Paketbombe aus dem Jemen

Studentin freigelassen – al-Qaida missbrauchte ihre Handynummer

US-Ermittler vermuten saudischen Al-Qaida-Mann hinter den geplanten Attentaten. Auch die Attentäter des 11. September waren Saudis.

Sanaa/Washington/Hamburg. Im Jemen haben die Behörden eine Studentin wieder freigelassen, die im Zusammenhang mit dem Fund von zwei Paketbomben festgenommen worden war. Die 22-Jährige und ihre ebenfalls festgenommene Mutter seien unschuldig und auf freiem Fuß, sagte ihr Vater Mohammed el-Samaui der Nachrichtenagentur AFP. Die Telefonnummer der Studentin war auf einem der beiden Pakete notiert gewesen, die vom Jemen aus mit funktionsfähigen Sprengsätzen aufgeben wurden und an jüdische Einrichtungen im Raum Chicago adressiert waren.

Ein Vertreter der jemenitischen Sicherheitskräfte sagte, eine Frau habe sich als die Studentin ausgegeben und so das Paket aufgegeben. Die andere Paketbombe sei von einem Mann abgeschickt worden. Die Paketbomben waren in der Nacht zum Freitag in Frachtmaschinen auf dem mittelenglischen Flughafen East Midlands und in Dubai entdeckt worden. Das in East Midlands beschlagnahmte Paket war auf dem Kölner Flughafen umgeladen worden.

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Die US-Ermittler sehen inzwischen in dem saudi-arabischen Extremisten Ibrahim Hassan al-Asiri eine Schlüsselfigur. Die früheren Aktivitäten al-Asiris und seine Erfahrung mit Sprengstoffen machten ihn zu einem „Hauptverdächtigen“, sagte ein Verantwortlicher der US-Anti-Terror-Behörden. Es gebe Hinweise darauf, dass al-Asiri auch bei dem versuchten Anschlag auf eine US-Passagiermaschine im Landeanflug auf Detroit am 1. Weihnachtstag 2009 eine Rolle gespielt habe.

Die jemenitischen Behörden wollen ihre Sicherheitsvorkehrungen massiv verstärken. Sämtliche Fracht, die die Flughäfen des Landes verlasse, werde künftig „außergewöhnlichen“ Sicherheitsmaßnahmen unterzogen, berichtete die amtliche jemenitische Nachrichtenagentur Saba. Die nationale Kommission für die Flugsicherheit wolle damit dem „Vorgehen terroristischer Organisationen“ entgegentreten. Neben Großbritannien und Frankreich stoppte auch Deutschland alle Frachtflüge aus dem Jemen.

Wolfgang Bosbach, der Vorsitzende des Innenausschusses des Bundestages, sagte dem Hamburger Abendblatt: „Wir haben wichtige Hinweise aus Saudi-Arabien bekommen. Es wird oft übersehen, dass Osama Bin Laden aus einer reichen saudischen Familie stammt. Auch diese Länder wissen genau, welche mörderische Gefahr vom Terrorismus ausgeht.“ Bosbach unterstrich, dass Jemen und Somalia zurzeit Al-Qaida-Mitglieder beherberge. „Gerade die Länder, in denen die Regierungen keine staatliche Autorität über das gesamte Staatsgebiet haben, bieten Rückzugsräume für al-Qaida und andere internationale Terrororganisationen. Wenn wir keine weltweiten einheitlichen hohen Sicherheitsstandard haben, werden Terroristen nach Schwachstellen suchen und diese nutzen.“

Sowohl der Innen- als auch der Verkehrsausschuss des Bundestages sollten sich mit dem Thema intensiv befassen und mit der Regierung erörtern, welche Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit getroffen werden müssten.