Civey-Umfrage

Mehrheit der Deutschen ist für SPD-Austritt aus der GroKo

Soll die SPD das Regierungsbündnis mit der CDU/CSU aufkündigen? Eine Mehrheit der Deutschen sagt in einer neuen Civey-Umfrage: ja.

Soll die SPD das Regierungsbündnis mit der CDU/CSU aufkündigen? Eine Mehrheit der Deutschen sagt in einer neuen Civey-Umfrage: ja.

Foto: Christian Ohdevia www.imago-images.de / imago images / Christian Ohde

Sollte die SPD die Große Koalition verlassen? Eine Mehrheit der Deutschen ist dafür. Im Dezember stimmt die SPD über das Bündnis ab.

Berlin. Anfang Dezember wird sich das Schicksal der Großen Koalition entscheiden: Dann stimmen die rund 3.000 Delegierten auf dem SPD-Parteitag in Berlin über die Fortsetzung der Regierungszusammenarbeit mit CDU und CSU ab.

Ginge es nach der Mehrheit der Deutschen, dann sollten die Sozialdemokraten das schwarz-rote Bündnis aufkündigen. Das geht aus einer exklusiven Umfrage unserer Redaktion hervor, die wir in Zusammenarbeit mit dem Online-Meinungsforschungsinstitut Civey erhoben haben. Demnach wollen 47,5 Prozent der Befragten, dass die Sozialdemokraten die Große Koalition aufkündigen – 33 Prozent sind definitiv für das Ende der GroKo, 14,5 Prozent sind „eher“ dafür.

42,6 Prozent sind für eine Fortsetzung der GroKo

Aber die Regierungsarbeit von SPD und CDU/CSU findet auch Befürworter. 42,6 Prozent sind der Auffassung, dass die SPD dem Regierungsbündnis treu bleiben sollte. Während knapp jeder fünfte Befragte der Meinung ist, dass die SPD eher nicht aus der Großen Koalition austreten sollte, ist jeder Vierte überzeugt, dass ein Aufkündigen des Bündnisses auf keinen Fall geschehen solle.

Die übrigen 9,9 Prozent sind unentschlossen, ob die SPD in der Großen Koalition bleiben sollte. An der Umfrage nahmen vom 4. bis zum 5. September 7.578 Menschen teil, die Stichprobengröße lag bei 5.015 Befragten. Der statistische Fehler lag bei 2,5 Prozent.

Unions-Wähler sind für einen SPD-Verbleib

Deutliche Unterschiede gibt es zwischen den verschiedenen Wählergruppen. Während 76,2 Prozent der CDU/CSU-Wähler gegen einen SPD-Austritt aus der Großen Koalition sind, finden drei Viertel der AfD-Wähler, dass die SPD das Bündnis aufkündigen sollte.

Bei den SPD-Wählern sind nur 35,6 Prozent davon überzeugt, dass ein GroKo-Austritt die richtige Entscheidung wäre. Wähler der Linken (69,8 Prozent), der Grünen (56,0 Prozent) und der FDP (46,9 Prozent) würden dagegen mehrheitlich ein Ende der Großen Koalition begrüßen.

Frauen sehen GroKo positiver als Männer

Auch bei den Berufsgruppen zeigen sich Unterschiede. Während 57,6 Prozent der Studenten der Meinung sind, dass die SPD aus der Großen Koalition austreten sollte, finden 49,6 Prozent der Rentner, dass die SPD lieber in der Regierung bleiben sollte. Das passt auch zum Alter: 61,6 Prozent der 18- bis 29-Jährigen sind für einen Austritt. Es zeigt sich: Je älter die Wähler sind, desto eher sind sie der Großen Koalition zugeneigt.

Ein weiterer Trend: Männer befürworten einen Austritt der SPD aus der GroKo eher als Frauen. 49,6 Prozent der Männer wollen die Sozialdemokraten nicht mehr in einer Regierung mit der Union sehen, bei den Frauen ist der Anteil derer, die für einen Austritt sind (45,5 Prozent), nahezu identisch mit dem, der gegen eine Aufkündigung des Bündnisses ist (44,7 Prozent).

Mehrheit der Arbeitnehmer für Austritt

Das Kernklientel der SPD ist dagegen gespalten: 48,8 Prozent der Arbeitnehmer sind für einen Austritt, 41,0 Prozent dagegen. Bei den Selbstständigen sind die Unterschiede noch geringer: 44,7 Prozent wollen den Austritt, 46,3 Prozent nicht.

Deutlich entschiedener sind die Arbeitslosen: 52,8 Prozent wollen, dass sich die SPD aus der Großen Koalition verabschiedet, nicht einmal jeder Dritte findet, dass die Sozialdemokraten weiter mit der Union regieren sollten.

Vorstandswahl gilt als richtungsweisend für Fortsetzung der Regierung

Derzeit läuft in der SPD die Suche nach einem neuen Parteivorstand. Diese gilt als richtungsweisend für den künftigen Kurs der SPD und somit auch für eine weitere Zusammenarbeit mit der Union. Der prominenteste Bewerber um den Parteivorsitz, Bundesfinanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz, der zusammen mit der Brandenburger Landtagsabgeordneten Klara Geywitz antritt, gilt als Verfechter der Großen Koalition.

Dagegen kritisieren sowohl der frühere NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans, der sich zusammen mit der Bundestagsabgeordneten Saskia Esken bewirbt, als auch Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, der mit der Umweltpolitikern Nina Scheer antritt, das Bündnis mit der Union offen.

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SPD-Bewerber stellen sich auf Regionalkonferenz vor

Seit Mittwoch stellen sich die Bewerber um den Parteivorsitz auf Regionalkonferenzen den Mitgliedern vor. Ursprünglich gingen acht Duos und ein Einzelkandidat in das Bewerbungsrennen, um sich auf 23 Regionalkonferenzen den Parteimitgliedern vorzustellen.

Bereits bei der ersten Regionalkonferenz in Saarbrücken zogen die Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange und der Bautzener Oberbürgermeister Alexander Ahrens ihre Kandidatur zurück und erklärten, Walter-Borjans und Esken unterstützen zu wollen.

Revisionsklausel ermöglicht GroKo-Abstimmung

Dass die SPD auf ihrem Parteitag über eine Fortsetzung des Regierungsbündnisses abstimmen wird, ermöglicht auch eine im Koalitionsvertrag mit der CDU/CSU vereinbarte Revisionsklausel. Die besagt, dass die Regierungsparteien zur Halbzeit der Legislaturperiode eine Zwischenbilanz ziehen. Dabei soll zum einen resümiert werden, was bereits erreicht wurde. Viel entscheidender wird aber sein, welche Perspektiven die Regierungsarbeit für die verbleibenden knapp zwei Jahre verspricht.

Die SPD pocht unter anderem auf die Grundrente und erhöhte nach den jüngsten Wahlen in Brandenburg und Sachsen, wo die SPD ihr historisch schlechtestes Ergebnis einfuhr, den Druck auf die Union. Auch bei der Frage des Klimaschutzes sind SPD und Union noch uneins.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) forderte jüngst im Gespräch mit unserer Redaktion, eine Klima-Stiftung mit 50 Milliarden Euro Kapitalanlage aus. Das Konzept dahinter: Die Bürger geben Geld fürs Klima aus und bekommen dafür Zinsen.