Nach Aue-Pleite

Auch bei den HSV-Anhängern liegen die Nerven blank

Aufgebrachte Fans des HSV gehen auf die Spieler los. Doch die äußern Verständnis. Verliert das Team den Zuspruch?

Hamburg. Für einen kurzen Moment sah es so aus, als ob die Situation eskalieren könnte. HSV-Stürmer Lukas Hinterseer hüpfte nach dem 0:3 (0:1) beim FC Erzgebirge Aue gerade über die Bande, um sich den mitgereisten Fans zu stellen. Doch plötzlich sprangen zwei Anhänger vom hohen Zaun herunter und gingen auf die Spieler los. Andere Fans kamen dazu, zerrten die aufgebrachten Kollegen zurück. Es dauerte einige Minuten, ehe sich die Lage wieder beruhigt hatte. Wie schon nach dem 0:2 im Derby gegen St. Pauli schlug der Mannschaft die Wut der eigenen Anhänger entgegen.

„Ich kann die Fans verstehen, sie sind natürlich sauer. Sie kommen hier den weiten Weg nach Aue, sie haben unglaublich viel Leidenschaft für den Verein“, sagte Innenverteidiger Timo Letschert, der wie all seine Kollegen wüst beschimpft wurde. „Es hilft natürlich nicht, wenn wir gegeneinander kämpfen“, sagte Letschert. Auch Torhüter Daniel Heuer Fernandes äußerte Verständnis. „Die Ernüchterung ist groß. Bei den Fans, aber auch bei uns“, sagte er. „Dafür ist man Profi genug, um sich dem auch zu stellen.“ Angst habe er keine gehabt.

HSV wurde vor dem Spiel von den Fans noch mit Beifall empfangen

Trotz der Derbyniederlage im eigenen Stadion wurde der HSV vor dem Spiel von den 1800 mitgereisten Fans noch mit Beifall empfangen. Auf einem großen Banner im Gästeblock stand geschrieben: „Wir haben verloren und das nicht zum ersten Mal. Wir haben verloren und das ist uns nicht egal. Doch wir bleiben hier stehen und wir halten das aus – hier ist unser Applaus.“ Ein Auszug eines Liedes aus dem HSV-Album von Lotto King Karl.

Nach der erneuten Enttäuschung war es dann aber vorbei mit den Nettigkeiten. Am Sonntag kamen lediglich zehn Zuschauer zum Training in den Volkspark – so wenige wie selten zuvor. Verliert der HSV ausgerechnet in dieser entscheidenden Phase der Saison den Zuspruch der Fans? Bernd Hoffmann glaubt das nicht. „Eines der größten Pfunde, die der HSV hat, ist der Zusammenhalt zwischen den Fans und diesem Club und eigentlich auch dieser Mannschaft“, sagte der Vorstandschef. „Wir werden alles dafür tun, dass es da kein Auseinander gibt.“

HSV: Nur ein Punkt aus den vergangenen drei Spielen

HSV: Bernd Hoffmann spricht von Krise

Eigentlich wollte der HSV in Aue die aktive Fanszene nach der Derbynieder­lage mit einem Sieg wieder besänftigen. Das Vorhaben ging gründlich daneben. Am kommenden Sonnabend muss sich die Mannschaft die uneingeschränkte Unterstützung der Fans wohl erst wieder verdienen. Zumindest kann sich der HSV sicher sein, dass die Zuschauer gegen Regensburg und zwei Wochen später gegen Arminia Bielefeld wieder zahlreich ins Stadion kommen werden.