Putins Freund von der Dresdner Bank - die steile Karriere eines Stasi-Majors

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Die Dresdner Bank zählt zu den aktivsten deutschen Finanzunternehmen auf dem russischen Markt. Ihr werden gute Kontakte bis in den Kreml nachgesagt.

HAMBURG. Die Kontakte haben einen Namen: Matthias Warnig (49), Chef der Dresdner Bank Rußland. Das Tochterunternehmen Dresdner Kleinwort Wasserstein gehört zu einem Bankenkonsortium, hat mehrere Übernahmen des weltgrößten Gasproduzenten Gasprom finanziert. Gasprom ist wiederum Mehrheitseigner an dem Konsortium der Ostsee-Gaspipeline. Deren Vorstandschef soll nun Warnig werden. Im Aufsichtsrat sitzt Ex-Kanzler Gerhard Schröder.

Warnig kennt Präsident Wladimir Putin. Sogar die Familien sollen engen Kontakt pflegen, seit Warnig und die Dresdner Bank 1995 Putins Frau nach einem Autounfall geholfen haben. Ob die Kontakte bereits aus der Zeit stammen, in der Putin in Dresden für den sowjetischen Geheimdienst KGB Agenten anwarb, ist umstritten. Warnig jedenfalls hat bis 1989 als Major in der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA), Abteilung XV, von Erich Mielkes Stasi (Bezüge laut "Welt" zuletzt 25 680 DDR-Mark) Westfirmen ausspioniert.

Gehaltlich dürfte er schon kurz nach der Wende einen deutlichen Sprung nach vorn vollzogen haben. Als 1990 in Deutschland noch heftig über den Umgang mit den dunklen Seiten der DDR-Vergangenheit diskutiert wurde, war Warnig bereits Trainee bei der Dresdner Bank. Das Unternehmen kannte er ja bereits aus seiner vorhergehenden Tätigkeit. Die Bank wiederum suchte Zugang auf dem sich gerade öffnenden russischen Markt.

Da waren Männer mit Russischkenntnissen und Ostkontakten Gold wert. Denn in Rußland durfte nur tätig werden, wer eine staatliche Lizenz hat. Die gab es in Moskau oder St. Petersburg - wo der stellvertretende Bürgermeister namens Wladimir Putin für die Vergabe zuständig war. Spätestens hier kreuzten sich die Wege der beiden ehemaligen Geheimdienstler. Die Dresdner Bank erhielt die Lizenz, eine weitere ging an ein französisches Geldhaus. Danach hieß es, der Markt sei voll, und so hatten die beiden Banken eine Weile eine Monopolstellung in Rußland inne.

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in den 90er Jahren wegen Warnigs Stasi-Vergangenheit verliefen im Sande. Vor einem Jahr enttarnte ihn das "Wall Street Journal". Die Informationen kamen möglicherweise von einem Konkurrenten der Dresdner Bank, der bei einem Geschäft ausgebootet wurde. Seitdem schottet sich Warnig ab.

( eni )