Peter Kassig

Getötete Geisel des IS war nur in Syrien, um zu helfen

26 Jahre alter Entwicklungshelfer Peter Kassig aus den USA wurde von der Terrormiliz Islamischer Staat enthauptet. IS stellt Video online.

Beirut. Mehr als einen Monat nach der Ermordung einer britischen Geisel hat die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Internet ein Video zur angeblichen Enthauptung des US-Bürgers Peter Kassig veröffentlicht. Die US-Regierung geht nach Informationen der „New York Times“ davon aus, dass das Video echt und der 26-jährige Kassig tot ist. Die Geheimdienste hätten bereits zuvor entsprechende Informationen erhalten.

Der 26 Jahre alte ehemalige Elitesoldat Kassig hatte nach Angaben seiner Eltern als Entwicklungshelfer in Syrien gearbeitet, als er am 1. Oktober 2013 in Dair as-Saur im Osten des Landes entführt wurde. In dem Video werden auch Enthauptungen syrischer Soldaten gezeigt – vermutlich in Nordsyrien. Ein schwarz gekleideter und vermummter Dschihadist richtet in englischer Sprache mit britischem Akzent eine Botschaft an US-Präsident Barack Obama: „Peter, der als Soldat der amerikanischen Armee gegen die Moslems im Irak gekämpft hat, hat nicht viel zu sagen“, sagte der Mann. „Seine früheren Mitgefangenen haben bereits in seinem Namen gesprochen.“

Kassig sei in Nordsyrien nahe der Grenze zur Türkei beerdigt worden, sagte der maskierte Mann weiter. „Hier verscharren wir den ersten amerikanischen Kreuzritter in Dabek.“ Eine Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats der USA sagte, sollte sich das bewahrheiten, sei die US-Regierung „entsetzt über den brutalen Mord an einem unschuldigen amerikanischen Helfer“.

In dem neuen Video stieß die IS-Miliz auch Drohungen gegen die USA, Großbritannien und die Schiiten aus. Ein Vermummter wandte sich an Obama: „Heute schlachten wir die Soldaten Baschars ab, und morgen werden wir deine Soldaten abschlachten.“ Weiter sagte er: „Und mit Allahs Erlaubnis wird der Islamische Staat schon bald damit beginnen, eure Leute in euren Straßen niederzumetzeln.“

Kassig war nach Angaben der „Washington Post“ einst Mitglied des bekannten 75. Ranger Regiments. Der Infanterist habe mit seiner Einheit von April bis Juli 2007 im Irak gedient. Nach seinem ehrenhaften Ausscheiden aus dem Armeedienst aus medizinischen Gründen habe Kassig begonnen, Politikwissenschaft zu studieren. Er soll während seiner Semesterferien in den Nahen Osten gereist sein. Dort gründete er eine eigene kleine Hilfsorganisation. Von der türkischen Grenzstadt Gaziantep aus transportierte er später unter anderem Erste-Hilfe-Lieferungen nach Syrien und arbeitete in humanitären Projekten mit. Der aus Indianapolis (Indiana) stammende Kassig trat während seiner Gefangenschaft zum Islam über und soll den Namen Abdul Rahman angenommen haben.

IS-Extremisten hatten zuvor bereits die Amerikaner Jim Foley und Steven Sotloff sowie die Briten David Haines und Alan Henning ermordet. Eine von den USA angeführte internationale Allianz fliegt seit Anfang August im Irak und seit Ende September auch in Syrien Luftangriffe gegen die Extremisten. Dennoch stellte eine unabhängige Untersuchungskommission in einem aktuellen Bericht für den Uno-Menschenrechtsrat fest, dass die Kampfkraft des IS in Syrien größer geworden sei.

Unklar ist, ob es sich bei dem in dem neuen Video auftretenden Islamisten um den IS-Kämpfer handelt, der an den vier Geisel-Enthauptungen zuvor beteiligt war. Der mutmaßlich aus London stammende Mann habe in der Ortschaft Al-Kaim im Westirak an einem Treffen von Stammesältesten teilgenommen und soll dort bei einem Luftangriff verletzt worden sein, berichtete die britische Zeitung „Mail on Sunday“ unter Berufung auf anonyme Quellen.

Es sind neben den militärischen Erfolgen vor allem solche Propagandavideos, mit der die Dschihadisten weltweit um Anhänger werben. Erst vor zwei Wochen bescheinigten die Vereinten Nationen dem IS einen nie da gewesenen Zulauf von Kämpfern aus dem Ausland. Von 15.000 Männern und Frauen aus anderen Ländern war die Rede, die sich entweder dem IS oder anderen Extremisten im Irak und in Syrien angeschlossen hätten. Dem Verfassungsschutz zufolge sind bisher nachweislich 450 vor allem junge Menschen aus Deutschland in die Unruheregion gezogen. Eine unabhängige Untersuchungskommission stellte in einem Bericht für den Uno-Menschenrechtsrat fest, dass viele der neuen Unterstützer von den weit verbreiteten Bildern von Hinrichtungen, Enthauptungen und Steinigungen beeinflusst worden seien.

Unterdessen gibt es auch deutliche Fortschritte beim Aufbau staatlicher Strukturen in dem vom IS proklamierten „Kalifat“ in Teilen Syriens und des Irak. In dem Expertenbericht für den Uno-Menschenrechtsrat heißt es, die Bildung eines Staatswesens sei für die Dschihadisten oberste Priorität gewesen. Dafür hätten sie Andersdenkende systematisch unterdrückt, lokale Führer ins Visier genommen und bewaffnete Kämpfe mit anderen, zum Teil ebenfalls radikalislamischen Gruppen provoziert.