Benedikt XVI. in Grossbritannien

Trotz Terrorfestnahmen: Papst hält an Terminplan fest

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Scotland Yard nimmt fünf mutmaßliche Papst-Attentäter fest. Britische Medien interessieren sich für Benedikts „irre roten Slipper".

Glasgow/London. Gegen Papst Benedikt XVI. sollte während seines Staatsbesuchs in Großbritannien möglicherweise ein Anschlag verübt werden. Die britische Polizei nahm nach eigenen Angaben fünf Männer wegen einer möglichen Bedrohung Benedikts fest. Die Verdächtigen im Alter zwischen 26 und 50 Jahren seien am frühen Morgen festgenommen worden, mehrere Geschäftsräume seien durchsucht worden. Am Abend nahm die Polizei einen sechsten Mann fest.

Beweise wurden dabei laut Polizei nicht gefunden. In der Nacht seien Informationen über ein mögliches Komplott gegen das Oberhaupt der katholischen Kirche bekannt geworden, woraufhin die Behörden aktiv geworden seien, hieß es.

Benedikt wurde nach Angaben des Vatikans über die Festnahmen informiert und hält weiter am Terminplan für den bis Sonntag dauernden Besuch fest. Der Papst sei unbesorgt, sagte Sprecher Federico Lombardi. Der Vatikan habe vollständiges Vertrauen in die britische Polizei und betrachte die Situation nicht als besonders gefährlich.

Bei einem Treffen mit katholischen Lehrern und Ordensleuten sprach der Papst an, „dafür zu sorgen, dass unsere Schulen eine sichere Umgebung für unsere Kinder und Jugendlichen bieten“. Die Verantwortung gegenüber denen, die für eine christliche Erziehung anvertraut worden seien, verlange nichts weniger. Am zweiten Tag seines Staatsbesuches pflegt der Papst den schwierigen Dialog des Vatikans mit der anglikanischen Kirche von England. Am Nachmittag wollte er mit dem Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, den Dialog fortführen. Abends wollten beide dann in der Westminister Abbey, der Krönungskirche englischer Monarchen, eine ökumenische Andacht feiern.

Am ersten Tag seines Großbritannien-Besuchs hat Benedikt selbst in den skeptischen britischen Medien Punkte gemacht. Rund 70.000 Besucher und Talentshow-Star Susan Boyle, die während der Papstmesse in Glasgow sang, hätten die „Kritiker übertönt“, schreibt das Boulevardblatt „Daily Mail“ am Freitag. Die „Angst vor einem lauwarmen – oder feindseligen – Empfang“ hätten sich auch in den Straßen der schottischen Hauptstadt Edinburgh als „unbegründet erwiesen“, wo Menschenmassen dem Papamobil zujubelten.

Der „Daily Mirror“ nennt den Papstbesuch in Schottland einen „historischen Tag“ und lobte Benedikts offenen Umgang mit den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche . Ein Versuch, die Angelegenheit zu vermeiden, „wäre ein Irrtum gewesen“, so die Zeitung. Durch seine Offenheit habe der Papst nun „eine Chance“, den Glauben der schockierten Katholiken „wiederherzustellen“.

Das einflussreiche Yellow-Press-Blatt „Sun“ interessierte sich mehr für die „irren roten Slipper“, mit denen der Papst wohl seinen Besuch habe aufheitern wollen, und dafür, dass er bei der Queen Fanta getrunken habe. Die Qualitätspresse konzentrierte sich auf die Begrüßungsansprache des Papstes. Umstritten war vor allem seine Bezugnahme auf die Naziherrschaft in Deutschland. Benedikt XVI. hatte zum Auftakt daran erinnert, dass sich die Briten „der Nazi-Tyrannei entgegengestellt“ hätten, „die Gott aus der Gesellschaft entfernen wollte“, sagte der Papst beim Empfang durch Königin Elizabeth II.

Dabei warnte er vor „aggressiveren Formen des Säkularismus“ und Intoleranz in der gegenwärtigen Gesellschaft. Zu den Lehren aus dem atheistischen Extremismus des 20. Jahrhunderts gehöre, dass ein Ausschluss von Gott aus dem öffentlichen Leben zu einer „herabwürdigenden Sicht des Menschen“ führe.

Der linksliberale „Guardian“ bezeichnete diese Aussage auf seinem Titel als „Feuerattacke“ auf einen „atheistischen Extremismus“ und widmete den Säkularisten einen Beitrag, die sich von der Rede des Papstes beleidigt fühlten. „Guardian“-Kommentator Andrew Brown verteidigte derweil den Papst. Viele hätten „vorschnell die falschen Schlüsse gezogen“. Der Papst habe nicht die Briten gemeint, sondern die Nazis, „die Gott aus der Gesellschaft entfernen wollten“. In Großbritannien sei man nur nicht gewohnt, dass „Deutsche herkommen und über den Krieg reden“.