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Deutscher auf dem Weg zum Flughafen Kabul angeschossen

| Lesedauer: 202 Minuten
Berlin-Kabul: So erlebte ein junger Afghane den Machtwechsel

Berlin-Kabul: So erlebte ein junger Afghane den Machtwechsel

"Die Machtübernahme der Taliban kam nicht unerwartet, der Verrat der internationalen Gemeinschaft aber schon": Das aktuelle Chaos in seinem Heimatland Afghanistan betrachtet der 26-jährige Omar aus der Ferne und mit großer Sorge. Der gebürtige Kabuler ist Menschenrechtsaktivist und vor etwa fünf Jahren nach Deutschland gezogen, wo er Asyl beantragte.

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Die Evakuierungen aus Afghanistan laufen weiter. Jetzt wurde ein Deutscher auf dem Weg zum Flughafen Kabul angeschossen. Mehr im Blog.

Kabul/Berlin. 
  • Die Taliban haben Afghanistan zurückerobert
  • Die Bundeswehr evakuiert weiterhin Menschen aus dem Land
  • Auf dem Weg zum Kabuler Flughafen wurde jetzt ein Deutscher angeschossen
  • Die Terrorgruppe hat auch einen Angehörigen eines "Deutsche Welle"-Journalisten
  • CDU-Chef Laschet befürwortet Gespräche mit Taliban, um Menschen zu helfen
  • Die Bundeswehr hat seit Montag mehr als 1640 Menschen aus Afghanistan in Sicherheit gebracht

Nach dem Abzug der internationalen Truppen nach 20-jährigem Einsatz in Afghanistan haben die Taliban-Truppen das ganze Land wieder unter Kontrolle. So auch die Hauptstadt Kabul. Der Präsidentenpalast ist besetzt, Präsident Ghani ist aus Afghanistan in die Vereinigten Arabischen Emirate geflüchtet. Errungenschaften der vergangenen zwei Jahrzehnte wie der Zugang zu Bildung für Frauen sind mit dem Vorrücken der Taliban wieder bedroht. Lesen Sie dazu: Taliban-Sieg: Warum ist die afghanische Armee so schwach?

Nach einem chaotischen Start läuft der Evakuierungseinsatz der Bundeswehr allerdings mittlerweile. Die Luftbrücke bringt immer mehr Menschen über die usbekische Hauptstadt Taschkent regelmäßig nach Deutschland. Die Bundeswehr hat seit Montag mehr als 1640 Menschen aus Afghanistan in Sicherheit gebracht, darunter auch afghanische Ortskräfte. Mehr zum Thema: Taliban an der Macht – wohin mit Millionen Flüchtlingen?

Wie groß die Verzweiflung vieler Menschen ist, die flüchten wollen, war bereits am Montag an den dramatischen Szenen am Flughafen Kabul zu erkennen. Menschen versuchten auf ein Flugzeug zu klettern, um so zu flüchten. Auf Videos war zu sehen, wie eine Menschenmenge das Rollfeld stürmte. Mittlerweile scheint sich die Ausreisesituation wieder anzuspannen: Ein Deutscher hat am Montag auf dem Weg zum Flughafen Kabul eine Schussverletzung erlitten.

Nachrichten am Freitag, 20. August: Dieses Newsblog wird nicht weiter aktualisiert

17.40 Uhr: Wir schließen unser Newsblog an dieser Stelle. Wenn Sie die weiteren Nachrichten zur Lage in Afghanistan verfolgen wollen, lesen Sie bitte unser neues Newsblog.

Früherer US-Kommandeur verteidigt afghanische Streitkräfte

16.14 Uhr: Der frühere Kommandeur der amerikanischen und der internationalen Truppen in Afghanistan, David Petraeus, hat die afghanischen Streitkräfte nach dem Siegeszug der Taliban verteidigt. "Sie hatten plötzlich keine Rückendeckung mehr", sagte der frühere US-General dem Onlineformat STRG_F, das der NDR produziert. "Unsere Luftwaffe war weg."

US-Präsident Joe Biden hatte neben der inzwischen entmachteten politischen Führung in Afghanistan auch die Sicherheitskräfte des Landes für die Rückkehr der Taliban an die Macht verantwortlich gemacht.

Bundeswehr verlegt zwei Hubschrauber nach Kabul

13.45 Uhr: Die Bundeswehr verlegt für ihren Evakuierungseinsatz in Afghanistan zwei Hubschrauber in die Hauptstadt Kabul. Es gehe um eine "Erweiterung der Handlungsmöglichkeiten", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Freitag in Berlin. Die Maschinen könnten für die Rettung einzelner Deutscher oder auch Ortskräfte aus abgelegenen Orten oder Gefahrenlagen eingesetzt werden. Die beiden Maschinen des Typs H-145M sollten noch am Freitag in Kabul eintreffen.

Bei dem Hubschraubertyp handelt es sich dem Sprecher zufolge um ein "kleines, bewegliches Fluggerät", das maximal vier voll ausgerüstete Soldaten transportieren könne. Über den Einsatz entscheide der deutsche Kommandeur vor Ort, General Jens Arlt. Auf die Frage, ob es für den Einsatz der Maschinen Absprachen mit den Taliban geben solle und ob dies auch in "feindlichem Umfeld" erfolgen könne, sagte der Sprecher: "Es ist sicher eine unsichere Lage vor Ort. Aber feindlich - in dem Sinne, dass wir schon jetzt planen, dass es zum Waffeneinsatz kommt - das sehe ich nicht."

Zuerst hatte der "Spiegel" über die Verlegung berichtet. Diese seien eigentlich auf die Befreiung von Geiseln ausgerichtet, sehr beweglich und könnten selbst in eng bebauten Städten landen, hieß es in dem Bericht. Mit den Helikoptern könnten KSK-Soldaten in den nächsten Tagen kleine Gruppen aus Kabul oder anderen von den Taliban kontrollierten Zonen an den schwer zugänglichen Flughafen bringen.

Andere Länder wie die USA und Frankreich haben in Kabul jetzt schon Hubschrauber im Einsatz, um Schutzbedürftige zum Flughafen zu bringen. Die Lage rund um den Flughafen im Norden der Stadt ist seit Tagen von großem Chaos geprägt. Tausende versuchen verzweifelt, auf das Gelände und dann zu den Flugzeugen zu kommen - die meisten ohne Erfolg.

Veteranenbund fordert Ausweitung des Bundeswehrmandats

13.22 Uhr: Der Bund Deutscher Einsatzveteranen (BDV) fordert eine Ausweitung des Bundeswehrmandats für den Evakuierungseinsatz in Afghanistan. Afghanische Ortskräfte, die eigentlich aus Kabul herausgeflogen werden könnten, erreichen derzeit häufig nicht den Eingang des Flughafens der afghanischen Hauptstadt, weil sich davor chaotische Szenen abspielen. "Anders als Amerikaner, Franzosen oder Italiener dürfen deutsche Kommandosoldaten nicht herausgehen, um Menschen auf das Flughafengelände zu holen, die sie identifiziert haben", sagt Andreas Eggert (45), der Regionalvorstand West des Verbandes. "Die Kameraden fühlen sich wahnsinnig hilflos. Sie könnten helfen, dürfen es aber nicht, weil es das Mandat nicht hergibt. Das ist eine schreckliche Situation."

Eggert ist überzeugt, dass es den Kommandosoldaten gelingen könnte, die häufig in Sichtweise um Hilfe flehenden Menschen zu retten. "Dafür sind sie ausgebildet. Ihre Gefährdung würde sich in Grenzen halten, weil sich die Taliban nicht trauen würden, deutsche Soldaten zu attackieren. Wir können unsere Schutzbefohlenen herausholen." Oberstabsfeldwebel a.D. Eggert, der zwischen 2006 und 2013 sieben Mal in Afghanistan war und dort für den Militärischen Abschirmdienst (MAD) gearbeitet hatte, wirft der Politik angesichts der Situation Versagen vor. "Was jetzt geschieht, habe ich nach dem Abzug erwartet, auch wenn mich die Geschwindigkeit überrascht hat." Viele afghanische Helfer hätten schon vor dem Kollaps der Regierung in Kabul gespürt, was kommen wird, und darauf gehofft, dass politische Entscheidungen schneller und unbürokratischer getroffen worden wären. "Aber die Politik ist falsch beraten worden und hat falsche Entscheidungen getroffen", so Eggert.

Deutscher auf dem Weg zum Flughafen Kabul angeschossen

11.50 Uhr: Ein Deutscher hat auf dem Weg zum Flughafen Kabul in Afghanistan eine Schussverletzung erlitten. Das sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer am Freitag in Berlin.

Maas: Nicht über Rücktritt nachgedacht

8.21 Uhr: Außenminister Heiko Maas denkt nach eigenen Angaben wegen des Afghanistan-Debakels nicht an Rücktritt. Auf die Frage, ob er darüber nachgedacht habe, sagte der SPD-Politiker dem Magazin "Der Spiegel": "In den vergangenen Tagen habe ich nur an eines gedacht, nämlich aus den Fehlern, die wir alle gemacht haben, die Konsequenz zu ziehen und dafür zu sorgen, so viele Leute aus Afghanistan rauszuholen wie möglich." Das sei "die verdammte Pflicht von jedem, der an der Entwicklung der letzten Tage und Wochen beteiligt war". In den vergangenen Tagen hatte es von verschiedenen Seiten Forderungen nach einem Rücktritt des Außenministers gegeben. CSU-Chef Markus Söder sprach sich dafür aus, dass Maas nach der Bundestagswahl im September nicht mehr dem Kabinett angehört.

Zugleich forderte Maas eine Debatte über den Sinn von Bundeswehr-Einsätzen. "Das Scheitern in Afghanistan darf nicht dazu führen, dass wir uns außen- und sicherheitspolitisch komplett der Verantwortung auf der Welt verweigern", sagte er. "Aber Afghanistan darf sich auch nicht noch einmal wiederholen." Die Nato-Partner müssten diskutieren, ob das Verteidigungsbündnis überhaupt geeignet sei, Einsätze außerhalb des eigentlichen Auftrags zu führen - auch, ob es Aufgabe der Nato sei, für Frieden und Menschenrechte zu sorgen.

Taliban töten Angehörigen eines DW-Journalisten

6.29 Uhr: Die Taliban haben einen Angehörigen eines "Deutsche Welle"- Redakteurs getötet. Wie DW schreibt, hätten die Taliban einen der Journalisten der Deutschen Welle verfolgt und dabei einen von dessen Familienangehörigen erschossen und einen weiteren Angehörigen schwer verletzt. Offenbar hatten die Taliban von Haus zu Haus nach dem DW-Journalisten gesucht - dieser arbeitet allerdings inzwischen in Deutschland. Weiteren Angehörigen gelang die Flucht.

"Die Tötung eines nahen Verwandten eines unserer Redakteure durch die Taliban ist unfassbar tragisch und belegt die akute Gefahr, in der sich alle unsere Mitarbeitenden und ihre Familien in Afghanistan befinden. Die Taliban führen in Kabul und auch in den Provinzen offenbar schon eine organisierte Suche nach Journalisten durch. Die Zeit läuft uns davon", so DW-Intendant Peter Limbourg. Er forderte die Bundesregierung dringend zum Handeln auf.

Afghanische Ortskräfte in Brandenburg angekommen

6.28 Uhr: Rund 60 afghanische Ortskräfte und ihre Angehörigen sind in Brandenburg angekommen. Zwei Busse aus Frankfurt/Main trafen am Freitagmorgen in der Erstaufnahme in Doberlug-Kirchhain (Elbe-Elster) ein. Die ursprünglich für Donnerstagabend geplante Ankunft hatte sich wegen der Registrierung der Menschen erheblich verzögert. Die Afghanen, darunter mehrere Kinder, wurden zunächst mit Essen und Trinken sowie medizinisch versorgt. Sie müssen drei Tage in Quarantäne und sollen voraussichtlich bis Dienstag in Doberlug-Kirchhain bleiben. Dann könnten sie auch in andere Bundesländer verteilt werden.

Bundeswehr fliegt erneut mehr als 180 Menschen aus Kabul aus

6.26 Uhr: Die Bundeswehr hat in der Nacht zu Freitag noch einmal mehr als 180 Menschen aus Kabul ausgeflogen. Ein weiteres Transportflugzeug vom Typ A400M startete mit 181 Menschen an Bord in Richtung der usbekischen Hauptstadt Taschkent, wie die Bundeswehr im Online-Dienst Twitter mitteilte. Unmittelbar zuvor war demnach ein A400M mit 184 Menschen an Bord aus Kabul kommend in Taschkent gelandet.

Die Bundeswehr hat somit seit dem Beginn ihrer Evakuierungsflüge mehr als 1640 Menschen aus der afghanischen Hauptstadt ausgeflogen. Die radikalislamischen Taliban hatten am Sonntag die Macht in Kabul übernommen. Westliche Staaten arbeiten seitdem hektisch daran, vor allem ihre Staatsbürger und gefährdete afghanische Ortskräfte in Sicherheit zu bringen.

Laschet befürwortet Gespräche mit Taliban, um Menschen zu helfen

6.20 Uhr: Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet befürwortet diplomatische Gespräche mit den Taliban, um gefährdeten Menschen in Afghanistan zu helfen. "Die Kunst guter Außenpolitik besteht gerade darin, mit solchen Staaten zu Lösungen zu kommen, deren Ziele und Menschenbild unsere Gesellschaft zu Recht ablehnt", sagte Laschet der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Freitag). "Den Dialog mit den Taliban zu verweigern, würde den Menschen nicht helfen, die aus Afghanistan herauswollen", sagte Laschet, der auch CDU-Chef ist.

Außenminister Heiko Maas (SPD) hat den Afghanistan-Experten Markus Potzel nach Doha im Golfemirat Katar geschickt, um mit Unterhändlern der militant-islamistischen Taliban über die Ausreise afghanischer Ortskräfte zu sprechen. Der Diplomat, der ursprünglich im August als neuer Botschafter nach Afghanistan entsandt werden sollte, führt seit Mittwoch Gespräche mit Vertretern der Taliban. "Er wird seine Gespräche auch mit internationalen Partnern fortsetzen", erklärte das Auswärtige Amt am Donnerstagabend auf Twitter.

Laschet sagte: "Wir müssen unsere Erwartung sehr deutlich machen, dass die Menschen, die für uns gearbeitet haben, in absehbarer Zeit ausreisen dürfen." Eine von ihm geführte Bundesregierung sähe es als ihre Pflicht an, all diejenigen aufzunehmen, die Deutschland beim Einsatz der letzten Jahre geholfen hätten. "Wir haben hier eine Schutzverantwortung. Auch über den heutigen Tag hinaus."Laschet sagte, es gebe sicher eine große Bereitschaft in Deutschland, die Menschen aufzunehmen, die Deutschen in Afghanistan geholfen hätten - und darüber hinaus auch besonders bedrohte Menschen. "Die Furcht vor den Taliban, vor deren Unterdrückung und Gewalt, kann, glaube ich, jeder nachvollziehen", führte er aus.

"Gleichzeitig gibt es aber auch den Wunsch nach einer geordneten Migration." Was sich nicht wiederholen dürfe, seien "unkontrollierte Zustände wie im Syrien-Konflikt". Die meisten Menschen werden nach Laschets Worten in die Nachbarländer Afghanistans fliehen. "Daher ist die Priorität, Hilfe in der Region zu leisten. Wir müssen die Nachbarländer unterstützen und sie gleichzeitig an die Verantwortung erinnern, die sie für die Region tragen."

Macron telefoniert mit Putin und Draghi wegen Afghanistan

6.19 Uhr: Angesichts der Krise in Afghanistan hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eine enge internationale Zusammenarbeit in einem Telefongespräch mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin eingefordert. In dem über eineinhalbstündigen Telefonat mit Putin habe Macron insbesondere über "vordringliche Erwartungen" an die radikalislamischen Taliban gesprochen, wie der Elysée-Palast am Donnerstag mitteilte. Dazu zählten demnach der "Kampf gegen den Drogen- und Waffenhandel, der Bruch mit internationalen terroristischen Bewegungen, der Respekt der Rechte von Frauen". Die beiden Präsidenten hätten vereinbart, sich in den nächsten Tagen und Wochen eng abzustimmen - bilateral ebenso wie im Rahmen des UN-Sicherheitsrates und der G20, teilte die französische Präsidentschaft weiter mit.

Gabriel plädiert für eine internationale Afghanistan-Konferenz

6.15 Uhr: Der frühere Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) hat sich für eine internationale Afghanistan-Konferenz ausgesprochen. "Je eher sie stattfindet, umso besser", sagte Gabriel dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Freitag). Teilnehmen sollten auch Russland und China - auch wenn in beiden Ländern derzeit noch Spott und Häme wegen der Blamage des Westens dominierten. Gabriel betonte, an den Konferenztisch gehörten neben der EU nicht nur die Weltmächte USA, China und Russland, sondern auch Pakistan und der Iran. Mit Blick auf die Taliban sagte Gabriel, man werde hoffentlich mit jenen unter ihnen reden können, denen es schon immer darauf angekommen sei, bloß keine ausländischen Truppen im Land zu dulden: "Da gibt es eine lange nationalistische, identitäre Tradition."

Deutschland sagt 100 Millionen Euro Soforthilfe für afghanische Flüchtlinge zu

6.10 Uhr: Die Bundesregierung stellt eine Soforthilfe in Höhe von 100 Millionen Euro für Geflüchtete aus Afghanistan bereit. "Mit dem Geld sollen internationale Hilfsorganisationen unterstützt werden, die die Menschen in den Nachbarländern unterstützen", teilte das Auswärtige Amt am Donnerstag mit. Nach der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban versuchen derzeit zehntausende Menschen aus Afghanistan zu fliehen. Westliche Staaten arbeiten seit dem Einmarsch der Islamisten in Kabul mit Hochdruck daran, ihre Staatsbürger sowie afghanische Ortskräfte und Aktivisten in Sicherheit zu bringen.

Die Bundeswehr hat inzwischen nach eigenen Angaben mehr als 1460 Menschen aus Kabul ausgeflogen. Am späten Donnerstagabend startete ein weiteres Transportflugzeug vom Typ A400M in Kabul in Richtung usbekisches Taschkent. An Bord der Maschine waren mehr als 180 Menschen, wie die Bundeswehr im Onlinedienst Twitter mitteilte. Ein weiterer A400M landete am späten Abend in Kabul.

Ex-BND-Chef Schindler: Taliban sogar durch Grundgesetz geschützt

6.05 Uhr: Nach der massiven Kritik an der Aufklärungsarbeit des Bundesnachrichtendienstes in Afghanistan hat der frühere BND-Chef Gerhard Schindler juristische und bürokratische Hürden beklagt. "Wenn man dem BND bei der Informationsbeschaffung einen juristischen Stein nach dem anderen in den Weg legt, braucht man sich nicht über suboptimale Ergebnisse bei der Auswertung zu wundern", sagte Schindler am Donnerstag "Focus Online". Der BND dürfe zum Beispiel, so Schindler, "keine angeworbenen Informanten in eine Terrororganisation schleusen, weil er sich dann nach unserem Rechtssystem wegen Anstiftung oder Beihilfe strafbar macht". Wenn aber der deutsche Auslandsgeheimdienst den inneren Zirkel der Taliban nicht mehr durch eigene Quellen infiltrieren dürfe, erhalte er auch keine wichtigen Insiderinformationen.

Durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts im vergangenen Jahr seien die Taliban sogar durch das deutsche Grundgesetz geschützt. Denn: "Artikel 10, der das sogenannte Fernmeldegeheimnis beinhaltet, gilt seitdem für alle Menschen auf dieser Welt, also auch für ausländische Terroristen in Afghanistan." Das bedeute, man müsse schon eine "dezidierte Verdachtslage vorlegen können, um diese Leute abhören zu dürfen". Das Bundesverfassungsgericht hatte dem BND im Mai 2020 die anlasslose Überwachung im Ausland untersagt. Das Fernmeldegeheimnis und die Pressefreiheit müssten auch dort gewahrt bleiben, entschieden die Karlsruher Richter.

Nachrichten am Donnerstag, 19. August: US-Außenministerium kündigt 20 Flüge für die Nacht an

21.52 Uhr: Am Flughafen Kabul warten nach Angaben des US-Außenministeriums inzwischen rund 6000 Menschen, die alle Voraussetzungen für die Ausreise erfüllen und bald ausgeflogen werden dürften. "Ich kann bestätigen, dass sich derzeit 6000 Personen am Flughafen befinden, die von unserem Konsularteam vollständig abgefertigt wurden und bald an Bord der Flugzeuge gehen werden", sagte der Sprecher des Ministeriums, Ned Price. Es handele sich um US-Amerikaner, Afghanen und Menschen aus anderen Staaten.

"Wir erwarten, dass heute Nacht etwa 20 Flüge starten werden", sagte er weiter. Price zufolge hat es bisher nur Berichte von einer Hand voll US-Amerikaner gegeben, die es nicht zum Flughafen geschafft hätten. Rund um den Flughafen herrscht Chaos. Viele Menschen berichteten, dass es kein Durchkommen gebe.

Über 1200 Menschen evakuiert - Noch Hunderte Deutsche in Afghanistan?

20.56 Uhr: Die Bundeswehr hat seit Montag mehr als 1200 Menschen aus Afghanistan in Sicherheit gebracht. Unter den Geretteten waren bis zum frühen Donnerstagabend neben afghanischen Ortskräften und anderen Hilfsbedürftigen 244 deutsche Staatsbürger - weit mehr als ursprünglich erwartet. Und immer noch könnten sich mehrere hundert im Land aufhalten. Auf der Krisenliste des Auswärtigen Amts hat sich inzwischen "eine mittlere dreistellige Zahl" Deutscher registriert, wie die Deutsche Presse-Agentur aus dem Ministerium erfuhr.

Ursprünglich waren es knapp 100. Viele haben sich wegen der dramatischen Lage in Afghanistan nach der Machtübernahme der Taliban nachgemeldet. Die Zahlen ändern sich ständig. Nicht berücksichtigt sind die 40 Botschaftsmitarbeiter, die mit einer US-Maschine bereits in der Nacht zu Montag nach Katar ausgeflogen wurden.

Weitere Bundeswehr-Maschine in Kabul gestartet

20.43 Uhr: In Kabul ist am Abend eine weitere Bundeswehr-Maschine mit 150 Menschen an Bord in Richtung Usbekistan abgehoben, teilte die Bundeswehr auf Twitter mit. Es war demnach der neunte Evakuierungsflug.

Außenminister Heiko Maas schrieb auf Twitter von mehr als 1000 Menschen, die durch die Bundeswehr in Sicherheit gebracht worden seien - und: "Was die Soldatinnen und Soldaten, die Bundespolizei und unsere Kolleginnen und Kollegen vor Ort leisten, lässt sich kaum ermessen. Ich bin zutiefst dankbar." Die Transportmaschinen mit Deutschen, afghanischen Ortskräften und anderen Hilfsbedürftigen an Bord landen nach dem Start in Kabul zunächst in der usbekischen Hauptstadt Taschkent. Von dort geht es dann mit zivilen Flugzeugen weiter nach Deutschland.

Trump: "Bombardiert frühere Stützpunkte"

20.36 Uhr: Das US-Militär sollte nach Ansicht des ehemaligen Präsidenten Donald Trump seine früheren Stützpunkte in Afghanistan in Grund und Boden bombardieren. Zunächst sollten alle US-Bürger und alle Ausrüstung außer Landes gebracht werden, erklärte Trump. "Dann bombardiert man die Stützpunkte in Bruchstücke." Damit gäbe es "kein Chaos, keine Toten", und die Afghanen "wüssten nicht mal, dass wir weg sind", behauptete Trump.

Der Republikaner kritisiert seinen Nachfolger, den Demokraten Joe Biden, wegen der chaotischen Szenen beim Abzug aus Afghanistan. Den Anstoß für einen kompletten Abzug der US-Truppen hatte allerdings der damalige Präsident Trump durch ein Abkommen mit den Taliban gegeben. Das US-Militär hat seine Stützpunkte, darunter auch das Drehkreuz Bagram nördlich der Hauptstadt Kabul, beim Abzug an die Afghanen übergeben.

Fernsehmoderatorin darf unter Taliban nicht mehr arbeiten

20.18 Uhr: In Afghanistan kann eine bekannte Fernsehmoderatorin nach eigenen Angaben nach der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban nicht mehr arbeiten. "Mir wurde gesagt, ich könne meine Arbeit nicht fortsetzen, weil sich das System geändert habe", sagte Schabnam Dauran am Donnerstag in einer Videobotschaft. "Wer das hier sieht und wenn die Welt mich hört: Bitte helfen Sie uns, unsere Leben sind in Gefahr."

"Nach dem Machtwechsel habe ich nicht aufgegeben und wollte ins Büro", sagte Dauran, die nach eigenen Angaben seit sechs Jahren als Journalistin arbeitet, zuletzt beim Fernsehsender RTA. Anders als ihre männlichen Kollegen sei ihr aber selbst bei Vorzeigen ihres Dienstausweises kein Zutritt zum Büro des Senders gewährt worden.

Weitere Evakuierungsflüge der Bundeswehr

19.31 Uhr: In Kabul ist am Abend eine weitere Bundeswehr-Maschine mit mehr als 230 Menschen an Bord in Richtung Usbekistan gestartet. Die nächste Maschine sei bereits in der afghanischen Hauptstadt gelandet, um weitere Menschen zu evakuieren, teilte die Bundeswehr auf Twitter mit. Damit seien seit Montag mehr als 1000 Menschen aus Afghanistan gerettet worden, schrieb Außenminister Heiko Maas auf Twitter. "Was die Soldatinnen und Soldaten, die Bundespolizei und unsere Kolleginnen und Kollegen vor Ort leisten, lässt sich kaum ermessen. Ich bin zutiefst dankbar."

Die Transportmaschinen mit Deutschen, afghanischen Ortskräften und anderen Hilfsbedürftigen an Bord landen nach dem Start in Kabul zunächst in der usbekischen Hauptstadt Taschkent. Von dort geht es dann mit zivilen Flugzeugen weiter nach Deutschland.

Taliban erschießen Angehörigen eines DW-Journalisten

18.39 Uhr: Nach der Machtübernahme durch die Taliban schweben Journalisten und ihre Familien in Afghanistan weiterhin in akuter Lebensgefahr. Wie die Deutsche Welle (DW) in Bonn mitteilte, haben Taliban-Kämpfer im Westen des Landes bei der Verfolgung eines Journalisten des Senders einen von dessen Familienangehörigen erschossen und einen weiteren schwer verletzt. Die Taliban hatten nach dem DW-Journalisten gesucht. Der Mann arbeitet inzwischen in Deutschland. Weitere Angehörige hätten in letzter Sekunde entkommen können und seien auf der Flucht.

Deutsche Welle-Intendant Peter Limbourg verurteilte die Tat aufs Schärfste und forderte die Bundesregierung zum Handeln auf: "Die Tötung eines nahen Verwandten eines unserer Redakteure durch die Taliban ist unfassbar tragisch und belegt die akute Gefahr, in der sich alle unsere Mitarbeitenden und ihre Familien in Afghanistan befinden." Die Taliban führten in Kabul und auch in den Provinzen offenbar schon eine organisierte Suche nach Journalisten durch.

Verteidigungsministerium: Keine Bundeswehr-Waffen zurückgelassen

18.36 Uhr: Die Bundeswehr hat nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums bei ihrem Abzug aus Afghanistan keine Waffen für die afghanischen Sicherheitskräfte zurückgelassen. "Bei der Rückverlegung des Deutschen Einsatzkontingents wurden keine Waffen der Bundeswehr an afghanische Sicherheitskräfte übergeben", sagte ein Ministeriumssprecher der "Welt". Somit bestehe auch nicht die Möglichkeit, dass Bundeswehr-Waffen in die Hände der militant-islamistischen Taliban gefallen seien. "Uns liegen keine Erkenntnisse vor, dass Waffen der Bundeswehr in Händen der Taliban sind", sagte der Sprecher.

Was allerdings mit den Rüstungsgütern geschehen ist, die die Bundesregierung laut Rüstungsexportberichten zwischen 2015 und 2020 für Afghanistan genehmigt hatte - darunter "Geländewagen mit Sonderschutz", "Kommunikationsausrüstung" oder "Flugkörperabwehrsysteme für Luftfahrzeuge" - ist noch ungewiss. "Dazu liegen dem BMVg zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Erkenntnisse vor", hieß es auf Anfrage der Zeitung.

US-Kampfjets fliegen zum Schutz über Kabul

18.16 Uhr: Die USA wollen auch mit Kampfjets die Sicherheit des Evakuierungseinsatzes am Flughafen in Kabul gewährleisten. Kampfjets hätten dazu die afghanische Hauptstadt überflogen, teilte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, mit. Es seien aber keine "Tiefflüge" gewesen, sondern die Flugzeuge seien zur "Überwachung" eingesetzt worden. Dem US-Militär zufolge sind inzwischen mehrere Tore des Flughafens in der afghanischen Hauptstadt geöffnet. Rund 7000 Menschen seien bisher von dort ausgeflogen worden, sagte ein US-ranghoher Militärvertreter.

US-Streitkräfte: 2000 Menschen aus Kabul in 24 Stunden ausgeflogen

17.08 Uhr: Bei der Evakuierungsmission aus Afghanistan hat das US-Militär in den vergangenen 24 Stunden nach eigenen Angaben mehr als 2000 Menschen aus Kabul ausgeflogen. Das sagte Generalmajor William Taylor am Donnerstag im US-Verteidigungsministerium. Seit Beginn der US-Evakuierungsoperation am 14. August liege diese Zahl bei rund 7000 Menschen, seit den ersten Evakuierungsflügen amerikanischer Streitkräfte Ende vergangenen Monats bei rund 12 000. Taylor sagte, er habe keine Zwischenfälle zu vermelden. "Wir setzen uns dafür ein, dass möglichst viele Menschen so schnell und so sicher wie möglich evakuiert werden." Die Mission sei von "nationaler Bedeutung".

Seehofer befürwortet Gespräche mit Taliban

16.35 Uhr: Bundesinnenminister Horst Seehofer hat am Donnerstag gesagt, dass er Gespräche mit der Taliban "für richtig" halte - um eine sichere Ausreise von Ortskräften zu garantieren. Zugleich sprach er sich dafür aus, dass Ortskräfte mit ihren Familien nach Deutschland einreisen können: "Es ist vollkommen unbestritten, dass die Ortskräfte und ihre Familienangehörigen nach Deutschland kommen sollen und dass es dafür auch eine moralische Verantwortung gibt."

Offen lässt Seehofer, mit wie vielen afghanischen Flüchtlingen wegen der Machtübernahme der Taliban zu rechnen ist. "Eine solche Prognose gibt es nicht", betonte er. Die Bandbreite der Schätzungen gehe von einigen tausend Menschen bis zu einigen Millionen. Auf dieser Grundlage sei eine verlässliche Prognose unmöglich.

AfD warnt vor "unüberprüfter Massenimmigration" aus Afghanistan

16.09 Uhr: Die AfD möchte afghanische Ortskräfte nach deren Rettung größtenteils in den Nachbarländern Afghanistans unterbringen, statt sie nach Deutschland auszufliegen. "Wir lehnen eine Aufnahme von Flüchtlingen aus Afghanistan in Deutschland ab. Das Jahr 2015 darf sich nicht wiederholen", erklärten die Chefs der Bundestagsfraktion, Alexander Gauland, Alice Weidel, Fraktionsvize und Parteichef Tino Chrupalla und der verteidigungspolitische Sprecher Rüdiger Lucassen am Donnerstag.

Die Bundesregierung werde aufgefordert, mit den Nachbarstaaten Afghanistans Gespräche über eine heimatnahe Aufnahme von Afghanen zu führen, die ihr Land verlassen wollten oder müssten. "Davon ausgenommen werden darf lediglich der zahlenmäßig eng begrenzte Kreis der Ortskräfte, wenn diese nachweislich für die Bundeswehr gearbeitet haben und ihre Identität von den deutschen Behörden zweifelsfrei festgestellt werden kann", hieß es weiter.

Der innenpolitische Sprecher der Fraktion, Gottfried Curio, warf der Bundesregierung vor, neben unmittelbaren Mitarbeitern der Bundeswehr auch Hilfskräfte von Entwicklungsprojekten oder politischen Stiftungen einreisen zu lassen, die lediglich auf Listen von Nichtregierungsorganisationen stünden. Eine solche "unüberprüfte Massenimmigration" gefährde die Sicherheit in Deutschland.

UNESCO: Kulturelles Erbe muss geschützt werden

15.59 Uhr: Die Welt-Kulturorganisation UNESCO hat zum Schutz des kulturellen Erbes in Afghanistan aufgerufen. Es müssten alle nötigen Vorkehrungen getroffen werden, um die Stätten vor Schäden und Plünderungen zu bewahren, sagte Generaldirektorin Audrey Azoulay. In den vergangenen Jahrzehnten kriegerischer Auseinandersetzungen waren bereits viele historische Stätten und Kulturgüter in Afghanistan geplündert und zerstört worden.

Im Jahr 2001 schockierten die damals schon mal herrschenden Taliban mit der Zerstörung zweier monumentaler Buddha-Statuen im Bamian-Tal, die fast 1500 Jahre überdauert hatten. Neben dem Bamian-Tal verfüge das Land über weitere wichtige Stätten des kulturellen Erbes, teilte die UN-Organisation mit Sitz in Paris mit: etwa die Altstadt von Herat und das historische Minarett von Dscham in der zentralen Provinz Ghor.

Baerbock: Bundesregierung hat sich bei Taliban erpressbar gemacht

15.28 Uhr: Aus Sicht der Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hat sich die Bundesregierung sehenden Auges erpressbar gegenüber den Taliban gemacht. Die Verantwortlichen hätten in den letzten Wochen und Monaten die Augen vor der Realität verschlossen und alle Warnungen, Ortskräfte zügig zu evakuieren, ignoriert, sagte Baerbock am Donnerstag am Rande einer Wahlkampfveranstaltung in Weimar. Dass Menschen, die noch an den Flughafen in Kabul wollten, nun von Gesprächen mit den Taliban abhängig sind, sei eine "zynische und desolate Situation".

Merkel zu Rettungsaktion in Afghanistan: "Hochkomplizierter Einsatz"

14.43 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Evakuierungsaktionsaktion in Afghanistan als "hochkomplizierten Einsatz" bezeichnet und sich sowohl bei der Bundeswehr als auch bei Usbekistan bedankt. "Wir sind jetzt mit Hochdruck dabei, Menschen aus Afghanistan zurückzuholen, deutsche Staatsbürger, aber auch so viel wie möglich Ortskräfte oder Afghaninnen und Afghanen, die Schutz brauchen.

"Es ist eine koordinierte internationale Aktion, bei der Deutschland auch eine wichtige Rolle spielt", sagte Merkel am Donnerstag in Gießen. "Ich möchte unseren Soldatinnen und Soldaten danken, die dort im Einsatz sind, das ist alles andere als einfach, ein sehr hochkomplizierter Einsatz."

Chaos am Flughafen Kabul: Taliban feuern Warnschüsse

13.34 Uhr: Am Flughafen von Kabul spielen sich derzeit chaotische Szenen ab. Offenbar feuerten Taliban dort Warnschüsse ab, um die Menschenmassen zurückzudrängen. Augenzeugen hätten beobachtet, wie Menschen in Panik davonliefen, so Tagesschau.de.

Innenausschuss-Chefin: Rettungsflüge kommen vor Aufarbeitung

12.57 Uhr: Die Sondersitzung des Bundestags-Innenausschusses zu Afghanistan soll sich nach Ansicht der Ausschussvorsitzenden Andrea Lindholz (CSU) nicht in erster Linie um die Frage der politischen Verantwortung drehen. Im Vordergrund müsse die Rettung deutscher Staatsangehöriger und afghanischer Ortskräfte stehen, sagte Lindholz vor Beginn der Sitzung am Donnerstag in Berlin. "Die Analyse und Aufarbeitung muss danach stattfinden." Auch ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss sei dabei nicht ausgeschlossen.

Die Linken-Obfrau Ulla Jelpke mahnte hingegen personelle Konsequenzen in der Bundesregierung an. Innenminister Horst Seehofer (CSU), Außenminister Heiko Maas (SPD) und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hätten versagt. "Diese drei Minister müssten mindestens den Anstand haben, aufgrund dieses Desasters zurückzutreten." Notwendig sei darüber hinaus ein Untersuchungsausschuss in der nächsten Legislaturperiode.

Afghanen demonstrieren in Athen für Evakuierungen

12.50 Uhr: Flüchtlinge aus Afghanistan haben am Donnerstag in der griechischen Hauptstadt Athen für die Aufnahme von Ortskräften und deren Familien demonstriert. Auf Transparenten stand unter anderem "Jetzt evakuieren". Die Demonstranten warfen zudem dem Westen vor, ihr Land im Stich gelassen zu haben. "Ihr habt Freiheit versprochen und jetzt sind wir allein", stand auf Transparenten.

In Griechenland leben nach Angaben der Regierung rund 40.000 Menschen aus Afghanistan. 20.000 von ihnen haben bereits Asyl erhalten. Die Asylanträge der anderen werden zurzeit bearbeitet. Athen hat bereits erklärt, es werde einen möglichen Zustrom von Migranten aus Afghanistan an den Grenzen des Landes, die auch EU-Grenzen sind, stoppen.

Sohn von Taliban-Gegner bittet USA um Waffen für afghanische Widerstandsgruppe

12.40 Uhr: Der Sohn einer Symbolfigur des afghanischen Kampfes gegen die Taliban hat die USA um Unterstützung für seine Widerstandsgruppe im Kampf gegen die Islamisten gebeten. Ahmed Massud, Sohn des früheren Kriegsherrn Ahmed Schah Massud, schrieb in einem am Donnerstag veröffentlichten Gastbeitrag in der "Washington Post", er sei bereit, "in die Fußstapfen meines Vaters zu treten". Er verfüge über die nötigen Kräfte für einen wirksamen Widerstand, brauche aber "mehr Waffen, mehr Munition und mehr Nachschub". Er befinde sich im Pandschirtal nordöstlich von Kabul, das in den 90er-Jahren als Hochburg des Widerstandes gegen die Taliban galt und nie unter die Kontrolle der Islamisten fiel. Seine "Mudschahedin-Kämpfer" seien "bereit, es erneut mit den Taliban aufzunehmen", erklärte Massud.

Zu ihnen seien ehemalige Angehörige der afghanischen Streitkräfte gestoßen, die "von der Kapitulation ihrer Kommandeure angewidert" seien. In Onlinenetzwerken waren Bilder von Massud mit dem ehemaligen Vizepräsidenten des Landes, Amrullah Saleh zu sehen, die offenbar eine Guerilla-Bewegung gegen die Taliban planen.

EU-Chefdiplomat nennt Afghanistan "Katastrophe" für Westen

12.30 Uhr: Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell hat die Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan als "Katastrophe für die Werte und die Glaubwürdigkeit des Westens" bezeichnet. Vor dem Auswärtigen Ausschuss des Europaparlaments sprach der Chefdiplomat der Europäischen Union am Donnerstag von einem "Alptraum". Man habe dabei versagt, das Land auf seinem Weg zu einen modernen Staat zu begleiten. Nach Borrells Angaben sind inzwischen die ersten 106 von etwa 400 afghanischen Ortskräften, die für die EU gearbeitet hatten, in Madrid gelandet. Etwa 300 seien immer noch in Afghanistan.

Mit Blick auf mögliche Fluchtbewegungen aus Afghanistan sagte Borrell, dass diese Europa erst später erreichen würden - wenn überhaupt. Im Vergleich zu Syrien sei das Land deutlich weiter entfernt. Derzeit gehe es um ein paar Tausend Menschen am Flughafen in Kabul. Allerdings könnten noch deutlich mehr Menschen aus Angst um ihr Leben das Land verlassen.

GIZ verweigert erwachsenen Söhnen von Ortskräften die Evakuierung

12.15 Uhr: Die Bundesregierung versicherte, den Ortskräften in Afghanistan unbürokratisch zu helfen. "Spiegel" berichtet nun vom Fall einer Familie, bei dem Entwicklungshelfer von der GIZ die erwachsenen Söhne ihrer Mitarbeiter nicht evakuieren wollen. Auch weitere Ortskräfte wurden offenbar vor die Wahl gestellt, entweder ihre erwachsenen Söhne zurückzulassen - unverheiratete Töchter über 18 dürfen evakuiert werden - oder in Afghanistan zu bleiben.

"Spiegel" liegt ein Schreiben der GIZ an mehrere Mitarbeiter vor Ort vor, in dem es auf Englisch heißt: "Personen, die einen gültigen GIZ-Arbeitsvertrag haben oder in den vergangenen zwei Jahren hatten, können sich für eine Evakuierung registrieren. […] Bitte nehmen Sie folgende Regel zur Kenntnis: Mit ihnen gehen kann die sogenannte 'Kernfamilie', das bedeutet ein Partner (Ehemann / Ehefrau) und Kinder unter 18 Jahren. Zusätzlich werden unverheiratete Töchter über 18 Jahren ebenfalls zur Kernfamilie gezählt. […]. In der gegenwärtigen Krisensituation können leider keine Ausnahmen von dieser Regel gemacht werden."

Die GIZ arbeitet fast ausschließlich für deutsche Ministerien, allen voran das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Die Regel im Papier steht allerdings im Widerspruch zu den Beteuerungen der Bundesregierung, Ortskräften möglichst schnell und unbürokratisch helfen zu wollen. Lesen Sie die ganze Meldung: Bericht: GIZ rettet erwachsene Söhne von Ortskräften nicht

CSU-Politiker wenden sich gegen Aufnahme afghanischer Flüchtlinge in Deutschland

11.55 Uhr: Aus der Union kommen weiter Warnungen vor der Aufnahme von afghanischen Flüchtlingen in Deutschland. Es könne "keine generelle Zusage für die Aufnahme von Flüchtlingskontingenten in Deutschland geben", sagte CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Donnerstag. "Wir dürfen jetzt nicht den Eindruck erwecken, dass wir die Probleme in Afghanistan in Deutschland lösen könnten. Das würde das Risiko einer Fluchtbewegung nach Europa massiv erhöhen."

Die Bundesregierung solle stattdessen der UN-Flüchtlingshilfe finanzielle Unterstützung in Milliardenhöhe zuzusagen, um Flüchtlinge aus Afghanistan in Camps in den Nachbarländern unterzubringen und zu versorgen, regte Dobrindt an. "Die Fehler von 2015 nicht zu wiederholen bedeutet auch, dass wir die UN-Flüchtlingshilfe stärker dabei unterstützen, die Fluchtursachen vor Ort zu bekämpfen", sagte er mit Blick auf den Zuzug zahlreicher Flüchtlinge nach Deutschland und Europa im Jahr 2015

Abgeordnete fordern Aufklärung über BND-Arbeit in Afghanistan

11.31 Uhr: Nach dem Siegeszug der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan verlangen Bundestagsabgeordnete Aufklärung über die Rolle des Bundesnachrichtendienstes (BND). Die CSU-Abgeordnete Andrea Lindholz sagte am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur vor einer Sitzung des Parlamentarischen Kontrollgremiums, sie stelle sich die Frage, warum die Einschätzung der Lage so "fehlgelaufen" sei. Das neunköpfige Gremium kontrolliert für den Bundestag die deutschen Nachrichtendienste. Es tagt geheim.

"Warum hat man das nicht absehen können, wie schnell der Vormarsch der Taliban ist?", fragte Lindholz. "Bei allen Erkenntnissen, die man hat: Warum kam man zu dieser Fehleinschätzung?" Linksfraktionsvize André Hahn, ebenfalls Mitglied des Gremiums, sagte der dpa: "Ich will vor allen Dingen wissen, warum der Bundesnachrichtendienst offenbar vollständig ahnungslos gewesen ist. Man hat sich scheinbar komplett auf die Amerikaner verlassen, die in diesem Fall auch nicht wussten, wie schnell es gehen kann. Man hatte keine eigenen Erkenntnisse."

Jetzt stehe der BND "komplett nackt" da, kritisierte Hahn. "Wofür hält man sich einen solchen Auslandsgeheimdienst, wenn er nicht in der Lage ist, eigene Erkenntnisse zu generieren und rechtzeitig die Bundesregierung zu informieren?" Der BND habe die Pflicht, die Bundesregierung zu warnen oder ihr Hinweise zu geben - und habe "offenbar komplett versagt". Hahn erklärte, er könne dies noch nicht abschließend beurteilen, aber der BND habe offenbar "nicht ausreichend Zugänge", um Informationen an die Bundesregierung weiterzugeben. "Und das stellt natürlich die gesamte Arbeit dort in Frage." Er erinnerte daran, dass die Linke den Afghanistan-Einsatz stets abgelehnt habe. Jetzt müsse das Leid der Menschen dort gelindert werden. "Aber da muss auch der gesamte Einsatz aufgearbeitet werden - einschließlich der Rolle der Nachrichtendienste."

Bundeswehr plante vor Abzug Charterflüge für Ortskräfte

11.19 Uhr: Die Bundeswehr hat bereits vor ihrem Abzug aus Afghanistan Charterflüge für die Ausreise von Ortskräften für den Fall geplant, dass der Transport mit Linienmaschinen nicht mehr möglich ist. Das teilte das Verteidigungsministerium der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag nach einem entsprechenden Bericht der "Süddeutschen Zeitung" mit. Am 17. Juni seien zwei Maschinen spanischer Fluggesellschaften aus einem bestehenden Rahmenvertrag der Bundeswehr abgerufen worden, um bis zu 300 Personen vom nordafghanischen Masar-i-Scharif nach Deutschland zu fliegen.

Die Flüge seien für den 25. Juni geplant gewesen - nur vier Tage vor dem Abzug der letzten deutschen Soldaten aus dem Camp Marmal in Masar-i-Scharif. Zu diesem Zeitpunkt habe man mit 60 verbliebenen Ortskräften plus Familienangehörigen gerechnet - insgesamt bis zu 300 Menschen. Es habe sich dann aber herausgestellt, dass die Flüge nicht notwendig gewesen seien. "Es ist im Nachhinein festzustellen, dass ein Charterflug am 25. Juni nicht notwendig war, weil die Menschen Ende Juni noch auf anderem Wege ausfliegen konnten."

Ein Teil der Ortskräfte habe zu diesem Zeitpunkt keinen Ausreisewunsch gehabt, so das Ministerium. Andere hätten bereits Tickets für Linienflüge gehabt. Für die verbleibenden fünf Ortskräften und ihre Angehörigen seien die Ticketkosten übernommen worden. Der Flughafen Kabul war bis Samstag noch in Normalbetrieb. Auch aus Masar-i-Scharif wurden die Verbindungen ins Ausland erst vergangene Woche eingestellt. "Der Ausfall der Charterflüge (hat) nicht dazu geführt, dass Menschen in Afghanistan festsitzen, die andernfalls ausgeflogen worden wären", betonte das Ministerium.

Kreise: Merkel gibt am 25. August Regierungserklärung zu Afghanistan

10.28 Uhr: Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wird am 25. August im Bundestag eine Regierungserklärung zur Lage in Afghanistan abgeben. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag aus Regierungskreisen. In einer Sondersitzung will das Parlament an diesem Tag über das Mandat für den Bundeswehr-Evakuierungseinsatz beraten und beschließen, das das Kabinett am Mittwoch verabschiedet hatte. In der Sitzung geht es unter anderem auch um die Hilfen für die Hochwassergebiete.

Ortskräfte berichten von Schwierigkeiten am Flughafen Kabul

8.16 Uhr: In Afghanistans Hauptstadt Kabul haben einheimische Helfer von deutschen Organisationen Schwierigkeiten, zu Evakuierungsflügen auf den Flughafen zu kommen. Das berichteten zwei Ortskräfte am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Einerseits seien die Straßen zu den Flughafen-Eingängen völlig verstopft und teils unpassierbar. Andererseits ließen US-Soldaten sie dann direkt bei den Eingängen nicht vor.

"Die amerikanischen Soldaten lassen nur ihre Leute durch", sagte eine Ortskraft. Es habe zu der Zeit, als die Person zum Flughafen gerufen wurde, von deutscher Seite niemanden am Eingang gegeben. Eine andere Ortskraft berichtete, sie habe von 20 Uhr abends bis 2 Uhr morgens versucht, in den Flughafen zu gelangen. Ein US-Soldat habe gesagt, jemand müsse herkommen und überprüfen, ob er wirklich eine Ortskraft der Deutschen sei. Immer wieder seien Schüsse in die Luft gefeuert worden. Auch Tränengas sei eingesetzt worden. Zudem blockierten Afghanen, die keine Dokumente hätten, den Zugang.

Taliban-Führer: Das sind Afghanistans mächtigste Gotteskrieger

8 Uhr: Haibatullah Achundsada führt die Taliban. Derweil ist Mullah Abdul Ghani Baradar, einer der drei Stellvertreter des obersten Taliban-Führers, wieder in Afghanistan. Aus Katar kommend landete er in der Taliban-Hochburg Kandahar. Der Chef des Politbüros gilt als möglicher Ministerpräsident oder Staatschef der "wahren islamischen Herrschaft", die die Taliban auf der Grundlage des Scharia-Rechts aufbauen wollen. Lesen Sie hier, wer die mächtigen Männer der Gotteskrieger sind: Die Taliban-Führer: Das mächtige Quartett der Gotteskrieger

Aus Afghanistan Geretteter berichtet von Toten und Schüssen

7.37 Uhr: Aus Afghanistan in Sicherheit gebrachte Menschen haben nach ihrer Landung in Deutschland von schlimmen Erlebnissen und chaotischen Verhältnissen am Flughafen in Kabul berichtet. Ein Passagier sagte am frühen Donnerstagmorgen am Frankfurter Flughafen, er habe Tote gesehen und Schüsse gehört. "Es ist schrecklich", sagte Mahmud Sadjadi. "Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit. Nur Chaos", beschrieb er die Zustände in Kabul. Der Mann aus dem Westerwald war zuvor mit einem Evakuierungsflug der Lufthansa aus der usbekischen Hauptstadt Taschkent nach Frankfurt geflogen worden. An Bord der Maschine waren nach Airline-Angaben rund 250 Menschen. Die Bundeswehr bringt seit Dienstag Menschen aus Kabul nach Taschkent. Die Rettungsmission gilt als sehr gefährlich.

Sadjadi, der sich drei Wochen in Kabul aufgehalten hatte, bestätigte das, insbesondere am Flughafen der afghanischen Hauptstadt sei es gefährlich. "Man muss beispielsweise auch durch eine Barriere der Taliban durchgehen." Afghanische Sicherheitskräfte hätten geschossen. Er habe mitbekommen, wie Menschen gestorben seien. Ohne Pass sei kein Durchkommen zum Flughafen möglich gewesen. Ein anderer Passagier, der seinen Namen nicht nennen wollte, berichtete von organisatorischen Schwierigkeiten bei der Rückkehraktion. "Die Situation ist schwer und nicht leicht unter Kontrolle zu bringen", sagte er. Die Menschen in Afghanistan bräuchten aber Hilfe. "Die Welt muss den afghanischen Leuten helfen."

Auch der Passagier Sadjadi dankte der Bundesregierung für die Rettung, beklagte aber auch fehlende Informationen. "Es gab keine Informationen, wo wir uns sammeln müssen, wann wir uns sammeln müssen." Man sei allein gelassen worden, auf seine Mails habe er keine Antwort bekommen. Andere Länder hätten ihre Leute mit Bussen eingesammelt und zum Flughafen gebracht. "Gott sei Dank ist alles gut gegangen."

Weitere Flugzeuge mit Evakuierten in Frankfurt gelandet

5.11 Uhr: Am Frankfurter Flughafen sind in der Nacht zum Donnerstag zwei weitere Maschinen mit insgesamt rund 500 Menschen gelandet, die aus Afghanistan in Sicherheit gebracht worden sind. Die Flugzeuge - eines von Lufthansa und eines von Uzbekistan Airways - waren wenige Stunden zuvor in der usbekischen Hauptstadt Taschkent gestartet. An Bord der Lufthansa-Maschine waren nach Airline-Angaben rund 250 Menschen, die zuvor mit einer Bundeswehr-Maschine von Kabul nach Taschkent geflogen worden waren. Im Flieger der staatlichen Fluggesellschaft Uzbekistan Airways saßen laut Auskunft des Flughafenbetreibers etwa 240 Menschen.

Wissler: Deutschland muss "einen großen Teil" der Flüchtlinge aus Afghanistan aufnehmen

1.18 Uhr: Die Spitzenkandidatin der Linken, Janine Wissler, sieht Deutschland in einer besonderen Verantwortung zur Aufnahme von Flüchtlingen aus Afghanistan. "Als reichster Staat in der Europäischen Union muss Deutschland natürlich einen großen Teil dieser Menschen aufnehmen, die jetzt aus Afghanistan kommen", sagte die Parteivorsitzende im Interview mit dieser Redaktion. Es sei allerdings zu befürchten, dass nur sehr wenige das Land überhaupt verlassen könnten, fügte sie hinzu. Zuvor hatte Bundesminister Horst Seehofer (CSU) deutlich gemacht, dass er nach der Machtübernahme der Taliban mit 300.000 bis fünf Millionen zusätzlichen Flüchtlingen aus Afghanistan rechnet.

Wissler erinnerte daran, dass sich mehr als 250 Kommunen in Deutschland zum sicheren Hafen erklärt hätten. "Die Länder und Kommunen sollten endlich die Erlaubnis bekommen, die Hilfe zu leisten, die sie leisten wollen", sagte die Linken-Politikerin, die sich ausdrücklich für einen deutschen Alleingang aussprach. "Ich würde mir auch wünschen, dass es eine europäische Lösung gäbe. Aber wir können nicht auf eine europäische Lösung warten. Sonst wird jegliche Aufnahme von Geflüchteten blockiert", sagte sie. Deutschland trage eine Mitverantwortung für das Drama in Afghanistan.

Zugleich sprach sich die Spitzenkandidatin der Linken für eine Ausweitung der Evakuierungsflüge aus. "Wir sollten jeden retten, den man retten kann", sagte sie. "Dabei geht es zum einen um die Ortskräfte, die in den vergangenen 20 Jahren für die Bundeswehr, die deutsche Botschaft oder die Entwicklungsorganisation GIZ gearbeitet haben. Und zum anderen um die besonders gefährdeten Gruppen in der afghanischen Gesellschaft wie Frauenrechtlerinnen oder Menschenrechtsaktivisten."

Mittwoch, 18. August: Weiterer Evakuierungsflieger der Bundeswehr gelandet

21.30 Uhr: Im Zuge der Evakuierungsflüge aus Kabul ist am Abend eine weitere Maschine der Bundeswehr auf dem Flughafen der usbekischen Hauptstadt Taschkent eingetroffen. An Bord sind nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums 220 Menschen gewesen. Damit seien mehr als 670 Menschen aus Kabul in Sicherheit gebracht worden.

So gefährlich ist der Taliban-Staat für Frauen

21.14 Uhr: In Äußerungen beteuern die neuen Machthaber, sie würden die Rechte der Frauen respektieren – doch viele zweifeln daran. Und fürchten sich. Lesen Sie hier, was afghanische Frauen über ihre Angst vor dem Taliban-Staat erzählen.

Merkel und Biden vereinbaren enge Zusammenarbeit

19.27 Uhr: Deutschland und die USA wollen mit Blick auf die Lage in Afghanistan weiter eng zusammenarbeiten. Kanzlerin Angela Merkel telefonierte dazu mit US-Präsident Joe Biden, wie ihr Sprecher Steffen Seibert am Mittwoch mitteilte. "Die Bundeskanzlerin und Präsident Biden vereinbarten weitere enge Zusammenarbeit, auch zwischen der Bundeswehr und amerikanischen Sicherheitskräften am Flughafen Kabul." Sie seien sich einig gewesen, möglichst viele schutzbedürftige Menschen auszufliegen. Merkel betonte demnach "aus deutscher Sicht die Notwendigkeit, möglichst vielen afghanischen Bürgerinnen und Bürgern, die Deutschland unterstützt haben, die Ausreise zu ermöglichen."

Maas: Bundeswehr hat bisher rund 500 Menschen ausgeflogen

18.53 Uhr: Die Bundeswehr hat bisher infolge der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban in Afghanistan rund 500 Menschen aus der Hauptstadt Kabul ausgeflogen. Es habe bislang fünf Bundeswehrflüge von Kabul in die usbekische Hauptstadt Taschkent gegeben, sagte Außenminister Heiko Maas (SPD) am Mittwoch in Berlin. "Wir wollen das in den kommenden Tagen auch in der Quantität weiterführen. Es kann nur der Anfang sein."

Deutschland und weitere Länder wollen laut Maas "so viele Menschen wie irgendwie möglich aus Afghanistan in Sicherheit bringen". Noch am Mittwoch seien zwei weitere Transport-Flüge der Bundeswehr geplant. Außerdem bemühe sich Deutschland darum, Nahrungsmittel an den Flughafen von Kabul zu bringen, wo viele Menschen in der Hoffnung ausharren, das Land verlassen zu können.

Unter den bislang von der Bundeswehr nach Usbekistan gebrachten Menschen sind laut Maas neben deutschen auch zahlreiche Staatsbürger von Drittstaaten sowie Afghanen. Insbesondere für afghanische Ortskräfte, die für die Botschaft oder die Bundeswehr gearbeitet hatten, sei die Lage weiterhin unsicher. Es gebe bisher keine Anordnung der Taliban, "Ortskräfte zum Flughafen durch zu lassen". Die Bundesregierung hatte deshalb am Dienstag den Diplomaten Markus Potzel in die katarische Hauptstadt Doha entsandt, um Gespräche mit Taliban-Repräsentanten zu führen.

Flug mit Hilfsgütern von Hannover nach Usbekistan gestartet

18.17 Uhr: Angesichts der Lage in Afghanistan ist ein Transportflugzeug mit Material der Bundeswehr am Mittwoch vom Flughafen Hannover gestartet. Nach Angaben des niedersächsischen Verkehrsministeriums soll die Antonov 124-100 unter anderem medizinische Ausrüstung nach Taschkent in Usbekistan bringen. Für Start und Landung des riesigen vom Bundesverteidigungsministerium gecharterten Flugzeugs war eine Sondergenehmigung des Verkehrsministeriums nötig, erklärte dessen Sprecher. "Soweit wir wissen, richtet die Bundeswehr in Taschkent eine Art Drehkreuz ein für ihre Flüge nach Kabul und um da die nötige Infrastruktur zu haben, medizinische Versorgung gewährleisten zu können et cetera, brauchen sie eben weitere Materialien", sagte der Sprecher.

Europaparlamentspräsident erwartet Flüchtlingszustrom aus Afghanistan

17.29 Uhr: Europa muss sich nach der Machtübernahme der Taliban nach Einschätzung des Präsidenten des Europaparlaments, David Sassoli, auf einen Flüchtlingszustrom aus Afghanistan einstellen. "Das Phänomen, das wir in diesen Tagen, Stunden sehen, wird sicherlich zu einem massiven Zustrom an Migranten führen", sagte er am Mittwoch bei einem Besuch in der litauischen Hauptstadt Vilnius. Die EU-Kommission sollte Maßnahmen ergreifen, um diese Migranten gleichmäßig auf die Mitglieder der Europäischen Union zu verteilen.

Europa müsse weiter in der Lage sein, sich anzupassen und Afghanen aufzunehmen, die mit der US-Armee oder den Streitkräften anderer westlicher Verbündeter kooperiert haben, um sie vor Rache der Taliban zu schützen, sagte Sassoli. Nach der Machtübernahme in Afghanistan durch die militant-islamistischen Taliban versuchen viele Menschen, das Land zu verlassen und sich so in Sicherheit zu bringen.

BMI stellt Schätzung von bis zu fünf Millionen Flüchtlingen in Frag

17.21 Uhr: Das Bundesinnenministerium (BMI) distanziert sich von der Schätzung, dass wegen der Machtübernahme der Taliban mit bis zu fünf Millionen afghanischen Flüchtlingen zu rechnen sein könnte. "Das ist nicht die Einschätzung des BMI", sagte ein Ministeriumssprecher am Mittwoch in Berlin.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hatte Innenminister Horst Seehofer (CSU) bei einer Unterrichtung der Bundestags-Fraktionschefs am Montag selber gesagt, dass 300.000 bis fünf Millionen Afghanen die Flucht ergreifen könnten - ohne das klar wurde, woher diese Zahlen stammen und was das Ziel dieser Menschen ist.

Im Ministerium ist nun von "Hypothesen und Vermutungen" aus anderen Quellen die Rede. Eine Sprecherin betonte auf erneute Nachfrage, dass wegen der dynamischen Entwicklung derzeit "keine belastbare Prognose" zur Größenordnung der Migration möglich sei. "Das breite Spektrum an sehr unterschiedlichen Zahlen zeigt, dass es derzeit keine verlässlichen Zahlen oder Prognosen gibt."

Proteste gegen Taliban brutal niedergeschlagen

17.02 Uhr: In Afghanistan ist es zu Protesten gegen die Taliban gekommen. Wie mehrere Nachrichtenagenturen berichteten, seien die Taliban gewaltsam gegen die Demonstranten vorgegangen. Videos aus den sozialen Netwerken zeigen etwa, wie Menschen in der ostafghanischen Stadt Jalalabad versuchten, eine afghanische Flagge zu hissen.

Später sollen die Taliban in die Luft geschossen und auf Menschen mit Schlagstöcken eingeprügelt haben, um die Massen zu zerstreuen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP sei mindestens eine Person getötet und sechs weitere verletzt worden. Reuters berichtete von mindestens drei Toten und Dutzenden Verletzten bei Anti-Taliban-Protesten in Jalalabad.

Außerordentliches Nato-Treffen einberufen

16.44 Uhr: Die Außenminister der Nato-Staaten kommen am Freitag zu einer außerordentlichen Videokonferenz zusammen, um über die Lage in Afghanistan zu beraten. Das teilte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Mittwoch auf Twitter mit. Dadurch solle die "enge Abstimmung" fortgesetzt und das gemeinsames Vorgehen erörtert werden, hieß es. Die militant-islamistischen Taliban haben innerhalb kurzer Zeit die Macht in Afghanistan übernommen. Zuvor hatten die USA angekündigt, ihre Truppen aus dem Land abzuziehen. Auch Deutschland, Großbritannien und die übrigen Alliierten hatten sich daraufhin entschieden, den Einsatz zu beenden.

Emirate haben Afghanistans Präsidenten aufgenommen

16.24 Uhr: Der aus Afghanistan geflüchtete Präsident Aschraf Ghani ist in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) aufgenommen worden. Das Außenministerium des Golfstaats bestätigte am Mittwoch, dass das Land ihn und seine Familie aus humanitären Gründen aufgenommen habe. Zuvor hatte es Berichte gegeben, wonach Ghani in der Hauptstadt Abu Dhabi gesichtet worden sein soll.

Ghani hatte das Land angesichts des Vormarsches der militant-islamistischen Taliban am Sonntag verlassen. Viele Afghanen reagierten wütend und warfen ihm die Zerstörung des Landes vor. Er rechtfertigte seine Flucht damit, dass andernfalls zahlreiche Landsleute den Märtyrertod erlitten hätten und die Hauptstadt Kabul zerstört worden wäre.

Opposition: Keine Antworten von Maas auf offene Fragen zu Afghanistan

16.01 Uhr: Nach der Sitzung des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags zu Afghanistan hat die Opposition Außenminister Heiko Maas (SPD) vorgeworfen, alle wichtigen Fragen offen gelassen zu haben. "Neue Erkenntnisse gab es nicht", sagte der FDP-Außenpolitiker Bijan Djir-Sarai am Mittwoch in Berlin. So habe Maas beispielsweise nicht erklären können, wie es zu der Fehleinschätzung gekommen sei, dass Kabul nicht fallen werde. "Diese Frage bleibt weiterhin im Raum."

Maas selbst verließ die Sondersitzung des Ausschusses ohne eine Äußerung vor den wartenden Journalisten. Der Afd-Außenpolitiker Armin Paul Hampel bezeichnete die Situation in Afghanistan als "Desaster" und sagte zu der Ausschusssitzung: "Für mich war das eine Kakophonie der Erklärungsversuche. Zu vielen Fragen gab es ausweichende Antworten." Die Vorbereitungen auf die Evakuierungsaktion seien ebenso "grottenschlecht" gewesen wie die Vorbereitungen auf eine mögliche Machtübernahme der Taliban.

Laschet verspricht Garantie zur Aufnahme von Afghanen

15.49 Uhr: CDU/CSU-Kanzlerkandidat Armin Laschet hat für den Fall seiner Wahl die Aufnahme aller von Deutschland registrierten Ortskräfte und Vertreter der Zivilgesellschaft aus Afghanistan versprochen. Es gebe lange Listen solcher Menschen, die derzeit nicht nur in Kabul, sondern auch an anderen Stellen in Afghanistan seien, sagte Laschet am Mittwoch bei einem Wahlkampfauftritt in Oldenburg. "Ich werde als Bundeskanzler eine Garantie abgeben, dass jeder, der sich auf diesen Namenslisten befindet, der sich für Deutschland engagiert hat, in Deutschland Aufnahme findet."

Auf die militant-islamistischen Taliban müsse nach der Eroberung der Hauptstadt Kabul Druck ausgeübt werden, diesen Menschen die Ausreise zu ermöglichen, sagte der CDU-Vorsitzende weiter. Deutschland müsse sich auf die Aufnahme vorbereiten. "Wir müssen alle, die auf uns gesetzt haben, herausholen." Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident verwies auch auf die Bereitschaft seines Landes, 1000 Frauen aus Afghanistan aufzunehmen. Die Bundestagswahl ist am 26. September.

Taliban-Vertreter treffen sich mit Ex-Präsident Karsai

15.24 Uhr: In Afghanistan haben sich Vertreter der militant-islamistischen Taliban mit anderen politischen Kräften getroffen. Demnach sprachen am Mittwoch Ex-Präsident Hamid Karsai und der Leiter des Hohen Rates für Nationale Versöhnung Abdullah Abdullah mit dem hochrangigen Taliban-Mitglied Anas Hakkani. Ein Mitarbeiter Karsais teilte danach mit, es sei um Pläne und weitere Treffen gegangen, wenn die politische Führung der Taliban-Bewegung in Kabul eingetroffen sein werde. Das Treffen habe im Haus von Abdullah Abdullah in Kabul stattgefunden.

Am Dienstag hatte der Sprecher der Taliban während einer Pressekonferenz erklärt, man wolle auch andere politische Kräfte an der Macht beteiligen.

EU und USA "besorgt" um Frauen und Mädchen in Afghanistan

14.44 Uhr: Die Europäische Union und die USA haben sich "zutiefst besorgt" über die Situation der Frauen in Afghanistan geäußert. Die radikalislamischen Taliban müssten "jede Form der Diskriminierung und des Missbrauchs" vermeiden und die Rechte der Frauen schützen, hieß es in einer am Mittwoch veröffentlichten gemeinsamen Erklärung, die von 18 weiteren Ländern unterzeichnet wurde.

"Wir sind zutiefst besorgt um die Frauen und Mädchen in Afghanistan, ihre Rechte auf Bildung, Arbeit und Bewegungsfreiheit", hieß es in der Erklärung. Die Machthaber und die Behörden im ganzen Land müssten "ihren Schutz garantieren". Zu den Mitunterzeichnern des Appells gehörten unter anderem Australien, Brasilien, Kanada, Neuseeland, der Senegal und die Schweiz.

Die Machtübernahme der Taliban schürt bei vielen Afghanen die Furcht, dass die Islamisten eine ähnliche Schreckensherrschaft errichten könnten wie zwischen 1996 und 2001. Damals folgten die Taliban einer extrem rigiden Auslegung der Scharia, des islamischen Rechts. Frauen durften keiner Erwerbstätigkeit nachgehen, Mädchenschulen wurden geschlossen. Die Strafen bei Gesetzesverstößen waren oft grausam. Dieben wurde die Hand abgehackt. Frauen, die des Ehebruchs bezichtigt wurden, wurden zu Tode gesteinigt.

WHO: Medizinische Not bei Flüchtenden in Afghanistan wächst

13.58 Uhr: Vor den Taliban in Afghanistan flüchtende Menschen sind in wachsender medizinischer Not. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtete am Mittwoch, dass in Kliniken in Kabul und anderen afghanischen Städten immer mehr Fälle von Durchfallerkrankungen, Mangelernährung, Bluthochdruck und Corona-Symptomen aufträten. Dazu kämen vermehrt Schwangerschaftskomplikationen. Die WHO habe zwei mobile Gesundheitsteams bereitgestellt, aber der Einsatz müsse wegen der Sicherheitslage immer wieder unterbrochen werden.

Durch die vermehrten Kämpfe in den vergangenen Monaten sei die Zahl der konfliktbedingten Verletzungen deutlich gestiegen. 70 von der WHO unterstützte Kliniken behandelten im Juli fast 14.000 Betroffene, verglichen mit gut 4000 im Juli vergangenen Jahres. Es sei aber gelungen, unter anderem die nötigsten Präparate für die medizinische Grundversorgung für mehrere Tausend Menschen nach Kabul und Helmand zu liefern.

Die humanitäre Hilfe dürfe nicht unterbrochen werden, mahnte das für Afghanistan zuständige WHO-Regionalbüro in Kairo. Millionen Afghanen seien darauf angewiesen. Das ohnehin schwache Gesundheitssystem sei durch die jüngsten Kämpfe schon schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Von Januar bis Ende Juli seien 26 Kliniken angegriffen und zwölf Mitarbeitende getötet worden.

Opposition wirft Regierung "kollektives Versagen" in Afghanistan vor

13.13 Uhr: Die Opposition macht der Bundesregierung schwere Vorwürfe wegen der dramatischen Situation in Afghanistan. "Wir haben es mit einem kollektiven Versagen zu tun", sagte der Grünen-Außenpolitiker Jürgen Trittin vor einer Sondersitzung des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags am Mittwoch in Berlin. "Frau Merkel hat das getan, was sie am besten kann: nichts." Innenminister Horst Seehofer habe die Flüchtlingsabwehr höher gewichtet als das Leben von Menschen. "Und Heiko Maas hat dafür die Berichte geliefert, schönfärberische Berichte über die Situation in Afghanistan."

Wenn man sich die Berichte aus der Botschaft in Kabul anschaue, stelle man fest, dass es nicht so gewesen sei, dass man nichts gewusst habe, sagte Trittin weiter. "Die Einzigen, die natürlich nichts gewusst haben, wie üblich, war der Bundesnachrichtendienst. Aber das überrascht eigentlich heute niemanden mehr." Der FDP-Außenpolitiker Bijan Djir-Sarai bezeichnete die Rolle der Bundesregierung als "katastrophal". Seine Partei habe schon seit langem eine Exit-Strategie für Afghanistan verlangt. "Es gab genügend Zeit, um diesen Tag vorzubereiten. Die Bundesregierung hat das nicht gemacht." Die politische Verantwortung dafür müsse Außenminister Maas übernehmen. "Diese Fehler wären vermeidbar gewesen", betonte Djir-Sarai.

Der Grünen-Außenpolitiker Omid Nouripour sagte, es gehe jetzt nicht um einen Rücktritt des Außenministers. "Heiko Maas ist federführend. Aber wir haben hier ein Komplettversagen der Bundesregierung." Alle hätten sich mit dem Problem nicht beschäftigt. "Man hat einfach weggeschaut." Dies werde nach der Evakuierung zu besprechen sein. "Jetzt gilt es Menschenleben zu retten."

NRW und andere Bundesländer wollen Tausende Afghanen aufnehmen

11.56 Uhr: Nach der faktischen Machtübernahme durch die militant-islamistischen Taliban in Afghanistan will Nordrhein-Westfalen von dort 1800 Menschen aufnehmen. Dabei geht es um 800 afghanische Ortskräfte, die in den vergangenen Jahren für deutsche Organisationen gearbeitet haben. 1000 weitere Plätze sollen vornehmlich Frauen offenstehen, die in den Bereichen Bürgerrechte, Menschenrechte, Kunst und Journalismus arbeiten und besonders bedroht sind. Das bestätigte am Mittwoch die Staatskanzlei in Düsseldorf. Zuvor hatte die "Rheinische Post" berichtet.

Einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zufolge bereiten sich auch mehrere andere Bundesländer auf die kurzfristige Aufnahme von Hunderten Flüchtlingen vor. In Frankfurt/Main war am frühen Morgen eine Lufthansa-Maschine aus Kabul mit etwa 130 Menschen gelandet. Am Dienstagabend startete in der afghanischen Hauptstadt ein weiterer Rettungsflug mit 139 Menschen an Bord ins Nachbarland Usbekistan.

Weitere Evakuierungsmaschine mit 180 Menschen in Kabul gestartet

11.50 Uhr: In der afghanischen Hauptstadt Kabul ist am Mittwoch eine weitere Bundeswehr-Maschine zur Evakuierung von Deutschen und Ortskräften gestartet. An Bord seien etwa 180 Menschen, teilte das Verteidigungsministerium am Mittwoch in Berlin mit. Damit seien insgesamt mehr als 400 Menschen in Sicherheit gebracht worden, so das Ministerium auf Twitter. Insgesamt sind an diesem Mittwoch vier solche Evakuierungsflüge aus Afghanistan ins Nachbarland Usbekistan geplant. Laut Auswärtigem Amt sind 176 Menschen an Bord des Flugzeuges.

Das in Kabul gestartete Transportflugzeug A400M flog in die usbekische Hauptstadt Taschkent. Geplant ist, dass die Menschen von dort mit der Lufthansa weiter nach Deutschland gebracht werden.

Hunderte Afghanen harren rund um Flughafen aus

11.30 Uhr: Nach der faktischen Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban harren in Afghanistans Hauptstadt Kabul weiterhin Hunderte Menschen rund um den Flughafen aus. Das berichteten Augenzeugen am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Kinder, Frauen und Männer hielten sich in den Straßen um das Flughafengelände auf. Viele hätten dort auch übernachtet.

Viele Afghanen versuchen aktuell, das Land zu verlassen. Allerdings ist der Flughafen nur eingeschränkt in Betrieb. Derzeit bemühen sich zahlreiche westliche Länder, ihre Staatsbürger und Ortskräfte, die Angst vor Racheaktionen der Taliban haben, aus Afghanistan in Sicherheit zu bringen. Unklar war, ob es neben Evakuierungsflügen am Mittwoch auch wieder kommerzielle Flüge gab oder geben sollte.

In der Stadt kursieren fälschlicherweise Gerüchte, wonach alle, die es auf den Flughafen schaffen, auch evakuiert werden. Deshalb fahren viele Menschen dorthin. Sie versuchen über Sprengschutzmauern oder anderen Wegen, auf das Gelände zu kommen. Am Mittwoch hieß es, das US-Militär entscheide abhängig von der jeweiligen Lage über Öffnung und Schließung bestimmter Zugänge zum Flughafen. Auf Twitter kursierten Videos, die vom Flughafen stammen sollen. Darin zu sehen sind Menschen, die US-Soldaten um Durchlass an einer Sperre anflehen.

Nepal bittet Deutschland, Sicherheitskräfte auszufliegen

11.05 Uhr: Nepal hat Deutschland und andere Länder gebeten, nepalesische Sicherheitsleute in Afghanistan in Sicherheit zu bringen. Rund 1500 Nepalesen hatten dort für Botschaften und Büros der Vereinten Nationen gearbeitet, sagte eine Sprecherin des nepalesischen Außenministeriums der Deutschen Presse-Agentur. Aus dem Auswärtigen Amt war zu hören, dass der für den Außenschutz des deutschen Botschaftsgeländes in Kabul beauftragte Sicherheitsdienstleister eine mittlere bis hohe zweistellige Zahl von nepalesischen Kräften eingesetzt hatte. Einige davon seien derzeit mit einer großen Gruppe anderer Nepalesen am Flughafen in Kabul.

Die Bundesregierung bemühe sich nach allen Kräften, deutsche Staatsangehörige, Ortskräfte und Schutzsuchende zu evakuieren, hieß es. Drei Flüge der Bundeswehr gab es bereits, weitere Flüge sollten am Mittwoch nach Möglichkeit folgen. Auch Staatsangehörige von internationalen Partnern würden dabei nach Möglichkeit und Kapazität berücksichtigt. Am Dienstag hatten die USA 118 Nepalesen aus Afghanistan in ihre Heimat gebracht.

Frankreich fliegt weitere 216 Menschen aus Kabul aus

10.35 Uhr: Frankreich hat in der Nacht zum Mittwoch weitere 216 Menschen aus Afghanistans Hauptstadt Kabul ausgeflogen. An Bord der zweiten französischen Maschine ins Golf-Emirat Abu Dhabi waren neben 184 Afghanen und 25 Franzosen auch Menschen aus den Niederlanden, Kenia und Irland, wie Außenminister Jean-Yves Le Drian in Paris mitteilte. Damit sei es gelungen, einen Großteil der Franzosen und Afghanen auszufliegen, die sich vor den militant-islamistischen Taliban ins französische Botschaftsgebäude geflüchtet hatten.

Eine erste Gruppe von 41 Franzosen und anderen Staatsangehörigen war bereits am Dienstagnachmittag in Paris gelandet. Afghanen, die im Rahmen der laufenden Aktion auf Dauer in Frankreich bleiben wollen, sicherte das Außenministerium Hilfe bei Anträgen auf Asyl und Aufenthaltsgenehmigung zu. Sie erhielten sämtliche Unterstützung, hieß es. Wie groß diese Personengruppe sein könnte, wurde nicht präzisiert.

US-Personal vernichtete Reisepässe von Afghanen

10.25 Uhr: US-Personal hat offenbar mehrere Pässe von Afghanen vernichtet, als es die Evakuierung der Botschaft in Kabul vorbereitete. Das Berichtet der Nachrichtensender CNN unter Berufung auf den demokratischen Abgeordneten Andy Kim. Unklar ist, warum die Pässe vernichtet wurden, aber es sei möglich, dass die Dokumente nicht in die Hände der Taliban hätten fallen dürfen, so CNN.

Wie Deutschland so haben auch die USA derzeit Probleme, afghanische Ortskräfte außer Landes zu fliegen. Das US-Außenministerium rät den Menschen derzeit, Schutz zu suchen und auf weitere Anweisungen zu warten. Ohne Reisepässe kann es für die betroffenen Menschen sehr schwierig werden, den Flughafen zu erreichen oder auszureisen.

Bundeskabinett billigt Evakuierungseinsatz der Bundeswehr

9.55 Uhr: Die Bundesregierung hat den Einsatz von bis zu 600 Bundeswehrsoldaten bei der Evakuierungsaktion im afghanischen Kabul beschlossen. Das Kabinett billigte nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Regierungskreisen am Mittwoch den Entwurf für ein entsprechendes Bundestagsmandat. Darüber soll voraussichtlich in der kommenden Woche im Parlament abgestimmt werden.

Italien richtet Luftbrücke nach Afghanistan ein

9.50 Uhr: Italien will ebenfalls eine Luftbrücke zur Evakuierung von Menschen aus Afghanistan einrichten. Das erste Flugzeug mit 85 Menschen an Bord - darunter frühere afghanische Mitarbeiter und ihre Familien - werde am Mittwoch am Flughafen Rom-Fiumicino landen, teilte das Verteidigungsministerium mit. Die Luftbrücke soll aus insgesamt sieben Maschinen bestehen. Vier Flugzeuge des Typs C-130J pendeln nach Angaben des Ministeriums zwischen Kabul und Kuwait. Von dort aus fliegen drei Flugzeuge vom Typ KC-767 weiter nach Italien.

US-Geheimdienste warnten offenbar frühzeitig vor Taliban-Sieg

8.30 Uhr: Der Blitz-Siegeszug der Taliban hat den Westen in Staunen und Entsetzen versetzt. Niemand habe kommen sehen, dass die militan-islamistische Miliz so schnell das Land erobern würde, heißt es in den Regierungszentralen der Nato-Partner und anderen Verbündeten. Doch zumindest die US-Regierung war offenbar doch gewarnt worden. Wie die "New York Times" berichtet, hätten US-Geheimdienste frühzeitig vor einem bevorstehenden Kollaps Afghanistans gewarnt.

Bereits Anfang Juli soll demnach Berichte umrissen haben, wie unvorbereitet Afghanistans Regierung auf die Taliban-Angriffe gewesen sei. Auch auf das Risiko eines schnellen Falls der Hauptstadt Kabul sei hingewiesen worden. Je mehr Städte an die Miliz fielen, desto schneller würden auch andere kampflos aufgeben, hieß es offenbar in Analysen. Die US-Zeitung beruft sich dabei auf Informationen aus Sicherheitskreisen.

Etwa zur gleichen Zeit war US-Präsident Joe Biden noch öffentlich davon ausgegangen, dass eine schnelle Niederlage der afghanischen Armee unwahrscheinlich sei. Szenen wie bei der Evakuierung Saigons 1975 werde es nicht geben, hatte Biden versprochen.

"Menschliche Überreste" in US-Flugzeug gefunden – Untersuchung eingeleitet

8.02 Uhr: Verzweifelte klammerten sich in Kabul an ein US-Flugzeug und stürzten so in den Tod. Die Air Force hat Untersuchungen eingeleitet. Dabei werden auch Videoaufnahmen hinzugezogen, die am Montag für Entsetzen gesorgt hatten.

Drogenbeauftragte warnt nach Taliban-Machtübernahme vor Rauschgiftschwemme

8 Uhr: Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung hat nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan vor einer starken Ausweitung des Angebots von Heroin und Crystal Meth in Europa gewarnt. "Der Drogenanbau war und ist eine der zentralen Einnahmequellen der Taliban", sagte Daniela Ludwig (CSU) den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND, Mittwochsausgaben). "Wir müssen damit rechnen, dass die Taliban den Drogenanbau in Zukunft nicht zurückfahren, sondern weiter ausbauen."

Dies werde "spürbare Auswirkungen" auf den internationalen Drogenmarkt und auch auf Deutschland haben, erklärte Ludwig. "Darauf müssen wir uns vorbereiten, sicherheitspolitisch, aber auch durch konsequente Aufklärung und Prävention", forderte die CSU-Politikerin. Afghanistan sei das weltweit größte Anbauland von Schlafmohn, der Grundlage von Heroin, erläuterte Ludwig. Dazu kämen Drogenlabore, die zur Herstellung von Methampethaminen

"Prävention, ein gutes Suchthilfeangebot und ein entschlossenes Vorgehen gegen den organisierten Drogenhandel müssen in Zukunft sowohl im Bund als auch bei den Ländern ganz weit oben auf der Agenda stehen."

Umfrage: Knapp zwei Drittel haben Sorge vor Flüchtlingslage wie 2015

7.30 Uhr: Eine große Mehrheit der Bürger befürchtet laut einer Umfrage, dass angesichts der Entwicklung in Afghanistan erneut sehr viele Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Knapp zwei Drittel (62,9 Prozent) sorgen sich vor einer Situation wie 2015, ergab die repräsentative Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Civey für die "Augsburger Allgemeine" (Mittwoch). Knapp ein Drittel (30 Prozent) sieht das anders. Der Rest ist unentschieden.

Evakuierte in Deutschland gelandet – Schwiergkeiten in Kabul

5 Uhr: Die Evakuierung von Deutschen und afghanischen Ortskräften aus Kabul kommt auf Touren. In Frankfurt am Main landete am frühen Mittwochmorgen eine Lufthansa-Maschine mit rund 130 Evakuierten. In Kabul startete zudem am Dienstagabend ein dritter Evakuierungsflug mit 139 Menschen an Bord, wie Außenminister Heiko Maas (SPD) mitteilte. Die Maschine landete in der Nacht zum Mittwoch in Taschkent. Bereits am Dienstag waren in Berlin erste evakuierte Mitarbeiter der Botschaft in Kabul angekommen.

In Kabul startete am Dienstagabend ein dritter Evakuierungsflug der Bundeswehr mit 139 Menschen an Bord. Von Taschkent aus sollen sie am Mittwoch per Lufthansa nach Deutschland gebracht werden. An diesem Mittwoch seien vier weitere Flüge nach Kabul vorgesehen, um einen am Vortag nicht durchgeführten Flug zu kompensieren, teilte die Bundeswehr via Twitter mit. Momentan sei die Flughafenfeuerwehr in Kabul nicht verfügbar.

Erste evakuierte Mitarbeiter der Botschaft in Kabul waren nach dpa-Informationen bereits am Dienstagnachmittag mit einer Linienmaschine auf dem Berliner Flughafen Schönefeld gelandet. In der Nacht zu Montag waren sie unter den ersten 40 deutschen Staatsbürgern, die mit einem US-Flugzeug nach Doha im Golfemirat Katar ausgeflogen worden waren.

Leben unter den Taliban: So hat sich Kabul schon verändert

4 Uhr: Mit dem Taliban-Sieg verändert sich das Leben für die Menschen in Kabul radikal. Binnen weniger Stunden begann hier ein neuer Alltag. Zwar geben sich die neuen Machthaber gemäßigt, verkünden eine Generalamnestie für Beamte der bisherigen Regierung und versprechen Frauen mehr Rechte als zu den Zeiten ihrer früheren Herrschaft. Doch viele Einwohner Kabuls glauben den Versprechungen nicht - und kehren deshalb schon aus Selbstschutz zu den Alltagsregeln der einstigen Taliban-Schreckensherrschaft zurück.

US-Militär fliegt mehr als 3200 Menschen aus Afghanistan aus

2.30 Uhr: Das US-Militär hat bislang mehr als 3200 Menschen aus Afghanistan ausgeflogen. Allein am Dienstag seien mit 13 Flügen rund 1100 Menschen in Sicherheit gebracht worden, sagte ein Vertreter des Weißen Hauses, der anonym bleiben wollte.

CDU-Experte fordert Flüchtlingsdeal auch mit dem Iran

1.56 Uhr: Im ersten Halbjahr hat die Bundespolizei deutlich mehr illegal Einreisende aus Afghanistan aufgegriffen als im gesamten Jahr 2020. Das geht aus einer Statistik der Bundespolizei hervor, die unserer Redaktion vorliegt. Nach Angaben der Behörden wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 4.294 Mal unerlaubt eingereiste afghanische Staatsangehörige festgestellt, die überwiegend auf dem Luftweg via Griechenland gekommen waren. Im gesamten Vorjahr waren es insgesamt 3.256 Fälle. In den letzten fünf Jahren waren die illegal eingereisten Afghanen zumeist an der Grenze nach Österreich aufgegriffen worden und gewöhnlich mit PKWs, Bussen und "zunehmend auch Lastwagen" gekommen, so die Bundespolizei.

Der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter geht nach der Machtübernahme durch die Taliban davon aus, "dass mehr Afghanen den Weg Richtung Türkei suchen werden". Es gebe seiner Ansicht nach mehrere Szenarien, in jedem Fall müsse Europa aber eine abgestimmte Flüchtlingspolitik mit den Nachbarländern Afghanistans betreiben, sagte Kiesewetter dieser Redaktion. Er fügte hinzu, "auch mit dem Iran". Das schließe den Aufbau großer Flüchtlingszentren ein, "vielleicht von der UNO geleitet und von der EU finanziert". Kiesewetter bedauerte, im Wahlkampf gehe die öffentliche Debatte an diesen Themen vorbei. "Wir laufen Gefahr, zu sehr auf den deutschen Bauchnabel zu schauen. Wir müssen jetzt vorbeugend agieren", forderte der CDU-Politiker.

Dritte Bundeswehr-Maschine mit Evakuierten in Taschkent gelandet

1 Uhr: In der usbekischen Hauptstadt Taschkent ist in der Nacht zu Mittwoch die dritte Bundeswehr-Maschine mit aus Kabul evakuierten Deutschen und Ortskräften gelandet. Das teilte die Bundeswehr am frühen Mittwochmorgen via Twitter mit. "Von dort aus wird die Weiterreise der über 135 evakuierten Personen vorbereitet", hieß es weiter.

Nachrichten am Dienstag, 17. August: UN-Menschenrechtsrat beruft Sondersitzung zu Situation in Afghanistan ein

22.49 Uhr: Der UN-Menschenrechtsrat will sich in einer Sondersitzung mit der Situation in Afghanistan nach der Machtübernahme durch die radikalislamischen Taliban befassen. Wie die Vereinten Nationen am Dienstag in Genf mitteilten, soll das Gremium am 24. August die "ernsten Menschenrechtssorgen" in dem Land diskutieren. Die Ankündigung folgte auf Antrag der Vertreter von Pakistan und Afghanistan selbst, er wird von zahlreichen Ländern einschließlich Deutschland unterstützt.

Zuvor hatte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR angesichts der "raschen Verschlechterung" der Sicherheits- und Menschenrechtslage in großen Teilen Afghanistans einen allgemeinen Verzicht auf die Abschiebung von Afghanen in ihr Heimatland gefordert.

Dritte Maschine der Bundeswehr aus Kabul gestartet

22.09 Uhr: Laut übereinstimmenden Medienberichten ist der dritte Evakuierungsflug der Bundeswehr aus Kabul gestartet. An Bord seien 139 Menschen, teilte Außenminister Heiko Maas (SPD) im "heute journal" des ZDF mit. Eine vierter Flug soll noch heute Nacht vom Flughafen der afghanischen Hauptstadt starten. "Im Moment sind die Tore am Flughafen geschlossen, sobald die wieder geöffnet sind, werden wir diesen Betrieb fortsetzen", sagte Maas.

Das in Kabul gestartete Transportflugzeug A400M fliegt zunächst in die usbekische Hauptstadt Taschkent. Laut Auswärtigem Amt werden die Menschen von dort am Mittwoch mit der Lufthansa weiter nach Deutschland gebracht. Das Verteidigungsministerium teilte auf Twitter mit, nunmehr seien mehr als 260 Personen aus Afghanistan ausgeflogen worden. "Und wir evakuieren solange es geht weiter", betonte das Ministerium.

Aufnahme aus Afghanistan – Draghi will EU-Zusammenarbeit

21.37 Uhr: Italiens Ministerpräsident Mario Draghi sieht vor allem die europäische Zusammenarbeit für die Aufnahme von Menschen aus Afghanistan gefragt. "Uns allen ist bewusst, dass die Kooperation absolut notwendig ist, um zwei Ziele zu erreichen: die Aufnahme und die Sicherheit", sagte der 73-Jährige in einem Fernseh-Interview, das der öffentlich-rechtliche Sender Rai 1 in der Nachrichtensendung "TG1" am Dienstagabend ausstrahlte. Draghi verwies dabei auf ein Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Darin ging es ihm zufolge hauptsächlich um die Evakuierungen vom Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul aus.

Bundeswehr bringt Gerettete nach Hamburg

21.15 Uhr: Bis zu 250 aus Afghanistan Gerettete sollen in der Erstaufnahme-Stelle in Hamburg untergebracht werden. Das gab Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentschner (SPD) über den Kurznachrichtendienst Twitter bekannt. Derzeit sei die Bundeswehr mit 13 Bussen unterwegs zum Frankfurter Flughafen, um die Menschen dort abzuholen. "Die beste Solidarität ist schnelle Hilfe", schrieb Tschentscher.

Taliban sagen freien Zugang zum Flughafen für Zivilisten zu

20.34 Uhr: Bei den Evakuierungsbemühungen in Afghanistan haben die Taliban nach Angaben der US-Regierung zugesagt, Zivilisten unbehelligt zum Flughafen in Kabul zu lassen. Der Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, sagte am Dienstag vor Journalisten im Weißen Haus, man gehe davon aus, dass die Zusage bis zum Monatsende gelte, spreche über den genauen Zeitplan und Ablauf aber mit den Taliban. "Ich will nicht öffentlich verhandeln. Ich arbeite daran, die beste Methode zu finden, um die meisten Menschen auf möglichst effiziente Weise herauszubekommen", sagte Sullivan.

Sullivan wollte sich nicht darauf festlegen, ob die US-Soldaten in Afghanistan bleiben würden, bis alle geplanten Evakuierungen abgeschlossen seien. Er sagte auf Nachfrage, nach US-Erkenntnissen gelinge es Menschen "im Großen und Ganzen", zum Flughafen zu gelangen. "Es gab Fälle, in denen uns berichtet wurde, dass Menschen abgewiesen oder zurückgedrängt oder sogar geschlagen wurden." Diese Fälle würden bei den Taliban angesprochen, um sie zu lösen.

US-Militär: Afghanische Soldaten helfen bei Sicherung des Flughafens

19.50 Uhr: Etwa 500 bis 600 afghanische Soldaten helfen US-Angaben zufolge weiterhin bei der Sicherung des Flughafens in Kabul. Sie unterstützen die US-Soldaten und andere internationale Truppen bei ihrem Einsatz, wie ein Vertreter des US-Verteidigungsministeriums am Dienstag sagte. Sprecher John Kirby erklärte auf Nachfrage, es stehe den afghanischen Soldaten frei, sich ähnlich wie frühere örtliche Mitarbeiter der US-Streitkräfte für ein US-Visum zu bewerben, falls sie dies wünschten.

In Afghanistan haben inzwischen die militant-islamistischen Taliban faktisch die Macht übernommen. Viele Einheiten des afghanischen Militärs ergaben sich kampflos. Der Flughafen Kabul steht aber unter der Kontrolle des US-Militärs. Bis Dienstagabend wollten die US-Streitkräfte rund 4000 Soldatinnen und Soldaten am Flughafen aufbieten, im Laufe der Woche sollten es 6000 werden. Sie sollen die Sicherheit des Flughafens gewähren und die Evakuierung von Amerikanern und früheren afghanischen Mitarbeitern der US-Streitkräfte organisieren.

Tausende Demonstranten fordern schnelle Luftbrücke aus Afghanistan

19.29 Uhr: Tausende Demonstranten haben am Dienstag bei Protesten in mehreren deutschen Städten eine schnelle und unbürokratische Evakuierung für bedrohte Menschen aus Afghanistan gefordert. Die größte Demo gab es laut der Veranstalter in Berlin. "Luftbrücke jetzt" und "Wir haben Platz" war vor dem Reichstagsgebäude, dem Sitz des Bundestags, auf Transparenten und Schildern zu lesen. Nach Angaben der Polizei kamen am Nachmittag mit 2100 Teilnehmern deutlich mehr als erwartet, angemeldet waren 500. Abschließende Zahlen lagen noch nicht vor.

Ein breites Bündnis, zu dem die Initiative "Seebrücke" gehört, hatte in acht Städten in Deutschland zu Protesten aufgerufen. In Köln kamen laut der Veranstalter etwa 1000 Menschen, ebenfalls deutlich mehr als erwartet.

Deutschland will mit Taliban-Vertretern über Ausreise von Ortskräften sprechen

19.28 Uhr: Die Bundesregierung will sich in Gesprächen mit Taliban-Vertretern um Ausreisemöglichkeiten für einheimische Ortskräfte in Afghanistan bemühen. Der deutsche Botschafter in Kabul, Markus Potzel, sei in die katarische Hauptstadt Doha gereist, wo US-Vertreter mit Taliban-Repräsentanten im Gespräch sind, sagte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) am Dienstagabend in Berlin.

Der Diplomat wolle in seinen Gesprächen in Doha darauf hinwirken, "dass auch Ortskräfte sich an den Flughafen begeben können und auch ausgeflogen werden können", sagte Maas. Bislang können nach seinen Angaben nur ausländische Staatsbürger die Taliban-Kontrollposten auf dem Weg zum Flughafen der Hauptstadt Kabul passieren, afghanische Bürger würden zurückgewiesen.

Maas sagte, die Luftwaffe wolle noch im Laufe der Nacht zum Mittwoch zusätzlich zu den 132 bereits aus Kabul ausgeflogenen Menschen 180 weitere außer Landes bringen. Sie sollten von der Luftwaffe in die usbekische Hauptstadt Taschkent gebracht werden, von wo aus sie in Lufthansa-Flugzeugen die Weiterreise nach Deutschland antreten könnten.

Taliban verkünden Kriegsende und allgemeine Amnestie

19.07 Uhr: Zwei Tage nach ihrem Einmarsch in der afghanischen Hauptstadt Kabul haben die radikalislamischen Taliban das Ende des Krieges und eine allgemeine Amnestie verkündet. "Der Krieg ist zuende", und "jeder" sei begnadigt, sagte Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Kabul. Er kündigte auch an, dass Frauen weiterhin arbeiten gehen dürften, sofern ihre Erwerbstätigkeiten im Einklang mit "den Prinzipien des Islam" stünden.

Ein anderer Taliban-Sprecher sagte zudem in einem Interview des britischen Senders Sky News, dass Frauen in Afghanistan künftig nicht wieder dazu verpflichtet sein sollten, in der Öffentlichkeit die Ganzkörperbedeckung Burka zu tragen. Auch das Tragen anderer Formen von Schleiern solle erlaubt sein.

Erste Evakuierte aus Kabul zurück in Deutschland

18.55 Uhr: Die ersten Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Kabul sind nach ihrer Evakuierung aus Afghanistan zurück in Deutschland. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur landeten sie am Dienstagnachmittag mit einer Linienmaschine auf dem Berliner Hauptstadtflughafen in Schönefeld.

EU-Kommission will Afghanistan weiter mit Hilfen unterstützen

18.16 Uhr: Der EU-Kommissar für Krisenmanagement, Janez Lenarcic, hat angekündigt, dass die EU Afghanistan weiterhin mit Hilfen unterstützen wird. Die Union sei bereits der größte globale Spender für Afghanistan und werde auch künftig Menschen in Not helfen, schrieb er am Dienstag auf Twitter. Die Hilfe beruhe auf den Prinzipien der Unabhängigkeit, Unparteilichkeit und Neutralität. Nach der faktischen Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan hatte die Bundesregierung angekündigt, die staatliche Entwicklungshilfe für das Land auszusetzen.

Mitbegründer der Taliban nach Afghanistan zurückgekehrt

18.13 Uhr: Nach der Machtübernahme der Taliban ist ein Mitbegründer und Führungsmitglied der radikalen Islamistenbewegung nach Afghanistan zurückgekehrt. Wie ein Taliban-Sprecher im Onlinedienst Twitter mitteilte, landete Mullah Abdul Ghani Baradar am Dienstag von Katar kommend am Flughafen von Kandahar. Es ist die erste in aller Öffentlichkeit stattfindende Rückkehr eines Mitglieds der Taliban-Führung seit deren Vertreibung aus dem Land durch die USA im Jahr 2001.

Baradar hatte zuletzt das politische Büro der Taliban in Katar geleitet. Er verantwortete unter anderem die Unterzeichnung eines Abkommens mit der Regierung des damaligen US-Präsidenten Donald Trump im Februar 2020, das den Abzug der US-Truppen aus Afghanistan regelte.

Usbekistan warnt nach Flucht von Afghanen vor weiteren Grenzverletzungen

17.31 Uhr: Nach der Flucht einer Reihe von früheren afghanischen Regierungssoldaten ins benachbarte Usbekistan hat die Regierung in Taschkent vor weiteren "Grenzverletzungen" gewarnt. Usbekistan führe mit den Taliban Gespräche zur "Frage des Grenzschutzes und der Aufrechterhaltung der Ruhe im Grenzgebiet", erklärte das Außenministerium am Dienstag in Taschkent. Jeder Versuch, die Grenzen zu verletzen, würden in Zukunft "entschieden unterbunden".

Seit dem Vorrücken der Taliban auf Kabul waren immer wieder afghanische Soldaten und Zivilisten in die benachbarten zentralasiatischen Staaten geflohen. Bei einem der Fluchtversuche war ein afghanisches Militärflugzeug am Sonntag im usbekischen Grenzgebiet abgestürzt, seine Insassen überlebten jedoch.

Saleh erklärt sich zum Interimspräsidenten

17.23 Uhr: Der Erste Vize-Präsident Afghanistans, Amrullah Saleh, ist nach eigener Darstellung der "legitime geschäftsführende Präsident" des Landes. In einer Serie von Botschaften auf Twitter ruft er die Bevölkerung auf, sich "dem Widerstand anzuschließen".Er selbst halte sich in Afghanistan auf und werde sich unter keinen Umständen den "Taliban-Terroristen" unterwerfen. Im Gegensatz zu den USA und der Nato "haben wir unseren Mut nicht verloren und sehen große Chancen für die Zukunft". Salehs Aufenthaltsort ist nicht bekannt.

Uganda nimmt auf US-Bitte übergangsweise afghanische Flüchtlinge auf

17.06 Uhr: Nach der faktischen Machtübernahme der Taliban in Afghanistan hat sich das ostafrikanische Land Uganda bereit erklärt, vorübergehend afghanische Flüchtlinge aufzunehmen. Man komme damit einer Bitte der US-Regierung nach und erwarte mindestens 2000 Asylbewerber, sagte die ugandische Ministerin Esther Anyakun am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Die Flüchtlinge sollen demnach in Uganda bleiben, bis sie in ein sicheres Drittland reisen können.

Die Menschen sollen nach einem Corona-Test und Aufnahmegesprächen zunächst in Hotels in der Nähe des Flughafens Entebbe und anschließend in Flüchtlingslager gebracht werden, sagte Anyakun. Man habe bereits Zelte und anderes Material zum internationalen Flughafen gebracht. Das ostafrikanische Binnenland mit 44 Millionen Einwohnern beherbergt bereits etwa 1,5 Millionen Flüchtlinge aus Südsudan und der Demokratischen Republik Kongo.

Lufthansa fliegt Afghanistan-Flüchtlinge weiter nach Frankfurt

16.53 Uhr: Nach den ersten Evakuierungen aus Kabul übernimmt die Lufthansa den weiteren Transport der Menschen nach Deutschland. Bereits in der Nacht zum Mittwoch werde eine erste Maschine aus dem usbekischen Taschkent in Frankfurt erwartet, sagte ein Lufthansa-Sprecher am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Lufthansa werde in Absprache mit der Bundesregierung auch Evakuierungsflüge aus Doha in Katar anbieten. Für die nächsten Tage sei eine noch unbekannte Zahl von Flügen geplant.

Taliban-Sprecher: Frauen sollen Universitäten besuchen dürfen

16.38 Uhr: Ein Taliban-Sprecher hat in Aussicht gestellt, dass Mädchen und Frauen auch nach der Machtübernahme der Islamisten in Afghanistan weiterhin Schulen und Universitäten besuchen dürfen. "Ja, sie können Bildung und höhere Bildung in Anspruch nehmen, das bedeutet auch Universitäten", bestätigte der Taliban-Vertreter Suhail Shaheen am Dienstag auf Nachfrage in einem Fernsehinterview mit dem britischen Sender Sky News.

Die Frage, ob von Frauen in Afghanistan künftig erwartet werde, dass sie sich verschleierten und Burka trügen, verneinte der Sprecher. Ein Hijab, also ein Kopftuch, würde hingegen erwartet. "Das ist zu ihrer eigenen Sicherheit", ergänzte der Taliban-Vertreter. Nach der Machtübernahme der Taliban wird eine massive Verschlechterung der Menschenrechtslage im Land erwartet, insbesondere für Frauen und Mädchen.

Maas: Deutschland friert Hilfsgelder für Afghanistan ein

16.33 Uhr: Die Bundesregierung hat nach der Machtübernahme durch die militant-islamistischen Taliban neben der Entwicklungshilfe auch alle anderen staatlichen Hilfszahlungen ausgesetzt. "Was die Entwicklungshilfe angeht, aber genauso unsere Stabilisierungsmaßnahmen, haben wir diese Mittel jetzt erst einmal eingefroren", sagte Außenminister Heiko Maas (SPD) am Dienstag nach einer Sitzung des Krisenstabes der Bundesregierung in Berlin. Man wolle sich zunächst die weitere Entwicklung in Afghanistan ansehen.

Nicht nur Deutschland, auch andere Staaten hätten solche Zahlungen gestoppt, sagte Maas. "Es gilt, zu überprüfen, wo man humanitär helfen kann." Dies gelte nicht nur für Afghanistan, sondern das werde in der kommenden Zeit vor allen Dingen für jene Menschen gelten, die aus Afghanistan in die Nachbarstaaten fliehen würden.

Bundesregierung sieht Rettungschancen für Ortskräfte pessimistisch

16.24 Uhr: Mit wachsender Sorge betrachtet die Bundesregierung das Schicksal der einheimischen Ortskräfte, die in Afghanistan für deutsche Stellen tätig waren. Die radikalislamischen Taliban hätten inzwischen die Zufahrten zum Flughafen abgeriegelt und Kontrollposten eingerichtet, an denen afghanische Staatsbürger zurückgewiesen würden - dies schreibt das Bundesverteidigungsministerium in einem auf Dienstag datierten Lagebericht für den Bundestag.

Durch die "Abriegelung des Flughafens für afghanische Staatsbürger" werde eine "Evakuierung ehemaliger afghanische Ortskräfte erschwert", heißt es in dem als "Verschlusssache" deklarierten Bericht, der AFP vorliegt. Außenminister Maas (SPD) berichtete am Nachmittag von gemeinsamen Bemühungen mit den USA, dafür zu sorgen, "dass die Ortskräfte auch an den Flughafen kommen". Einige Ortskräften hätten sich trotz der Kontrollen bis zum Flughafen durchschlagen können. Insgesamt habe sich die Lage dort "stabilisiert", sagte Maas. Deutsche Staatsbürger würden von den Taliban-Posten durchgelassen.

Zweite Evakuierungsmaschine mit 125 Menschen in Taschkent gelandet

16.00 Uhr: Die zweite Evakuierungsmaschine der Bundeswehr mit 125 Menschen aus Afghanistan an Bord ist am Dienstagnachmittag in Taschkent im Nachbarland Usbekistan gelandet. Das sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr der Deutschen Presse-Agentur, nachdem "Bild" dies zuerst gemeldet hatte.

Stoltenberg: Nato muss Lehren aus Ereignissen in Afghanistan ziehen

15.45 Uhr: Die Nato wird nach Angaben von Generalsekretär Jens Stoltenberg Lehren aus den jüngsten Ereignissen in Afghanistan ziehen müssen. Die Frage sei, warum die afghanischen Streitkräfte, die man über so viele Jahre hinweg ausgebildet, ausgerüstet und unterstützt habe, nicht in der Lage gewesen seien, den Taliban stärker Widerstand zu leisten, sagte er am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Brüssel. Man sei sich bei der Abzugsentscheidung bewusst gewesen, dass es das Risiko einer Machtübernahme durch die Taliban gebe. Die Geschwindigkeit sei aber eine Überraschung gewesen. "Es müssen Lehren gezogen werden", sagte Stoltenberg.

Merkel setzt bei Fluchtbewegung aus Afghanistan auf Nachbarländer

15.39 Uhr: Nach der Machtübernahme der Taliban setzt Kanzlerin Angela Merkel im Fall einer größeren Fluchtbewegung zunächst einmal auf eine Unterbringung in den Nachbarstaaten Afghanistans. "Bevor man über Kontingente spricht, muss man erst mal über sichere Möglichkeiten für Flüchtlinge in der Nachbarschaft von Afghanistan reden", sagte die CDU-Politikerin am Dienstag in Berlin. Dies werde sie noch am selben Tag mit UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi besprechen. "Dann kann man in einem zweiten Schritt darüber nachdenken, ob besonders betroffene Personen kontrolliert und auch unterstützt nach Europa und in die europäischen Länder kommen."

Die Kanzlerin räumte in einer Pressekonferenz mit Estlands Ministerpräsidentin Kaja Kallas ein, "dass hier eine gemeinsame europäische Position nicht so einfach ist". Zwar nähmen auch viele andere Länder Flüchtlinge auf. Aber: "Es ist eine Schwachstelle unser Europäischen Union, dass wir keine gemeinsame Asylpolitik bis heute geschafft haben. Daran muss mit Nachdruck weiter gearbeitet werden." Auch Kallas plädierte in der Flüchtlingsfrage für eine enge Zusammenarbeit mit den Nachbarn Afghanistans. Sie könnten diesen Menschen am schnellsten helfen.

Russland fordert von Taliban "allumfassende Regierung"

15.32 Uhr: Russland hat die bisherigen Zusicherungen der Taliban nach deren Machtübernahme in Afghanistan als ein "positives Signal" gewertet. Russland sehe "hoffnungsvolle Signale von Seiten der Taliban", dass sie bereit seien, andere politische Kräfte an einer Regierung zu beteiligen, sagte Außenminister Sergej Lawrow am Dienstag in Kaliningrad. Er forderte eine "allumfassende Regierung" in Kabul: Moskau unterstütze die Einleitung eines "nationalen Dialogs" "unter Beteiligung aller politischen, ethnischen und religiösen Kräfte".

Als weiteres "positives Signal" wertete der russische Außenminister die Bereitschaft der radikalislamischen Machthaber, "die Meinung anderer zu respektieren" sowie deren Versicherung, das Recht auf Bildung auch Mädchen zuzugestehen. Der Taliban-Vertreter Suhail Schahin hatte nach der Einnahme Kabuls am Sonntag in der BBC versichert, seine Miliz strebe eine "islamische Regierung" an, in der "alle Afghanen" vertreten seien. Obwohl Russland die Taliban als "terroristische Organisation" betrachtet, unterhält es seit mehreren Jahren Beziehungen zu ihnen.

Innenausschuss trifft sich zu Afghanistan-Sondersitzung

14.48 Uhr: Der Innenausschuss des Bundestags soll an diesem Donnerstag zu einer Sondersitzung zum Thema Afghanistan zusammenkommen. Angesichts der "dramatischen Entwicklungen" in dem Land werde sie den Ausschuss für 12 Uhr zusammenrufen, sagte die Vorsitzende Andrea Lindholz (CSU) der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Für den Mittwoch sind bereits Sitzungen der vorrangig zuständigen Ausschüsse für Auswärtiges und Verteidigung geplant.

Aus innenpolitischer Sicht stünden insbesondere Fragen zur Evakuierung und zur Luftbrücke, zur deutschen Verantwortung für die Ortskräfte und zur Hilfe in der Region im Fokus, sagte Lindholz. "Eine Situation wie 2015 darf sich keinesfalls wiederholen. Es sollte allen klar sein, dass eine Aufnahme in Deutschland nur in gut begründeten Einzelfällen eine Lösung sein kann." Deutschland dürfe nicht tatenlos zusehen, wie die Lage weiter eskaliere, sondern müsse internationale Antworten entwickeln, um die Situation in der Region zu stabilisieren.

Über 120 Menschen mit Flieger der Bundeswehr evakuiert

14.56 Uhr: Laut Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) sind über 120 Menschen, darunter Deutsche, Afghanen und Angehörige anderer Nationalitäten mit einem Flug der Bundeswehr aus Kabul gebracht worden. Laut Verteidigungsministerium sind auch afghanische Ortskräfte unter den 125 Passagieren. Sie seien auf dem Weg nach Taschkent in Usbekistan.

Zweite Bundeswehrmaschine in Kabul gelandet

13.54 Uhr: Die zweite Bundeswehrmaschine für die Evakuierungsaktion in Afghanistan ist auf dem Flughafen in Kabul gelandet. Das sagte Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) in Berlin.

"Wir nehmen alles mit, was vom Platz her in unsere Flugzeuge passt", die Politikerin. Dies betreffe deutsche Staatsbürger, gefährdete Afghanen und Staatsbürger verbündeter Nationen.

Internes Dokument: Bundeswehr will offenbar mehr Soldaten an Flughafen Kabul verlegen

13.26 Uhr: Die Bundeswehr will noch im Laufe des Dienstags mehr Soldaten an den Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul verlegen, um die Evakuierungsflüge der Luftwaffe abzusichern. Dies geht aus einem vertraulichen Sachstandsbericht des Bundesverteidigungsministeriums für den Bundestag hervor, welcher der Nachrichtenagentur AFP vorliegt. Die Soldaten sollen demnach vom Drehkreuz Taschkent im benachbarten Usbekistan nach Kabul verlegt werden.

"Es ist beabsichtigt, die zu evakuierenden Personen in mehreren Umläufen mit geschütztem militärischen Lufttransportraum von Kabul in das sichere Umfeld des Gastlandes Usbekistan auszufliegen und sie in einem weiteren Schritt von dort aus unter Federführung des Auswärtigen Amtes nach Deutschland zu verlegen", heißt es in dem Dokument. Es ist gekennzeichnet als "VS - nur für den Dienstgebrauch". Das in Kabul verbliebene Personal der deutschen Botschaft sei bereits durch ein Krisenunterstützungsteam verstärkt worden, heißt es in dem Sachstandsbericht weiter.

Deutschland setzt Entwicklungshilfe für Afghanistan aus

13.06 Uhr: Deutschland hat seine Entwicklungshilfe für Afghanistan nach der dortigen Machtübernahme durch die Taliban gestoppt. "Die staatliche Entwicklungszusammenarbeit ist derzeit ausgesetzt", sagte Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) der Düsseldorfer "Rheinischen Post" vom Mittwoch.

Einen derartigen Schritt hatte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) bereits vergangenen Donnerstag für den Fall einer Machtübernahme der radikalislamischen Taliban angekündigt. "Wir werden keinen Cent mehr nach Afghanistan geben, wenn die Taliban komplett übernommen haben, die Scharia einführen und dieses Land ein Kalifat wird", hatte Maas gesagt. Afghanistan war bislang eines der Schwerpunktländer für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit - für das laufende Jahr hatte Deutschland auf der Geberkonferenz im November 2020 bis zu 430 Millionen Euro an ziviler Unterstützung zugesagt.

US-Sanktionen: Whatsapp entfernt Taliban-Profile

11.59 Uhr: Die militant-islamistischen Taliban nutzen laut Medienberichten Facebooks Chatdienst Whatsapp, der sie als amerikanisches Unternehmen sperren muss. So schrieb die "Washington Post", die Taliban hätten Einwohnern von Kabul über Whatsapp-Gruppen mitgeteilt, dass die die Kontrolle über die Stadt übernähmen.

Eine Whatsapp-Sprecherin sagte am Dienstag, der Chatdienst müsse US-Sanktionen befolgen - und dazu gehöre, Profile zu entfernen, "die sich als offizielle Accounts der Taliban zu erkennen geben". Zugleich ersuche man weitere Informationen von US-Behörden "angesichts der sich verändernden Situation in Afghanistan".

Die Chats bei Whatsapp sind mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geschützt. Das bedeutet, dass grundsätzlich nur die beteiligten Nutzer, aber nicht die Plattform selbst Zugang zu Inhalten der Unterhaltungen im Klartext haben. Whatsapp analysiert deshalb für den Dienst verfügbare Informationen wie Namen, Fotos oder Profilbeschreibungen, um problematische Gruppen zu identifizieren.

Insgesamt suche Facebook proaktiv nach Taliban-freundlichen Inhalten und entferne sie von der Plattform, betonte Instagram-Chef Adam Mosseri im Sender Bloomberg TV. Zugleich schränkte er ein, die Situation entwickele sich rapide. "Wir werden anpassen müssen, was wir machen und wie wir das machen, um auf sich verändernde Risiken zu reagieren."

Steinmeier: Deutschland trägt Mitverantwortung für "Tragödie" in Afghanistan

11.40 Uhr: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich nach der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban tief bestürzt über die Lage in Afghanistan geäußert und zugleich den Westen für diese Entwicklung mitverantwortlich gemacht. "Wir erleben in diesen Tagen eine menschliche Tragödie, für die wir Mitverantwortung tragen", sagte das Staatsoberhaupt am Dienstag in Berlin. Es handele sich um "eine politische Zäsur, die uns erschüttert und die Welt verändern wird". Die Bilder der Verzweiflung am Flughafen Kabul seien "beschämend für den politischen Westen".

Steinmeier, der auch für acht Jahre Bundesaußenminister war, betonte, Deutschland müsse jetzt alles daransetzen, seine Landsleute sowie deren langjährige afghanische Helfer in Sicherheit zu bringen. "Es sind furchtbare Tage für all jene, die für ein friedlicheres, demokratischeres Afghanistan gedient, gearbeitet und gelitten haben", sagte Steinmeier. Darüber hinaus müsse Deutschland gemeinsam mit seinen Verbündeten nach Möglichkeiten suchen, auch denjenigen zu helfen, denen in Afghanistan jetzt Gewalt oder Tod drohe, "darunter viele mutige Frauen".

Taliban-Vize: Kein Kämpfer darf Häuser in Kabul betreten

11.20 Uhr: Der Vizechef der militant-islamistischen Taliban hat seine Kämpfer angewiesen, keine Privathäuser in der afghanischen Hauptstadt Kabul zu betreten. Unter keinen Umständen sollte irgendjemand in die Häuser von Menschen gehen oder ihre Fahrzeuge mitnehmen, hieß es in einer vom lokalen TV-Sender ToloNews veröffentlichten Audionachricht, die dem Taliban-Vizechef Mullah Jakub zugeschrieben wurde. Sollte dies ein Beamter oder eine Einzelperson tun, sei das ein "Verrat am System" und man ziehe sie zur Rechenschaft.

Hintergrund der Botschaft ist offensichtlich, dass sich seit der faktischen Machtübernahme der Taliban in Kabul Berichte mehrten, dass Taliban-Kämpfer sich Zutritt zu Wohnhäusern verschafften und Autos mitnahmen. Gleichzeitig sagten mehrere Bewohner Kabuls auch, dass einfache Kriminelle die Ankunft der Taliban ausnutzten und wohl vorgaben, Taliban zu sein.

Usbekistan will Fluchtbewegung aus Afghanistan verhindern

10.55 Uhr: Usbekistan will Fluchtbewegungen aus Afghanistan in das eigene Staatsgebiet verhindern. Jeder Versuch, die Grenze zu verletzen, werde gemäß usbekischem Recht strikt unterbunden, teilte das Außenministerium am Dienstag in der Hauptstadt Taschkent mit. Die Ex-Sowjetrepublik in Zentralasien stehe in Fragen des Grenzschutzes und zur Lage an der Grenze eng in Kontakt mit den militant-islamistischen Taliban.

Am vergangenen Wochenende hatten nach usbekischen Angaben 22 Militärflugzeuge und 24 Hubschrauber mit zusammen 585 afghanischen Soldaten das Land erreicht. 84 afghanische Soldaten waren außerdem auf dem Landweg in die Ex-Sowjetrepublik geflohen. Darüber hinaus hatten 158 Zivilisten laut Staatsanwaltschaft illegal die Grenze überquert. Ein afghanisches Militärflugzeug wurde abgeschossen.

Dem Außenministerium zufolge will Usbekistan an den traditionell freundschaftlichen und guten nachbarschaftlichen Beziehungen zu Afghanistan festhalten. Man wolle sich weiterhin nicht in die inneren Angelegenheiten des Nachbarlandes einmischen und hoffe, dass die Machtübernahme friedlich verlaufe auf Grundlage "der allgemein anerkannten Normen des Völkerrechts", teilte das Ministerium mit.

Medenbericht: Evakuierung der deutschen Botschaft wäre fast gescheitert

10.40 Uhr: Die Evakuierung der deutschen Botschaft in Kabul scheint offenbar chaotischer abgelaufen zu sein, als zunächst angenommen. Wie die ARD berichtet, wolle die Botschaft bereits am Freitag die Evakuierung einleiten, wartete aber vergeblich auf grünes Licht aus Berlin. Währenddessen hätten etwa die Briten ihre Botschaft geräumt und ihr Personal in Sicherheit gebracht.

Auch der Samstag sei dann ohne Evakuierungsfreigabe aus Berlin vergangen, so der ARD-Bericht. Im Lauf des Tages habe sich die Situation vor Ort dramatisch verschlechtert, bis ein Transfer mit Fahrzeugen nicht mehr verantwortbar gewesen sei. Schließlich habe das deutsche Personal am Sonntagmorgen in die US-Botschaft gebracht werden müssen. Unklar sei, ob das Auswärtige Amt dem zugestimmt hatte, eine ARD-Anfrage sei bislang unbeantwortet geblieben. Am Ende seien es US-Hubschrauber vom Typ Chinook gewesen, die die Deutschen zum Flughafen brachten, so der Bericht. Außenminister Heiko Maas (SPD) hatte am Sonntag lediglich davon gesprochen, dass das Botschaftspersonal zum Flughafen verlegt worden sei, nicht aber angegeben, dass dies offenbar nur noch mit Hilfe der US-Amerikaner möglich war.

Hamburg will 200 gefährdete Afghanen aufnehmen

10.35 Uhr: Hamburg hat angeboten, Menschen aus Afghanistan aufzunehmen. "Die Entwicklung in Afghanistan ist dramatisch", schrieb Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) am späten Montagabend auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Hamburg habe angeboten, "unmittelbar & unbürokratisch 200 Gerettete aufzunehmen". Innensenator Andy Grote (SPD) sagte dem NDR, man sei in konkreten Gesprächen mit dem Bund und wolle in Hamburg Erstaufnahmekapazitäten zur Verfügung stellen.

Afghanische Street-Artist zeigt Leben von Frauen unter Taliban-Herrschaft

9.55 Uhr: Mit der Machtübernahme der Taliban droht den Frauen Afghanistans ein Rückfall in eine Zeit ohne Recht auf Bildung, ohne Recht auf Freiheit, ohne Recht auf körperliche Unversehrheit. Wie sich solche nahezu unvorstellbaren Zustände voller Angst und Verzweiflung anfühlen müssen, versucht Shamsia Hassani in eindrucksvolle Bilder zu verpacken.

Die erste Street Artist Afghanistans veröffentlichte in ihrem Instagram-Profil zwei Werke, in denen eine einzelne Frau ein Klavier umklammert, während sie von dunklen, bärtigen Männern mit hasserfüllten oder verächtlichen Blicken umstellt ist. Das Herz der Frau ist gebrochen, ihr Blick geht zu Boden. Hassani kommentiert das Bild mit "Nightmare", Albtraum.

In einem anderen Bild tritt eine Frau einem ebenfalls finster dargestellten Bewaffneten mit roten Augen entgegen. Das Kinn erhoben und aufrecht stehend hält die Frau einen schwarzen Blumentopf aus dem eine leuchtende Blume erwächst. Dazu schreibt die Künsterlin: "Vielleicht erleben wir, was wir erleben, weil unsere Wünsche in einem schwarzen Topf gewachsen sind."

Friedensnobelpreisträgerin Malala: "Jedes Land hat jetzt Verantwortung"

9.34 Uhr: Die pakistanische Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai hat Regierungen in aller Welt aufgerufen, Flüchtlinge aus Afghanistan aufzunehmen. "Jedes Land hat jetzt eine Rolle und eine Verantwortung", sagte die 24-Jährige in einem BBC-Interview, das am Montagabend ausgestrahlt wurde. "Die Länder müssen ihre Grenzen für afghanische Flüchtlinge öffnen, für die vertriebenen Menschen."

Sie selbst habe sich bereits an Regierungen gewandt und auch den pakistanischen Premierminister Imran Khan um die Aufnahme von Geflüchteten gebeten. Außerdem müssten Flüchtlingskinder und Mädchen in Camps Zugang zu Bildung bekommen.

Erster Bundeswehrflug startete nur mit sieben Menschen an Bord

9.20 Uhr: Wegen der gefährlichen Lage am Flughafen Kabul konnte die erste Evakuierungs-Maschine der Bundeswehr am Montag nur sieben Menschen aus der afghanischen Hauptstadt ausfliegen. "Aufgrund der chaotischen Umstände am Flughafen und regelmäßiger Schusswechsel am Zugangspunkt war gestern Nacht nicht gewährleistet, dass weitere deutsche Staatsangehörige und andere zu evakuierende Personen ohne Schutz der Bundeswehr überhaupt Zugang zum Flughafen erhalten würden", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts am Dienstag zur Begründung.

Ein Zugang von Personen, die sich am zivilen Teil des Flughafens aufgehalten hätten, sei "von den Partnern, die die Sicherheitsverantwortung am Flughafen ausüben, nicht ermöglicht" worden, erklärte der Sprecher weiter. Das Flugzeug habe den Flughafen außerdem nach kurzer Zeit wieder verlassen müssen. "Aufgrund der gerade abends und nachts äußerst gefährlichen Lage auf den Zufahrtswegen zum Flughafen wäre es ein untragbares Risiko für Leib und Leben der Menschen vor Ort gewesen, die zu Evakuierenden vor Erteilung der Landeerlaubnis und vor Sicherung des Zugangs durch Bundeswehrkräfte aufzurufen, sich zum Flughafen zu begeben."

Die Bundeswehr hatte erst mit dieser ersten Maschine die Fallschirmjäger der für Evakuierungsaktionen speziell ausgebildeten Division Schnelle Kräfte nach Kabul bringen können. "Mit Unterstützung der jetzt in Kabul eingetroffenen Kräfte der Bundeswehr arbeiten wir unter Hochdruck daran, dies im Laufe der nächsten Stunden für erste Evakuierungsgruppen zu ermöglichen", erklärte der Sprecher.

Schicksal der afghanischen Ortskräfte offen: Bundeswehr-Veteran macht wenig Hoffnung

8.40 Uhr: Die afghanischen Helferinnen und Helfer der Bundeswehr, aber auch die von Hilfsorganisationen, sowie Journalistinnen und Journalisten, Frauenrechtlerinnen und anders um eine freie afghanische Gesellschaft bemühte Menschen sehen mit der Einnahme Kabuls einer ungewissen Zukunft entgegen. Zwar hatte die Bundesregierung deren Evakuierung angekündigt – ob die Lage in Kabul dies aber überhaupt möglich macht, ist fraglich.

Der Leiter des Patenschaftsnetzwerkes Afghanische Ortskräfte, Marcus Grotian, wurde im ZDF-"heute journal" deutlich. Die Menschen säßen in Kabul "in einer Todesfalle". Sie hätten sich in der Hoffnung auf Rettung nach Kabul aufgemacht und dort in Safe Houses Zuflucht gesucht. Weil die Taliban begonnen hätten, nach den Ortskräften zu suchen, seien diese Zufluchten aufgelöst worden. Zwischen 400 und 500 Menschen könne man "nicht mehr helfen", so Grotian, der selbst in Afghanistan als Soldat stationiert war.

Um den Flughafen herum hätten die Taliban zudem Checkpoints eingerichtet, die es den Fliehenden nicht mehr erlaubten, sich zu den rettenden Maschinen durchzuschlagen. Es sei "unrealistisch, dass sie rauskommen", so Grotian im ZDF.

Irreführende Bildkomposition bei Twitter – Kritik an erstem Bundeswehr-Evakuierungsflug

8.20 Uhr: Bei Twitter verbreitete sich am Dienstagmorgen eine Bildkomposition, die Innenansichten zweier Militärtransporter vergleichend gegenüberstellt. Das linke Bild zeigt den fast leeren Innenraum einer A400M der Bundeswehr, das rechte den einer C-17 der US-Luftwaffe, mit hunderten Menschen an Bord. Der Vergleich führt allerdings in die Irre, da die Aufnahme aus der A400M aus dem Jahr 2017 stammt und nicht einen leeren Evakuierungsflug der Bundeswehr aus Kabul zeigt.

Die Bildzusammenstellung hebt auf den ersten Evakuierungsflug der Bundeswehr in der Nacht ab. Laut Medienberichten hatte die A400M nur sieben Menschen an Bord, während eine C-17-Transportmaschine der US-Luftwaffe am gleichen Tag völlig überfüllt mit fliehenden Afghanen abhob. Auf Twitter wurden Vorwürfe laut, Deutschland engagiere sich nicht genug bei der Evakuierung und nutze die Kapazitäten nicht voll aus, während Verbündete dies augenscheinlich täten. Seitens des Bundesverteidigungsministeriums gab es am Dienstagmorgen keine Angaben zur Zahl der von der Bundeswehr ausgeflogenen Menschen.

Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Johann Wadephul, sagte im Deutschlandfunk zu der Zahl: "Das stimmt. Es sind nur sieben. Wir hatten nur einen ganz kurzen Slot von 30 Minuten für die Maschine, und wir konnten nur die mitnehmen, die jetzt da waren", sagte der Außenpolitiker. "Es wäre auch unverantwortlich gewesen, weil gar nicht sicher war, dass die Maschine landen konnte, mehr dort jetzt schon zum Flughafen zu bringen." Der wesentliche Zweck der ersten Landung sei es gewesen, "robuste Kräfte an Land zu bringen, zum Flughafen", um ein Lagebild zu bekommen.

Start und Landebahnen am Flughafen Kabul offenbar frei

8 Uhr: Nach den chaotischen Zuständen am Montag scheint die Lage am Flughafen Kabul derzeit überschaubarer. Wie ein afghanisches Nachrichtennetzwerk unter Berufung auf Angaben des zivilen Nato-Botschafters in Afghanistan, Stefano Pontecorvo, berichtet, können am Hamid Karzai Flughafen derzeit Maschinen starten und Landen. Auch britische Medien berichten davon, dass das Rollfeld am Flughafen nun frei von Menschen sei und Militärmaschinen dort nun abheben könnten.

Taliban verkünden Generalamnestie für afghanische Regierungsmitarbeiter

7.50 Uhr: Die radikalislamischen Taliban haben eine Generalamnestie für alle afghanischen Regierungsmitarbeiter verkündet. Die Islamisten forderten die Beamten am Dienstag auf, zu ihrem Arbeitsplatz zurückzukehren. "Sie sollten mit vollem Vertrauen in Ihren Alltag zurückkehren", hieß es in einer Erklärung der Islamisten, die am Sonntag wieder Macht in Afghanistan an sich gerissen hatten.

Verteidigungministerin: Erster Flug nach Kabul nach schwieriger Landung erfolgt

7.30 Uhr: Nach Angaben von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer der erste Flug der Bundeswehr dorthin unter äußerst schwierigen Umständen erfolgt. "Wir haben eine sehr unübersichtliche, gefährliche, komplexe Situation am Flughafen, vor allen Dingen durch die Menschenmengen", sagte die CDU-Politikerin am Dienstagmorgen im ARD-"Morgenmagazin".

"Wir haben es gestern geschafft, in einer wirklich halsbrecherischen Landung unsere Maschine zu Boden zu bringen. Wir haben vor allen Dingen Soldaten dorthin gebracht, die jetzt absichern, damit die Leute, die wir rausfliegen wollen, auch überhaupt die Möglichkeit haben, zum Flugzeug zu kommen. Das war gestern der Hauptauftrag", so die Ministerin.

"Wir hatten nur ganz wenig Zeit, und deswegen haben wir nur die mitgenommen, die jetzt wirklich auch vor Ort waren, und die konnten gestern wegen der chaotischen Situation noch nicht in einer größeren Zahl am Flughafen sein", sagte Kramp-Karrenbauer. Auf die in einem Medienbericht genannte Zahl von sieben Personen von der offiziellen Ausflugsliste an Bord der Maschine ging sie nicht explizit ein.

UN-Sicherheitsrat fordert Ende der Gewalt in Afghanistan

05.30 Uhr: Der UN-Sicherheitsrat hat nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan zu einem sofortigen Ende der Gewalt aufgerufen. Zugleich sollten Verhandlungen über die Bildung einer neuen, gemeinschaftlichen und repräsentativen Regierung beginnen, der auch Frauen gleichberechtigt angehören, heißt es in einer Erklärung vom Montag (Ortszeit). Der Schutz aller Afghanen und internationalen Bürger müsse gewährleistet sein. Weder die Taliban noch andere Gruppen sollten afghanischen Boden nutzen, um andere Länder zu bedrohen oder anzugreifen.

Afghanistans UN-Botschafter Ghulam Isaczai hatte während der Sitzung dazu aufgerufen, einen humanitären Korridor für die Evakuierung derjenigen zu schaffen, die Ziel von Angriffen und Vergeltung der Taliban werden könnten. Zugleich sollten die Nachbarländer ihre Grenzen für Flüchtlinge sowie die Lieferung von humanitären Hilfsgütern öffnen.

Bild zeigt völlig überfülltes US-Flugzeug

5 Uhr: Eine C-17-Transportmaschine der US-Luftwaffe hat am Montag 640 Menschen aus Afghanistan in Sicherheit gebracht. Bei Twitter war eine Aufnahme aus dem völlig überfüllten Frachtraum des riesigen Flugzeugs zu sehen. Darauf standen Menschen dicht gedrängt. Die Maschine hätte eigentlich weniger Menschen aufnehmen sollen, aber panische Afghanen hätten sich über die halb geöffnete Laderampe des Fliegers nach innen gezogen, sagte ein Beamter des US-Verteidigungsministeriums dem Portal "Defense One". Anstatt die Menschen aus dem Flugzeug zu zwingen, habe die Besatzung entschieden, zu starten. Es sei möglich, dass andere Rettungsflüge der US-Luftwaffe noch mehr Menschen an Bord gehabt haben könnten, so der Beamte.

Kiesewetter fordert Konsequenzen für Geheimdienst-Organisation

2.45 Uhr: Nach der Fehleinschätzung der Lage in Afghanistan hat der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKGr) der Nachrichtendienste, Roderich Kiesewetter (CDU), Konsequenzen gefordert. "Wir müssen Lehren aus den Erfahrungen in Afghanistan für die Organisation der Dienste ziehen", sagte er dieser Redaktion. "Man muss sich fragen, ob es weiter richtig ist, zwischen Inlands- und Auslandsnachrichtendiensten zu trennen."

Darüber hinaus forderte Kiesewetter einen "Bundessicherheitsrat, der wissenschaftsbasiert Trendanalysen oder Szenarien erarbeitet, Einsätze evaluiert und Entscheidungen vorbereitet" sowie eine "bessere Politikberatung". Es sei nicht gut gewesen, dass Außenminister Heiko Maas (SPD) noch im Juni gesagt habe, er gehe in seinen Szenarien nicht davon aus, dass Kabul eingenommen werde.

Nicht nur die Politik habe die Entwicklung in Afghanistan unterschätzt, sondern auch viele Nichtregierungsorganisationen. "Keiner hat geglaubt, dass die Soldaten und Polizisten im wahrsten Sinne des Wortes die Flinte ins Korn werfen, sobald der Taliban erscheint", sagte Kiesewetter. Wenn eine Armee zwar gut ausgestattet sei, aber den eigenen Staat nicht schätze, "brauchen wir uns über den Zusammenbruch nicht zu wundern."

Von einer "generellen Fehleinschätzung der Lage über Jahre" sprach der CDU-Militärexperte Patrick Sensburg, der auch PKGr-Mitglied ist. "Da würde ich alle Geheimdienste einbeziehen", sagte er unserer Redaktion. "Sie haben die Stärkeverhältnisse im klassischen militärischen Denken aufgezeigt, alle Daten und Fakten waren richtig, aber die Analyse hat nicht gepasst."

Laschet kündigt schonungslose Aufarbeitung an

2 Uhr: Unionskanzlerkandidat Armin Laschet hat eine "schonungslose" Aufarbeitung dazu angekündigt, warum die Lage in Afghanistan auch von der Bundesregierung falsch eingeschätzt wurde. Er sagte am Montagabend in den ARD-"Tagesthemen": "Ich sage zu: Es wird alles aufgeklärt, wir müssen Konsequenzen ziehen." Die Bundesregierung habe - wie alle internationalen Institutionen und Dienste - eine "Fehlkalkulation" gemacht.

So müsse sich Deutschland bei solchen Einsätzen überlegen, was das Ziel sei. "Wie geht man geordnet hinein? Und wie geht man geordnet hinaus? Wie können wir Europäer selbst handlungsfähiger werden?" Im Fall Afghanistan sei Deutschland fast ausschließlich von der Entscheidung der Amerikaner abhängig. "Das Bundestagsmandat für den Einsatz ging noch bis 2022. Aber nachdem die Amerikaner gesagt haben, sie ziehen sich zurück, ist Europa, ist die Bundeswehr nicht in der Lage, alleine in einem solchen Land zu bleiben", erklärte Laschet.

"Alles das wird zu analysieren sein, auch schonungslos, auch ohne Rücksicht auf Parteien", sagte Laschet, der auch CDU-Bundeschef und nordrhein-westfälischer Ministerpräsident ist. "Nur im Moment steht wirklich dieser Rettungseinsatz im Mittelpunkt, und darauf sollten wir uns konzentrieren", sagte er mit Blick auf den laufenden Einsatz, um deutsche Bundesbürger und afghanische Ortskräfte aus Afghanistan zu holen. "Ob Wahlkampf ist oder nicht: Das ist jetzt einer der gefährlichsten Einsätze der Bundeswehr, ein robustes Mandat."

Rund 600 Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten werden Evakuierung sichern

0.10 Uhr: Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer will bis zu 600 Bundeswehrsoldaten zur Absicherung der Evakuierungsaktion in Afghanistan bereitstellen. Das sagte die CDU-Politikerin am Montag in Berlin in der Unterrichtung der Fraktionsvorsitzenden des Bundestags, an der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnahm.

Neben den speziell für solche Einsätze ausgebildeten Fallschirmjägern der Division Schnelle Kräfte sollen beispielsweise auch Feldjäger und Sanitäter zum Einsatz gekommen. Am Mittwoch will das Bundeskabinett ihren Mandatsentwurf beschließen, der Bundestag soll in der kommenden Woche darüber entscheiden. Darin könnten die 600 Soldaten, über die zuerst der "Spiegel" berichtete, als Obergrenze festgeschrieben werden.

Erste Bundeswehrmaschine aus Kabul gestartet – nur wenige Schutzpersonen an Bord

0.08 Uhr: Das erste Militärflugzeug der Bundeswehr für den Evakuierungseinsatz in Afghanistan ist nach stundenlanger Verzögerung unter schwierigen Bedingungen auf dem Flughafen Kabul kurz gelandet. Der A400M setzte in Kabul die zur Sicherung der Evakuierungsaktion vorgesehenen Fallschirmjäger ab und startete dann wieder in Richtung der usbekischen Hauptstadt Taschkent, wie die Deutsche Presse-Agentur am späten Montagabend aus Sicherheitskreisen erfuhr. Eine Gruppe von Schutzpersonen befand sich an Bord, teilte das Verteidigungsministerium bei Twitter mit. Laut einem "Bild"-Bericht sollen lediglich sieben Menschen ausgeflogen worden sein, der "Spiegel" schreibt von "einer Handvoll" Menschen.

Die Maschine vom Typ A400M war zuvor fünf Stunden lang über dem Flughafen gekreist, der wegen chaotischer Zustände auf dem Rollfeld vorübergehend gesperrt war. Das Benzin hätte nicht mehr lange gereicht, hieß es. Zuvor hatte bereits eine andere Transportmaschine der Bundeswehr den Anflug auf Kabul abbrechen und zum Nachtanken nach Taschkent fliegen müssen.

Nachrichten am Montag, 16. August: Luftwaffe ist für Evakuierung auf Flughafen Kabul gelandet

22.33 Uhr: Das erste Militärflugzeug der Bundeswehr für den Evakuierungseinsatz in Afghanistan ist nach stundenlanger Verzögerung unter schwierigen Bedingungen auf dem Flughafen Kabul gelandet. Die Maschine vom Typ A400M war zuvor fünf Stunden lang über dem Flughafen gekreist, der wegen chaotischer Zustände auf dem Rollfeld vorübergehend gesperrt war, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Militärkreisen erfuhr. Das Benzin hätte nicht mehr lange gereicht.

US-Streitkräfte hätten zuvor die Rollbahn geräumt, berichtete "Spiegel"-Korrespondent Matthias Gebauer. Auch andere Evakuierungsflüge könnten nun fortgesetzt werden. Wie ein US-General gegenüber der Nachrichtenagentur AFP bestätigte, sei der Flughafen von Kabul wieder für den Flugbetrieb geöffnet.

Biden zu Afghanistan: "Es war nie unsere Aufgabe eine Demokratie aufzubauen"

22.26 Uhr: Joe Biden hat in seiner Rede an das amerikanische Volk am Montagabend (Ortszeit) den Einsatz in Afghanistan als Erfolg bezeichnet. Den USA sei es schließlich gelungen, die Terrororganisation Al-Quaida aus Afghanistan zu vertreiben. "Unsere Aufgabe war nie eine Nation aufzubauen", sagte Biden in seiner Rede an das amerikanische Volk am Montagabend (Ortszeit). "Es war auch nie unsere Aufgabe eine geeinte Demokratie aufzubauen."

Das Interesse an Afghanistan bleibe einzig und allein, terroristische Attacken von dort zu verhindern. Die Ressourcen der USA müssten aber auch gegen Terrororganisationen wie Al Shabaab in Somalia oder ISIS in Syrien eingesetzt werden. In diesen Ländern hätten die USA auch keine dauerhafte militärische Präsenz, so Biden. "Und wenn es notwendig ist, werden wir auch in Afghanistan so vorgehen", sagte Biden. Für den Fall eines jetzigen Angriffs der Taliban auf US-Kräfte drohte Biden mit einer "raschen und starken" militärischen Reaktion.

Den Einsatz des US-Militärs in Afghanistan jetzt zu beenden sei die richtige Entscheidung gewesen, fuhr Biden fort. "Amerikanische Soldaten können und sollen nicht in einem Krieg kämpfen und sterben, den die afghanischen Streitkräfte nicht gewillt sind, selbst zu kämpfen", kritisierte Biden deutlich das rasche Zusammenbrechen der von den USA ausgebildeten und ausgerüsteten afghanischen Armee.

Pentagon – Derzeit rund 2500 US-Soldaten am Flughafen Kabul

21.49 Uhr: Das US-Militär ist am Flughafen Kabul nach eigenen Angaben inzwischen mit rund 2500 Soldatinnen und Soldaten im Einsatz. Im Lauf des Dienstags solle deren Zahl auf mehr als 3000 ansteigen, sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, am Montag. In einigen Tagen sollten dann rund 6000 US-Soldaten vor Ort sein, sagte er weiter. Sie sollen die Sicherheit des Flughafens gewähren.

Mit Blick auf die chaotischen Szenen am Flughafen am Montagmorgen erklärte Kirby, die US-Soldaten arbeiteten nun mit türkischen Kräften und Soldaten anderer Verbündeter zusammen, um Ordnung zu schaffen, damit der Luftverkehr wieder aufgenommen werden könne.

Hunderte Ex-Soldaten versuchen nach Usbekistan zu fliehen

21.12 Uhr: Laut der usbekischen Generalstaatsanwaltschaft wurden allein am Wochenende 46 afghanische Militärflugzeuge und -Hubschrauber mit 585 Soldaten an Bord auf der Flucht nach Usbekistan zur Landung in der Grenzprovinz Surchondarjo gezwungen. Dabei sei eines der Flugzeuge mit einer usbekischen Maschine zusammengestoßen und abgestürzt. Tadschikistan erlaubte am Montag drei Flugzeugen mit mehr als 100 afghanischen Militärvertretern die Landung am Flughafen von Bochtar.

Macron kündigt EU-Initiative mit Deutschland zu Flüchtlingen an

20.50 Uhr: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat eine gemeinsame EU-Initiative mit Deutschland gegen die erwartete Flüchtlingskrise angekündigt. "Die Destabilisierung Afghanistans birgt das Risiko, illegale Flüchtlingsströme nach Europa hervorzurufen", sagte der französische Staatschef. Er hatte sich nach Angaben des Pariser Elysée-Palastes zuvor telefonisch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und anderen westlichen Regierungschefs über die Lage ausgetauscht.

Macron warnte zudem vor einem Wiedererstarken des internationalen Terrorismus. "Afghanistan darf nicht wieder zu dem Refugium für den Terrorismus werden, das es einmal war", sagte Macron am Montagabend in einer Fernsehansprache in seiner Sommerresidenz Fort de Brégançon am Mittelmeer. Dafür müssten sich Russland, die USA und Europa gemeinsam einsetzen, forderte er.

Augenzeugenbericht: So dramatisch ist die Lage in Kabul

20.37 Uhr: Es sind schwarze Tage für die afghanische Hauptstadt Kabul. Die Evakuierungen am Flughafen sind gestoppt. Menschen krallten sich dort an startende Flugzeuge und stürzten aus großer Höhe in den Tod. Die Taliban gehen von Haus zu Haus auf der Suche nach Feinden. Derweil ziehen Plünderer durch die Straßen. Unser Reporter Jen Jessen ist vor Ort. Lesen Sie hier seinen erschreckenden Report über die vergangenen zwei Tage.

Deutscher Rettungsflieger der Bundeswehr muss abdrehen

20.02 Uhr: Der seit Stunden über dem Flughafen von Kabul kreisende Rettungsflieger der Bundeswehr musste wegen Spritmangel wieder abdrehen. Das berichten mehrere Medien übereinstimmend. Wegen des anhaltenden Chaos auf dem Rollfeld konnte die Maschine nicht landen. Nun soll sie in Usbekistan wieder aufgetankt werden, wie Generalleutnant Markus Laubenthal gegenüber dem ZDF bestätigte. Sie sollte über den Kabuler Luftraum durch eine andere Maschine ersetzt werden. Auf diese Weise bleibe die Luftwaffe in der Lage, jede Gelegenheit zur Landung zu nutzen, hieß es.

Merkel: Rettung von Ortskräften nicht mehr in der eigenen Hand

19.38 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Hoffnungen auf die Aufnahme afghanischer Ortskräfte in Deutschland gedämpft. Merkel kündigte am Montagabend vor der Presse in Berlin an, dass Deutschland alles tun werde, um einheimische Ortskräfte aus Kabul in Sicherheit zu bringen; zugleich räumte sie ein: "Das haben wir leider nicht mehr in der Hand." Ob die Evakuierungen ausgeführt werden können, hänge "von der Lage in Kabul ab".

Merkel zog ein kritisches Fazit des internationalen Militäreinsatzes in Afghanistan. Der fast 20 Jahre währende Einsatz sei "nicht so geglückt, wie wir uns das vorgenommen haben", sagte Merkel am Montagabend vor der Presse in Berlin. "Das ist eine Erkenntnis, die ist bitter", fügte sich hinzu. Die Bündnispartner müssten sich eingestehen, "dass das keine erfolgreichen Bemühungen waren".

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"Bitter, dramatisch und furchtbar ist diese Entwicklung insbesondere für die Menschen in Afghanistan", sagte die Kanzlerin. Die Lage sei "furchtbar für die Millionen Afghanen, die sich für eine freie Gesellschaft eingesetzt haben".

Hamas gratuliert Taliban zur Machtübernahme in Afghanistan

19.17 Uhr: Die von der Bundesregierung als "terroristisch" eingestufte radikalislamistische Hamas hat den Taliban zu ihrem "Sieg" in Afghanistan gratuliert. Er sei das "Ergebnis ihres langen Kampfes der vergangenen 20 Jahre", erklärte die palästinensische Gruppe am Montag. Die Hamas wünsche "dem afghanischen Volk und seiner Führung Einheit, Stabilität und Wohlstand". Der Sieg der Taliban mache deutlich, dass "der Widerstand der Völker", auch des palästinensischen Volkes, "zum Sieg bestimmt" sei. Die Hamas regiert im Gazastreifen, wo im Mai der Konflikt mit Israel eskalierte.

USA schicken weitere 1000 Soldaten zur Sicherung des Flughafens

18.59 Uhr: Zur Sicherung des Flughafens von Kabul entsendet das US-Militär ein weiteres Bataillon mit etwa 1000 Soldaten und Soldatinnen. Das kündigte das Pentagon an. Nach der Eroberung Kabuls durch die Taliban werden vom Flughafen westliche Diplomaten sowie einheimische Mitarbeiter ausländischer Botschaften und deren Angehörige ausgeflogen.

Am Flughafen spielten sich jedoch teils chaotische Szenen ab; Tausende Afghanen versuchten verzweifelt, an Bord von Flugzeugen zu kommen. Inmitten der chaotischen Evakuierungsaktion am Flughafen töteten US-Truppen nach Angaben von Pentagon-Sprecher John Kirby zwei Bewaffnete. Weitere Menschen starben, weil sie versuchten, Flugzeuge zu besteigen oder sich außen daran festzuhalten.

Flughafen Kabul aktuell gesperrt

18.33 Uhr: Am Flughafen von Kabul finden nach US-Angaben aus Sicherheitsgründen gegenwärtig keine Starts oder Landungen statt. Es sei unklar, wann diese wieder aufgenommen würden, sagt ein Sprecher des Verteidigungsministeriums.

Keine Landeerlaubnis für deutschen Rettungsflieger

18.03 Uhr: Der Evakuierungseinsatz der Bundeswehr in der afghanischen Hauptstadt Kabul verzögert sich. Zwei Militärtransporter vom Typ A400M wurden am Montag nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aufgehalten, weil sie wegen des Chaos auf dem Flughafen Kabul derzeit dort nicht landen können. Sie hingen deswegen nach einem Tankstopp zunächst im aserbaidschanischen Baku fest.

Eine der Maschinen startete dann am Nachmittag von dort nach Kabul, blieb aber zunächst in einer Warteschleife in der Luft. Zivilisten auf dem Flugfeld verhinderten weiterhin die Landung der Maschine, hieß es aus Militärkreisen. Bereits den ganzen Tag über befinden sich Menschenmassen auf dem Rollfeld, die verzweifelt versuchen Afghanistan zu verlassen.

Maas zu Afghanistan: "Wir haben die Lage falsch eingeschätzt"

17.29 Uhr: Nach der faktischen Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan hat Bundesaußenminister Heiko Maas Fehler eingeräumt. "Es gibt auch nichts zu beschönigen: Wir alle - die Bundesregierung, die Nachrichtendienste, die internationale Gemeinschaft - wir haben die Lage falsch eingeschätzt", räumte er am Montag ein.

US-Präsident Biden will sich zur Lage in Afghanistan äußern

17.20 Uhr: US-Präsident Joe Biden will sich am Montag gegen 21.45 Uhr mitteleuropäischer Zeit zur Lage in Afghanistan äußern. Das erklärte die US-Regierung. Biden verlässt daher früher als geplant Camp David, wo er ein langes Wochenende verbringen wollte, und kehrt ins Weiße Haus zurück. Zuvor war Kritik an Bidens Schweigen seit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan laut geworden. Noch am Montagmorgen (Ortszeit) hatte Bidens nationaler Sicherheitsberater Jake Sullivan in mehreren Interviews nur erklärt, der Präsident werde sich "bald" zur Lage in Afghanistan äußern.

US-Soldaten töten zwei bewaffnete Männer am Flughafen Kabul

17.18 Uhr: US-Soldaten haben auf dem Flughafen von Kabul am Montag zwei bewaffnete Männer getötet. Inmitten von tausenden Menschen, die sich dort friedlich aufhielten, hätten zwei Männer ihre Waffen "auf bedrohliche Weise geschwungen", sagte ein Vertreter des Pentagon.

UN-Chef fordert Taliban zu "äußerster Zurückhaltung" auf

17.04 Uhr: UN-Generalsekretär António Guterres hat die militant-islamistischen Taliban nach ihrer Machtübernahme in Afghanistan zu "äußerster Zurückhaltung" aufgefordert, um so Leben zu schützen. Humanitäre Hilfe müsse weiter möglich sein, und alle Menschen, die das Land verlassen wollten, müssten dies tun können, forderte Guterres am Montag bei einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats in New York. Die Weltgemeinschaft rief der UN-Chef dazu auf, afghanische Flüchtlinge aufzunehmen und Abschiebungen nach Afghanistan auszusetzen.

Die Vereinten Nationen hätten nach wie vor Niederlassungen und Mitarbeiter an mehreren Orten in Afghanistan, die nun unter der Kontrolle der Taliban stünden. "Mit Erleichterung kann ich berichten, dass unser Personal und unsere Einrichtungen bisher größtenteils respektiert worden sind." Die weitere Präsenz der UN in dem Land werde von der Entwicklung der Sicherheitslage abhängig gemacht. Die US-Botschafterin Linda Thomas-Greenfield rief die Taliban ebenfalls dazu auf, Zivilisten zu schützen, humanitäre Organisationen weiter ihre Arbeit machen und alle Ausreisewilligen aus dem Land zu lassen.

Bedford-Strohm will Aufnahme von afghanischen Flüchtlingen

17.01 Uhr: Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, fordert angesichts der faktischen Machtübernahme der Taliban in Afghanistan die Aufnahme von Flüchtlingen. "Wir haben als Land in den vergangenen Jahren Mitverantwortung in Afghanistan getragen. Gerade deshalb ist es jetzt auch an uns, einen solidarischen Beitrag zur Bewältigung der Folgen zu leisten, indem wir dafür sorgen, dass Menschen, denen die Flucht aus Afghanistan gelingt, menschenwürdige Aufnahme finden", sagte der bayerische Landesbischof der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Er verfolge mit Entsetzen die Ereignisse in Afghanistan. Die Verzweiflung, mit der Menschen jetzt versuchten, vor der befürchteten Gewalt der Taliban zu fliehen, könne niemanden unberührt lassen. Er danke allen, die an Rettungsaktionen beteiligt sind.

Der überstürzte Abzug der Truppen werfe grundsätzliche Fragen auf, die zu gegebener Zeit genau analysiert und diskutiert werden müssten, sagte Bedford-Strohm der Zeitung. "Jetzt muss es unmittelbar um Hilfe für die Bevölkerung und alle nur denkbaren diplomatischen Aktivitäten gehen, die befürchtete Gewalt und Menschenrechtsverletzungen verhindern können."

Evakuierungseinsatz der Bundeswehr in Kabul verzögert sich

16.24 Uhr: Der Evakuierungseinsatz der Bundeswehr in der afghanischen Hauptstadt Kabul verzögert sich. Zwei Militärtransporter vom Typ A400M wurden am Montag nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aufgehalten, weil sie wegen des Chaos auf dem Flughafen Kabul derzeit dort nicht landen können. Sie hingen deswegen nach einer Zwischenlandung zunächst aufgetankt im aserbaidschanischen Baku fest. Eine der Maschinen startete dann am Nachmittag von dort nach Kabul, um sich im Luftraum für eine Landung bereitzuhalten, wenn das Flugfeld dafür wieder freigegeben wird.

Italienische Diplomaten und Mitarbeiter aus Afghanistan ausgeflogen

16.15 Uhr: Italien hat rund 70 Botschaftsangehörige und frühere Mitarbeiter aus Afghanistan ausgeflogen. Die Maschine der italienischen Luftwaffe landete am Montagnachmittag auf dem Flughafen Fiumicino in Rom, wie das Außenministerium mitteilte. Der Flug sei am Sonntag gestartet. Als nächstes sollen auch Afghanen evakuiert werden, die früher mit dem italienischen Verteidigungs- und dem Außenministerium zusammenarbeiteten. Dafür will das Militär eine Luftbrücke mit Transportflugzeugen vom Typ KC-767 einrichten.

Regierungschef Mario Draghi dankte den Militäreinheiten für ihre Arbeit beim Rücktransport der Italiener. Italien habe das Ziel, die afghanischen Bürger zu schützen, die an der italienischen Mission in Afghanistan mitgearbeitet hatten. Italien war über die Dauer von 20 Jahren mit insgesamt mehr als 50 000 Männern und Frauen am Afghanistan-Einsatz beteiligt. 723 wurden verletzt, 53 Italiener starben.

Bundeswehr-Dolmetscher: Kein Ausweg aus Kabul

16 Uhr: Zalmai Ahmadi war in Kabul stationiert, um für deutsche Soldaten zu übersetzen. In einem Video berichtet er nun, dass die Unterkunft für Bundeswehr-Helfer und ihre Familien, die Hauptmann Grotian eingerichtet hatte, aufgelöst sei. Die rettenden Flüge seien abgesagt. "Wir sind hier festgenagelt", heißt es in dem Clip, den Livia Gerster, Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, postete.

Evakuierungsflüge: Menschen klettern auf Maschinen und stürzen in die Tiefe

15.37 Uhr: Dramatische Szenen am Flughafen in Kabul: Aufgrund der stark begrenzten Anzahl an Evakuierungsflügen springen verzweifelte Bürger auf die Flugzeuge und halten ich unter anderem an den Reifen der Maschinen fest. Videos in sozialen Netzwerken zeigen, wie Personen nach Abflug der Maschinen vom Himmel fallen.

Bericht: Ausfliegen von Deutschen aus Kabul wegen Taliban-Angriffs verzögert

15.25 Uhr: Ein Angriff der radikalislamischen Taliban auf den Flughafen von Kabul hat einem Bericht zufolge das Ausfliegen von Deutschen aus dem Land gefährdet. Am späten Sonntagnachmittag hätten Kämpfer der Miliz den militärischen Teil des Flughafens in einem Bereich angegriffen, der für den Zugang zum Airport eine Schlüsselrolle hat, berichtete das Magazin "Business Insider" am Montag unter Berufung auf ein Kanzleramt-Protokoll.

Während der Angriff lief, hätten sich demnach etwa 70 Deutsche, darunter zwölf Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes, von Sicherheitsdiensten und der Bundespolizei, im militärischen Teil des Flughafens aufgehalten und auf Rettung gehofft, schrieb das Magazin. Knapp 40 Deutsche sollten mithilfe der USA nach Doha ausgeflogen werden. Wegen des Angriffs sei dies aber offenbar über Stunden bis in die Nacht hinein verschoben worden. Letztlich hätten Soldaten der USA und der Türkei den Taliban-Angriff abgewehrt.

Das Magazin berichtete außerdem, dass Vertreter des Bundesnachrichtendienstes (BND) noch im Juni die Einschätzung äußerten, dass es bis zu einer Machtübernahme der Taliban noch lange dauern würde. In einer vertraulichen Sitzung mit Bundestagsabgeordneten sagten die BND-Mitarbeiter demnach, dass sie zwar mit einem Sieg der Taliban rechnen würden, aber erst in 18 bis 24 Monaten.

Laschet wertet Afghanistan als "größtes Debakel" in Geschichte der Nato

15.15 Uhr: CDU-Chef Armin Laschet hat den internationalen Militäreinsatz in Afghanistan rückblickend für gescheitert erklärt. "Es ist das größte Debakel, das die Nato seit ihrer Gründung erleidet", sagte Laschet am Montag in Berlin. "Es ist eine politische und humanitäre Katastrophe." Laschet sprach mit Blick auf die Ereignisse in Afghanistan von einem "Epochenwechsel, vor dem wir stehen". Die Machtübernahme der Taliban in Afghanistan stelle auch der europäischen Außenpolitik ein schlechtes Zeugnis aus: "Wir sehen: Die Handlungsfähigkeit Europas ist nicht gegeben ohne die Vereinigten Staaten an unserer Seite", sagte Laschet. Der Abzug der USA aus Afghanistan habe zu der aktuellen Situation geführt.

Die Europäische Union sei nun dringend gefordert, Afghanistans Nachbarländern bei dem erwarteten Zuzug afghanischer Flüchtlinge zu helfen. "Wir dürfen die Fehler von 2015 nicht wiederholen", sagte Laschet mit Blick auf die damaligen Flüchtlingsbewegungen aus Syrien nach Europa. Europa müsse nun mit Blick auf Afghanistan "seine Verantwortung wahrnehmen" und dürfe dabei "keine Kosten scheuen, diese Hilfe vor Ort zu leisten". Es gebe jetzt "noch alle Chancen", ein Migrationsszenario wie 2015 zu vermeiden, sagte der CDU-Chef.

Zudem mahnte Laschet rasche und engagierte Hilfe für die Ortskräfte in Afghanistan an. "Der Westen hat jetzt vor Ort die moralische Verpflichtung, denjenigen zu helfen, die uns geholfen haben und sich für ein freies Afghanistan eingesetzt haben." Er forderte, die Luftbrücke der Bundeswehr "so lange wie möglich aufrecht zu erhalten". Die Betroffenen seien "akut mit dem Tod bedroht und haben den Schutz der internationalen Gemeinschaft verdient". Laschet mahnte zudem eine Debatte über die "Ursachen und Schlussfolgerungen" der Ereignisse in Afghanistan an. "Es braucht eine schonungslose Fehleranalyse in Deutschland und mit den Verbündeten."

Ministerium: Afghanisches Militärflugzeug in Usbekistan abgestürzt

14.14 Uhr: In Usbekistan ist nach Regierungsangaben ein afghanisches Militärflugzeug abgestürzt. "Das Militärflugzeug hat illegal die Grenze zu Usbekistan überquert. Eine Untersuchung ist im Gange", sagte Bachrom Sulfikarow, Sprecher des usbekischen Verteidigungsministeriums, der Nachrichtenagentur AFP am Montag. Zuvor hatten usbekische Medien berichtet, dass am Sonntagabend eine Maschine in der an Afghanistan grenzenden südlichen Provinz Surchondarjo abgestürzt sei.

Afghanistan: Warum wurden die US-Truppen abgezogen?

14.07 Uhr: Die Taliban erobern Afghanistan. Dafür ist auch US-Präsident Joe Biden verantwortlich. Warum zog er die amerikanischen Soldaten ab? Lesen Sie dazu: Warum wurden die US-Truppen aus Afghanistan abgezogen?

Kramp-Karrenbauer: Konzentrieren uns auf Evakuierungsoperation

13.58 Uhr: Die Bundeswehr wird ihren Evakuierungseinsatz in Afghanistan nach Angaben von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) so lange wie irgend möglich fortsetzen. "So lange es möglich ist, wird die Bundeswehr so viele Menschen wie möglich aus Afghanistan rausholen und die Luftbrücke aufrecht halten, sagte Kramp-Karrenbauer am Montag nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Teilnehmerkreisen in Beratungen des CDU-Vorstands in Berlin. Dies hänge aber an der Unterstützung der Amerikaner, den Flughafen von Kabul offen zu halten.

Die Bundeswehr habe ihre Ortskräfte mit notwendigen Papieren ausgestattet, sagte Kramp-Karrenbauer demnach weiter. Viele seien in der vergangenen Woche mit regulären Flugzeugen nach Deutschland gekommen. Was die Ortskräfte der Bundeswehr angehe, sei man auf gutem Wege gewesen. Schwieriger sei die Lage für die Hilfsorganisationen vor Ort. Die Ministerin betonte, die Lage werde stündlich neu analysiert. Es gebe einen intensiven Austausch mit den US-Streitkräften.

Sie habe in den vergangenen Tagen mit Angehörigen der Bundeswehr gesprochen, die in Afghanistan gewesen seien, sagte Kramp-Karrenbauer demnach weiter. "Sie waren erschüttert, über das was passiert", wurde die Ministerin zitiert. Kramp-Karrenbauer betonte, das Verteidigungsministerium werde sich ganz auf die Evakuierungsoperation konzentrieren - sie selbst sagte deshalb Wahlkampfveranstaltungen ab. Spezialkräfte und Fallschirmjäger seien im Einsatz. "Das ist ein äußerst gefährlicher Einsatz für unsere Truppen", sagte die Ministerin demnach.

Alice Schwarzer: Jetzt nur Frauen aus Afghanistan aufnehmen

13.50 Uhr: Alice Schwarzer fordert, nur Frauen und Kinder als Flüchtlinge aus Afghanistan aufzunehmen. "Afghanische Terroristen werden sehr bald auch bei uns sein", warnte die Frauenrechtlerin am Montag in einem Beitrag auf der Website des Magazins "Emma". "Sie werden sich, gezielter denn je zuvor, unter die zu erwartenden Flüchtenden mischen. Ein Grund mehr, jetzt nur Frauen und Kinder aus Afghanistan aufzunehmen! Denn da Deutschland eh nicht alle Menschen aus der nächsten Flüchtlingswelle Schutz geben kann, sollte es sich auf die Afghaninnen beschränken. Denn die sind in der höchsten Not."

Nach der Machtübernahme der Taliban würden alle Afghanen, die sich ihnen nicht bedingungslos unterordneten, ihr Leben oder zumindest ihre Freiheit verlieren, schrieb Schwarzer. "Als erstes aber werden die Frauen und Mädchen aus der Öffentlichkeit verjagt; von den Schulen und Universitäten, aus den Büros und von der Straße." Die Interventionspolitik des Westens sei mit dem Sieg der Taliban endgültig gescheitert.

Karsai-Sprecher: Führen Gespräche mit den Taliban

13.43 Uhr: Nach der faktischen Machtübernahme durch die militant-islamistischen Taliban in Afghanistan sollen Gespräche zwischen Politikern und Vertretern der Islamisten laufen. Das teilte ein Sprecher des ehemaligen Präsidenten Hamid Karsai der Deutschen Presse-Agentur am Montag mit. In einem ersten Schritt habe man betont, dass das Leben und das Vermögen der Bevölkerung sowie die öffentliche Infrastruktur geschützt werden müssten, sagte der Sprecher weiter. Einen Kommentar von Taliban-Seite gab es dazu zunächst nicht.

Nach der Flucht des Präsidenten Aschraf Ghani am Sonntag ist nach Angaben Karsais ein Koordinierungsrat für eine friedliche Übergabe der Macht gebildet worden. Ihm gehören der Vorsitzende des Nationalen Versöhnungsrates, Abdullah Abdullah, der ehemalige Kriegsfürst Gulbuddin Hekmatjar und Karsai selbst an. Es gab keine Angaben dazu, wo die Gespräche stattfinden und wer von Taliban-Seite daran teilnimmt. Es ist zudem insgesamt unklar, ob die Islamisten dazu bereit sind, nach ihrem rasanten militärischen Erfolg die Macht mit anderen Politikern im Land zu teilen.

Niederlande schicken mehrere Militärflugzeuge nach Afghanistan

13.34 Uhr: Die Niederlande wollen mehrere Militärflugzeuge nach Afghanistan schicken, um eigene Bürger sowie lokale Mitarbeiter zu evakuieren. Eine Maschine sei bereits unterwegs, teilte Verteidigungsministerin Ank Bijleveld am Montag über Twitter mit. Zunächst sollten "Dolmetscher, lokales Personal der Botschaft und Familien" evakuiert werden. Das Ministerium machte bisher keine Angaben, um wie viele Menschen es geht. Unklar war auch, wann die Maschine in Kabul eintreffen soll.

Die Niederlande würden alles tun, um eigene Bürger, Hilfskräfte und "andere, die unseren Schutz verdienen", aus Afghanistan zu holen, sagte Ministerpräsident Mark Rutte. Die Lage im Land sei aber "unübersichtlich und sehr besorgniserregend."

Taliban haben überall in Kabul Posten bezogen

13.31 Uhr: Die militant-islamistischen Taliban haben nach ihrer faktischen Machtübernahme in Afghanistan am Montag überall in der Hauptstadt Kabul Polizeistationen und andere Behördengebäude besetzt. Das sagten Bewohner der Stadt am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Auch fuhren bewaffnete Kämpfer in Militär- und Polizeiautos sowie anderen Regierungsfahrzeugen durch die Stadt. Gleichzeitig errichteten sie weitere, eigene Kontrollpunkte in manchen Straßen, wie Bewohner weiter berichteten.

Aus dem Gesundheitsministerium hieß es in einer Erklärung vom Montag, der amtierende Gesundheitsminister Wahid Madschroh habe sich mit der Gesundheitskommission der Taliban getroffen. Demnach bedankten sich beide Seiten für die Gesundheitsdienstleistungen in dem jeweils von der anderen Seite kontrolliertem Gebiet. Der von den Taliban vorgesehene Gesundheitsminister habe alle Mitarbeiter des Gesundheitsbereiches - Männer wie Frauen - dazu aufgerufen, ihre Aufgaben im gesamten Land wieder aufzunehmen.

EU-Außenminister beraten bei Sonderkonferenz über Afghanistan

13.26 Uhr: Die Außenminister der EU-Länder kommen angesichts der faktischen Machtübernahme der Taliban in Afghanistan am Dienstagnachmittag zu einer außerordentlichen Videokonferenz zusammen. Das kündigte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell am Montag auf Twitter an. Die Ministerinnen und Ministerinnen sollen demnach eine erste Bewertung der Lage vornehmen. "Afghanistan steht an einem Scheideweg", schrieb Borrell zudem. Die Sicherheit und das Wohlergehen der Afghaninnen und Afghanen sowie die internationale Sicherheit stünden auf dem Spiel.

Fischer kritisiert Afghanistan-Abzug

13.19 Uhr: Der ehemalige Außenminister Joschka Fischer kritisierte den Abzug der internationalen Truppen aus dem Land. "Die sehr frühe Umorientierung auf Irak war ohne jeden Zweifel ein großer Fehler. Ich hätte nicht (damit) gerechnet, dass es zu einer solch überstürzten Abzugsentscheidung kommt und insofern, dass nicht verhandelt wurde über die Bedingungen des Abzugs", sagte der Grünen-Politiker bei dem gemeinsamen Termin mit Baerbock in Frankfurt (Oder). "Die Konsequenzen sehen wir heute." Der Einsatz sei nach dem 11. September 2001 eine zwingende Notwendigkeit gewesen. "Die USA waren der wichtigste Sicherheitsgarant, und da war Solidarität angesagt. Insofern stehe ich zu diesem Einsatz."

Baerbock: Schnell evakuieren

13.08 Uhr: Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hat die Bundesregierung nach der faktischen Machtübernahme der islamistischen Taliban in Afghanistan zu schnellem Handeln aufgefordert, um Ortskräfte der EU-Mission in Sicherheit zu bringen. "Es muss klar sein, dass dafür jetzt alles Notwendige getan werden muss, auch mit Unterstützung der deutschen Bundeswehr, dass Menschen evakuiert werden", sagte Baerbock am Montag in Frankfurt (Oder). "Wir hatten bereits vor dem Beginn der Sommerpause im Deutschen Bundestag beantragt, Menschen zu evakuieren. Das ist nicht getan worden, man hat es einfach negiert." Es gehe um Stunden und um Tage.

Die Grünen-Vorsitzende sagte, daher sei es jetzt umso wichtiger, mit den anderen Nato-Partnern - Amerikanern, Kanadiern, aber auch Europäern - klare Kontingente aufzulegen, um Menschen in Sicherheit zu bringen. Das betreffe vor allen Dingen die Ortskräfte und andere Akteure, die die europäische Mission mit unterstützt hätten. "Wir als Europäer haben eine gemeinsame Verantwortung. (...) Es geht jetzt vor allen Dingen darum, die Menschen sofort herauszuholen, die mit dem Tod bedroht sind, weil sie eben mit Nato-Kräften zusammengearbeitet haben." Sie warf dem Auswärtigen Amt vor, die Augen vor der Realität verschlossen zu haben, wenn es seit Wochen vor dramatischen Situationen gewarnt worden sei.

Evakuierungsflüge zum Erliegen gekommen

13.01 Uhr: Einem Korrespondenten der ARD zufolge seien die Evakuierungsflüge aus Afghanistan zum Erliegen gekommen. "Derzeit sind auf dem Flughafen von Kabul keine Starts und Landungen möglich, weil sich Hunderte Menschen auf dem Rollfeld drängen", heißt es auf Twitter.

Russland will einige Botschaftsmitarbeiter aus Afghanistan abziehen

12.54 Uhr: Russland will nach der Einnahme der afghanischen Hauptstadt Kabul durch die militant-islamistischen Taliban einen Teil seines Botschaftspersonals abziehen. Die Vertretung mit ihren bisher rund 100 Mitarbeitern solle reduziert werden, sagte der Afghanistan-Beauftragte des russischen Präsidenten, Samir Kabulow, dem Radiosender Echo Moskwy.Details nannte Kabulow nicht, einige würden aber auch beurlaubt. Das russische Außenministerium klärt nach eigenen Angaben, wie die Mitarbeiter trotz der Probleme am Flughafen in Kabul außer Landes gebracht werden könnten.

Nach Darstellung Kabulows, der lange Botschafter in Kabul gewesen war, ist Russland überrascht gewesen von der Geschwindigkeit der Machtübernahme durch die Taliban. Die Bewegung ist in Russland als Terrororganisation verboten.

Deutsche Evakuierung stößt auf erste Schwierigkeiten

12.30 Uhr: Mehrere Bundeswehrmaschinen sind derzeit auf dem Weg nach Kabul. Ob die Flugzeuge ihr Ziel aber überhaupt anfliegen können – oder von dort wieder starten – scheint angesichts der Situation auf dem Flughafen der afghanischen Hauptstadt fraglich. Auf Videos war am Montagvormittag zu sehen, dass mehrere hundert bis tausend Menschen auf dem Rollfeld standen. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte in Berlin, die Lage in Afghanistan bereite der Bundeswehr "große Sorgen".

Laut Auswärtigem Amt können derzeit keine Flugzeuge in Kabul landen. Zu viele verzweifelte Menschen befänden sich auf dem Rollfeld, so ein Sprecher des Ministeriums. Die ersten beiden Maschinen sollen zunächst in Baku, Aserbaidschan, einen Tankstopp einlegen. Dann solle neu bewertet werden, ob Flug nach und Landung in Kabul vertretbar seien, berichtete "Spiegel"-Journalist Matthias Gebauer am Montag bei Twitter.

Drittes Bundeswehr-Flugzeug nach Kabul gestartet

12.20 Uhr: Für den Evakuierungs-Einsatz in Kabul hat die Luftwaffe weitere Transportflugzeuge in Richtung Afghanistan entsandt. Seit dem Morgen seien nun insgesamt drei Maschinen in Richtung Kabul unterwegs, sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums am Montag in Berlin. Die A400M-Maschinen sollen deutsche Bürger und einheimische Ortskräfte aus Kabul ausfliegen.

Die Luftwaffen-Flugzeuge sollen eine Luftbrücke zwischen Kabul und der Hauptstadt des Nachbarlands Usbekistan, Taschkent, errichten. In Taschkent sollen dann zivile Chartermaschinen die Ausgeflogenen abholen und nach Deutschland bringen.

Früherer Nato-Chef lehnt neuen Militäreinsatz in Afghanistan ab

12 Uhr: Der frühere britische Nato-Generalsekretär George Robertson hat einen neuen Militäreinsatz mit britischer Beteiligung in Afghanistan abgelehnt. "Wir können dort nicht militärisch reingehen - das ist vorbei, das ist beendet", sagte Robertson am Montag dem Sender BBC. Der Abzug der Truppen aus dem Bürgerkriegsland sei "viel zu schnell" gewesen, fügte der britische Labour-Politiker hinzu. Hätte man sich stärker an der Lage vor Ort orientiert und die Kräfte Schritt für Schritt abgezogen, "hätte diese Katastrophe vielleicht verhindert werden können".

Man müsse nun seine Lektionen lernen und die eigene Verteidigung widerstandsfähiger machen, warnte Robertson. "Und wir müssen aufpassen, was die internationalen Auswirkungen dieses Scheiterns sein werden - sie werden nicht gut sein." Robertson hatte den Posten des Nato-Generalsekretärs auch während des Terroranschlags auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 inne, der sich in wenigen Wochen zum 20. Mal jährt. "Es ist tragisch, dass wir uns an das Desaster von 9/11 erinnern werden, während die Taliban im Präsidentenpalast in Kabul die Macht übernommen haben", sagte der 75-Jährige.

Zweite A400M auf dem Weg nach Afghanistan

11.28 Uhr: Für den Evakuierungs-Einsatz in Kabul hat die Luftwaffe ein zweites Transportflugzeug in Richtung Afghanistan entsandt. Die A400M soll deutsche Bürger und einheimische Ortskräfte aus Kabul ausfliegen, erfuhr AFP am Montag aus Verteidigungskreisen. Eine erste Maschine dieses Typs hatte sich bereits in der Nacht auf den Weg nach Kabul gemacht. Weitere Maschinen sollten folgen, hieß es.

Die Luftwaffen-Flugzeuge sollen eine Luftbrücke zwischen Kabul und der Hauptstadt des Nachbarlands Usbekistan, Taschkent, errichten. In Taschkent sollen dann zivile Chartermaschinen die Ausgeflogenen abholen und nach Deutschland bringen. Lesen Sie dazu: So soll die Evakuierung deutscher Staatangehörenden ablaufen

Frankreichs Präsident Macron ruft Krisensitzung ein

11.22 Uhr: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat nach dem Einmarsch der radikalislamischen Taliban in Kabul den nationalen Verteidigungsrat zu einer Krisensitzung einberufen. Macron wollte ab Montagmittag unter anderem mit dem französischen Außen- und Verteidigungsministerium sowie Militärvertretern über die Lage in Afghanistan beraten. Für 20.00 Uhr kündigte der Präsident eine Fernsehansprache an.

Die französische Verteidigungsministerin Florence Parly sagte, bis Montagabend sollten "mehrere Dutzend Franzosen" sowie afghanische Ortskräfte von der Luftwaffe in die Vereinigten Arabischen Emirate ausgeflogen werden. Evakuiert werden soll vor allem das noch verbliebene Botschaftspersonal in Kabul.

Videos sollen von Militärflugzeug fallende Menschen zeigen

11.20 Uhr: In der afghanischen Hauptstadt Kabul sorgen in sozialen Medien geteilte Videos für Entsetzen, die zeigen sollen, wie Menschen aus beträchtlicher Höhe von einem Militärflugzeug fallen. Es wurde gemutmaßt, dass die Menschen sich im Bereich der Flugzeugräder der Militärmaschine versteckt hatten. Diese Angaben konnten bislang nicht unabhängig verifiziert werden.

Ein Mann, der in der Nähe des Flughafens lebt, schrieb der Deutschen Presse-Agentur auf Facebook, auf einem benachbarten Dach sei eine dieser Personen gelandet. Es habe gekracht, als habe es eine Explosion gegeben, schrieb der Mann. Er teilte Bilder und Videos der Leiche und sagte noch drei weitere Männer seien in der Nachbarschaft gefunden worden.

Merkel: "Wir erleben bittere Stunden"

11.19 Uhr: Inzwischen hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Situation in Kabul und Afghanistan geäußert. Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, sagte die Kanzlerin während der Sitzung des CDU-Präsidiums: "Wir erleben bittere Stunden". Merkel machte am Montag in einer Sitzung des CDU-Präsidiums deutlich, wie wichtig die gerade angelaufene Aktion der Bundeswehr zur Rettung von deutschen Staatsangehörigen, Angehörigen der Botschaft und Ortskräften sei. Demnach wies sie ausdrücklich auch auf die Tatsache hin, dass die Sicherung des Flughafens in Kabul nur mit Unterstützung von US-Truppen möglich sei.

Dadurch werde deutlich, was man könne und was nicht, sagte Merkel nach diesen Informationen offenbar auch mit Blick auf die Möglichkeiten der Bundeswehr. Angesichts der drohenden Flüchtlingsbewegungen machte die Kanzlerin klar, wie wichtig es sei, die Nachbarländer Afghanistans sowie die gesamte Region zu unterstützen. Inwieweit Menschen Afghanistan verlassen könnten, werde aber abhängig von den Taliban sein, ergänzte sie demnach.

Bundesregierung will bis Ende August 2000 Afghanen ausfliegen

11.04 Uhr: Die Bundesregierung will bis Ende des Monats rund 2000 Ortskräfte über eine Luftbrücke aus Afghanistan ausfliegen lassen und plant dafür den Einsatz mehrerer hundert deutscher Soldaten ein. Einen entsprechenden Plan stellte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Sonntagabend den Chefs der Bundestagsfraktionen vor, wie die Nachrichtenagentur AFP am Montag von Teilnehmern erfuhr. Der Bundestag soll für den Einsatz kommende Woche nachträglich ein Mandat erteilen.

Über die Luftbrücke sollen einheimische Helfer deutscher Einrichtungen aus Afghanistans Hauptstadt Kabul ausgeflogen werden - und zusätzlich auch "besonders gefährdete Frauen, Menschenrechtler und weitere Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen", wie in dem Briefing mitgeteilt wurde. Die Bundesregierung schätze die Gesamtzahl auf etwa 2000, wie gegenüber AFP verlautete. Dafür solle der Bundestag den Einsatz von "einigen hundert Soldaten" genehmigen.

Nach Konsultation mit dem Verbündeten USA gehe die Bundesregierung von einem "Operationsfenster bis zum 31. August" aus, hieß es weiter. Die Regierung wollte aber nicht ausschließen, dass sich dieses Fenster für die Evakuierungseinsätze der Bundeswehr früher schließt.

CDU-Vize Julia Klöckner kritisiert Heiko Maas

10.50 Uhr: Die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner hat Außenminister Heiko Maas (SPD) wegen der aktuellen Entwicklung in Afghanistan kritisiert. "Der Außenminister hat die Lage wirklich falsch auch eingeschätzt, sagte Klöckner am Montag beim Eintreffen zu Beratungen der CDU-Spitzengremien in Berlin. Deshalb müsse nun sehr schnell gehandelt werden. "Es wird auf die nächsten Stunden ankommen", sagte Klöckner und ergänzte, es werde "darauf ankommen, jetzt unsere Leute rauszuholen", und auch jene, die Deutschland vor Ort unterstützt hätten. Sie erwarte, dass sich Maas mit den EU-Außenministern noch heute abstimme, sagte Klöckner.

Steinmeier sagt wegen Afghanistan Opernbesuch in Bayreuth ab

10.48 Uhr: Angesichts der zugespitzten Lage in Afghanistan hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier einen für diesen Montag geplanten Besuch der Bayreuther Wagner-Festspiele abgesagt. Das bestätigten ein Festspiel-Sprecher und das Bundespräsidialamt. Eigentlich wollte sich Steinmeier eine "Tannhäuser"-Inszenierung ansehen.

Der Bundespräsident werde im Laufe des Tages unter anderem mit Außenminister Heiko Maas (SPD) und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sowie mit Fachleuten für die Region telefonieren, sagte die Sprecherin in Berlin. Er wolle sich ein eigenes Bild von der dramatischen Situation in Afghanistan machen.

Widmann-Mauz zu Afghanistan: Aufnahme in Nachbarländern nötig

10.47 Uhr: Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU), hat eine Versorgung afghanischer Flüchtlinge in der Region gefordert. "Die Lage in Afghanistan ist verheerend", erklärte sie am Montag. "Jetzt muss es darum gehen, die Botschaftsangehörigen und die Ortskräfte mit ihren Kernfamilien schnell in Sicherheit zu bringen - dabei dürfen die Frauen und Mädchen nicht vergessen werden." Sie fügte hinzu: "Die Staatengemeinschaft muss jetzt alles dafür tun, die Nachbarländer in die Lage zu versetzen, Schutzbedürftige aufzunehmen und eine humanitäre Versorgung aufzubauen."

Deutsche Botschaft warnte offenbar vergeblich vor drohendem Chaos

10.45 Uhr: Die deutsche Botschaft in Kabul hat laut einem Bericht der ARD offenbar wochenlang vergeblich im Auswärtigen Amt vor einer Gefährdung ihres Personals gewarnt. Demnach habe der stellvertretende Botschafter van Thiel in seinem Lagebericht vergangene Woche geschrieben, dass "den dringenden Appellen Appellen der Botschaft über längere Zeit erst in dieser Woche Abhilfe geschaffen" worden sei. Der Diplomat fand dabei deutliche Worte: "Wenn das an irgendeiner Stelle diesmal schief gehen sollte, so wäre dies vermeidbar gewesen."

Damit stellen sich Fragen nach dem Krisenmanagement der Bundesregierung. So hatte Außenminister Heiko Maas (SPD) noch am Freitag betont, man sei seit Wochen auf die Situation in Kabul vorbereitet. Laut dem ARD-Bericht wurde aber erst in der vergangenen Woche über eine mögliche Evakuierung durch die Bundeswehr gesprochen.

China fordert Taliban zur friedlichen Machtübernahme auf

10.30 Uhr: China hat die militant-islamistischen Taliban zu einer friedlichen und reibungslosen Machtübernahme in Afghanistan aufgefordert. "Die Lage in Afghanistan hat sich wesentlich verändert, und wir respektieren den Willen und die Entscheidung des afghanischen Volkes", sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Hua Chunaying, am Montag vor der Presse in Peking. Ein Ende des Krieges und die Schaffung von Frieden seien sowohl der einhellige Wunsch der mehr als 30 Millionen Afghanen als auch die gemeinsame Erwartung der internationalen Gemeinschaft und der Länder in der Region.

Die Sprecherin wies auf eine Erklärung der Taliban vom Vortag hin, dass der Krieg vorbei sei und sie über eine offene und inklusive islamische Regierung verhandeln wollten. Auch wollten sie die Sicherheit der afghanischen Bürger und ausländischer Vertretungen wahren, zitierte Hua Chunying. "China erwartet, dass diese Erklärungen umgesetzt werden, um einen reibungslosen Übergang in Afghanistan sicherzustellen, jede Art von Terrorismus und Verbrechen einzudämmen und es dem afghanischen Volk zu ermöglichen, den Krieg hinter sich zu lassen und ein besseres Zuhause wiederaufzubauen."

Laschet verlangt breit angelegte Luftbrücke aus Afghanistan

10.05 Uhr: CDU-Chef Armin Laschet hat eine breit angelegte Luftbrücke der Bundeswehr verlangt, die neben Deutschen und Ortskräften etwa auch Frauenrechtlerinnen aus Afghanistan holt. Es sei wichtig, dass die Bundeswehr ihre Luftbrücke so lange wie möglich aufrecht erhalte, sagte der Unions-Kanzlerkandidat am Montag beim Eintreffen zu Beratungen der CDU-Spitzengremien in Berlin.

"Diese Luftbrücke darf sich nicht nur beziehen auf Ortskräfte, nicht nur auf deutsche Staatsangehörige, die noch in Afghanistan sind, sondern muss auch aktive Frauen-, Menschenrechtlerinnen, Aktivistinnen, Bürgermeisterinnen und andere umfassen. Das muss im Mandat mit vermerkt sein", sagte Laschet. Das Kabinett will an diesem Mittwoch ein Mandat für den Hilfseinsatz der Bundeswehr beschließen.

Laschet fordert weiter, die Europäische Union (EU) müsse sich darauf vorbereiten, dass es Flüchtlingsbewegungen Richtung Europa geben könne. Diesmal müsse rechtzeitig in der Region und in den Herkunftsländern humanitäre Hilfe geleistet werden. "2015 darf sich nicht wiederholen. Wir brauchen einen geordneten Schutz für die, die Richtung Europa streben." 2015 und in den Folgejahren hatte eine große Flüchtlingsbewegung nach Deutschland zu einer schweren innenpolitischen Krise und dem Erstarken der Rechtspopulisten von der AfD geführt.

Medienbericht: Mehrere Tote am Flughafen Kabul

9.57 Uhr: Am Flughafen Kabul soll es die ersten Toten gegeben haben. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Augenzeugen berichtet, sind fünf Menschen gestorben, als Hunderte versucht hatten, ein Flugzeug zu stürmen. Ein Zeuge sagte demnach, er habe gesehen, wie die Leichen abtransportiert worden seien. Ein anderer Zeuge habe gesagt, es sei unklar, ob die Menschen erschossen wurden, oder in einer Massenpanik zu Tode getrampelt wurden. Das "Wall Street Journal" berichtet von drei Toten, die außerhalb einer Abfertigungshalle gelegen hätten.

Neues Afghanistan-Mandat soll mehrere hundert Bundeswehr-Soldaten umfassen

9.40 Uhr: Für den Evakuierungseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan plant die Bundesregierung ein Parlamentsmandat für "einige hundert Soldaten". Dies teilte die Regierung am Sonntagabend bei einer Unterrichtung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für die Spitzen der Bundestagsfraktionen mit, wie die Nachrichtenagentur AFP am Montag von Teilnehmern erfuhr. Am Mittwoch solle das Kabinett die Vorlage verabschieden, in der kommenden Woche dann der Bundestag in einer Sondersitzung abstimmen.

Gerüchte verbreiten sich in Kabul

9.35 Uhr: Viele der Menschen fliehen wegen Gerüchten oder Falschmeldungen im Netz zum Flughafen. "Ich habe auf Facebook gelesen, dass Kanada Asylanträge aus Afghanistan annimmt", sagte ein Mann, der laut eigenen Angaben Soldat in der afghanischen Armee war. Er sei deshalb in Gefahr: "Die Taliban haben es definitiv auf mich abgesehen", sagte er.

Die Flughafenverwaltung stellte unterdessen den kommerziellen Flugverkehr ein. "Es wird keine kommerziellen Flüge vom Hamid-Karsai-Flughafen geben, um Plünderungen und Verwüstungen zu verhindern. Bitte begeben Sie sich nicht zum Flughafen", hieß es in einer an Journalisten versendeten Mitteilung. Auch die US-Botschaft in Kabul forderte auf Twitter US-Staatsangehörige und Afghanen auf, "nicht zum Flughafen zu reisen".

"Saigon auf Stereoiden" – Afghanischer Medienunternehmer zur Lage am Flughafen

9.30 Uhr: Die Lage am Flughafen Kabul wird augenscheinlich immer unübersichtlicher. Bilder und Videoaufnahmen zeigen panische Menschen, Schüsse sind zu hören. Der afghanisch-australische Medienunternehmer Saad Mohseni twitterte am Montagmorgen: "Chaotische Szenen am Flughafen Kabul. Über Nacht haben Menschen in Flugzeugen geschlafen, die Sitze herausgerissen. Wir sehen immernoch Tausende von Menschen, die auf das Rollfeld flüchten. Wo sind die US-Amerikaner, die Unterstützung versprochen haben? Das hier ist Saigon auf Stereoiden."

Damit spielt Mohseni auf die Evakuierung der US-Botschaft am Ende des Vietnamkriegs an. Wie jetzt in Kabul, kam es auch nach dem Fall von Saigon am 30. April 1975 zu chaotischen Zuständen in der Stadt. Menschen flohen in Panik, versuchten die letzten US-Hubschrauber aus der Stadt zu erreichen. US-Präsident Joe Biden hatte noch im Juli versprochen, solche Szenen würden sich nicht wiederholen. Mehrere Tausend US-Soldatinnen und Soldaten sichern derzeit den Flughafen.

Mehr als 65 Länder dringen auf Ausreisemöglichkeiten aus Afghanistan

8.44 Uhr: 25 EU-Länder sowie mehr als 40 weitere Staaten dringen auf weiterhin offene Grenzen und Ausreisemöglichkeiten in Afghanistan. "Afghanen und internationale Bürger, die das Land verlassen wollen, müssen dies tun dürfen; Straßen, Flughäfen und Grenzübergänge müssen offen bleiben", heißt es in einem am Montagmorgen vom EU-Außenvertreter Josep Borrell veröffentlichten Statement, das den Angaben zufolge auch mit Deutschland abgestimmt ist. Zudem heißt es, dass diejenigen, die in Afghanistan Macht- und Autoritätspositionen innehätten, die Verantwortung für den Schutz von Menschenleben trügen und rechenschaftspflichtig seien. Zudem müssten sie Sicherheit und eine zivile Ordnung sofort wiederherstellen.

Kommerzielle Flüge aus Kabul gestrichen

8.30 Uhr: Sämtliche kommerzielle Flüge vom Flughafen in Kabul außer Landes sind gestrichen. Das teilte ein Mitarbeiter der Flughafenbehörde der Nachrichtenagentur AFP mit. Der Flugverkehr war bereits am Sonntag vorübergehend eingestellt worden, nachdem es zu chaotischen Szenen auf dem Flugfeld kam. Tausende Afghanen versuchten mit den letzten Flügen das Land zu verlassen. Damit steht der zivile Flugverkehr endgültig still.

Mützenich: Nato soll über Aufnahme afghanischer Flüchtlinge beraten

8.21 Uhr: SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich hat sich dafür ausgesprochen, dass sich die Nato mit der Aufnahme von Flüchtlingen aus Afghanistan befasst. "Das ist ja nicht alleine eine militärische Organisation, sondern eine politische", sagte er am Montag im Deutschlandfunk. "Und vielleicht ist die Durchsetzungskraft hier viel höher international stärker zusammenzuarbeiten, damit genügend Flüchtlinge in ganz vielen Ländern auch aufgenommen werden."

Chaotische Szenen: US-Soldaten feuern wegen Menschenmenge auf Kabuler Flughafen Schüsse in die Luft

7.45 Uhr: US-Soldaten haben am Flughafen von Kabul Schüsse in die Luft abgegeben, um eine riesige Menschenmenge auf dem Rollfeld unter Kontrolle zu bringen. "Ich habe sehr viel Angst. Sie feuern viele Schüsse in die Luft", sagte ein Zeuge der Nachrichtenagentur AFP am Montag. Nach der Einnahme von Kabul durch die radikalislamischen Taliban haben sich Tausende Afghanen in der Hoffnung auf eine Möglichkeit zur Flucht am Flughafen versammelt.

In den sozialen Netwerken verbreiteten sich am Montagmorgen zudem Aufnahmen, die chaotische Szenen am Flughafen Kabul zeigen. Die BBC-Journalistin Sahar Rahimi etwa twitterte einen Video-Clip, in dem Menschen offenbar versuchen, ein Flugzeug auf dem Rollfeld zu entern. Auch Afghanen, die nicht einmal Reisepässe hätten, würden ihr Glück versuchen, sagten Bewohner von Kabul.

In einem anderen Clip, der ebenfalls am Flughafen aufgenommen worden sein soll, waren mehrere Schüsse zu hören und Menschen zu sehen, die in Panik fliehen.

Am Montag verbreiteten sich in Kabul zudem Gerüchte, dass jeder, der es zum Flughafen schaffe, evakuiert werde, sagte ein Bewohner der Stadt. Es gibt jedoch keinerlei Hinweise, dass diese Gerüchte zutreffen. Die ARD-Korrespondentin Natalie Amiri verbreitete bei Twitter eine Aufnahem, in der Menschen auf ein Rollfeld fliehen und schrieb dazu, die Taliban hätten versucht, in den Flughafen einzudringen.

Die Fluglinie Emirates hat mittlerweile die Flüge nach Kabul eingestellt, wie aus einer Mitteilung auf der Website der Fluglinie von der Nacht zu Montag hervorgeht. Der Flughafen Kabul habe laut lokalen Medien eine Mitteilung herausgegeben, derzufolge keine kommerziellen Flüge mehr stattfänden. In der Mitteilung würden die Menschen aufgerufen, nicht zum Flughafen zu kommen.

Trump fordert Biden Rücktritt auf

7.45 Uhr: Nach dem Einmarsch der Taliban in Kabul hat Ex-US-Präsident Donald Trump seinen Nachfolger Joe Biden zum Rücktritt aufgefordert. Es sei an der Zeit, dass Biden "in Schande" zurücktrete "für das, was er in Afghanistan zugelassen hat", erklärte Trump am Sonntag.

Unter Trump hatten 2018 in Doha in Katar die ersten direkten Gespräche zwischen der US-Regierung und den Taliban begonnen. Die Gespräche mündeten am 29. Februar 2020 in eine Vereinbarung, in der ein Zeitplan für den Abzug der US-Truppen abgesteckt wurde. Der Abzug verzögerte sich zwar zwischenzeitlich, begann dann aber unter Trumps Nachfolger Biden im Mai.

Trump hat Bidens Abzugspläne schon mehrfach kritisiert und behauptet, er hätte den Truppenabzug "ganz anders und viel erfolgreicher" bewerkstelligt. In einer weiteren Erklärung schrieb Trump am Sonntag: "Was Joe Biden mit Afghanistan gemacht hat, ist legendär. Es wird als eine der größten Niederlagen in die amerikanische Geschichte eingehen."

Erste Bundeswehrmaschine startet Richtung Afghanistan

7 Uhr: Die Bundeswehr ist zur Evakuierung deutscher Staatsbürger und afghanischer Ortskräfte mit einem ersten Transportflugzeug nach Afghanistan aufgebrochen. Am niedersächsischen Fliegerhorst in Wunstorf startete am Montagmorgen eine Maschine des Typs A400M nach Kabul.

Fallschirmjäger der Bundeswehr sollen am Montag in den Militärtransportern in der afghanischen Hauptstadt ankommen, um deutsche Staatsbürger und einheimische Helfer vor den Kämpfern der militant-islamistischen Taliban in Sicherheit zu bringen. Am selben Tag trifft nach Angaben aus Sicherheitskreisen ein sogenanntes Krisenunterstützungsteam (KuT) aus Experten verschiedener Ministerien in der afghanischen Hauptstadt ein.

In der usbekischen Hauptstadt Taschkent soll ein zweites Team eine Drehscheibe ("Hub") für die Rettung von Menschen vor den Islamisten organisieren. Es geht um den bislang wohl größten Evakuierungseinsatz der Bundeswehr.

Deutsche Evakuierung Kabuls hat begonnen

6.30 Uhr: Die Evakuierung deutscher Staatsbürgerinnen und -bürger aus der afghanischen Hauptstadt Kabul hat begonnen. In der Nacht zu Montag landeten nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur 40 Mitarbeiter der deutschen Botschaft mit einem US-Flugzeug in Doha im Golfemirat Katar. An Bord der Maschine waren auch vier Angehörige der Schweizer Vertretung in Afghanistan.

Der erste Evakuierungsflug wurde mit einer US-Maschine absolviert, da die Bundeswehr erst in der Nacht zu Montag Transportmaschinen vom Typ A400M vom niedersächsischen Wunstorf aus nach Kabul losschicken wollte. Sie sollen in den nächsten Tagen zentraler Bestandteil einer "Luftbrücke" sein, über die neben den Botschaftsmitarbeitern auch andere deutsche Staatsbürger sowie Ortskräfte, die für die Bundeswehr oder Bundesministerien in Afghanistan gearbeitet haben oder noch arbeiten, nach Deutschland gebracht werden sollen.

Die Gesamtzahl deutscher Staatsbürger, die bis Sonntag noch in Kabul waren, wurde auf mehr als 100 geschätzt.

Um wieviele Ortskräfte es geht, war bis zuletzt unklar. Es ist auf jeden Fall eine Zahl im vierstelligen Bereich. Alleine in der staatlichen Entwicklungshilfe waren zuletzt noch 1100 Afghanen in deutschem Auftrag tätig.

Hinzu kommen Tausende ehemalige Ortskräfte der Bundeswehr oder der Bundesministerien.

Die Evakuierungsaktion wird von Fallschirmjägern der Division Schnelle Kräfte der Bundeswehr unterstützt, die eine Spezialausbildung für solche Einsätze hat. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hatte den Einsatz am Sonntag als gefährlich bezeichnet. "Wir sind auf alle Szenarien eingerichtet", sagte sie.

US-Militär hat Kabuler Flughafen gesichert

4.20 Uhr: Nach dem Einmarsch der Taliban in Kabul haben US-Soldaten nach Angaben der Regierung in Washington den Flughafen der afghanischen Hauptstadt und seine Umgebung gesichert. Die Evakuierung der US-Botschaft in Kabul sei nun abgeschlossen, erklärte der Sprecher des US-Außenministeriums, Ned Price, am Sonntag in Washington. Das gesamte Botschaftspersonal befinde sich nun auf dem Gelände des internationalen Hamid-Karsai-Flughafens, "dessen Umgebung vom US-Militär gesichert ist".

Das US-Außenministerium hatte zuvor mitgeteilt, die US-Regierung ergreife "eine Reihe von Maßnahmen^", um den Flughafen der afghanischen Hauptstadt zu sichern und die "sichere Abreise" von Mitarbeitern der USA und verbündeter Staaten in Zivil- und Militärflugzeugen zu ermöglichen.

Nachrichten am Sonntag, 15. August: Taliban erklären Sieg in Kabul

22.50 Uhr: Ein führender Repräsentant der Taliban hat den Sieg der radikal-islamischen Gruppe in Afghanistan erklärt. Dieser unerwartete Erfolg sei beispiellos in der Welt, sagte Mullah Baradar in einer Videobotschaft. Die wirklichen Herausforderungen stünden aber jetzt erst nach der Machtübernahme an: Die Taliban müssten die Erwartungen des Volkes erfüllen und dadurch dienen, dass sie die Probleme der Bevölkerung lösen.

Die Taliban wollen nach eigenem Bekunden auch andere Kräfte in die Regierungsbildung einbinden. Man werde in den kommenden Tagen Gespräche führen, die zum Ziel hätten, eine "offene islamische Regierung" zu bilden, die auch andere Kräfte einschließe, sagte Taliban-Sprecher Suhail Schahin der Nachrichtenagentur AP.

Taliban im Präsidentenpalast in Kabul

21.43 Uhr: Nur wenige Stunden nach der Flucht des afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani haben Kämpfer der militant-islamistischen Taliban den Präsidentenpalast in der Hauptstadt Kabul eingenomme n. Umgeben von Bewaffneten wandten sich Führer der Gruppe an Journalisten, wie am Sonntagabend auf Fernsehbildern zu sehen war.

Biden bespricht Lage in Kabul mit nationalem Sicherheitsteam

21.17 Uhr: US-Präsident Joe Biden hat sich mit seinem nationalen Sicherheitsteam über die aktuelle Sicherheitslage in Kabul ausgetauscht. Dabei sei es um die Evakuierung des zivilen Personals, afghanischer Helfer und anderen Verbündeten aus Afghanistan gegangen, hieß es am Sonntagnachmittag (Ortszeit) auf dem Twitter-Account des Weißen Hauses. Auch Vize-Präsidentin Kamala Harris war demnach bei der Videoschalte dabei. Biden hält sich aktuell in Camp David, dem Landsitz des US-Präsidenten im US-Bundesstaat Maryland auf. Weitere Details zu der Videoschalte waren zunächst nicht bekannt. Es war auch unklar, ob sich Biden am Sonntag noch öffentlich zu den aktuellen Ereignissen äußern wird.

Berichten zufolge hat US-Generalstabschef Mark Milley bei einem Telefonat mit Senatoren davor gewarnt, dass sich terroristische Gruppen wie Al Kaida in Afghanistan deutlich schneller wieder formieren könnten als erwartet. Das berichteten der Sender CNN und das Nachrichtenportal Axios am Sonntag übereinstimmend unter Berufung auf Teilnehmer. Bei dem Telefongespräch zwischen hochrangigen Vertretern der Regierung und Senatoren beider Parteien soll Außenminister Antony Blinken auch erneut die Abzugspläne verteidigt haben.

Afghanistans Präsident Ghani verteidigt seine Flucht

21.10 Uhr: Wenige Stunden nach seinem Abflug aus Afghanistan hat Präsident Aschraf Ghani versucht, der Bevölkerung seine Flucht aus dem Land zu erklären. Er habe vor einer schweren Entscheidung gestanden, schrieb er am späten Sonntagabend (Ortszeit) auf Facebook. Wäre er geblieben, hätten zahlreiche Landsleute den Märtyrertod erlitten und die Stadt Kabul wäre zerstört worden. Die bis nach Kabul vorgerückten Taliban haben nach seinen Worten in der Vergangenheit erklärt, dass sie bereit seien, blutige Angriffe in Kabul zu verüben, um ihn von der Macht zu vertreiben. "Ich entschied mich zu gehen, um dieses Blutvergießen zu verhindern."

Die Taliban hätten ihren Erfolg durch Waffengewalt erzielt und seien nun dafür zuständig, die Leben, das Vermögen und die Ehre der Bürger zu schützen. Noch zu keiner Zeit in der Geschichte habe die Anwendung von Gewalt irgendjemandem Legitimität verliehen, und dies werde auch in der Zukunft nicht der Fall sein, hieß es in der Erklärung weiter. Die Islamisten stünden nun vor einer historischen Herausforderung.

Kabinett will Mandat für Evakuierungseinsatz am Mittwoch vorlegen

20.55 Uhr: Die Bundesregierung will am kommenden Mittwoch in der Kabinettssitzung das Mandat für den Evakuierungseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan beschließen. In der darauffolgenden Woche soll dann der Bundestag darüber beraten und entscheiden. Darüber informierte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Sonntagabend die Vorsitzenden der Bundestagsfraktionen in einem Telefonat, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Teilnehmerkreisen erfuhr.

Am 25. August kommt der Bundestag ohnehin zusammen, um die Hilfen für die von der Hochwasserkatastrophe Betroffenen zu beschließen. Dann soll auch der Evakuierungseinsatz auf die Tagesordnung kommen. Der Bundeswehreinsatz startet allerdings schon in der Nacht zum Montag. Dann werden die ersten Transportmaschinen vom Typ A400M nach Kabul starten. Der Bundestag muss bewaffneten Auslandseinsätzen der Bundeswehr zustimmen. Eine Zustimmung nach Beginn eines Einsatzes ist aber in Ausnahmefällen möglich

Bundeswehrmaschinen starten in der Nacht zu Montag nach Kabul

20.27 Uhr: Die Bundeswehr schickt in der Nacht zu Montag die ersten Transportflugzeuge vom Typ A400M nach Afghanistan, um deutsche Staatsbürger aus der Hauptstadt Kabul zu evakuieren. Die Maschinen würden vom Militärflughafen Wunstorf in der Nähe von Hannover aus starten, sagte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) am Sonntag dem Fernsehsender n-tv. Von dort würden die Maschinen unter anderem das Personal der deutschen Botschaft in ein "Drittland" ausfliegen, das sie nicht nannte. Dort werde eine "Drehscheibe" eingerichtet, von der aus es dann eine "Luftbrücke" nach Deutschland geben werde. Der Transport aus dem Drittland nach Deutschland erfolge mit zivilen Maschinen.

Auch afghanische Ortskräfte, die früher für die Bundeswehr oder Bundesministerien gearbeitet haben oder jetzt noch arbeiten, sollen nach Deutschland gebracht werden. Abgesichert werde die Evakuierung von der Division Schnelle Kräfte, einer Spezialeinheit der Bundeswehr, die für Evakuierungen ausgebildet ist. "Wir sind auf alle Szenarien eingerichtet", betonte Kramp-Karrenbauer (CDU). "Es ist ein gefährlicher Einsatz, in den wir sie jetzt schicken."

Taliban nach eigenen Angaben in mehrere Bezirke Kabuls vorgedrungen

20.10 Uhr: Die radikalislamischen Taliban sind nach eigenen Angaben in mehrere Bezirke der afghanischen Hauptstadt Kabul vorgerückt. Die Taliban-Kämpfer seien in die Stadt vorgerückt, um dort "die Sicherheit zu gewährleisten", teilte die Miliz am Sonntag mit. Nach Aussage von drei ranghohen Taliban-Vertretern übernahmen die Islamisten sogar die Kontrolle über den Präsidentenpalast.

Präsident Aschraf Ghani war wenige Stunden zuvor nach Angaben seines früheren Stellvertreters Abdullah Abdullah außer Landes geflohen, nachdem die Taliban bis an den Stadtrand von Kabul herangerückt waren. Zunächst hieß es, die Kämpfer hätten Anweisung erhalten, an den Stadttoren Halt zu machen und nicht in die Stadt vorzudringen. Die Islamisten erklärten, sie würden innerhalb der "kommenden Tage" wieder die Macht in Afghanistan übernehmen. Afghanistans Innenminister Abdul Sattar Mirsakwal sagte eine "friedliche Machtübergabe" an eine "Übergangsregierung" zu.

US-Botschaft in Kabul: Landsleute sollen sich in Sicherheit bringen

19.08 Uhr: Die US-Botschaft in Kabul hat Landsleute angewiesen, sich in Sicherheit zu bringen. "Die Sicherheitslage in Kabul ändert sich schnell, auch auf dem Flughafen. Es gibt Berichte, dass der Flughafen unter Beschuss geraten ist; daher weisen wir US-Bürger an, sich in Sicherheit zu bringen", hieß es in einer am Sonntag veröffentlichten Warnung.

Der sichere Betrieb des Flughafens ist Voraussetzung dafür, dass etliche Staaten, darunter Deutschland, ihr Personal wie geplant schnell ausfliegen können. Dem Sender CNN zufolge erwägt das US-Militär noch einmal zusätzliche Truppen nach Kabul zu schicken. Eine Entscheidung sei aber noch nicht getroffen worden. Eine offizielle Bestätigung für diese Erwägungen gab es zunächst nicht. Insgesamt sollen bisher 5000 US-Soldaten für die Sicherheit in Kabul und am Flughafen während der Evakuierung sorgen.

Evakuierung von deutschen Botschaftsangehörigen beginnt umgehend

19.44 Uhr: Die ersten Angehörigen der deutschen Botschaft in Kabul sollen noch im Laufe dieses Sonntags aus der afghanischen Hauptstadt ausgeflogen werden. Das hat Außenminister Heiko Maas (SPD) am Abend in Berlin angekündigt.

In der Nacht sollen dann nach Angaben des Ministers die Flugzeuge der Bundeswehr in die afghanische Hauptstadt starten, um bei der weiteren Evakuierung zu helfen.

EU besorgt um Sicherheit ihrer afghanischen Mitarbeiter in Kabul

18.40 Uhr: Die EU bemüht sich angesichts der bevorstehenden Machtübernahme der radikalislamischen Taliban in Kabul um den Schutz ihrer afghanischen Mitarbeiter in dem Land. Die EU arbeite zusammen mit den Mitgliedstaaten "hart daran, schnelle Lösungen für sie zu finden und ihre Sicherheit zu gewährleisten", erklärte ein EU-Sprecher am Sonntag in Brüssel. Ziel sei es, die örtlichen Mitarbeiter und ihre Angehörigen an einen sicheren Ort zu bringen.

Deutschland und andere EU-Staaten wie Frankreich und die Niederlande räumten am Sonntag bereits ihre Botschaften in Kabul und brachten ihre Mitarbeiter an den internationalen Flughafen. Die Bundeswehr will am Montag deutsche Staatsbürger und einheimische Ortskräfte aus Kabul ausfliegen.

Berichte: Schüsse am Flughafen von Kabul

18.26 Uhr: Verschiedene Quellen berichten, dass es am Flughafen von Kabul brennt. Viele Menschen halten sich derzeit dort auf, um aus Afghanistan auszureisen. Zudem hat unter anderem Deutschland das Botschaftspersonal vor Ort an den Flughafen gelegt. Die US-Botschaft warnt mittlerweile offiziell, dass der Flughafen wohl unter Beschuss genommen wurde.

Söder fordert Sondergipfel der Nato

18.20 Uhr: Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder hat wegen Afghanistan einen sofortigen Sondergipfel von Nato und EU gefordert. Die Entwicklung in dem Land sei "eine der größte Niederlagen der westlichen Politik", sagte er am Sonntag dem Online-Portal "Bild live". Fast kampflos kämen die für die Terroranschläge vom 11. September 2001 Mitverantwortlichen jetzt wieder zurück an die Macht. Die Hilflosigkeit gegenüber diesem Vormarsch sei "echt erschütternd".

Insbesondere die USA müssten sich stärker mit ihren europäischen Partnern absprechen, forderte Söder. "Der völlig überraschende Abzug der Amerikaner ist natürlich die Hauptursache für die Situation. Die Bundeswehr kann nicht allein dort bleiben, wenn die Amerikaner abziehen." Es sei daher "sinnvoll, jetzt eine rasche Beratung zu finden, nicht nur in der Europäischen Union, sondern vor allem in der Nato. Es braucht eine Nato-Sondersitzung", sagte der bayerische Ministerpräsident und sprach von einer "verheerenden Bilanz des Westens" in Afghanistan. Die USA seien auch in der Pflicht, Flüchtende aufzunehmen.

Taliban-Kämpfer wohl im Präsidentenpalast

17.51 Uhr: Nach Angaben eines Kommandanten der Taliban sollen Kämpfer den afghanischen Präsidentenpalast betreten haben. Auch ein Korrespondent der ARD berichtet darüber. Eine offizielle Bestätigung dieser Information gibt es noch nicht.

Iran richtet Pufferzonen für afghanische Flüchtlinge an Grenze ein

17.40 Uhr: Der Iran hat angesichts des Eroberungszugs der militant-islamistischen Taliban im Nachbarland Afghanistan Pufferzonen für Flüchtlinge aus dem Krisenstaat eingerichtet. "Wir haben schon vor zwei Monaten mit einer neuen Flüchtlingswelle aus Afghanistan gerechnet und daher schon damals mit der Einrichtung von provisorischen Pufferzonen an den drei Grenzübergängen begonnen", sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Sonntag der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA.

Die drei Pufferzonen an den Grenzübergängen im Nord- sowie Südosten des Landes sollen afghanischen Flüchtlingen vorerst Schutz und Sicherheit bieten. "Sobald sich die aktuelle Situation wieder entspannt hat, können die Flüchtlinge dann von dort aus wieder in ihre Heimat zurückkehren", sagte Sprecher Hussein Ghassemi. Wegen der akuten Corona-Krise im Iran werden laut Ghassemi auch Vertreter des iranischen Gesundheitsministeriums in den Pufferzonen tätig.

Merkel will Fraktionsvorsitzende über Lage in Kabul unterrichten

17.16 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird die Fraktionsvorsitzenden im Bundestag noch an diesem Sonntag über die dramatische Zuspitzung der Lage in Afghanistan unterrichten. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Fraktionskreisen. Dabei dürfte es auch um die Evakuierung des deutschen Botschaftspersonals, anderer deutscher Staatsbürger und afghanischer Ortskräfte durch die Bundeswehr gehen. Die Unterrichtung soll den Angaben zufolge um 18.30 Uhr stattfinden. Zuerst hatte das ZDF über den Termin berichtet.

Deutschland hat seine Botschaft in Afghanistan wegen des Vorrückens der Taliban auf Kabul am Sonntag geschlossen und das Personal zum militärischen Teil des Flughafens in der afghanischen Hauptstadt verlegt. Das teilte Außenminister Heiko Maas (SPD) auf Twitter mit. "Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind dort inzwischen eingetroffen und stellen ihre Arbeitsfähigkeit her", erklärte Maas.

Trittin wirft Maas persönliches Versagen in Afghanistan vor

17.14 Uhr: Der Grünen-Außenpolitiker Jürgen Trittin hat Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) ein beispielloses Versagen bei der Rettung afghanischer Ortskräfte vorgeworfen. Maas habe "hier viel Schuld auf sich geladen", sagte Trittin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Montagsausgaben). Trittin warf dem von Maas geführten Auswärtigen Amt vor, eine Rettung und unbürokratische Aufnahme der afghanischen Ortskräfte in Deutschland blockiert zu haben.

"So ein Versagen, das so viel Leid mit sich bringen wird, ist beispiellos", sagte Trittin, der dem Auswärtigen Ausschuss des Bundestags angehört. Er wies dem Außenminister eine persönliche Verantwortung für das Schicksal der Betroffenen zu: Wenn die Ortskräfte nun "nicht mehr gerettet werden können, ist er dafür verantwortlich". Bei den Ortskräften handelt es sich um einheimische Mitarbeiter deutscher Stellen in Afghanistan. Es besteht die Befürchtung, dass sie zum Ziel von Racheakten der radikalislamischen Taliban werden können. Eine größere Gruppe Ortskräfte wurde bereits nach Deutschland ausgeflogen, mehrere Hundert sitzen aber noch in Afghanistan fest.

Medien fordern Visa-Notprogramm für afghanische Mitarbeiter

17.07 Uhr: In einem offenen Brief haben mehrere deutsche Verlage, Medienhäuser, Sender und Redaktionen die Bundesregierung um Hilfe für ihre einheimischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Afghanistan gebeten. Sie forderten in einem am Sonntag veröffentlichten "Hilferuf" an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Heiko Maas (SPD) ein Visa-Notprogramm angesichts des Vordringens der Taliban. Das Leben dieser freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sei akut gefährdet: "Nach dem Rückzug der internationalen Truppen, auch der deutschen, wachsen die Sorgen, dass es gegenüber unseren MitarbeiterInnen zu Racheakten der Taliban kommt."

"Unsere Berichterstattung, die die deutsche Öffentlichkeit und Politik mit Analysen, Erkenntnissen und Eindrücken aus dem Land versorgt hat, war nicht denkbar ohne den Einsatz und den Mut der afghanischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die uns vor Ort unterstützt haben", heißt es in dem Appell. Diese hätten den Glauben an die freie Presse als unverzichtbares Element einer stabilen, friedlichen, auf Ausgleich bedachten Demokratie geteilt - ein Wert, den die deutsche Regierung in den vergangenen 20 Jahren in Afghanistan stark unterstützt habe.

"Wir rufen Sie hiermit auf, ein Visa-Notprogramm für afghanische MitarbeiterInnen deutscher Medienhäuser einzurichten. Wir schließen uns damit Appellen britischer und US-amerikanischer Medien an ihre jeweiligen Regierungen an", heißt es in dem Schreiben weiter. Zu seinen Erstunterzeichnern gehören unter anderem die "Zeit", die Deutsche Presse-Agentur, der "Spiegel" und die "Süddeutsche Zeitung".

Taliban-Unterhändler: Werden keine Rache an irgendjemandem nehmen

16.46 Uhr: Ein an Gesprächen mit der afghanischen Regierung in Katar beteiligter Taliban-Unterhändler hat Befürchtungen vor Gewalttaten bei einer Übernahme der Macht in Kabul zurückgewiesen. "Wir versichern den Menschen (...) in der Stadt Kabul, dass ihr Hab und Gut und ihre Leben sicher sind", sagte Suhail Schahin der BBC in einem Telefonat aus Doha. Es werde "keine Rache an irgendjemandem" geben. Die Taliban-Kämpfer seien vor den Toren der afghanischen Hauptstadt und hätten den Befehl erhalten, die Stadt nicht zu betreten. "Wir warten auf eine friedliche Übergabe der Macht", so Schahin weiter. Das bedeute, dass die Stadt dem "Islamischen Emirat von Afghanistan" übergeben werden solle.

Seit Beginn des Abzugs der US- und Nato-Truppen aus Afghanistan im Mai haben die militant-islamistischen Taliban gewaltige Gebietsgewinne verzeichnet. In einem rasanten Vormarsch haben sie mittlerweile mehr als zwei Drittel der Provinzhauptstädte des Landes eingenommen und stehen vor Kabul. Derzeit laufen Gespräche zwischen den Taliban und der afghanischen Regierung.

Präsident Ghani hat Afghanistan verlassen

16.32 Uhr: Angesichts des Vormarsches der militant-islamistischen Taliban hat der afghanische Präsident Aschraf Ghani das Land verlassen. Das sagte der Vorsitzende des Nationalen Rats für Versöhnung, Abdullah Abdullah, in einer auf Facebook veröffentlichten Videobotschaft.

USA bringen Botschaftspersonal in Kabul zum Flughafen

15.54 Uhr: Die USA haben nach den Worten von Außenminister Antony Blinken angesichts des Taliban-Vormarsches damit begonnen, ihr Botschaftspersonal aus Kabul an den Flughafen der afghanischen Hauptstadt zu bringen. Die Mitarbeiter seien dabei, das Botschaftsgebäude in Kabul zu räumen, sagte Blinken am Sonntag dem Sender ABC. Dies geschehe "auf sichere und geordnete Weise".

Einen Vergleich zwischen dem Abzug aus Kabul und der chaotischen Evakuierung der US-Botschaft in Saigon während des Vietnam-Kriegs wies der Außenminister zurück. "Dies ist nicht Saigon", betonte er. Die USA hätten vor 20 Jahren in Afghanistan interveniert mit dem Ziel, "die Leute zu erledigen, die uns am 11. September (2001) angegriffen haben. Diese Mission war erfolgreich."

Deutsches Botschaftspersonal an Flughafen verlegt

15.14 Uhr: Deutschland hat das Personal seiner seine Botschaft in Afghanistan wegen des Vorrückens der Taliban auf Kabul zum militärischen Teil des Flughafens in der afghanischen Hauptstadt verlegt. Das teilte Außenminister Heiko Maas auf Twitter mit. "Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind dort inzwischen eingetroffen und stellen ihre Arbeitsfähigkeit her", so Maas.

Für den Nachmittag habe er erneut den Krisenstab der Bundesregierung einberufen. Es gehe darum, "Sofortmaßnahmen zur Sicherung und zur Ausreise deutscher Bediensteter und weiterer gefährdeter Personen aus Afghanistan auf den Weg zu bringen".

Deutsche Botschaft in Kabul ist geschlossen

14.32 Uhr: Deutschland hat wegen des Vorrückens der Taliban auf Kabul seine Botschaft in der afghanischen Hauptstadt geschlossen. Das teilte das Auswärtige Amt am Sonntag mit. Die Sicherheitslage habe sich drastisch verschlechtert, hieß es in einer Reisewarnung. Deutsche Staatsangehörige werden aufgefordert, Afghanistan zu verlassen.

Nach Informationen des "Spiegel" wurde die Botschaft bereits evakuiert. Nach ersten Meldungen über das Eindringen von Taliban-Einheiten in die Stadt seien die etwa 20 Botschaftsangehörigen und die Bundespolizisten, die zum Schutz der diplomatischen Vertretung abgestellt sind, aus Sicherheitsgründen zum militärisch gesicherten Flughafen gebracht worden.

Johnson will Parlament aus Sommerpause zurückholen

14.07 Uhr: Angesichts der dramatischen Entwicklungen in Afghanistan will der britische Premierminister Boris Johnson laut Medienberichten das Parlament für eine Dringlichkeitssitzung aus der Sommerpause zurückholen. Wie der Sender Sky News und die britische Nachrichtenagentur Press Association am Sonntag unter Berufung auf Vertreter der Downing Street berichteten, sollen die Abgeordneten über das weitere britische Vorgehen in Afghanistan beraten.

Der Abgeordnete Tobias Ellwood forderte seinen Parteikollegen Johnson auf, den Rückzug aus Afghanistan dringend zu "überdenken". Nur weil die USA nicht eingriffen, müsse Großbritannien nicht das Gleiche tun, sagte er dem Times Radio: "Wir müssen nicht dem Denken und der politischen Einschätzung unseres engsten Sicherheitsverbündeten folgen - vor allem, wenn es so falsch ist." Sollte Großbritannien der Rückkehr der Taliban tatenlos zusehen, "wird die Geschichte sehr, sehr hart über uns urteilen", warnte Ellwood.

Foto zeigt Sorge vor Machtübernahme der Taliban

13.41 Uhr: Die Menschen in Kabul bereiten sich auf die Machtübernahme der Taliban vor. Der afghanische Journalist Lotfullah Najafizada von TOLO News TV verbreitet via Twitter ein Foto, das symbolisch für die Situation in der afghanischen Hauptstadt steh: Der Besitzer eines Brautmoden-Geschäfts übermalt die großflächigen Fotos von Frauen - offensichtlich aus Sorge vor den Taliban.

Bericht: Bundeswehr startet doch schon heute nach Kabul

13.28 Uhr: Die Bundeswehr soll sich offenbar doch schon am heutigen Sonntag auf den Weg nach Kabul machen, um Deutsche aus der afghanischen Hauptstadt zu evakuieren. Das berichtet die "Bild". Laut dem Bericht sollen ein Airbus A400M und ein Airbus A310 noch heute starten. Eine offizielle Mitteilung dazu gibt es nicht. Eigentlich war der Beginn des Einsatzes nach übereinstimmenden Medienberichten für morgen geplant gewesen.

Menschen versuchen zu flüchten - oder verstecken sich

13.21 Uhr: "In #Kabul verstecken sich Künstlerinnen, Ortskräfte, Sportler. Menschen, die eine neue Zivilgesellschaft aufgebaut haben. Ihre Nachrichten sind voller Angst", schreibt der ehemalige ARD-Südasien Korrespondent Gabor Halasz auf Twitter.

Ein andere Twitter-Video zeigt das Chaos in Kabul und die Fluchtversuche vieler Afghanen:

Taliban haben Basis Bagram übernommen

12.56 Uhr: Die Taliban haben die Kontrolle über die Luftwaffenbasis Bagram übernommen, die den USA bis vergangenen Monat als Hauptquartier diente. Zu dem Komplex gehört auch ein Gefängnis, in dem Taliban und IS-Terrorverdächtige eingesperrt sind.

Die afghanischen Behörden bestätigten die Übergabe der Basis. Diese liegt etwa 80 Kilometer von Kabul entfernt und war Dreh- und Angelpunkt des US-Militäreinsatzes in Afghanistan. Dort konnten sogar die größten Transportmaschinen starten und landen. Zwischenzeitlich sollen dort etwa 20.000 US-Militärangehörige stationiert gewesen sein.

Große Verunsicherung in Kabul

12.49 Uhr: Journalisten berichten über Verzweiflung und Verunsicherung der Menschen in Kabul. Es soll zu Hamsterkäufen kommen. Ein Video zeigt eine große Menschenmenge vor eine Bank. Sie sollen versuchen dort Geld abzuheben.

Albanien will geflüchtete Afghanen aufnehmen

12.41 Uhr: Albanien will vorübergehend Afghanen aufnehmen, die vor den Taliban aus ihrem Land fliehen mussten. Man komme damit einer Bitte der USA nach, erklärte Ministerpräsident Edi Rama bei Facebook. Es gehe darum, Menschen aufzunehmen, die später in die USA gebracht werden sollen.In den vergangenen 20 Jahren haben viele Afghanen für die US-Armee oder US-Regierungsstellen als Übersetzer oder Hilfskräfte gearbeitet. Viele fürchten die Rache der Taliban und wollen ihre Heimat verlassen. Die USA wollen sie aber erst nach einer erneuten Prüfung aufnehmen.

Gefangene werden offenbar aus Gefängnis freigelassen

12.34 Uhr: Ein Video auf Twitter zeigt, wie offenbar Gefangene aus einer Haftanstalt in Khost/Chost, südlich von Kabul, freigelassen werden.

Berichte über vereinzelte Schüsse in Kabul

12.25 Uhr: Aus Kabul werden nach übereinstimmenden Medienberichten vereinzelt Schüsse gemeldet. Es ist aber unklar, wer diese abgibt. Der "New York Times"-Reporter Mujib Mashal berichtet, dass vielerorts in Kabul Sicherheitskräfte und private Leibwächter schießen, um sich schneller durch die Stadt bewegen zu können. Die Taliban seien nicht verantwortlich.

Taliban übernehmen Waffen und afghanische Einheiten

12.19 Uhr: Da afghanische Regierungstruppen vielerorts kampflos aufgegeben haben oder desertiert sind, fallen Waffen und Ausrüstungsgegenstände in die Hände der Taliban. Die Islamisten verbreiten Videos, die zeigen, wie ihre Kämpfer Waffenlager übernehmen, mit erbeuteten Fahrzeugen patrouillieren oder vor Militärhubschraubern posieren. Ein Video auf Twitter zeigt offenbar, wie ein afghanischer Kommandant sogar seine Einheit an die Taliban übergibt.

Taliban-Sprecher bestätigt Gespräche zu Machtübergabe

11.50 Uhr: Der Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid hat der BBC bestätigt, dass es Gespräche mit dem Präsidentenpalast über eine "friedliche Machtübernahme" gebe. Der Leiter des Hohen Rates für Nationale Versöhnung, Abdullah Abdullah, organisiere diese.

Afghanische Regierung kündigt offenbar "friedliche Machtübergabe" an

11.38 Uhr: Die afghanische Regierung hat angesichts der bis an den Stadtrand der Hauptstadt Kabul vorgerückten Taliban eine "friedliche Machtübergabe" angekündigt. "Es wird keinen Angriff auf die Stadt geben", sagte Innenminister Abdul Sattar Mirsakwal am Sonntag in einer aufgezeichneten Ansprache. Demnach soll eine "Übergangsregierung" gebildet werden. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP.

Menschen fliehen offenbar aus der Hauptstadt Kabul

11.29 Uhr: Die Leiterin des BBC-Büros Südasien, Nicola Careem, verbreitet via Twitter ein Video, das die Lage in Kabul zeigen soll. Offenbar versuchen viele Menschen, die Stadt zu verlassen - ihr Hab und Gut so gut es geht in und auf Pkw verstaut.

US-Botschaft wird evakuiert

11.13 Uhr: Die USA hatten bereits einige Stunden vor den ersten Meldungen über das Vorrücken der Taliban damit begonnen, ihre Botschaft zu evakuieren. Diese sei zunächst mit einer kleinen Gruppe gestartet worden, aber auch der Großteil des Personals sei zum Abzug bereit, sagten zwei US-Vertreter der Nachrichtenagentur Reuters. Hubschrauber starten und landen auf dem Gelände der Botschaft. Die USA hatten ihre militärische Präsenz am Flughafen zuvor verstärkt.

Verhandlungen über friedlichen Einmarsch

11.08 Uhr: Die Taliban haben ihre Kämpfer nach eigenen Angaben angewiesen, nicht in die Hauptstadt Kabul vorzudringen. Sie sollten vielmehr an den Toren der Stadt Stellung beziehen, heißt es in einer Erklärung der Islamisten. Man wolle vielmehr mit der anderen Seite über einen friedlichen Einmarsch in Kabul verhandeln. Es gebe bereits Gespräche mit der afghanischen Regierung für eine "friedliche Kapitulation", behaupten die Taliban.

Taliban angeblich in drei Bezirke vorgerückt

11.07 Uhr: Die Taliban sind nach eigenen Angaben in drei Randbezirke Kabuls vorgedrungen: Kalakan, Karabagh und Paghman. Es habe bislang keine Kämpfe gegeben. "Niemandes Leben, Eigentum und Würde wird verletzt und das Leben der Bürger Kabuls wird nicht in Gefahr sein", erklärten die Taliban der Nachrichtenagentur AP.

Rettungsflüge für Deutsche am Montag

11.03 Uhr: Die Bundeswehr wird an diesem Montag mit der Evakuierung deutscher Staatsbürger und afghanischer Ortskräfte aus Kabul beginnen. Mehrere Transportmaschinen vom Typ A400M sollen nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in die afghanische Hauptstadt fliegen und die Menschen in Sicherheit bringen. Fallschirmjäger sollen den Einsatz absichern. Auch die "Bild"-Zeitung und der "Spiegel" hatten vom unmittelbar bevorstehenden Beginn der Evakuierungsaktion berichtet.

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte am Samstag erklärt, sie könne zu operativen Details des Einsatzes keine Auskunft geben. Diese Linie wurde am Sonntag nochmals vom Ministerium bestätigt. Kramp-Karrenbauer hatte angesichts des raschen Vorrückens der Taliban mitgeteilt: "Es hat jetzt absolute Priorität, dass wir die zu Schützenden sicher nach Deutschland bringen."

(fmg/afp/dpa)

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