Anschlag auf Israelis in Bulgarien

Netanjahu: "Alle Zeichen deuten auf den Iran"

Sieben Urlauber aus Israel sterben, als in der bulgarischen Küstenstadt Burgas eine Bombe in einem Touristenbus explodiert.

Sofia. Internationale Staats- und Regierungsvertreter haben sich empört über einen Bombenanschlag auf einen Bus mit israelischen Touristen in Bulgarien geäußert. US-Präsident Barack Obama sprach von einem "barbarischen Terroranschlag “. Sein Sprecher Jay Carney sagte, die Vereinigten Staaten "verurteilen solche Angriffe auf unschuldige Menschen, insbesondere Kinder, auf das Schärfste“. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) forderte: "Die Täter müssen gefunden und für diese schreckliche Tat zur Rechenschaft gezogen werden.“ Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton sprach den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus.

Bei der Bombenexplosion am Flughafen der bulgarischen Küstenstadt Burgas kamen nach Angaben des israelischen Außenministers Avigdor Lieberman am Mittwoch mindestens sieben Menschen ums Leben. 30 weitere wurden verletzt. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu machte umgehend den Iran für den Anschlag verantwortlich und kündigte eine entschlossene Reaktion an. Ranghohe israelische Sicherheitsbeamte kamen noch am Abend zu Konsultationen zusammen. Aus Sicherheitskreisen hieß es, man sei über weitere Anschläge besorgt und prüfe die Sicherheitsvorkehrungen an möglichen israelischen Zielen, darunter Terminals an Flughäfen und diplomatische Einrichtungen.

Nach Angaben des israelischen Außenministers Lieberman wurde bei dem Anschlag eine in dem Fahrzeug versteckte Bombe gezündet. Darüber sei er von seinem bulgarischen Kollegen Nikolai Mladenow informiert worden, sagte Lieberman. Sechs Menschen seien noch am Ort der Explosion gestorben, eine weitere Person sei später im Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen. Zwei weitere Menschen befänden sich in kritischem Zustand, sagte der Außenminister.

Terrorexperte vermutet Iran oder Hisbollah hinter Anschlag

Zunächst bekannte sich keine Gruppe zu einem Anschlag. "Alle Zeichen deuten auf den Iran“, sagte Israels Ministerpräsident Netanjahu. Der Regierungschef wies auf ähnliche Anschläge oder Attentatsversuche in den vergangenen Monaten in Indien, Georgien, Thailand, Kenia und Zypern hin. „Diese iranischen Terroranschläge breiten sich in der ganzen Welt aus“, sagte Netanjahu. "Israel wird entschlossen auf den Terror des Irans reagieren.“ Teheran äußerte sich am Mittwoch zunächst nicht zu dem jüngsten Zwischenfall in Bulgarien.

Der Terrorexperte Boaz Ganor vermutete den Iran oder die radikalislamische Hisbollah-Miliz hinter dem Anschlag. Vor wenigen Tagen sei in Zypern ein Hisbollah-Kämpfer festgenommen worden, der einen ähnlichen Anschlag geplant habe. "Das war möglicherweise eine Parallel-Operation und wahrscheinlich nicht die letzte“, sagte Ganor. "Es sieht nach Hisbollah, Iran oder einer gemeinsamen Aktion aus.“

Jahrestag des Anschlags von Buenos Aires

Am Mittwoch sei ein Flug aus Tel Aviv um 16.45 Uhr (Ortszeit) in Burgas gelandet, sagte der Sprecher des israelischen Außenministeriums, Jonathan Rosenzweig. Rund 40 Minuten später habe sich die Explosion ereignet. Zu dem Zeitpunkt hätten die Touristen offenbar gerade die Busse bestiegen, um zu ihren Hotels zu fahren. Der Flughafen von Burgas wurde nach dem Anschlag geschlossen und der Luftverkehr umgeleitet.

Israelis werden im Ausland immer wieder Opfer von Anschlägen. Erst im Januar war einem Bericht der "Jerusalem Post“ zufolge ein verdächtiges Päckchen an Bord eines Busses gefunden worden, der israelische Touristen von der Türkei nach Bulgarien brachte. Die israelische Regierung hatte Befürchtungen geäußert, ihre Bürger könnten im Ausland zum Ziel von Anschlägen der Hisbollah werden. Vor vier Jahren war ein hoher Kommandeur der Organisation getötet worden. Dahinter wird der israelische Geheimdienst Mossad vermutet. Israel hatte deshalb um verstärkte Sicherheitsvorkehrungen in Bulgarien gebeten, etwa in der Hauptstadt Sofia.

Am Mittwoch jährte sich zudem der Bombenanschlag auf ein jüdisches Gemeindezentrum in Buenos Aires mit 85 Toten zum 18. Mal. Ein argentinischer Richter hatte nach einer Untersuchung den Iran für den Anschlag verantwortlich gemacht.

Die Vizepräsidentin des Jüdischen Weltkongresses, Charlotte Knobloch, sagte: "Es ist unerträglich, dass die Menschen in Israel in ihrer Heimat ebenso wie im Ausland von Terror bedroht sind. Hier sind ideologische Kräfte am Werk, die einen politischen Aussöhnungsprozess mit menschenverachtender Gewalt verhindern wollen.“

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