UN-Vollversammlung

Ahmadinedschad sorgt für Eklat bei Rede in New York

Foto: dpa / dpa/DPA

Weil der Präsident des Iran Opfer der Terrorangriffe des 11. September 2001 gegen die des Irakkrieges aufwog, verließen zahlreiche Diplomaten den Saal.

New York. Mit scharfen Angriffen auf den Westen hat der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad am Donnerstag für einen Eklat vor der UN-Vollversammlung gesorgt. Als er die Opfer der Terrorangriffe vom 11. September 2001 gegen Opfer des Irakkrieges aufrechnete, verließen zahlreiche Diplomaten demonstrativ den Saal.

Barack Obama und Mahmud Ahmadinedschad an einem Tag! Selbst für die New Yorker Polizei war die Eröffnung der Generaldebatte der UN-Vollversammlung mit den Präsidenten der USA und des Irans eine echte Herausforderung. Mehr Uniformierte waren am Donnerstag im Einsatz als mancher UN-Staat Einwohner hat und selbst die grüngekleideten Angestellten des Central Parks mussten ran, um die Ausweise von Delegierten, Mitarbeitern und Journalisten zu kontrollieren. Doch hinter den Polizisten mit Sturmgewehr und Helm blieb es die meiste Zeit diplomatisch friedlich.

Die Vollversammlung, quasi das Parlament der 192 UN-Staaten, tagt das ganze Jahr, doch zur Beginn der Sitzungsperiode im September stehen die „HG“ und „HS“ auf den Rednerlisten. Die „Head of States“, die Staatschefs, können ebenso wie die Regierungschefs, die „Head of Governments“, über ein Thema ihrer Wahl reden und so reicht die Palette vom Afghanistankonflikt über Klimaschutz und Entwicklungshilfe bis hin zu sehr regionalen Themen. Ein Schwerpunkt bildete der Nahostkonflikt – auch dank Barack Obama.

Leidenschaftlich warb er für einen Staat der Palästinenser – das sei auch im Interesse der Israelis. Die Freunde Israels müssten akzeptieren, dass es wahre Sicherheit nur mit einem unabhängigen Palästina gebe, in denen die Menschen mit Würde und Hoffnung leben könnten. Und die Freunde der Palästinenser müssten begreifen, dass sie nur mit friedlicher Absicht und der Anerkennung Israels helfen könnten.

Auch wenn die Wirtschaftskrise, zumindest nach Angaben der Statistiker, vorbei ist, bestimmte sie doch viele Reden im gewaltigen Plenarsaal am East River. Staaten aus der Dritten Welt beklagten nachlassende Entwicklungshilfe. Industrieländer verwiesen auf leere Kassen und Millionen Arbeitslose. Und die Vertreter der wachsenden Schwellenländer – allen voran Indien und China – blickten verstört auf die Delle in der lange sehr steilen Wachstumskurve.

Obama hatte den Iran in seiner Rede direkt angesprochen und zur Offenlegung seines umstrittenen Atomprogramms gemahnt. Das Land habe Rechte – aber auch Pflichten. Ahmadinedschad, sonst für seine Ausfälle bekannt, hatte schon zwei Tage zuvor auf dem UN-Armutsgipfel gesprochen und war ungewohnt zurückhaltend geblieben. Von den paar Dutzend Demonstranten, die in der Nähe des UN-Komplexes gegen ihn demonstrierten, wird er kaum etwas wahrgenommen haben. Dafür sind einfach zu viele Polizisten auf den Straßen am UN-Campus.