Meinung
Leitartikel

Ostern – hoffen und feiern

| Lesedauer: 4 Minuten
Edgar s. Hasse
Edgar Hasse ist Redakteur in der Lokalredaktion des Hamburger Abendblattes.

Edgar Hasse ist Redakteur in der Lokalredaktion des Hamburger Abendblattes.

Foto: HA

Hamburg. Auf einer Zitadelle im griechischen Heraklion befindet sich das Grab des Schriftstellers Nikos Kazantzakis (1883– 1957). Darauf steht in Stein gemeißelt: „Ich erhoffe nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei.“ Der Autor des Welterfolgs „Alexis Sorbas“ war ein unbequemer, freier Geist. Er wollte sich an nichts klammern, schon gar nicht an die Vertröstungen der griechisch-orthodoxen Kirche. Sie hat ihm deshalb die Bestattung auf einem Friedhof verweigert.

Gut möglich, dass der bewusste Verzicht auf alles Hoffen ein verlässlicher Navigator durch die Corona-Pandemie ist. Dieser negative Realismus erwartet weder von Impfstoffen noch von der Corona-Politik die wahre Rettung aus der Menschheitskrise. Folglich wird man auch nicht enttäuscht, wenn Impftermine flöten gehen oder neue Virusmutanten auftauchen. So ist das Leben.

Hoffen ist eine Energie, die sich dem Strom des Lebens überlässt

Der Maxime des griechischen Schriftstellers wohnt allerdings eine eigenartige Starre inne: Es fehlt ihr der weite Horizont, der Impuls, den nächsten Schritt zu gehen. Es fehlt die Luft zum Atmen. „Dum spiro spero“ (solange ich atme, hoffe ich), sagte schon in vorchristlicher Zeit der römische Politiker und Philosoph Cicero. Er meint damit, dass Hoffen dem Menschen gleichsam in die Wiege gelegt ist.

Hoffen ist eine Energie, die sich dem Strom des Lebens überlässt. Es ist ein beherztes Trotzdem! Mit Gedanken, die guttun und Kräfte mobilisieren, weil sie Licht am Ende des Tunnels erblicken. Weil sie etwas Neues sehen, was noch nicht da ist, aber aufgeweckt werden will. Eine Welt, in der weder ein Virus noch der gut gemeinte Rat von Gesundheitsexperten unser Leben dominieren. Eine Welt, in der sich niemand mehr vor dem Klimawandel fürchten muss.

Ostern treibt das Hoffen auf die Spitze

Das Osterfest treibt das Hoffen noch einmal auf die Spitze. Dabei geht es nicht allein um Irdisches, sondern um die Ewigkeit. Das Leben geht weiter – erst recht nach dem Tod. Für Christen ist es das zentrale Fest ihres Glaubens: Jesus Christus lebt! Es gibt Hoffnung, denn der Tod hat nicht das letzte Wort.

Es ist jedoch eine bittere Erfahrung, dass nun abermals zum Osterfest viele Gottesdienste ausfallen müssen. Zum Glück gibt es zahlreiche digitale Feiern. Auch das Abendblatt macht mit und überträgt am Ostersonntag, 10 Uhr, den Gottesdienst aus der Hauptkirche St. Michaelis mit Hauptpastor Alexander Röder live auf abendblatt.de

Will die Nordkirche Gartenversandhändlern Konkurrenz machen?

Damit die Nordkirche ihre Schäfchen zu Hause erreicht, hat sie in diesen Tagen per Post Hoffnungsbändchen verschickt. An ihnen kleben Samen von Sommerblumen, „damit die Hoffnung aufblüht“, heißt es bei den Organisatoren der Aktion. Die Körner müssen nur in die Erde gelegt werden, dann gehen sie auf. So einfach ist das mit der christlichen Hoffnung – oder will die Nordkirche Gartenversandhändlern Konkurrenz machen?

Wohl kaum. Die Kirchen wollen Ostern zum Perspektivwechsel einladen: Aus Angst und Furcht soll Vertrauen in das Leben und zu Gott erwachsen. Ostern ist wirklich ein guter Grund, das Leben zu feiern und damit den Corona-Alltag zu unterbrechen. Für Lebensfreude gilt keine Ausgangssperre.

AHA! Daher ist es das Beste, diesen Ostersonntag mit einem opulenten Osterfrühstück zu starten (unter Beachtung der regionalen Corona-Regeln). Dazu sollte Musik erklingen, die Musik Ihres Lebens. Im Film zum Roman „Alexis Sorbas“ tanzt unvergessen Anthony Quinn nach der Musik von Mikis Theodorakis den Sirtaki. Spätestens beim nächsten Besuch in einem griechischen Restaurant wird der Klassiker wieder zu hören sein. Dieser Tag wird kommen. Denn die Hoffnung auf ein normales Leben, sie stirbt zuletzt.

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