Meinung
Kommentar

Der HSV und der falsche Teich

Henrik Jacobs ist Reporter im Sportressort des Hamburger Abendblatts.

Henrik Jacobs ist Reporter im Sportressort des Hamburger Abendblatts.

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Der Zweitligist befindet sich genau dort, wo er hingehört – und fährt kommende Saison so wieder mit der Bahn ins Erzgebirge.

Wenn am Tag nach einem Spiel beim HSV nicht der Trainer zur Analyse vor den Medienvertretern erscheint, sondern der Vorstandsvorsitzende, dann weiß man in der Regel eines: Es ist wieder Krise im Volkspark. Und so stand Bernd Hoffmann am Sonntag im Bauch des Stadions und sprach auch sogleich das K-Wort aus. Er redete von Rückendeckung, von Zusammenhalt – und von der Bundesliga. Dabei hatte seine Mannschaft gerade mit 0:3 beim FC Erzgebirge Aue verloren. Und das auch in der Höhe völlig verdient.

Ins Erzgebirge statt nach München

Hoffmann aber wiederholte die Worte, die er auf der Mitgliederversammlung im Januar gesagt hatte. Der HSV schwimme im falschen Teich. Er werde bald wieder in der Bundesliga spielen. Dort will sich Hoffmann bis 2024 wieder mit Vereinen wie Schalke, Frankfurt, Mönchengladbach oder Köln messen. „Auf dem Weg sind wir“, sagte der Vorstandschef am Tag nach Aue.

Dabei zeigte der HSV nicht einmal 24 Stunden zuvor, dass er in der kommenden Saison höchstwahrscheinlich erneut mit Bus und Bahn ins Erzgebirge fahren wird, anstatt nach München zu fliegen. Von Hoffmanns beschworenem Zusammenhalt ist beim HSV derzeit nicht viel zu spüren. Erstklassig? Das waren die Verantwortlichen zuletzt nur im Schwingen großer Reden.

Hoffmann will sich mit Eintracht Frankfurt messen, Sportvorstand Jonas Boldt will den Nachwuchs wieder groß machen, und Trainer Dieter Hecking sprach kürzlich mal wieder davon, sich die Nachfolge von Joachim Löw als Bundestrainer vorstellen zu können.

Erstklassig: Fans, die das Volksparkstadion füllen

Den Verantwortlichen würde ein wenig Demut mal wieder gut zu Gesicht stehen. Denn erstklassig, da hatte Hoffmann am Sonntag recht, sind beim HSV im Moment nur die Fans, die dem Club auch gegen Regensburg wieder das Volksparkstadion füllen werden.

Sportlich und wirtschaftlich schwimmt der HSV jedenfalls nicht im falschen Teich. Er befindet sich genau da, wo er aktuell auch hingehört.