SIM-Karte sollte Sprengstoff zünden

Al-Qaida-Bombe in Köln umgeladen - aber Deutschland war wahrscheinlich nicht Terror-Ziel

Hamburg/London. Eines der im Jemen aufgegebenen Sprengstoffpakete für die USA ist in Deutschland umgeladen worden. Dies bestätigte gestern Innenminister Thomas de Maizière (CDU) in Dresden. Nach seinen Angaben wurde inzwischen die gesamte Luftfracht aus dem Jemen nach Deutschland gestoppt.

"Wir nehmen den Vorgang ernst, auch wenn Deutschland wohl nicht Anschlagsziel war", sagte der Minister. Deutsche Behörden seien in der Nacht zum Freitag von einem befreundeten Geheimdienst auf das Luftfrachtpäckchen mit dem Sprengstoff hingewiesen worden. Obwohl das Bundeskriminalamt nach seinen Angaben die in Köln umgeladene Sendung aufspürte, konnte sie nicht mehr gestoppt werden. Das Paket, adressiert an jüdische Einrichtungen in Chicago, hatte bereits eine halbe Stunde zuvor Deutschland wieder in Richtung Großbritannien verlassen.

Die in Dubai gefundene Paketbombe wurde an Bord von zwei Passagierflugzeugen transportiert. Ein Sprecher der Fluggesellschaft Qatar Airways erklärte, das Paket sei zunächst von der jemenitischen Hauptstadt Sanaa nach Doha in Katar geflogen worden. Von dort sei es weiter nach Dubai gebracht worden, wo es von den Behörden sichergestellt wurde.

Hinter den Paketbomben wird die gleiche Gruppe von Terroristen vermutet, die auch schon im vergangenen Jahr zu Weihnachten einen Anschlag auf ein Flugzeug in den USA versuchte. Auch dabei wurde der Industriesprengstoff PETN verwendet, der jetzt in den beiden sichergestellten Paketen entdeckt wurde. PETN ist Bestandteil des Plastiksprengstoffs Semtex.

Durch einen Zünder oder große Hitze wird eine Detonation ausgelöst. Im Fall des jetzt in Großbritannien gefundenen Pakets war der Sprengstoff mit der SIM-Karte eines Handys und weiteren Bauteilen als Zünder verbunden und in einer Druckerpatrone versteckt. Unklar blieb zunächst, ob die Bombe per Anruf oder Zeitschaltung gezündet werden sollte.

Der britische Premier David Cameron sagte bei einem informellen Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel auf seinem Landsitz im britischen Chequers, die Bombe habe im Flugzeug gezündet werden sollen.