Kommentar: Urteil in Italien

Berlusconi will Skandal aussitzen

Thomas Frankenfeld

Er sei in "ganz ausgezeichneter Stimmung", ließ Silvio Berlusconi gestern ein verblüfftes Italien wissen. Auch diesmal sollte man sich nicht blind auf die Worte des in allen Farben schillernden "Cavaliere" verlassen.

Der Premier andererseits sollte sich nicht allzu fest darauf vertrauen, dass die Italiener ihn noch "lieben, wie ich bin". Die Kassierung des Immunitätsgesetzes in höchstrichterlicher Instanz dürfte ihm wenigstens zwei Verfahren wegen Bestechung und Steuerhinterziehung eintragen. Als Regierungschef ist er nach europäischen Maßstäben nicht mehr tragbar.

Aber Berlusconi, der sich nach Angaben seines Anwaltes als "Gleicher über Gleichen" sieht, scheint versucht zu sein, auch diesen Skandal aussitzen zu wollen. Dass der selbsternannte "Retter Italiens" nicht begreift, wie sehr er sein Land schon lange der Lächerlichkeit preisgibt, liegt in seiner narzisstischen Persönlichkeit begründet. Übrigens: 1994, als Berlusconi seine politische Karriere startete, ging der skandalumwehte Ex-Premier Bettino Craxi gerade ins tunesische Exil.