Ukraine

Selenskyj warnt vor Angriffen Russlands auf Nato-Gebiet

| Lesedauer: 3 Minuten
Michael Backfisch
Ukrainische Flüchtlinge: "Wir haben Angst um uns"

Ukrainische Flüchtlinge- Wir haben Angst um uns

Hunderttausende Ukrainer sind auf der Flucht. FUNKE-Reporter Jan Jessen berichtet vom Bahnhof Lwiw (Lemberg).

Beschreibung anzeigen

Der ukrainische Präsident schlägt Alarm: Ohne die Errichtung einer Flugverbotszone ist auch der Westen von Putins Attacken bedroht.

Berlin. Die russische Militäroffensive in der Ukraine kommt zwar nur schleppend voran – doch der Belagerungsring um große Städte wie Kiew, Charkiw oder Mariupol zieht sich immer enger. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj befürchtet, dass die Russen mit der Übermacht ihrer Luftwaffe die ukrainischen Stellungen verstärkt bombardieren und weitere Geländegewinne erzielen.

Er warnt daher den Westen: Sollte die Nato keine Flugverbotszone über seinem Land errichten, würde Russlands Präsident Wladimir Putin bald Ziele auf Nato-Territorium attackieren. Die russischen Angriffe auf einen Militärstützpunkt in Lwiw (Lemberg) 20 Kilometer Luftlinie von der polnischen Grenze entfernt seien nur der Auftakt.

Ukraine-Krise – Die wichtigsten News zum Krieg

Ukraine-Krieg: Westen hat Angst vor Konfrontation mit Russland

„Wenn Sie unseren Himmel nicht abriegeln, ist es nur eine Frage der Zeit, bis russische Raketen auf Ihr Territorium, auf das Territorium der Nato und auf die Häuser von Nato-Bürgern fallen werden“, sagte Selenskyj in einer Videoansprache.

Die ukrainische Regierung verlangt schon seit Beginn der russischen Invasion vor rund drei Wochen die Einrichtung einer Flugverbotszone durch die Nato. Die Allianz lehnte das bislang ab, weil die Durchsetzung einer Sperrung des Luftraums bedeuten würde, dass Nato-Kräfte im Zweifelsfall russische Maschinen abschießen müssten. Viele westliche Staats- und Regierungschefs wollen dies aus Furcht vor einer Konfrontation mit der Nuklearmacht Russland vermeiden.

US-Präsident Joe Biden bekräftige sein Nein in einer Parteikonferenz der Demokraten am Freitag in Philadelphia. „Die Idee, dass wir offensive Ausrüstung in die Ukraine schicken und dass Flugzeuge, Panzer und Züge mit amerikanischen Piloten und amerikanischer Besatzung hineingehen, begreift das – und macht euch nichts vor, egal was alle sagen –, das nennt man ‚Dritter Weltkrieg‘, okay? Lasst uns darüber im Klaren sein.“

Die EU überweist jeden Tag bis zu 700 Millionen Euro nach Moskau

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba erhob am Sonntag in der ARD-Talksendung „Anne Will“ schwere Vorwürfe gegen Deutschland. „Es tut mir leid, das sagen zu müssen: Sie haben tatsächlich dazu beigetragen, die aktuelle Macht von Russland mit aufzubauen“, so Kuleba. „Und wir hoffen, dass auch Sie entsprechend viel leisten werden, um die russische Kriegsmaschinerie anzuhalten.“

Der ukrainische Chefdiplomat kritisierte damit die unverändert hohe Energie-Abhängigkeit Deutschlands: Die Einfuhren von Gas (55 Prozent), Öl (35 Prozent) und Kohle (50 Prozent) kommen zum großen Teil aus Russland. Die EU insgesamt überweist für alle drei Energiequellen pro Tag zwischen 600 und 700 Millionen Euro nach Moskau – aus ukrainischer Sicht wird damit die russische Kriegskasse maßgeblich finanziert.

„Stoppen Sie Putin, denn die Ukraine ist nicht das letzte Ziel für ihn.“

Darüber hinaus verlangt Kuleba von der Bundesregierung auch schwere Waffen. Bislang gab die Ampelkoalition grünes Licht für die Lieferung von 1000 Panzerabwehrwaffen sowie 500 Boden-Luft-Raketen vom Typ „Stinger“ aus Beständen der Bundeswehr. Zudem war die Verschickung von 2700 DDR-Flugabwehrraketen vom Typ „Strela“ im Gespräch.

Für Kiew ist dies zu wenig zu spät. In einer Verbalnote an die Bundesregierung forderte die ukrainische Botschaft unter anderem Kampfpanzer, Flugabwehrraketensysteme, Mehrzweckkampfflugzeuge sowie U-Boote. Kuleba wiederholte den Appell von Selenskyj: „Stoppen Sie Putin, denn die Ukraine ist nicht das letzte Ziel für ihn. Glauben Sie mir.“

Ukraine-Krieg – Hintergründe und Erklärungen zum Konflikt

Dieser Artikel erschien zuerst auf waz.de.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Politik