Es sollte bedürftigen Kindern den Zugang zu Bildungs- und Freizeitangeboten erleichtern. Bisher wurden aber kaum Anträge gestellt.

Hamburg. Es sollte Kindern und Jugendlichen aus armen Familien den Zugang zu Angeboten aus Bereichen wie Bildung, Sport, Musik, Ernährung und Schulausflügen erleichtern und so für mehr soziale Gerechtigkeit sorgen – doch wie eine von "Spiegel Online" durchgeführte Studie nun ergeben hat, stößt das im Rahmen der Hartz-IV-Reform beschlossene Bildungspaket auf wenig Nachfrage. Die zuständigen kommunalen Stellen der größten deutschen Stadte gaben demnach an, dass bisher nur wenige Anträge gestellt worden seien. Nur etwa zwei Prozent der 2,5 Millionen Berechtigten hätten das milliardenschwere Bildungspaket bisher beantrgt.

Den Informationen zufolge dürften allein in Berlin die meisten Berechtigten bald den Anspruch auf das Geld verlieren, da die Frist für die Beantragung ablaufe. In der Bundeshauptstadt sollten rund 200 000 bedürftige Kinder von dem Zuschuss profitieren. Laut Arbeitsagentur kämen die Anträge nur plätschernd herein. An keinem Standort gebe es mehr als ein paar hundert ausgefüllte Formulare. Das gleiche Bild zeige sich in Hamburg, München, Frankfurt, Düsseldorf und Dortmund.

Im Zuge der Hartz-IV-Reform war Ende März nach langem Streit ein Bildungs- und Teilhabepaket für bedürftige Kinder geschnürt worden, aus dem Angebote wie Nachhilfe, Musikschule, Sport, Mittagessen in Hort und Schule oder Klassenausflüge bezahlt werden sollen. Der Kompromiss trat erst mit dreimonatiger Verspätung in Kraft.

Langzeitarbeitslose und ihre Kinder, die die ihnen zustehenden Leistungen von Januar an rückwirkend haben wollen, müssen dies bis Ende April beantragen. Danach ist das Geld für die ersten drei Monate verloren. Für Wohngeldempfänger oder Familien mit Kinderzuschlag läuft die Frist Ende Mai aus. (dpa/abendblatt.de)