Es gab Herzanfälle am Verhandlungstisch und weiter Streit um das Klima und die Kosten. Nebenbei trat die Konferenzleiterin zurück.

Kopenhagen. Ein Rücktritt, ein Frühstart, Herzanfälle im Kongresszentrum, stürmende Demonstranten und ein wütender Präsident: Der Mittwoch war beim Welt-Klimagipfel der bisher aufregendste Tag: Kopenhagen

Chinas Regierungschef Wen Jiabao kommt schon einen Tag früher als bisher geplant zum Klimagipfel. Das berichtete der dänische Sender TV2 unter Berufung auf heimische Regierungskreise. Von den insgesamt etwa 120 angekündigten Staats und Regierungschefs sind unter anderen bereits der britische Premierminister Gordon Brown, Simbabwes Präsident Robert Mugabe und der Staatschef von Venezuela, Hugo Chávez, eingetroffen. Auch EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und der schwedische Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt, amtierender EU-Ratspräsident, schwebten ein. Bundeskanzlerin Angela Merkel reist am Donnerstag in die dänische Hauptstadt. US-Präsident Barack Obama fliegt am Freitag ein.

Die Hektik der nächtlichen Verhandlungsrunden führt bei einigen Teilnehmern zu ernsten Gesundheitsproblemen. „Wir hatten vergangene Woche rund 110 Einsätze pro Tag, aber inzwischen ist die Zahl auf 150 gestiegen, sagte die Leiterin des notärztlichen Einsatzzentrums, Susanne Wammen. „Wir hatten mehrere Herzanfälle und auch einen Schlaganfall.“ Die Betroffenen seien in umliegenden Krankenhäusern behandelt worden. Den Konferenzteilnehmern steht ein eigenes Ärzteteam zur Verfügung.

Offensichtlich bislang kein ernsthaftes Problem ist die Schweinegrippe. Zwar gab es nach den Worten Wammens zahlreiche Erkältungsfälle und auch Konferenzteilnehmer mit Halsentzündungen, aber „zum Glück nur einen Fall von Grippe“.

Ein verbindliches Klimaschutz-Abkommen ist nach Ansicht des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) nicht nur dringend nötig, sondern auch bezahlbar. „Klimaschutz ist nicht umsonst“, erklärte IfW-Präsident Dennis Snower. Aber die mittelfristig notwendige Halbierung der globalen Emissionen sei „zu vertretbaren Kosten“ erreichbar. Eine effiziente und gerechte Klimapolitik könnte laut Snower durch eine globale CO2-Steuer oder durch Emissionshandel erreicht werden. In beiden Fällen müssten alle CO2-Emissionen erfasst werden.

Dänemarks Ministerpräsident Lars LøkkeRasmussen hat am Mittwoch offiziell die Präsidentschaft des Gipfels übernommen. Die bisherige Leiterin Connie Hedegaard wird die Arbeitsgespräche der Minister weiterführen. Das Uno-Klimasekretariat begründete die Wachablösung an der Spitze der Konferenz damit, dass mehr und mehr Staats- und Regierungschefs eintreffen. Die ehemalige dänische Klimaministerin Hedegaard sagte, mit so vielen Staats- und Regierungschefs sei es angemessen, dass der Premierminister der Konferenz vorsitze. Hedegaard will mit Ministern aus 25 Ländern aller Verhandlungsgruppen einen Entwurf für die Schlussrunde der Staats- und Regierungschefs am Freitag erarbeiten. In der Arbeitsgruppe sind sechs EU-Minister, darunter auch Bundesumweltminister Norbert Röttgen.

Der venezolanische Präsident Hugo Chávez hat das Podium des Klimagipfels zu einer scharfen Kritik an der „imperialistischen“ Weltordnung genutzt. Das Verfahren bei den Verhandlungen in Kopenhagen sei nicht demokratisch und beziehe nicht alle Länder mit ein. „Nieder mit der imperialistischen Diktatur“, rief Chávez vom Podium des Plenarsaals im Konferenzzentrum.

Chávez richtete zugleich eine Grußadresse an die zahlreichen Demonstranten in Kopenhagen und griff einen ihrer Sprüche auf: „Wenn das Klima eine Bank wäre, hätten die reichen Länder es längst gerettet.“ Er beklagte wie andere Redner, dass die Organisatoren neue Entwürfe für das Klimaabkommen nicht an alle Delegierten verteilt hätten.

Die Demonstrationen ebbten am Nachmittag ab. vor dem UN-Klimagipfel in Die 2500 Demonstranten zogen sich Richtung Innenstadt zurück. Zuvor hatte die Polizei etwa 250 Teilnehmer festgenommen und bei ihrem Einsatz Schlagstöcke, Hunde sowie Pfefferspray eingesetzt. Augenzeugen berichteten von mehreren Verletzten. (abendblatt.de)