Episode 20

Hockey-Legende Moritz Fürste: Das letzte Olympia-Geheimnis

Moritz Fürste sollte Hamburgs Bewerbung um Olympische Spiele 2024 in der Welt vermarkten.

Moritz Fürste sollte Hamburgs Bewerbung um Olympische Spiele 2024 in der Welt vermarkten.

Foto: imago stock / imago/Gartner

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Moritz Fürste spricht im Podcast „Entscheider treffen Haider“ über Ehrgeiz, Geld und den gescheiterten Olympia-Traum.

Seine Karriere endete, wie es sich für einen zweimaligen Olympiasieger und dreifachen Weltmeister (2006 im Feld, 2007 und 2011 in der Halle) gehört: mit einem Hockeyspiel der Superlative. Seit Sonntag ist Moritz Fürste (34) endgültig Weltklassesportler a. D. und beginnt einen neuen Abschnitt seines Lebens: als Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der Agentur Upsolut Sports, aber auch als Experte für all das, was Firmen und Chefs aus dem Leistungssport lernen können. In der Abendblatt-Reihe „Entscheider treffen Haider“ spricht Fürste über Ehrgeiz, Feedbackkultur – und warum es komisch ist, dass Führungskräfte in Deutschland nicht gelobt werden.

Das sagt Moritz Fürste über …

… andere, die mit ihrem Sport sehr reich geworden sind:

Ich hätte sehr gern noch mehr Geld verdient mit meiner Sportart. Aber ich wusste vorher, dass ich nach meiner Zeit als Hockeyspieler nicht ausgesorgt habe und etwas anderes machen muss. Das kommt für mich jetzt nicht überraschend. Und ich bin auch dankbar dafür, dass ich mit 21 Jahren gezwungen war, mir über meine berufliche Zukunft Gedanken zu machen.

… den Schritt vom Weltklassesportler zum Unternehmer:

Im Hockey wusste ich am Ende meiner Karriere in jeder Situation 100-prozentig, was zu tun ist. Da konnte mir kaum jemand etwas vormachen. Davon musste ich mich jetzt verabschieden. In meinem neuen Beruf und in meiner Firma gibt es Bereiche, in denen ich nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen habe. Es ist gar nicht so leicht, das zu akzeptieren. An meiner Motivation hat sich dagegen gar nichts geändert. Mein Ehrgeiz ist auch jetzt in meinem Umfeld wieder, Weltklasse zu werden. Ich will in allem, was ich tue, einer der Besten sein.

… eine geheime Kampagne für Hamburgs Olympiabewerbung:

Was nie bekannt geworden ist, dass wir – also meine Partner Michael Trautmann und Christian Toetzke sowie die PR-Agentur FischerAppelt – den Pitch für die Bewerbungskampagne Hamburgs um die Olympischen Spiele 2024 gewonnen haben, gegen 46 Bewerber aus der ganzen Welt. Deshalb war der Volksentscheid gegen Olympia für mich in allen Belangen ein Schlag mitten ins Gesicht. Für mich wäre es ein Traumjob gewesen, Hamburg in der Welt zu vermarkten. Und ich bleibe auch sonst dabei: Ich hätte jedem Hamburger gegönnt, einmal Olympische Spiele so nah zu erleben, wie ich es dreimal durfte. Ich bin es auch leid, den Leuten zu erklären, was das für Emotionen sind. Wenn man einmal live dabei ist, vergisst man das in seinem Leben nie.

… Werber Michael Trautmann, der ihn seit Jahren durch seine zweite Karriere begleitet:

Michael Trautmann hat mir eine Stunde, nachdem wir uns kennengelernt haben, ein duales Studium in seiner Werbeagentur angeboten. Seitdem hat er mich sehr eng begleitet, daraus ist eine Freundschaft entstanden. Heute sind wir Geschäftspartner. Michael ist unglaublich gut darin, Kontakte zu knüpfen und Kontakte zu halten. Wenn ich den idealen Netzwerker beschreiben müsste, dann würde ich ihn beschreiben.

… Feedbackkultur im Sport und in Firmen:

Im Sport lernt man schon sehr früh, dass man für das, was man tut, direktes Feedback bekommt. Wenn man einen schlechten Pass spielt, dann ruft der Trainer das aufs Feld, gern auch mal mit einem kräftigen Ausdruck. Und wenn man ein Tor schießt, fallen einem alle um den Hals. Auch das ist ein sehr direktes Feedback. Weder das eine noch das andere gibt es leider in Unternehmen. Es ist wichtig, einem Menschen direkt ein Feedback auf das zu geben, was er gerade tut, und das auch mal vor einer Gruppe zu tun. Denn nur daraus kann die Gruppe etwas lernen.

… Lob für Chefs:

„Je höher man in der Hierarchie steht, desto weniger Feedback bekommt man. Je stärker du bist, desto mehr wird von dir erwartet und desto weniger wirst du gelobt oder kritisiert. Das ist für einen Trainer genauso schlimm wie für einen Geschäftsführer oder Vorstandsvorsitzenden, weil die in der Regel gar keine Resonanz auf ihre Leistungen erhalten. Seltsam finde ich auch, dass man in Deutschland bei einem Lob schon fast peinlich berührt ist – weil es unnormal ist, dass beispielsweise ein Mitarbeiter etwas Nettes zu seinem Chef sagt. Und das liegt daran, dass jeder, der seinen Chef lobt, Gefahr läuft, für einen Schleimer gehalten zu werden. Das ist doch absurd und dramatisch.

… die Zeit, die Teams im Sport und in Unternehmen haben:

Teams durchlaufen vier Phasen: Norming, Storming, Forming, Performing. Gerade in Unternehmen wird von Teams zu schnell erwartet, dass sie funktionieren oder performen. Im Sport ist das ganz anders: Bei uns ist die zweite Phase, das Storming, die wichtigste Phase, der unglaublich viel Zeit eingeräumt wird. Eine Mannschaft wird erst zusammengestellt, dann bereitet sie sich vor, und dann kommt das Spiel oder das Turnier, in dem sie performen muss. In einer Firma kann es einem Team bereits nach wenigen Stunden passieren, dass der Chef nach Ergebnissen fragt. Das kann nicht funktionieren.

… den Zwang, jeden Tag Topleistungen zu bringen:

Man kann nicht jeden Tag im Büro 100 Prozent seiner Leistung bringen, das ist ganz normal. Wenn du ein kreatives Loch hast, dann mach halt andere Arbeiten, räum den Schreibtisch auf und versuche morgen wieder kreativ zu sein. Wenn du jeden Tag nur danach strebst, die 100 Prozent zu erreichen, wird dich das mittelfristig fertigmachen.

… Führung:

Ich habe gelernt, dass ich nur gut bin, wenn es eine Mannschaft um mich herum gibt, die gut ist. Anders funktioniert es nicht, und das gilt eins zu eins auch für Manager in Firmen. Als Führungskraft musst du versuchen, die Menschen in deinem Team besser zu machen. Nur darum geht es.