Inhaftierte Journalisten

Neue Hoffnung für zwei Reporter im Iran

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Teheran will offenbar doch keine Spionageanklage erheben. Weihnachtsfeier mit den Familien der Männer in der deutschen Botschaft geplant.

Berlin. In den Fall der beiden seit Mitte Oktober im Iran inhaftierten deutschen Reporter kommt Bewegung. Sie werden nach iranischen Angaben nicht der Spionage beschuldigt. "Wir haben keine Hinweise darauf, dass sie sich als Spione betätigt haben", sagte der Büroleiter von Präsident Mahmud Ahmadinedschad, Esfandiar Rahim-Mashai, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Zudem werde daran gearbeitet, dass die beiden Weihnachten mit ihren Familien in der deutschen Botschaft in Teheran feiern könnten.

Zuvor hatten die Altbundespräsidenten Horst Köhler, Roman Herzog, Walter Scheel und Richard von Weizsäcker gemeinsam an Teheran appelliert, die beiden freizulassen. Nach den Worten des iranischen Präsidentenberaters haben die Reporter gegen das Gesetz verstoßen, als sie mit einem Touristenvisum eingereist seien, um dann als Journalisten zu arbeiten. Wann die beiden Journalisten der "Bild am Sonntag" freikämen, sei noch nicht klar. Das sei Sache der Justiz.

Die Journalisten waren am 10. Oktober im nordiranischen Täbris festgenommen worden, als sie den Sohn der Iranerin Sakineh Mohammadi Aschtiani interviewten, die wegen Ehebruchs zum Tode durch Steinigung verurteilt worden war. Ebenfalls verhaftet wurden Aschtianis Sohn und der Anwalt der Familie. Mitte November hatte der Chef der Justizbehörden von Täbris die Deutschen der Spionage beschuldigt.

Im November wurden die Inhaftierten im iranischen Fernsehen gezeigt. Es hieß, sie hätten "Fehler" eingestanden. Der Chefredakteur der "Bild am Sonntag", Walter Mayer, hatte sich vor zwei Wochen mit einer Bitte um Freilassung an den Iran gewandt. Der Fall der wegen Ehebruchs verurteilten Frau hatte weltweit Empörung ausgelöst. Die Vollstreckung des Urteils wurde zwischenzeitlich ausgesetzt.

Rahim-Mashai sagte, wegen der freundschaftlichen Beziehungen zur deutschen Regierung und zum deutschen Volk sei die iranische Regierung den inhaftierten Reportern wohlgesinnt. Die deutsche Botschaft betreue sie konsularisch, und einer der Inhaftierten habe mit seinen Angehörigen telefonieren können. Zudem hätten sie Geschenke ihrer Familien erhalten, und seine Regierung arbeite daran, dass die beiden Weihnachten zusammen mit ihren Familien in der deutschen Botschaft in Teheran verbringen könnten. "Wir sind sehr optimistisch", sagte er zu den Aussichten dafür. Das Auswärtige Amt in Berlin äußerte sich zurückhaltend. Ein Sprecher sagte nur, man arbeite mit Hochdruck an einer raschen Lösung.

Altbundespräsident Köhler (Amtszeit 2004 bis 2010) sagte "Bild am Sonntag", dem Geist der guten deutsch-iranischen Beziehungen und "der Humanität würde es entsprechen, den seit zwei Monaten inhaftierten deutschen Journalisten die Rückkehr zu ihren Familien zum Weihnachtsfest zu ermöglichen". Herzog (Amtszeit 1994 bis 1999) betonte den Gedanken der Gnade: "Eine große Kulturnation wie der Iran sollte Gerechtigkeit üben und die Journalisten ausreisen lassen. Ich erlaube mir, daran zu erinnern, dass der Gedanke der Gnade gerade im Koran eine wichtige Rolle spielt."

Von Weizsäcker, der von 1984 bis 1994 amtierte, lobte den Iran: "Es ist ein bedeutendes Land mit großer, eigenständiger Kultur, einer langen, oft schwierig verlaufenden Geschichte und einem ausgeprägten Selbstbewusstsein. Deshalb erwarte ich, dass dieser Staat für kritische Medienstimmen nicht Rache an Reportern nehmen wird."

Scheel (Amtszeit 1974 bis 1979) erklärte: "Alle Staaten müssen Freiheit akzeptieren und auch die freie Berichterstattung der Journalisten respektieren." Deshalb appelliere er an die iranische Regierung, die beiden Reporter noch vor Weihnachten freizulassen.

Die Ankündigung aus dem Büro Ahmadinedschads kommt kurz vor den für den heutigen Montag geplanten neuen Atomgesprächen mit den fünf Uno-Vetomächten USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich sowie Deutschland. Der iranische Geheimdienstminister Hejdar Moslehi beschuldigte am Wochenende die Internationale Atomenergiebehörde IAEA abermals, ausländische Agenten ins Land zu schleusen.

Zudem wiederholte er den Vorwurf, dass die Geheimdienste der USA, Israels und Großbritanniens hinter einem Anschlag auf einen iranischen Atomwissenschaftler vor einer Woche stünden. Trotz der Spannungen erklärten die USA, die Tür zu Verhandlungen stehe offen. Der Westen verdächtigt den Iran, mit seinem Atomprogramm Nuklearwaffen bauen zu wollen. Nach eigener Darstellung geht es dem Land nur um die Stromerzeugung.