Präsidentschaftskandidat

Emmanuel und Brigitte Macron – Ein ungewöhnliches Paar

Bald Präsident und First Lady? Emmanuel und Brigitte Macron vor dem Élysée-Palast in Paris, dem Amtssitz des französischen Präsidenten.

Bald Präsident und First Lady? Emmanuel und Brigitte Macron vor dem Élysée-Palast in Paris, dem Amtssitz des französischen Präsidenten.

Foto: dpa Picture-Alliance / Jacques Brinon / picture alliance/AP Photo

Brigitte Macron ist 25 Jahre älter als der Präsidentschaftskandidat Macron. Der Überflieger hatte sich einst in die Lehrerin verliebt.

Paris.  Er ist nicht einmal vierzig Jahre alt und kinderlos, sie bereits siebenfache Großmutter. Brigitte Macron, die elegante und selbstbewusste Frau an der Seite des Überfliegers, der Frankreichs jüngster Präsident werden könnte, ist tatsächlich ein knappes Vierteljahrhundert älter als ihr Ehemann. Doch dass sich die Klatschpresse das Maul zerreißt über diesen Altersunterschied, stört die Première Dame in spe nicht die Bohne.

„Brigitte, Brigitte“, skandieren Hunderte Menschen in Paris, als Emmanuel Macron Hand in Hand mit seiner Frau am Sonntagabend die Bühne betritt. „Bibi“, wie sie ihr Mann zärtlich zu nennen pflegt, wirft Kusshändchen ins Publikum, das Emmanuels Sieg in der ersten Runde der Präsidentenwahlen feiert. Als der politische Überflieger Brigitte in seine Arme zieht und ruft „Ohne sie wäre ich nicht ich!“, wird der Jubel frenetisch.

In Kampagnen gestürzt

Die schlanke, stets braun gebrannte 64-Jährige nimmt an jeder Wahlkampfveranstaltung des früheren Wirtschaftsministers teil. Egal, in welchem Winkel des Landes der smarte 39-Jährige auftritt, Brigitte ist dabei – vor und hinter den Kulissen. Sie gehört dem Strategieteam ihres Mannes an, geht seine Reden durch und regelt die Details seiner Auftritte, die sie stets in der ersten Sitzreihe verfolgt. Als einzige Kandidatengattin hat sie sich aktiv in die Kampagne gestürzt.

Emmanuel Macron beschreibt die Beziehung zu seiner Frau als eine „fast fusionelle Komplizenschaft“. Kennengelernt haben sich die beiden an einem Jesuitengymnasium im nordfranzösischen Amiens. Brigitte Trogneux – damals 39, verheiratet mit einem Banker und dreifache Mutter – unterrichtete dort Französisch und Latein. Der erst 15-jährige Arztsohn Emmanuel besuchte eine von ihr geleitete Theatergruppe. Wann genau sie sich verliebten, bleibt ihr Geheimnis. In jedem Fall aber war die Liaison zwischen der Lehrerin und ihrem Schüler völlig untragbar.

Gabriel begrüßt den Wahlerfolg von Emmanuel Macron

Der Grünen-Bundesvorsitzende und Spitzenkandidat für die Bundestagswahl Cem Özdemir mahnte zugleich auch.
Gabriel begrüßt den Wahlerfolg von Emmanuel Macron

Feixt gegenüber Journalisten

Brigitte überzeugt den sehr begabten Emmanuel daher, Amiens zu verlassen und an das Pariser Elitegymnasium Henri IV zu wechseln. Es hilft nichts: „Sie werden mich nicht los, ich werde zurückkommen, um Sie zu heiraten“, soll der Jüngling ihr beim Abschied gesagt haben. Und er hält sein Versprechen. 2007 ehelicht Macron seine mittlerweile von ihrem ersten Mann geschiedene Brigitte. In den folgenden Jahren begleitet sie die steile Karriere ihres Mannes, der erst der staatlichen Finanzinspektion angehört, dann als Investmentbanker reich wird und schließlich als persönlicher Berater von Staatschef François Hollande zum Wirtschaftsminister ernannt wird.

Der französischen Öffentlichkeit wird Brigitte Macron erst bekannt, als sie ihren Mann 2015 auf einen großen Empfang im Élysée-Palast begleitet. Dem Erstaunen der Medien folgen die Sticheleien über ein Regierungsmitglied, dessen Frau Kinder hat, die so alt sind wie er. Oder über die Vorliebe für ausgefallene Designermode der „Großmutter an Macrons Seite“, die in allzu kurzen Röcken und mit zu hohen Absätzen über ihr Rentenalter hinwegzutäuschen versuche.

Gerüchte über Homosexualität

Doch Brigitte, die rasch ähnlich populär wird wie ihr Gatte, begegnet der Häme mit Humor und feixt gegenüber Journalisten: „Ich hoffe, Emmanuel beeilt sich und wird schon 2017 Präsident. Denn wer weiß, welches Gesicht ich 2022 haben werde!“

Trotzdem geht der anstrengende Wahlkampf nicht spurlos an der energischen Ex-Lehrerin vorbei. „Man muss lernen, damit zu leben, von allen Seiten kritisiert zu werden“, gibt sie in einem ihrer seltenen Interviews zu. Auch Gerüchte über eine angebliche Homosexualität Macrons, die von russischen Medien gestreut wurden, dürften sie getroffen haben. Das aber hindert die Tochter eines angesehenen Schokoladenhändlers keineswegs daran, offen über eine mögliche Untreue ihres Mannes zu sprechen: „Wenn Emmanuel mich eines Tages betrügen sollte, dann weil er wirklich verliebt ist. Er ist kein Mann für Abenteuer.“

Erleichterung in Deutschland nach Frankreich-Wahl

Die Bundesregierung sieht in dem Sieg für Emmanuel Macron in der ersten Runde der Präsidentenwahl in Frankreich einen Teilerfolg für Europa.
Erleichterung in Deutschland nach Frankreich-Wahl