SPD vor Wahlen 2013

Steinbrück will Kanzler werden – Kritik von Nahles

Lesedauer: 2 Minuten
abendblatt.de

Der frühere Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hat seine Bereitschaft zur Kanzlerkandidatur für die SPD angekündigt.

Frankfurt/Main. Es ist noch etwas Zeit bis zur Bundestagswahl 2013, doch der frühere Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hat öffentlich seine Bereitschaft zur Kanzlerkandidatur für die Sozialdemokraten signalisiert. "Der Zeitpunkt wird kommen, wo ich mich in Absprache mit zwei oder drei Führungspersönlichkeiten der SPD darüber zusammensetze“, sagte Steinbrück dem Hessischen Rundfunk laut Vorabbericht. Der "hr1-Talk“ mit dem SPD-Politiker wird am Sonntag ausgestrahlt.

Steinbrück kündigte bei einer möglichen Kandidatur vollen Einsatz an. "Wenn Sie sich entscheiden, für so etwas zu kandidieren, dann mit voller Kraft und mehr als 100 Prozent. Wenn, dann wollen Sie gewinnen und zwar mit jeder Faser Ihres Körpers“, zitierte der Sender am Sonnabend den 64-Jährigen. Steinbrück hoffe im Übrigen, auch "ein guter Verlierer“ sein zu können. Das könne er gut zu Hause üben, wo er seiner Frau regelmäßig beim Scrabble unterliege.

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles rügte Steinbrück dafür, dass er öffentlich seine Bereitschaft zur Kanzlerkandidatur erklärte. "Selbstausrufungen sind in einer modernen demokratischen Partei wie der SPD aus der Mode gekommen“, sagte Nahles dem "Tagesspiegel“ (Sonntagausgabe). Björn Böhning, Sprecher der SPD-Linken, übte ebenfalls Kritik. "Debatten um Kanzlerkandidaten bewegen nur die Zeitungen, aber sie bewegen die Menschen nicht“, sagte er dem Blatt.

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) rief seine Partei derweil zu Seriosität, Pragmatismus und einem wirtschaftsfreundlichen Kurs auf. Nur mit diesen klassischen Stärken, mit denen die Partei in Hamburg Erfolg gehabt habe, werde die SPD auch im Bund wieder für mehr Bürger wählbar werden. "Es geht darum, wie wir uns langfristig aufstellen, um Seriosität und Kontinuität“, sagte Scholz der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Der stellvertretende Parteivorsitzende fügte hinzu, auch heute sei das Verständnis, eine Volkspartei zu sein, für die Sozialdemokratie von größter Bedeutung. "Wenn die SPD sich zum Konzept der Volkspartei bekennt, bedeutet das, dass sie politische Vorstellungen entwickelt, die für die Mehrheit der Bürger richtig sind“, sagte Scholz. Damit die SPD erfolgreich sei, müsse sie sich zudem dazu bekennen, die wirtschaftliche Infrastruktur weiterzuentwickeln.

Von Nikolaus Sedelmeier