Für Sat.1-Show bei Johannes B. Kerner

Die Guttenbergs auf Truppenbesuch in Afghanistan

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Wie einst Bundespräsident Horst Köhler nahm der Minister seine Frau mit. Im Tross von Karl-Theodor und Stephanie zu Guttenberg fuhr ein TV-Star mit.

Masar-i-Scharif. Diese Reise nach Afghanistan hatte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) besonders generalstabsmäßig vorbereitet. Er nahm zwei Ministerpräsidenten mit, in Johannes B. Kerner einen bekannten Fernsehmoderator – und seine Frau Stephanie zu Guttenberg. Die als Fernsehaufklärerin aus dem RTL-Format „Tatort Internet“ bekannte Politikergattin reiste im Tross, dessen Pläne und Ziel lange geheim gehalten wurde.

Es sei das erste Mal, dass ein Bundesminister von seiner Gattin bei einem Truppenbesuch in Afghanistan begleitet wird, wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte. Allerdings war bereits Bundespräsident Horst Köhler mit seiner Frau nach Afghanistan gereist. Nach umstrittenen Äußerungen auf dem Rückflug nach Deutschland und ihrem Bekanntwerden war Köhler damals zurückgetreten.

Die Guttenbergs waren am frühen Montagmorgen zunächst in Masar-i-Sharif im Norden des Landes eingetroffen und dann weiter zum Bundeswehr-Feldlager Kundus gereist. Der Verteidigungsminister wollte den Angaben zufolge mit Befehlshabern und Soldaten sprechen, um sich ein Urteil über den Einsatz bilden zu können. Diese persönlichen Gespräche seien in der Vorweihnachtszeit besonders wichtig, sagte der Ministeriumssprecher. Deshalb sei auch Stephanie zu Guttenberg mitgereist. Ihr Besuch solle verdeutlichen, wie sehr Soldaten im Einsatz auf den Rückhalt ihrer Familien angewiesen seien. Die Ministergattin sollte Soldatinnen treffen und Verletzte im Lazarett besuchen.

Zur Delegation gehörten auch die CDU-Ministerpräsidenten David McAllister aus Niedersachsen und Wolfgang Böhmer aus Sachsen-Anhalt. Am 7. Oktober war ein in Niedersachsen stationierter 26-jähriger Sanitäts-Oberfeldwebel aus Sachsen-Anhalt bei einem Selbstmordanschlag in Nordafghanistan getötet worden. Fernsehmoderator Johannes Kerner war ebenfalls nach Kundus gereist. Dort sollte eine Ausgabe seiner Sat.1-Talkshow „Kerner“ mit Guttenberg aufgezeichnet werden. Es ist der siebte Besuch des Verteidigungsministers in Afghanistan.

Stephanie zu Guttenberg sagte, sie begegne der Gefahr in Afghanistan mit viel Respekt. „Das ist kein spaßiger Ausflug, das ist bitterer Ernst“, sagte sie. „Von Angst darf man sich hier nicht überwältigen lassen, sonst ist man eindeutig am falschen Platz.“ Sie wolle sich aber nicht durch die angespannte Sicherheitslage davon abhalten lassen, „als Bürger dieses Landes Danke zu sagen“. Zur Reaktion ihrer beiden acht und zehn Jahre alten Töchter auf die Reiseplanung sagte Stephanie zu Guttenberg: „Begeistert waren sie nicht, aber sie haben das verstanden.“ Sie habe den beiden Kindern erklärt, dass sie in Afghanistan den Menschen frohe Weihnachten wünschen wolle, die nicht mit ihrer Familie feiern können. Deutschland hat derzeit im Rahmen der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe Isaf nach Angaben der Bundeswehr 4570 Soldaten im Einsatz, 132 davon sind Frauen.

Die deutsche Botschaft in Kabul zählte in diesem Jahr mehr als 40 Delegationen von Ministern, Staatssekretären oder Bundestagsabgeordneten in Afghanistan. Guttenberg hat sich vorgenommen, die deutschen Soldaten im Einsatz alle zwei Monate zu besuchen. Außenminister Guido Westerwelle und Entwicklungsminister Dirk Niebel (beide FDP) besuchten Afghanistan bislang je zweimal, Innenminister Thomas de Maizière (CDU) und Bauminister Peter Ramsauer (CSU) je ein Mal.

Im Frühjahr war Horst Köhler als erster Bundespräsident dort. Der zweite Mann im Staat, Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), informierte sich im August erstmals direkt über den Einsatz der deutschen Soldaten. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) war 2007 und 2009 in Afghanistan. Der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus war bei seinem Besuch im Sommer ausnahmsweise allerdings auch in Kandahar im gefährlichen Süden des Landes. Dort sind rund ein Dutzend Bundeswehrsoldaten stationiert, die für die Nato Fernmeldeleitungen betreiben.