Gefecht an Libanon-Grenze

Israels Soldaten waren auf der richtigen Seite

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Laut Uno waren israelische Soldaten bei tödlicher Schießerei nicht auf libanesischem Gebiet. Bundesregierung und USA mahnen zur Zurückhaltung.

Berlin. In einer Angelegenheit immerhin herrschte gestern Klarheit: Die israelischen Soldaten, die bei Wartungsarbeiten am Grenzzaun zum Libanon am Dienstag von der libanesischen Armee angegriffen wurden, hatten sich zwar auf der anderen Seite des Sicherheitszauns befunden, waren jedoch nicht auf libanesisches Gebiet vorgedrungen. Das bestätigte die im Libanon stationierte Uno-Schutztruppe Unifil. Zwischen der offiziellen Grenze und dem Verlauf des Sicherheitszauns liegt nämlich ein Grenzstreifen, der stellenweise bis zu 800 Meter breit ist und zu Israel gehört. Bei dem schwerwiegendsten Zwischenfall seit dem Libanon-Krieg vor vier Jahren waren ein israelischer Soldat, zwei libanesische Soldaten und ein libanesischer Journalist getötet worden.

Bis zum Libanon-Krieg betraten israelische Truppen den Streifen selten. Doch seit im Sommer 2006 zwei israelischen Soldaten just in jenem Grenzstreifen in einen Hinterhalt gerieten, getötet und entführt wurden, bemüht sich die Armee, das Gebiet zu kontrollieren und dort Gestrüpp und Bäume zu roden, hinter denen sich feindliche Kämpfer verbergen könnten.

Innerhalb der israelischen Armee wird vermutet, ein radikaler libanesischer Offizier habe den Angriff befohlen. Er sei möglicherweise von seinen Vorgesetzten gegen Israel aufgehetzt worden, es habe aber keine direkte Weisung gegeben, das Feuer zu eröffnen, hieß es in israelischen Medien.

Ein namentlich nicht genannter israelischer Offizier berichtete dem Radiosender Israel Radio, der Angriff sei geplant gewesen. Nur deshalb hätten sich libanesische Journalisten und sogar Übertragungswagen vor Ort befunden. Demnach habe Israel die Unifil-Truppen am Dienstagmorgen um 6.00 Uhr darüber informiert, dass gegen 9.00 Uhr Wartungsarbeiten vorgenommen werden sollten. Unifil habe darum gebeten, die Arbeiten auf 11.00 Uhr zu verschieben, um Zeit zu haben, die libanesische Armee zu informieren. Die Armee habe das größere Zeitfenster aber dazu genutzt, Journalisten einzuladen und einen Hinterhalt zu planen. Israels Verteidigungsminister Ehud Barak wies diese Unterstellung im gleichen Sender allerdings zurück und sagte, die Kämpfe seien nicht vom Libanon geplant gewesen. Barak betonte auch, dass die Schiitenmiliz Hisbollah nicht an der Auseinandersetzung beteiligt gewesen sei. Der Zwischenfall werde sich nicht zu einer größeren Krise ausweiten.

Bisher galt die libanesische Armee als Gegenspieler der Hisbollah. Israel konnte sich zumindest darauf verlassen, dass die libanesischen Soldaten keine Kampfhandlungen initiierten. Nur vier Katjuscha-Raketen wurden seit Kriegsende nach Israel abgefeuert, im Frühjahr 2007 eröffneten libanesische Soldaten einmal das Feuer, nachdem israelische Truppen ebenfalls Wartungsarbeiten am Grenzzaun vorgenommen hatten. Doch in den vergangenen Monaten berichteten israelische Militärs von regelmäßigen Drohgesten libanesischer Soldaten an der Grenze. Der jüngste Zwischenfall scheint ein weiteres Anzeichen dafür zu sein, dass der Einfluss der Hisbollah auf die Armee zunimmt.

Angesichts der sich verstärkenden Spannungen appellierten zahlreiche Regierungen an alle Beteiligten, besonnen zu reagieren. Die Bundesregierung erklärte, die radikalen Kräfte dürften mit ihrem Versuch nicht erfolgreich sein, direkte Friedensverhandlungen zu torpedieren. Auch die US-Regierung zeigte sich besorgt. "Das Letzte, was wir wollen, ist, dass dieser Zwischenfall sich zu einer größeren Sache auswächst", erklärte das Außenministerium. Ägypten hat inzwischen bestätigt, dass die tödlichen Raketenangriffe auf das israelische Urlaubsziel Eilat sowie die jordanische Hafenstadt Akaba am Montag von seinem Territorium aus erfolgt sind. Bislang hatten ägyptischen Stellen bestritten, dass die Raketen von der Sinai-Halbinsel abgeschossen wurden. Die palästinensische Hamas habe von der Halbinsel sieben Raketen sowjetischen Typs abgeschossen, sagte der Sicherheitsbeamte. Die Hamas wies diese Anschuldigung zurück.

Seine Organisation habe keine Pläne für Operationen außerhalb der besetzten Gebiete, erklärte Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri. Gemeint sind der Gazastreifen und das Westjordanland. Bei den Angriffen auf Eilat und Akaba waren ein Mensch getötet und vier verwundet worden. Es war der zweite Angriff dieser Art seit Jahresbeginn. Im April wurden mehrere Raketen auf Eilat und Akaba abgefeuert, verletzt wurde dabei niemand. Auch damals gingen die Behörden davon aus, dass die Angriffe aus dem Sinai ausgeführt wurden.