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Anfragen von Flüchtlingen beim DRK-Suchdienst steigen rasant

Zwei Frauen auf dem Gelände der Erstaufnahmestelle in Potsdam (Brandenburg). Immer mehr Asylbewerber melden beim Deutschen Roten Kreuz Vermisstenfälle nach ihrer Flucht.

Zwei Frauen auf dem Gelände der Erstaufnahmestelle in Potsdam (Brandenburg). Immer mehr Asylbewerber melden beim Deutschen Roten Kreuz Vermisstenfälle nach ihrer Flucht.

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Beim Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes betreffen viele Fälle minderjährige Flüchtlinge. Familien werden auf der Flucht getrennt.

Berlin.  Die Anfragen von Flüchtlingen beim Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) steigen drastisch an. Von Januar bis Ende September dieses Jahres gingen bereits 2200 neue Suchanfragen nach Angehörigen ein, teilte das DRK dieser Zeitung auf Anfrage mit. Bis zum Jahresende erwartet der DRK-Suchdienst insgesamt rund 2800 Anfragen. Das ist eine Steigerung von mehr als 70 Prozent gegenüber dem Jahr 2015, in dem es 1636 Anfragen gab. Im Vergleich zu 2014 ist es eine Steigerung um 160 Prozent.

Viele Anfragen betreffen laut DRK unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Im Jahr 2015 habe es 345 Suchanfragen gegeben, bei denen Eltern ihre Kinder oder Minderjährige ihre Angehörigen suchten. Von Januar bis Ende September 2016 seien es bereits 900 Fälle gewesen. „An erster Stelle geht es hierbei um afghanische Familien, die auf der Flucht von ihren Kindern getrennt wurden“, sagte DRK-Präsident Rudolf Seiters dieser Zeitung.

Viele Afghanen stellen Suchanfragen

„Afghanen wenden sich besonders häufig an den Suchdienst, weil sie im Vergleich etwa zu Syrern meist nicht so guten Zugang zu Internet und sozialen Netzwerken haben“, so Seiters weiter. Nach Angaben des DRK stellen auch viele syrische, somalische, eritreische und irakische Flüchtlingsfamilien Anfragen. Der Suchdienst übernehme auch die Beratung der Betroffenen, wenn es um Familienzusammenführung gehe, hieß es weiter.

Laut DRK bewegen sich auch die Anfragen zur Klärung des Schicksals von Kriegs- und Zivilgefangenen, Vermissten der Wehrmacht und Zivilverschleppten des Zweiten Weltkriegs „weiterhin zahlenmäßig auf sehr hohem Niveau“. Von Januar bis Ende September dieses Jahres seien 6946 Anfragen dazu eingegangen.

Schicksal der Angehörigen herausfinden

Für Seiters sind dies „ganz beachtliche Zahlen“, die zeigen würden, „wie sehr die Folgen des Zweiten Weltkrieges auch heute noch in die Familien hineinwirken und wie groß das Interesse ist“. Vor allem die Kinder- und Enkelgeneration sei hier sehr aktiv, wenn es um das Schicksal ihrer Angehörigen gehe, erklärte der DRK-Präsident. Diese Aufgabe werde das DRK noch auf alle Fälle bis Ende 2023 fortführen, kündigte Seiters an und betonte: „Wir sind sehr froh, dass es darüber eine Finanzierungszusage des Bundesinnenministeriums gibt.“