Meinung
Kommentar

Bitte ein Signal der Hoffnung

| Lesedauer: 3 Minuten
Lars Haider
Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider

Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider

Foto: Andreas Laible / HA

Eine Demokratie ist nicht für den Ausnahmezustand gemacht. Deshalb kommt es nach Ostern darauf an, das Richtige zu tun.

Hamburg. Ostern – das steht für Auferstehung, Neuanfang, alles wird gut. Und das ist genau der Geist, den wir so dringend brauchen nach vier Wochen ohne Schule und Kitas, nach drei Wochen Kontaktsperre.

Die Menschen in Deutschland sehnen sich nach einem Signal der Hoffnung, einer Idee, wie wir rauskommen aus einer Lage, für die niemand etwas kann und die alle trifft. Ein Wunder erwartet niemand, aber doch so etwas wie eine Strategie, die über die bloße Ansage „Bleibt zu Hause!“ hinausgeht.

Deutsche zeigen Disziplin – auch an Ostern

Die meisten sind seit dem Ausbruch der Epidemie weitgehend zu Hause geblieben, auch an den Osterfeiertagen. Die Deutschen beweisen, wie diszipliniert sie sein können, wenn es drauf ankommt.

Aber: Lange halten wir das so nicht mehr durch. Krisenforscher haben ermittelt, dass man Menschen vier bis maximal sechs Wochen mehr oder weniger von ihrer Außenwelt abschneiden kann. Alles, was länger dauert, kann die Gesundheit und den gesellschaftlichen Frieden genauso gefährden wie ein hochansteckendes Virus.

Sorgen um die Demokratie

Weil die Stimmung irgendwann kippt, weil die Geduld nachlässt und Aggressionen zunehmen, wenn etwa Familien wochenlang aufeinanderhängen. Oder weil sich Menschen Sorgen um ihre Zukunft machen, um den Job, ja sogar um die Demokratie.

Wir nähern uns diesem Punkt, auch weil die Politiker und Virologen in allen ihren Reden immer wieder von Ostern als einem entscheidenden Moment gesprochen haben.

Hände waschen, Nieshygiene, Abstand halten

Dort sind wir nun also angekommen, ein Land und eine Gesellschaft, die nicht wiederzuerkennen sind. Im Positiven, weil wir sehr schnell auf Krisenmodus umgeschaltet und all die Verhaltensweisen eingeübt haben, die in den kommenden Wochen und Monaten weiter wichtig sein werden: Hände waschen, Nieshygiene, Abstand halten.

Im Negativen, weil für den Schutz unser aller Gesundheit Grund- und Freiheitsrechte eingeschränkt beziehungsweise aufge­geben worden sind. Wir könnten ja nicht einmal mehr demonstrieren, wenn uns die Politik unserer Regierungen in der Krise nicht gefallen würde!

Ausnahmezustand für Rechtsstaat und Demokratie

Dies ist nicht nur für jeden Einzelnen, für unser Gesellschafts- und Gesundheitssystem ein Ausnahmezustand, sondern auch für unseren Rechtsstaat und für die Demokratie. Beide leiden sehr darunter. Beide sind nicht für einen Ausnahmezustand gemacht, sondern müssen schnell wieder zum Dauerzustand werden.

Auch und gerade im Interesse der Politik: Wenn die Große Koalition es schafft, das Land gut durch all das zu bringen, was mit Corona zusammenhängt, dann werden CDU/CSU und SPD bei der Bundestagswahl im nächsten Jahr eine nicht für möglich gehaltene Auferstehung erleben.

Wenn das nicht gelingt, wenn etwa die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und sozialen Folgen der medizinischen Krise nicht in den Griff zu kriegen sind, dann wäre die Wahl 2021 ein Risiko – für die Volksparteien, aber auch für unsere Demokratie.

Hoffnung auf "die Zeit danach"

Deshalb kommt es jetzt, nach Ostern, darauf an, das Richtige zu tun. Das kann sein, all die Maßnahmen, die wir kennen, sicherheitshalber noch ein bis zwei Wochen zu verlängern und gleichzeitig (!) ein genaues Bild für die Zeit danach zu präsentieren.

Was man nicht machen darf, ist, die Menschen in diesem Stadium der Krise zu Hause allein mit all ihren Sorgen, Ängsten und Zweifeln zu lassen. Denn die könnten sich in den nächsten Tagen in einer Weise exponentiell entwickeln, die wir beim Virus gerade zum Glück verhindert haben.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Meinung