Liveticker zu den Mohammed-Protesten

Obama rechnet mit "anhaltender Krise" im Nahen Osten

Lesedauer: 13 Minuten

Die Wut der Muslime über einen Schmäh-Film entlädt sich in immer mehr Ländern. Gewaltsame Proteste richten sich auch gegen Deutsche. Verfolgen Sie die Geschehnisse im Liveticker.

Die Katastrophe hatte sich abgezeichnet. Staatlich unterstützte islamische Gelehrte im Sudan hatten zu Massenprotesten nach den Freitagsgebeten gegen die hetzerische Billigproduktion "Unschuld der Muslime" aufgerufen, die den Propheten Mohammed herabwürdigt. Sudans Außenminister hatte öffentlich Bundeskanzlerin Angela Merkel dafür kritisiert, vor einigen Wochen den Protest von rechtsradikalen Aktivisten vor einer Moschee im Berliner Stadtteil Wedding zugelassen zu haben. Einige der Demonstranten hätten Karikaturen des Propheten Mohammed auf Plakaten mit sich getragen. In der Stellungnahme des sudanesischen Außenministeriums hieß es: "Die deutsche Kanzlerin hat unglücklicherweise diesen Angriff auf den Islam gebilligt, der allen Prinzipien der Koexistenz von Religionen und Toleranz zwischen Religionen widerspricht."

+++ Merkel und Barroso verurteilen Angriffe auf Botschaften +++
+++ Obama verurteilt Angriffe und sichert Libyen Hilfe zu +++

Lese Sie hier die Geschehnisse im Liveticker

20:03 Uhr: Obama rechnet mit "anhaltender Krise"

US-Präsident Barack Obama rechnet laut einem Zeitungsbericht nach den jüngsten anti-amerikanischen Ausschreitungen nicht mit einer Beruhigung der Lage im Nahen Osten. Das Weiße Haus gehe davon aus, dass die gewaltsamen Proteste, bei denen vier US-Diplomaten getötet wurden, zu einer „anhaltenden Krise mit unvorhersehbaren diplomatischen und politischen Konsequenzen“ führen könnten. Eine Folge könnte sein, dass die USA ihre diplomatische Präsenz in der Region vermindern, schreibt die „New York Times“ am Sonnabend in ihrer Online-Ausgabe.

19:58 Uhr: Großmufti verurteilt Gewalt

Der Großmufti von Saudi-Arabien hat die jüngsten Angriffe auf Botschaften und Diplomaten während der Proteste gegen einen Mohammed-Schmähfilm als un-islamisch verurteilt. Zwar nannte Scheich Abdulasis bin Abdullah Al al-Scheich am Sonnabend in einer Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur SPA den Film elendig und kriminell. Allerdings erklärte er: „Es ist verboten, die Unschuldigen für die bösen Verbrechen der Schuldigen zu bestrafen.“ Auch dürften öffentliche Gebäude nicht Feuer und Zerstörung ausgesetzt werden.

19:55 Uhr: Festnahmen in Paris

In Paris hat die Polizei etwa 100 Menschen in der Nähe der US-Botschaft festgenommen. Die Demonstranten wollten an einer nicht angemeldeten Kundgebung teilnehmen, meldete die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Polizeiquellen.

19:50 Uhr: Uno-Resolution gegen Islam-Hetze gefordert

Der Großimam der Kairoer Al-Azhar-Universität, Scheich Ahmed Al-Tayyeb, hat eine Uno-Resolution gegen die Verunglimpfung des Islam und anderer Weltreligionen gefordert. Solche Taten seien zu ächten, weil sie den Weltfrieden und die internationale Sicherheit bedrohten, heißt es in der Erklärung Al-Tayyebs vom Sonnabend, aus der die ägyptische Tageszeitung „Egypt Independent“ zitiert. Die Al-Azhar-Universität gilt als führende Autorität für den sunnitischen Islam weltweit.

„Irregeleitete“ müssten für ihre „ruchlosen missbräuchlichen Akte gegenüber dem Propheten“ bestraft werden, so der Großimam. Er verglich eine „unverantwortliche Verfälschung“ des Islam mit antisemitischen Vorurteilen. Diese seien von Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon wiederholt verurteilt worden. Dabei habe man auch nicht vor Sanktionen gegen „große Denker und Wissenschaftler“ zurückgeschreckt.

Zugleich rief Al-Tayyeb die Ägypter zur Ruhe auf. Er verurteilte Angriffe auf Unschuldige und bekundete Mitleid mit den Opfern der jüngsten Gewalt. Zugleich verlangte er Schutz für diplomatische Einrichtungen und die Leitungszentralen internationaler Organisationen.

18:41 Uhr: Friedrich will gegen islamfeindliche Provokateure vorgehen

Nach den weltweiten Protesten gegen das Anti-Islam-Video „Innocence of Muslims“ will Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) die Verbreitung fremdenfeindlicher Propaganda in Deutschland unterbinden. „Dagegen muss man mit allen rechtlich zulässigen Mitteln vorgehen“, sagte Friedrich dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ laut Vorabbericht. Hintergrund ist die Ankündigung auf der Website von Pro Deutschland, den Werbetrailer zu veröffentlichen. „Solche Gruppen und Organisationen wollen die Islamisten auch in Deutschland provozieren“, fügte Friedrich hinzu. „Damit gießen sie grob fahrlässig Öl ins Feuer.“

Nach Informationen des „Spiegel“ war der Angriff auf die deutsche Botschaft in der sudanesischen Hauptstadt Khartum eine Reaktion auf eine Demonstration von Pro Deutschland in Berlin, bei der am 18. August in Berlin Karikaturen des Propheten vor drei Moscheen gezeigt worden waren. Mehrere radikale Vorbeter in Khartum hatten demnach in ihren Predigten auf die Demonstration sowie auf die Entscheidung des Berliner Verwaltungsgerichts hingewiesen, das Zeigen der Mohammed-Karikaturen zu erlauben.

16:43 Uhr: Al-Qaida ruft zu weiteren Angriffen auf Botschaften auf

Der Ableger der al-Qaida im Jemen hat Muslime weltweit zu weiteren Angriffen auf US-Botschaften aufgerufen. Ziel solle sein, „die Botschaften Amerikas aus muslimischen Ländern hinauszuwerfen“, hieß es in einer Erklärung der Organisation al-Qaida auf der arabischen Halbinsel. Diejenigen, die Botschaften angriffen, sollten dies nach dem Vorbild der Libyer tun, die diese Woche den US-Botschafter in Libyen, Christopher Stevens, getötet hätten. Dies sei „das beste Beispiel“ für derartige Angriffe. Die muslimischen Nationen sollten ihre Proteste fortsetzen, „um diese Botschaften in lodernde Flammen zu setzen“. Die Erklärung war am Sonnabend auf Websites von islamischen Extremisten veröffentlicht worden.

16:34 Uhr: Wegen Anti-Islam-Film zum Verhör – FBI holt Verdächtigen ab

Nach tagelangen Unruhen und Protesten in der islamischen Welt hat die US-Bundespolizei den mutmaßlichen Drahtzieher des Schmähvideos über den Propheten Mohammed verhört. Nach Informationen der Zeitung „Los Angeles Times“ holte das FBI den Verdächtigen Nakoula Basseley Nakoula am frühen Sonnabendmorgen von seiner Wohnung ab und brachte ihn zur Polizei in Los Angeles. Nach Angaben des TV-Senders CNN war Nakoula freiwillig mit den Beamten aufs Revier gegangen und verließ es nach mehreren Stunden alleine. Der 55-Jährige hat nach US-Medienberichten eine kriminelle Vergangenheit. Demnach wurde er 2010 wegen Bankbetrugs zu einer Haftstrafe von 21 Monaten verurteilt, aber nach einem Jahr entlassen. Ihm sei auch für fünf Jahre der Zugang zum Internet verboten worden.

Laut „New York Times“ wurde der Film „Unschuld der Muslime“, der den Propheten Mohammed als Frauenheld, Gewalttäter und Päderasten darstellt, im Sommer 2011 in der Nähe von Los Angeles gedreht. Welche Rolle Nakoula dabei genau gespielt haben soll, ist allerdings noch unklar. Einige US-Medien bezeichnen ihn als Filmemacher, andere als Drahtzieher hinter dem Streifen, der in Ausschnitten auf der Internetplattform YouTube zu sehen ist.

16: 23 Uhr: Bei Attacke auf US-Botschaft in Tunis starben mindestens vier

Bei den Ausschreitungen vor der US-Botschaft in Tunis sind am Freitag mindestens vier Menschen getötet worden. Das teilte das tunesische Innenministerium am Sonnabend mit. Zunächst war von zwei oder drei Toten die Rede gewesen. Etwa 50 Demonstranten seien verletzt worden. Die Botschaft in der Hauptstadt war von aufgebrachten Protestierern attackiert worden. Unter den Verletzten sind nach offiziellen Angaben 22 Polizisten. 28 Demonstranten seien festgenommen worden. Rund 70 Fahrzeuge wurden angezündet oder demoliert. Auch die amerikanische Schule in Tunis brannte zum Teil aus. Zudem wurde sie von Demonstranten geplündert.

16:20 Uhr: Westerwelle fordert Ermittlungen gegen Rechte wegen Anti-Islam-Video

Der Bundesaußenminister Außenminister hat ein entschiedenes Vorgehen der deutschen Justiz gegen Unterstützer des islamfeindlichen Videos „Innocence of Muslims“ gefordert. Wenn Rechtsradikale das Video im Internet auf ihren Seiten verbreiteten, müsse die Justiz im Rahmen ihrer rechtsstaatlichen Möglichkeiten mit aller Härte dagegen vorgehen, sagte Westerwelle am Sonnabend im thüringischen Saalfeld auf einem Landesparteitag der Thüringer Liberalen.

14.40 Uhr: Westerwelle warnt vor weiteren Angriffen

Außenminister Westerwelle warnt vor weiteren Angriffen radikaler Muslime auf die deutsche Botschaft im Sudan. "Außenminister Westerwelle fordert von den sudanesischen Behörden, dass bei den für morgen angekündigten Demonstrationen Gewalt gegen diplomatische Vertretungen verhindert wird“, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes am Sonnabend in Berlin. In Interviews bekräftigte der FDP-Politiker, es sei nicht akzeptabel, dass die deutsche Botschaft in Khartum trotz vorheriger Aufforderung nicht geschützt worden sei.

Erneut forderte Westerwelle die sudanesische Regierung auf, die Vorfälle aufzuklären und Konsequenzen zu ziehen: "Ich verlange vom Sudan, dass sich ein derartiger Angriff nicht wiederholt.“ Vor dem Hintergrund weiterer für Sonntag angekündigter Demonstrationen forderte er, "dass jede Gewalt gegen diplomatische Einrichtungen konsequent unterbunden wird“.

+++Sturm auf deutsche Botschaft: "Wir verteidigen Mohammed"+++

14:33 Uhr: Westerwelle empört über Zerstörung deutscher Hoheitszeichen

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hat mit Empörung auf die Zerstörung deutscher Hoheitszeichen beim Angriff auf die Botschaft der Bundesrepublik im Sudan reagiert. Westerwelle sagte "Bild am Sonntag“: "Die Stürmung unserer Botschaft in Khartum ist nicht hinnehmbar. Dass eine aufgewiegelte Menge auf deutschen Staatssymbolen herumtrampelt, ist unerträglich.“

14:23 Uhr: Libanesische Armee verstärkt Schutz von US-Restaurants

Zusätzlich zu den Sicherheitsmaßnahmen für Papst Benedikt XVI. hat die libanesische Armee jetzt auch ihren Schutz für US-Schnellrestaurants verstärkt. Nach Brandanschlägen auf zwei Lokale in Tripoli wurden am Samstag bewaffnete Einheiten vor Restaurants in den Küstenstädten Sidon und Beirut abkommandiert, wie die libanesische Zeitung "Daily Star“ (Onlineausgabe) berichtet. Betroffen seien Filialen von KFC, McDonald's, Burger King und Pizza Hut. Zudem patrouillierten Geheimdienstmitarbeiter in Zivil vor den Filialen.

Im nordlibanesischen Tripoli war es in Reaktion auf einen in den USA produzierten antiislamischen Film zu schweren Ausschreitungen gekommen. Protestierer steckten nach dem Freitagsgebet eine „Kentucky Fried Chicken“-Filiale und ein „Hardee's“-Restaurant in Brand.

Hier wurde die Deutsche Botschaft angegriffen:

12:54 Uhr:Zwei Tote und 50 Verletzte bei Angriffen auf Botschaften im Sudan

Bei den Angriffen auf westliche Botschaften in der sudanesischen Hauptstadt Khartum am Freitag sind Polizeiangaben zufolge mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen. Augenzeugen und örtliche Radiosender sprachen am Sonnabend von drei Toten. Mindestens 50 Polizisten seien verletzt worden.

12:48 Uhr: Merkel mahnt zum Dialog der Religionen

Angesichts der gewaltsamen Ausschreitungen in der arabischen Welt halten die Bemühungen um eine Beruhigung der Lage an. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rief am Wochenende zu einem Dialog zwischen den Religionen auf. "Religiöser Fanatismus darf nicht die Oberhand gewinnen“, betonte sie in einer Stellungnahme. Deutschland trete "für einen respektvollen Umgang mit allen Glaubensrichtungen“ ein.

Anlass sind die Attacken auf die deutsche Botschaft im Sudan und mehrere US-Botschaften, bei denen amerikanische Diplomaten ums Leben kamen. Die Angreifer begründeten die Angriffe mit einem in den USA produzierten Anti-Mohammed-Internetvideo und einer islamkritischen Demonstration mit Mohammed-Karikaturen in Berlin.

11:22 Uhr: Ägyptische Zeitungen loben Demonstrationen

Nach den gewaltsamen Protesten in der islamischen Welt gegen das Mohammed-Schmähvideo haben ägyptische Zeitungen die Demonstrationen begrüßt, aber Gewaltexzesse gegen westliche Botschaften kritisiert. Die unabhängige Kairoer Tageszeitung "Al-Shorouk“ bedauerte auf dem Titel ihrer Sonnabendausgabe, dass der Zorn den Verstand besiegt habe.

Die unabhängige "Al-Masry Al-Youm“ hob hervor, dass Muslime und Christen in Ägypten gemeinsam gegen den Film protestiert hätten, in dem der Prophet Mohammed als blutrünstig und sexbesessen dargestellt wird. "Al-Akhbar“ berichtete über die Demonstration unter dem Motto "die Liebe zum Propheten“. "Al-Gumhuriya“ titelte, dass sich Ägypten erhoben habe, um den Propheten zu verteidigen.

11:09 Uhr: Gewalttätige Proteste von Muslimen in Sydney

In Sydney haben am Samstag mehrere Hundert Muslime gegen einen den Islam verunglimpfenden Film aus den USA protestiert. Die Polizei ging nach Berichten des australischen Fernsehsenders ABC mit Hundestaffeln und Tränengas gegen Demonstranten vor, die mit Steinen und Flaschen auf die Sicherheitsbeamten warfen. Sechs Polizisten erlitten nach amtlichen Angaben leichte Verletzungen.

11:06 Uhr: Tunesische Regierungspartei verurteilt Angriff auf US-Botschaft

Die in Tunesien regierende gemäßigt-islamistische Partei Ennahda hat den Angriff auf die US-Botschaft verurteilt. Derartige Gewalt gefährde den Weg des Landes zur Demokratie, hieß es in einer am Samstag per E-Mail verschickten Erklärung der Jugendorganisation der Ennahda

Mit Material von dpa/kna/dapd/rtr