Machtwechsel

Söders wichtigste Aufgabe ist nun, die CSU wieder zu einen

Der bayerische Finanzminister Markus Söder ist nicht gerade für seine diplomatische Art bekannt. Nun muss er ein neues Gesicht zeigen.

Der bayerische Finanzminister Markus Söder ist nicht gerade für seine diplomatische Art bekannt. Nun muss er ein neues Gesicht zeigen.

Foto: Peter Kneffel / dpa

Horst Seehofer hat einen würdigen Abgang verpasst, Markus Söder triumphiert. Doch die Münchner Seifenoper muss jetzt schnell enden.

Berlin.  Macht ist immer gefährlich. Besonders dann, wenn man ihr zu sehr vertraut. Horst Seehofer unterlag trotz jahrzehntelanger politischer Erfahrung in den höchsten Ämtern dieser Fehleinschätzung. Als er im April dieses Jahres verkündete, wieder als Spitzenkandidat bei der Landtagswahl 2018 antreten zu wollen, vermittelte er die Botschaft: Ohne mich geht es nicht.

Zu diesem Zeitpunkt schien der leidige Streit mit Bundeskanzlerin Angela Merkel über eine Obergrenze für Flüchtlinge ausgestanden, die Umfragewerte waren hervorragend, ein Wahlerfolg schien ausgemacht. Es war ein Trugschluss. Seehofer hätte zu diesem Zeitpunkt einen würdevollen Abgang und eine geordnete Übergabe der Macht noch organisieren können, ja, vielleicht sogar seinen Intimfeind Markus Söder übergehen können.

Doch das Festklammern an der Macht nach der Wahlniederlage und das Gezerre um seine Posten, hat ihn den würdevollen Abgang gekostet. Dass er nun noch Parteichef bleiben möchte, ist persönlich nachzuvollziehen, macht es aber für die CSU nicht leichter.

Seehofer und Söder sollen neues CSU-Spitzenduo bilden

Der wochenlange CSU-Machtkampf ist entschieden: Der bayerische Finanzminister Markus Söder soll Horst Seehofer als Ministerpräsident ablösen und die Partei als Spitzenkandidat in die Landtagswah...
Seehofer und Söder sollen neues CSU-Spitzenduo bilden

Seehofer hat im Umgang mit Söder Fehler gemacht

Zumal Seehofer 2018 dann ausgerechnet für Söder Wahlkampf machen muss. Den Mann, den er jahrelang sowohl öffentlich als auch hinterrücks mit allen Mitteln bekämpft hat. Die Ironie dabei ist, dass Seehofer im Bundestagswahlkampf bereits für CDU-Chefin Merkel trommeln musste, deren Flüchtlingspolitik er zutiefst verachtet hatte und die er 2015 auf offener Bühne dafür abkanzelte.

Den Konflikt mit Merkel nicht vor dem Wahlkampf gelöst zu haben, gilt als der größte Fehler Seehofers. Danach band er seinen Widersacher Söder nicht in die Berliner Jamaika-Verhandlungen seiner Partei mit CDU, Grünen und FDP ein – obwohl Söder mit zehnjähriger Erfahrung als Minister durchaus inhaltlich etwas beizutragen gehabt hätte. Diese Entscheidungen haben sich gerächt.

Abgang wird Seehofers politischer Leistung nicht gerecht

Der 68 Jahre alte Seehofer, der manch schwere Krankheit und familiäre Wirrungen überstanden hat, wirkte am Montag einigermaßen berührt. Auch wenn er sich das ihm eigene Frotzeln mit der Presse nicht nehmen lässt, haben die vergangenen Wochen doch Spuren hinterlassen.

Er habe schon viele politische Abschiede von Kollegen in seiner Karriere erlebt, sagte er nachdenklich. Dies nun persönlich zu erfahren, sei doch etwas grundsätzlich anderes. Es ist sehr schade, dass diese Erkenntnis zu spät kommt. Es wäre der politischen Leistung Seehofers vollkommen angemessen gewesen, aus einer Position der allgemeinen Hochachtung heraus Lebewohl zur Politik zu sagen.

Markus Söder hat im entscheidenden Moment zugeschlagen

Diese Schwäche Seehofers ist nun die Stärke des Neuen an der Spitze des Freistaats, Markus Söder. Der ehrgeizige Finanzminister ist bislang nicht für seine diplomatische Art bekannt. Er hat in den vergangenen Wochen aber klug taktiert, ist nicht zu früh nach vorne geprescht, hat im entscheidenden Moment zugeschlagen.

Es ist nun an ihm, die zerrissene Partei zu einen, sich Seehofers bundespolitische Erfahrung zunutze zu machen und die Querschüsse einzustellen. Seine Aussagen am Tag seines Triumphs lassen zumindest darauf hoffen, dass man die Münchner Seifenoper zu beenden gedenkt. Immer wenn es ernst wurde für die CSU und das Land Bayern, dann habe man sich zusammengerauft, das werde auch diesmal so sein, gab Söder zu Protokoll.

Denn wenn sich die CSU weiter so benimmt und sich über die Verteilung von Posten selbst zerlegt, werden sich wahrscheinlich noch mehr Wähler für eine Alternative entscheiden. Liegt diese rechts von der CSU, wäre das nicht nur für Bayern ein Fiasko.