Lösegeld für die "Hansa Stavanger"

"Das Problem der Piraterie wird dadurch nicht kleiner"

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Das entführte Frachtschiff "Hansa Stvanger" ist frei. Jetzt wächst die Kritik daran, dass den Piraten dafür Lösegeld gezahlt wurde.

Hamburg. Nach der Freilassung des entführten Frachtschiffs „Hansa Stavanger“ wächst in Deutschland die Kritik an Lösegeldern für Piraten. „Lösegeldzahlungen sind nie eine gute Möglichkeit, um mit Entführungen zurecht zu kommen“, sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Mittwoch in München. Bundestagsabgeordnete von Union und SPD warnten ausdrücklich davor, somalische Seeräuber auf diesem Weg zu weiteren Geiselnahmen zu ermutigen.

Das Auswärtige Amt in Berlin bekräftigte seinen Widerstand gegen staatliche Lösegeldzahlungen. Diese Haltung sei auch ein Signal an potenzielle Geiselnehmer, „dass sich die Bundesregierung weder in diesem noch in zukünftigen Geiselfällen erpressen lassen wird“, sagte ein Ministeriumssprecher. Die „Hansa Stavanger“ war am Montag aus viermonatiger Geiselhaft freigekommen, nachdem die Piraten eigenen Angaben zufolge von der Hamburger Reederei Leonhardt & Blumberg eine Summe von umgerechnet 2,1 Millionen Euro erhalten hatten.

Für Christian Pfeiffer, den Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, blieb der Reederei auch keine andere Wahl. Es habe nur die Alternative gegeben, die Seeleute gewaltsam zu befreien, sagte Pfeiffer dem ZDF. „Die Chancen für eine gewaltsame Befreiung waren allerdings nahe Null.“ Der CSU-Sicherheitsexperte Hans-Peter Uhl forderte hingegen ein Ende der „Scheckbuch-Diplomatie“. Für die Piraten am Horn von Afrika sei das eine Aufforderung zu weiteren Überfällen, sagte Uhl der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann ergänzte in der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“: „Das Problem der Piraterie wird dadurch nicht kleiner“.

Das deutsche Containerschiff mit seinen 24 Crew-Mitgliedern ist derzeit auf dem Weg nach Mombasa. Die Ankunft in der kenianische Hafenstadt verzögert sich allerdings wegen ungünstiger Witterungsbedingungen. Statt am Donnerstag oder Freitag – wie ursprünglich geplant – werde der Frachter erst am Samstagmorgen dort erwartet, teilte die Hamburger Staatsanwaltschaft mit.

In Mombasa warten auf die „Hansa Stavanger“ dann sieben Beamte des Bundeskriminalamts (BKA). Sie sollen unter anderem die Besatzungsmitglieder vernehmen, den Tatort untersuchen und Spuren sichern. Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt seit April wegen Verdachts eines gemeinschaftlichen Angriffs auf den Seeverkehr und der schweren räuberischen Erpressung.

Unterdessen beklagte sich der Vater eines der Besatzungsmitglieder in der „Nordwest Zeitung“ massiv über die Haltung der Bundesregierung. „Wir fühlten uns als Angehörige von der Regierung und dem Krisenstab am Ende nur noch im Stich gelassen“, sagte der Vater von Frederik E., dem 2. Offizier der „Hansa Stavanger“. Er habe an Bundeskanzlerin, Bundespräsident und weitere führende Politiker aller Parteien in seiner Not geschrieben und keine Antwort bekommen. „Aus dem Kanzleramt habe ich immerhin eine Eingangsbestätigung bekommen, aber mehr auch nicht.“

( (dpa/abendblatt.de) )

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