26. Weltjugendtag in Madrid

Papst bekräftigt Zölibat und "befördert" Johannes von Avila

Der Heilige soll künftig den Titel des Kirchenlehrers tragen, entschied Benedikt XVI. bei einer Messe. Erneut Proteste von Papst-Gegnern.

Madrid/Berlin. Mit einer Bekräftigung des Zölibats und einer hohen Auszeichnung für den Heiligen Johannes von Avila hat Papst Benedikt XVI. während des 26. Weltjugentages in Madrid eine Messe mit jungen Seminaristen gefeiert.

Benedikt XVI. bekräftigte in der Almudena-Kathedrale, wie wichtig ihm unverheiratete Priester in der katholischen Kirche sind. Gott zu dienen inspiriere zu der Entscheidung, den Zölibat zu leben, sagte der Papst.

Es gehe auch um "die Abkehr von den irdischen Gütern, die Anspruchslosigkeit und den aufrichtigen, ungeheuchelten Gehorsam“, fügte Benedikt an. Katholische Reformkräfte fordern vom Papst schon seit langem, den Zölibat (Ehelosigkeit) für Priester zu lockern.

"Dabei macht euch von allen menschlichen Wünschen frei“, ermahnte der Papst in seiner Predigt in der Almudena-Kathedrale die angehenden Priester. "Bereitet euch darauf vor, Apostel mit Christus und wie Christus zu sein, um Weggefährten und Diener der Menschen zu sein.“

Auszeichnung für Heiligen Johannes von Avila

Papst Benedikt XVI. will den im 16. Jahrhundert einflussreichen spanischen Heiligen Johannes von Avila mit dem Titel des Kirchenlehrers ehren – einer der höchsten Auszeichnungen der katholischen Kirche. Für seine überraschende Ankündigung während der Messe erntete der Papst anhaltenden Beifall von den in der Kathedrale versammelten Seminaristen, Priestern, Bischöfen und Kardinälen.

Benedikt sagte, er werde Johannes von Avila bald zum Kirchenlehrer ernennen, ein genaues Datum dafür nannte er nicht. Der Titel des Kirchenlehrers wird an Theologen verliehen, die mit ihren Schriften in besonderem Maß der Kirche gedient haben. Derzeit gibt es 33 Kirchenlehrer, darunter drei Frauen. Zuletzt wurde im Jahr 1997 die Heilige Therese von Lisieux durch Papst Johannes Paul II. mit dem Titel geehrt.

Johannes von Avila (1500-1569) ist der Schutzheilige des spanischen Diözesanklerus' und galt als einer der wichtigsten Prediger seiner Zeit.

Er hoffe, dass das Wort und das Beispiel dieses hervorragenden Pastors, Johannes von Avila, "alle Priester und diejenigen erleuchten werde, die dem Tag ihrer Priesterweihe entgegensehen“, sagte der Papst bei seiner Ankündigung gegen Ende des Gottesdienstes.

Deutschlandbesuch Benedikts XVI.

Vor dem Gottesdienst hatte das Kirchenoberhaupt im Madrider Retiro-Park vier Jugendlichen die Beichte abgenommen. Auf Benedikts Programm standen am vorletzten Tag des Glaubensfestes auch der Besuch eines Zentrums für Menschen mit Behinderungen und am Abend die Teilnahme an einer Gebetswache mit jungen Katholiken am Flughafen Cuatro Vientos.

Große Hitze macht Teilnehmern zu schaffen

Unterdessen macht die große Hitze in Madrid mit sommerlichen 36 Grad den Teilnehmern des Weltjugendtages zu schaffen. Bislang benötigten nach Angaben des spanischen Rettungsdienstes Samur 628 Teilnehmer ärztliche Hilfe. Fast ausnahmslos ging es um Hitzschlag, akuten Wassermangel und andere temperaturbedingte Komplikationen.

Wie die Zeitung "El Pais“ am Sonnabend berichtet, mussten 27 Pilger ins Krankenhaus gebracht werden. Die Teilnehmer des Jugendtreffens hatten vor Papstveranstaltungen teilweise bis zu acht Stunden in praller Sonne ausgeharrt. Nach vatikanischen Angaben sind 470.000 Gäste bei dem von Dienstag bis Sonntag dauernden Weltjugendtag registriert.

Erneut Ausschreitungen nach Versöhnungsgesten

Am Freitagabend hatte der Papst zusammen mit Hunderttausenden Menschen einer Kreuzwegandacht im Herzen von Madrid beigewohnt. Am Rande feierten Papstgegner und Teilnehmer des Weltjugendtages nach einer Serie von Zusammenstößen Versöhnung. Etwa 100 Anhänger der spanischen Protestbewegung der "Empörten“ kamen in der Nacht zum Sonnabend spontan mit jungen Katholiken zu einer friedlichen Diskussionsrunde zusammen. Bei der Debatte auf dem Platz Puerta del Sol unter dem Slogan "kollektive Umarmung“ bezeichneten nach Angaben des staatlichen spanischen Rundfunks RNE beide Seiten die Zwischenfälle der vergangenen Tage als "bedauerlich“.

Dennoch kam es in der Nacht erneut zu Zusammenstößen zwischen Bereitschaftspolizisten und Demonstranten, die gegen den Besuch des Papstes protestierten. Mehrere hundert Demonstranten versammelten sich vor dem Bahnhof Atocha mit dem Ziel, auf den Platz Puerta del Sol in Madrid zu marschieren. Sie wurden jedoch von Polizisten gestoppt, die die Route blockierten.

In den vorangegangenen Nächten hatten Papstgegner und Pilger sich am Rande des Papstbesuchs wiederholt Rangeleien geliefert und beschimpft. Die Polizei musste eingreifen, um schlimmere Auseinandersetzungen zu verhindern. In einem Monat besucht der Papst seine deutsche Heimat. Stationen der Reise vom 22. bis 25. September sind Berlin, Thüringen und Freiburg. In Berlin hat ein Bündnis von Anti-Papst-Initiativen Proteste angekündigt.

Eine Million Jugendliche zu Abschlussmesse erwartet

Am Sonnabendabend sollte Benedikt eine nächtliche Gebetsfeier mit rund 500.000 Jugendlichen leiten. Der einwöchige Weltjugendtag findet am Sonntag mit einer abschließenden Messe auf einem großen Feld des Flughafens Cuatro Vientos seinen Höhepunkt. Laut Medienberichten ist mit bis zu einer Million Teilnehmern zu rechnen. (dpa/dapd/kna)