"Selbstmordkrankheit"

Professor Kehler hilft, bevor der Schmerz unerträglich wird

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Professor Dr. Uwe Kehler, Chefarzt der Neurochirurgie in der Asklepios Klinik Altona

Professor Dr. Uwe Kehler, Chefarzt der Neurochirurgie in der Asklepios Klinik Altona

Foto: Andreas Laible / Andreas Laible / FUNKE Foto Services

In der digitalen Sprechstunde erklärt Prof. Dr. Uwe Kehler, warum die Trigeminusneuralgie auch "Selbstmordkrankheit" genannt wird.

Hamburg. Ein stechender Schmerz schießt plötzlich einseitig durchs Gesicht, pulsiert im Sekundentakt. „Trigeminusneuralgie“ heißt dieser gemeine Gesichtsschmerz unter Medizinern, der allein in Hamburg jedes Jahr ohne Vorwarnung bis zu 100 neue Patienten trifft.

„Wenn diese Attacken, die bis zu 100-mal hintereinander auftreten können, nicht behandelt werden, dann sind Sie als Betroffener fertig mit der Welt“, sagt Professor Dr. Uwe Kehler in der „digitalen Sprechstunde“, dem Podcast von Hamburger Abendblatt und Asklepios.

Trigeminusneuralgie wird auch Selbstmordkrankheit genannt

Nicht von ungefähr heiße die Krankheit im Englischen „Suicide Disease“ (Selbstmordkrankheit). „Viele wissen einfach nicht mehr, wie sie diesen Schmerz aushalten sollen.“

Doch woher kommt diese Krankheit, die ohne Vorwarnung auftritt? „Es ist ein Leitungsschaden im Trigeminus, einem Drillingsnerv, der aus einem Stirn-, einem Oberkiefer- und einem Unterkieferast besteht“, erklärt der Neurochirurg, Chefarzt am AK Altona.

Rasieren oder Zähneputzen kann Attacke auslösen

Durch Rasieren, Zähneputzen, aber auch beim Essen oder an der kalten Luft könne eine Attacke ausgelöst werden. „Es passiert also im Alltag, das können Sie gar nicht vermeiden.“ Therapieren kann man die Krankheit aber: „Medikamente, Anti-Epileptika, helfen – allerdings nur einige Jahre. Dann lässt deren Wirkung nach, und Nebenwirkungen wie Schwindel und starke Müdigkeit nehmen zu.“

Dann, so der Experte, der eigentlich Pilot bei der Lufthansa werden wollte, sei es an der Zeit für einen Eingriff, die „Jannetta-OP“, benannt nach dem Pionier dieser Methodik. „Professer Jannetta, ein Amerikaner, ist damit damals durch die Welt gereist, und auch ich habe in meiner Zeit in Lübeck direkt von ihm gelernt“, sagt Professor Kehler, der diese OP wöchentlich durchführt und dafür mittlerweile nur noch etwa eine Stunde braucht. „Anfangs waren es eher vier Stunden.“

Der Erfolg ist enorm: 90 Prozent der Patienten, bei denen der Gefäß-Nerven-Konflikt, also die Ursache, operativ behoben wurde, sind komplett geheilt.

Gesundheits-Podcast mit Asklepios

„Die digitale Sprechstunde“ ist die Gesundheitsgesprächsreihe von Hamburger Abendblatt und Asklepios. Jede Woche beantwortet ein Experte die Fragen von Vanessa Seifert.

Nächste Folge: Professor Dr. Gero Puhl, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie an der Asklepios Klinik Altona, und Dr. Saša Pokupic, Urologe von der Asklepios Klinik Harburg, im Doppelinterview über Eingriffe mit dem Da-Vinci-OP-Roboter.

Haben Sie Anregungen? Schreiben Sie uns eine E-Mail an sprechstunde@abendblatt.de