Pandemie

Experten: So könnten die Corona-Maßnahmen gelockert werden

Mundschutz: Anleitung zum Selberbasteln

Zum Schutz vor Ansteckung mit dem Coronavirus kann ein Mundschutz helfen. Allerdings sind die Gesichtsmasken ein knappes Gut. Die Videografik zeigt, wie sich jeder einen Mundschutz aus einem Tuch falten kann.

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Wie schaffen wir den Weg zurück zur Normalität? Experten haben nun ein erstes Konzept vorgelegt. Das steht drin.

Düsseldorf. Wann und vor allem wie können die Corona-Maßnahmen gelockert werden? Diese Frage beschäftigt sowohl die Bevölkerung als auch die Politik. Nun hat die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina empfohlen, unter bestimmten Voraussetzungen so bald wie möglich zuerst Grundschulen und die Sekundarstufe I schrittweise zu öffnen.

Zur Öffnung von Kitas heißt es: „Da kleinere Kinder sich nicht an die Distanzregeln und Schutzmaßnahmen halten können, gleichzeitig aber die Infektion weitergeben können, sollte der Betrieb in Kindertagesstätten nur sehr eingeschränkt wiederaufgenommen werden.“

Der Einzelhandel, das Gastgewerbe und Behörden sollten als erste Einrichtungen öffnen. Aber auch private und dienstliche Reisen sowie gesellschaftliche, kulturelle und sportliche Veranstaltungen könnten wieder stattfinden.

Zu den Voraussetzungen heißt es, die Infektionen müssten auf niedrigem Niveau stabilisiert und die bekannten Hygieneregeln eingehalten werden. Zudem sprechen sich die Experten in dem Papier für eine Masken-Pflicht etwa in Bussen und Bahnen aus.

Exit-Strategie: Armin Laschet legt Experten-Konzept vor

Am Ostersonntag hatte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) ein Experten-Konzept für eine schrittweise Aufhebung der Einschränkungen vorgelegt.

In dem Papier des interdisziplinären Teams heißt es, über Lockerungen könne erst nachgedacht werden, wenn klar sei, dass das Gesundheitssystem „absehbar nicht überfordert ist“ und Voraussetzungen für ein besseres „Monitoring“ der Krise geschaffen seien. Dann aber könne die Rückkehr zur Normalität „schrittweise forciert werden“. Das Papier liegt der Deutschen Presse-Agentur vor, zuvor hatte die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ berichtet. Auch die „Heinsberg-Studie“ hatte der Politik erste Hinweise auf eine Exit-Strategie gegeben.

Dem Expertenteam gehören demnach unter anderem der Virologe Hendrik Streeck, der frühere Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio und der frühere Vorsitzende der „Wirtschaftsweisen“ Christoph Schmidt an. Laschet nannte die Vorschläge der Experten „transparent“ und „nachvollziehbar“.

Bund und Länder haben einschneidende Maßnahmen beschlossen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Am Mittwoch soll beraten werden, wie es weitergeht. Bei einer weiteren Schaltkonferenz von Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten am 19. April wird voraussichtlich entschieden, ob Teile der Beschränkungen aufgehoben oder verändert werden können. Eine Umfrage hatte ergeben, dass eine deutliche Mehrheit der Deutschen die Kontaktbeschränkungen befürwortet.

Lockerung der Corona-Maßnahmen: Das schlagen die Experten vor

Die Experten schlagen vor, „einzelne Bereiche des öffentlichen Lebens nach und nach wieder zuzulassen“. Dazu gehörten Schulen, Universitäten und der Einzelhandel. Bei den Schulen solle es dabei zeitversetzten Unterricht und Unterschiede nach dem Alter geben. In Kitas und im „Präsenzunterricht“ sollen zuerst vor allem Lehrkräfte arbeiten, die nicht zu Risikogruppen gehören. Es stellt sich die Frage: Wird Schule nach der Corona-Krise anders funktionieren?

Für die Wirtschaft stellen die Fachleute demnach Reihenfolgen auf. Läden sollen früher öffnen als Clubs, in Restaurants sollen Tische weit auseinander stehen, und nur wenige Gäste zugelassen werden. Fußballspiele, Messen und Kongresse müssten dagegen noch länger verboten bleiben. Auch Atemmasken für alle werden empfohlen.

Helfen Atemschutzmasken gegen das Coronavirus?
Helfen Atemschutzmasken gegen das Coronavirus?

Die Testverfahren sollten ausgeweitet werden, wenn die Infrastrukturen bereitstehen. Menschen mit Symptomen und bestätigten Kontaktpersonen sollten grundsätzlich immer getestet werden. Auch sollten die Infektionsketten möglichst lückenlos zurückverfolgt werden. Dazu sei eine schnelle Aufstockung des Personals bei den Gesundheitsämtern etwa durch Unterstützung von Medizinstudenten oder die Bundeswehr erforderlich.

Der Städte- und Gemeindebund machte im Gespräch mit unserer Redaktion deutlich, dass er einen deutlichen Ausbau der Test-Kapazitäten zur Bedingung für Lockerungen der Corona-Regeln macht.

Ende Corona-Krise: Diese vier Kriterien sind wichtig

Die konkreten Schritte und die Geschwindigkeit der Lockerung sollen sich demnach an vier Kriterien orientieren:

  1. Wo ist die Gefahr einer Ansteckung besonders hoch und wo weniger?
  2. Orientierung an der Frage: „Für wen wäre eine Ansteckung besonders gefährlich?“ Diese Gruppen müssen weiter geschützt werden
  3. Was ist „für Wirtschaft und Gesellschaft besonders wichtig“
  4. Wie gut lassen sich im jeweiligen Bereich Schutzmaßnahmen umsetzen?

In dem 15-Seiten-Papier unter dem Titel „Weg in eine verantwortungsvolle Normalität“ heißt es, vorrangig gelte es, die medizinischen Kapazitäten so schnell wie möglich auszubauen. Es sei eine bessere Steuerung der Kapazitäten insbesondere bei Intensivbetten mit oder ohne Beatmungsmöglichkeiten nötig. Diese müssten in Echtzeit erfasst werden.

Experten warnen vor Optimismus: „Es wird Rückschritte geben“

Zudem sei eine bessere Erreichbarkeit der Gesundheitsämter und eine bessere Informationsverteilung zwischen diesen nötig. Zielmarke sei eine Steigerung der Zahl der Tests auf das Coronavirus auf bis zu 500.000 pro Tag. Dazu sei ein schneller Aufbau der Testinfrastruktur auch unter Einbeziehung weiterer Labore und die Einrichtung mobiler Teststationen mit Unterstützung durch das Technische Hilfswerk, die Bundeswehr und das Rote Kreuz nötig.

Die Experten warnten allerdings auch vor verfrühtem Optimismus. „Es wird Rückschritte geben“, schreiben sie. „Wir werden mit hoher Wahrscheinlichkeit wiederholt mit einem erneuten Anstieg der Infektionszahlen konfrontiert werden. Es kann neue kleinere und vielleicht auch größere Infektionswellen geben.“ Dann könne es nötig werden „dass wir Schritte wieder zurückgehen“.

(dpa/AFP/jha)