Prozess

Khashoggi-Prozess startet mit Forderung nach Todesstrafe

Der saudische Journalist Jamal Khashoggi während einer Pressekonferenz im Jahr 2015. Er wurde vor drei Monaten in der Türkei ermordet.

Der saudische Journalist Jamal Khashoggi während einer Pressekonferenz im Jahr 2015. Er wurde vor drei Monaten in der Türkei ermordet.

Foto: Hasan Jamali / dpa

Der Journalist Khashoggi wurde in der Türkei grausam ermordet. In Saudi-Arabien müssen sich nun elf Männer vor Gericht verantworten.

Riad.  In Saudi-Arabien hat drei Monate nach dem Mord am saudischen Journalisten Jamal Khashoggi in der Türkei der Prozess begonnen. Angeklagt sind elf Verdächtige.

Die Männer seien am Donnerstag vor dem Gericht in der Hauptstadt Riad erschienen, teilte Generalstaatsanwalt Saud al-Mudschib mit. Die Anklageschrift sei verlesen worden.

„Während der ersten Anhörung fragten die Verteidiger nach einer Kopie der Anklageschrift und Zeit, um auf diese zu reagieren. Dem Antrag der Verteidiger wurde stattgegeben“, heißt es in der Mitteilung.

Ein Datum für die Fortsetzung der Verhandlung wurde nicht genannt. Die Staatsanwaltschaft fordert in fünf Fällen die Todesstrafe.

Spezialteam aus Saudi-Arabien tötete Khashoggi

Die Führung Saudi-Arabiens war nach der Ermordung Khashoggis international in die Kritik geraten. Der Kolumnist der „Washington Post“ war Anfang Oktober ins saudische Konsulat in Istanbul gegangen, um ein Dokument für seine Hochzeit abzuholen.

Dort wurde er von einem aus Saudi-Arabien angereisten Spezialteam grausam getötet. Dies räumte Riad erst nach massivem internationalen Druck ein. Deutschland hatte in der Folge alle Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien gestoppt.

Eine Reihe von Indizien rückte Thronfolger Mohammed bin Salman, den Sohn des Königs, in die Nähe der Tat. Medienberichten zufolge geht der US-Auslandsgeheimdienst CIA davon aus, dass er der Drahtzieher ist.

US-Präsident Donald Trump jedoch ging nicht gegen den Thronfolger vor und verwies unter anderem auf die guten wirtschaftlichen Beziehungen und Waffendeals mit Saudi-Arabien. Riad beharrt darauf, der Kronprinz habe nichts von den Mordplänen gewusst.

Ein Video des türkischen Fernsehsenders A-Aber zeigt Aufnahmen, auf denen angeblich zu sehen ist, wie Männer Leichenteile des Ermordeten in die Residenz des saudischen Konsulats transportieren. Der Sender beruft sie dabei auf geheime Quellen.

Als Drahtzieher Ex-Geheimdienst-Chef präsentiert

Nach Angaben der saudischen Generalanwaltschaft befragten die Ermittler in dem Fall auch andere Verdächtige, nannte aber keine weiteren Details. Außerdem sei die türkische Regierung gebeten worden, Erkenntnisse zur Tat mit den Ermittlern zu teilen.

Die Generalstaatsanwaltschaft in Riad hatte im November die Anklage von elf – namentlich nicht genannten – saudischen Männern bekanntgegeben. Als Drahtzieher präsentierten sie den ehemaligen Vizechef des Geheimdienstes, Ahmed al-Asiri.

Auch der Vertraute des Thronfolgers und hochrangige Regierungsmitarbeiter Saud al-Kahtani wird beschuldigt, an der Organisation der Tat beteiligt gewesen zu sein. Er scheint den zugänglichen Informationen zufolge aber nicht Teil des Prozesses zu sein.

Der Mord an Jamal Khashoggi hatte international hohe Wellen geschlagen. Das „Time Magazine“ ehrte Khashoggi als „Person des Jahres“. (les/dpa)