt sehen?"

Wildschwein am Spieß im kleinen Kreis gibt es heute, Vergnügen für alle dann morgen: Auf dem Fußballplatz spielen die Alten Herren von Rot-Weiß Trinwillershagen gegen SV 47 Rövershagen. Angepfiffen wird um 18.30 Uhr. Dann ist der US-Präsident schon in Rußland.