Alt-Kanzler

Gerhard Schröder steht auf der Fahndungsliste der Ukraine

Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und seine Frau Soyeon Schröder-Kim.

Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und seine Frau Soyeon Schröder-Kim.

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Soyeon Schröder-Kim sorgt sich um die Sicherheit ihres Mannes. Der Altkanzler gilt in der Ukraine als „Staatsfeind“.

Berlin.  Altkanzler Gerhard Schröder steht auf einer ukrainischen Fahndungsliste. Der 74-Jährige wird auf der vom Innenministerium der Ukraine initiierten Website „Mirotworez“ (Friedensstifter) als Gegner des Staates geführt. Das berichtet das Nachrichtenportal „Heise“.

Demnach werden dort Namen und teilweise Adressen von angeblich anti-ukrainischen Personen gelistet – etwa Separatisten, Journalisten und Politiker wie Ex-Ministerpräsidentin Julia Timoschenko. Zwei Oppositionelle, die auf der Liste standen, wurden 2015 in Kiew ermordet.

Schröder pflegt gute Beziehungen zu Russland

Entsprechend in Sorge äußerte sich Schröders Frau Soyeon Schröder-Kim: „Ich bin als Ehefrau sehr besorgt und empört. In meinem Land und in meiner Kultur verstehen wir derartige Angriffe gegen einen demokratischen Politiker, insbesondere den ehemaligen Bundeskanzler, nicht“, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Sie sei enttäuscht, dass die Bundesregierung nicht klar Stellung gegen ein solches Vorgehen beziehe.

Deshalb steht Gerhard Schröder auf der Liste

Der frühere Kanzler geriet wohl auf die Liste, nachdem er in einem Interview mit den „Aachener Nachrichten“ Verständnis für die russische Annexion 2014 der ukrainischen Schwarzmeerhalbinsel Krim gezeigt.

„Glauben Sie ernsthaft, dass irgendein russischer Präsident dies in Zukunft wieder rückgängig machen wird? Diese Realität wird man eines Tages anerkennen müssen“, sagte er. Er verwies auch darauf, dass die Halbinsel 1954 vom damaligen sowjetischen Regierungschef Nikita Chruschtschow der Ukraine geschenkt wurde. Sowohl Russland wie auch die Ukraine waren damals Teil der UdSSR.

Putin und Schröder sind befreundet

Schröder wechselte nach seiner Zeit als Bundeskanzler zur Nord Stream AG, die vom russischen Staatskonzern Gazprom dominiert wird. Inzwischen arbeitet Schröder als Aufsichtsrat für den russischen Energiekonzern Rosneft, ebenfalls russisches Staatseigentum.

Spätestens seit seiner Aussage, Russlands Präsident Wladimir Putin sei ein lupenreiner Demokrat, gilt Schröder in den Augen vieler Kritiker als wichtigster Lobbyist Russlands. Putin und Schröder sind befreundet. Seit der Annexion der Krim ist das Verhältnis Russlands zur Ukraine zerrüttet. Bereits im März hatte Außenminister Pawel Klimkin EU-Sanktionen gegen Schröder ins Gespräch gebracht.

Gerhard Schröder zum fünften Mal verheiratet

Mehr als sein politisches stand in der vergangenen Zeit aber eher Schröder Privatleben im Mittelpunkt. Dabei ging es vor allem um Schröders Hochzeit mit seiner Frau Soyeon.

Es war die fünfte Hochzeit des Altkanzlers. Von seiner Ex Doris Schröder hatte er sich im April offiziell geschieden. Die beiden waren aber bereits seit längerer Zeit getrennt.

(cho)