Syrien-Krieg

Aus Angst vor Erdogan: Syrische Kurden bitten Assad um Hilfe

Kurdische Milizen in der Stadt Manbidsch bitten um Hilfe der Regierungstruppen von Baschar al-Assad (Archivfoto).

Kurdische Milizen in der Stadt Manbidsch bitten um Hilfe der Regierungstruppen von Baschar al-Assad (Archivfoto).

Foto: Hussein Malla / dpa

Die Türkei droht mit einer Invasion in Nordsyrien im Kampf gegen die Kurdenmiliz YPG. Die Kurden wenden sich an den Diktator Assad.

Damaskus.  Die syrische Armee hat Truppen in die Stadt Manbidsch an der türkischen Grenze verlegt – auf Bitten von kurdischen Milizen. Die Kurden fürchten eine aggressive Strategie des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und einen Einmarsch türkischer Truppen.

Das Generalkommando der Kurdenmiliz YPG teilte mit, dass man deshalb die syrischen Regierungseinheiten eingeladen habe, nach Nordsyrien zu kommen und die Kontrolle über das Gebiet rund um Manbidsch zu übernehmen. Die syrische Armee erklärte daraufhin, Regierungstruppen seien in das Gebiet verlegt worden und hätten ihre Fahne in Manbidsch gehisst.

Die YPG hatten zuvor erklärt, dass sich ihre Truppen aus dem Gebiet um Manbidsch zurückgezogen hätten, um sich ganz auf den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Nordosten Syriens zu konzentrieren. Im Kampf gegen den IS hatten Kurdenmilizen weite Teile Nordsyriens eingenommen. Anschließend weiteten die Kurden ihre Selbstverwaltung - zum Ärger der Türkei - in den Gebieten aus.

Ankündigung des US-Truppenabzuges zeigt Wirkung

Die Entwicklung zeigt, wie sich nach dem angekündigten Truppenabzug der USA die Allianzen in Syrien neu sortieren. Die mit dem US-Militär verbündeten Kurden-Milizen fühlen sich beispielsweise im Stich gelassen und suchen neue Verbündete.

Syriens Machthaber Baschar al-Assad weitet sein Einflussgebiet weiter aus und bekommt auch von arabischen Staaten, die zu seinen Gegnern zählten, wieder Zuspruch. Die ersten beiden arabischen Golfstaaten – Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) – öffnen wieder ihre Botschaften in Damaskus. Die arabischen Golfstaaten wollen nach dem US-Abzug vor allem den Einfluss des Irans in Syrien eindämmen.

Nach der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump über einen Abzug der US-Truppen in Syrien hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan mit einer Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG gedroht. Die Türkei sieht die YPG als Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit als Terrororganisation.

Regierung wolle Souveränität in Syrien wahren

Mit der Verlegung von Einheiten kämen die Regierungstruppen ihrer Verpflichtung nach, die staatliche Souveränität auf dem gesamten syrischen Staatsgebiet sicherzustellen, hieß es in der Stellungnahme der syrischen Armee. Es soll sich vor allem um Elite-Einheiten und Artillerie handeln.

Der türkische Präsident Erdogan äußerte sich am Freitag vor Journalisten zu den Entwicklungen in Nordsyrien: „Unser Ziel ist es, der YPG eine Lektion zu erteilen und wir sind gewillt, dies zu tun.“

Es sei aber auch klar, dass die Gebiete um Manbidsch zu Syrien gehörten. „Unser oberstes Ziel ist es sicherzustellen, dass alle Terrorgruppen das Gebiet verlassen“, sagte Erdogan. „Für uns wird nichts mehr zu tun sein, wenn die Terrorgruppen verschwinden.“ Es sei noch unklar, ob die syrische Armee die Kontrolle über Manbidsch übernommen habe. (dpa/ac)