Doktortitel weg

FDP vemeidet klare Aussage im Fall Koch-Mehrin

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Wolfgang Kubicki spricht von Schummelei bei Koch-Mehrin und macht der Uni Vorwürfe. Aber er fordert auch eine Entschuldigung von Koch-Mehrin.

Heidelberg/Hamburg. Darf sie ihr Mandat behalten oder nicht? Die FDP vermeidet eine klare Stellungnahme im Plagiats-Fall der EU-Abgeordneten Silvana Koch-Mehrin, der die Universität Heidelberg den Doktortitel aberkannt hat. FDP-Generalsekretär Christian Lindner verlangte einen fairen Umgang mit Koch-Mehrin. Lindner sagte nach einer Sitzung des Parteipräsidiums in Berlin: „Wir waren der Auffassung, dass zunächst einmal abzuwarten ist, wie Frau Koch-Mehrin sich selbst entscheidet.“ Sie habe noch nicht einmal einen offiziellen Bescheid aus Heidelberg zu den Gründen der Aberkennung der Promotion erhalten, um mögliche juristische Schritte zu erwägen. „Ich finde, da gehört es zum guten Ton, dass sie einen solchen Sachverhalt erst einmal für sich prüfen kann“, sagte Lindner. Eine Vorverurteilung aufgrund von Medienberichterstattung sei „unschicklich“. Koch-Mehrin, die unter Ex-FDP-Chef Guido Westerwelle eine steile Karriere gemacht hatte, soll bei ihrer Dissertation in weiten Teilen abgeschrieben haben.

Schleswig-Holsteins FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki hat seine Parteikollegin zu einer öffentlichen Entschuldigung aufgefordert. „Sie kann Europaabgeordnete bleiben, wenn sie das vor sich vertreten kann. Allerdings wäre es vielleicht sinnvoll, sie würde in der Öffentlichkeit auch erklären, dass das, was sie gemacht hat, nicht richtig war, und sich dafür auch tatsächlich entschuldigt“, sagte Kubicki im Deutschlandfunk.

Der Europaabgeordneten war in der vergangenen Woche der Doktortitel wegen massiver Plagiate aberkannt worden. Bereits im Mai hatte Koch-Mehrin wegen der Plagiatsaffäre ihre Posten als Vorsitzende der FDP im Europaparlament und Vizepräsidentin des Europaparlaments niedergelegt. Damit ist sie auch nicht länger im Präsidium der Bundes-FDP vertreten. Ihren Sitz im Europaparlament will Koch-Mehrin behalten.

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Kubicki sagte auch: „Der moralische Rigorismus, mit dem man über Personen herfällt, die geschummelt haben, ist das, was mir auf den Senkel geht.“ Schließlich handele es sich bei Koch-Mehrins Vergehen nicht um eine Straftat, sondern nur um eine Schummelei. Die Erschleichung eines Doktortitels sei zwar kein Kavaliersdelikt, betonte Kubicki. Koch-Mehrin habe aber bereits mit der Niederlegung ihrer Führungsämter Konsequenzen gezogen, zudem sei ihr der Titel aberkannt worden. Kubicki kritisierte darüber hinaus die Arbeit der Gutachter von Doktorarbeiten. Diese hätten offenbar leichtfertig geprüft, sagte er.

Der ebenfalls wegen seiner Doktorarbeit unter Druck stehende FDP-Europapolitiker Jorgo Chatzimarkakis bezeichnete Plagiatsjäger im Internet als tyrannisch. „Hier werden Politiker bestimmter Couleur willkürlich gejagt“, sagte er dem „Trierischen Volksfreund“. Die Recherchen im Fall Chatzimarkakis laufen noch. (abendblatt.de/dpa/dapd)