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PISA-Studie: Die ungerechte Bildung

Foto: Reto Klar

Schulischer Erfolg hängt weiter von der Herkunft ab. Aktuelle PISA-Studie: Wer zu Hause nicht unterstützt wird, hat es schwer.

Hamburg. Teenager, die wie Profis musizieren, die moderieren wie Showstars oder ihre eigenen Kunstausstellungen haben: Gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit öffnen Schulen ihre Türen und zeigen, was ihre Kinder draufhaben. Da können Eltern schon feuchte Augen bekommen. Gleichzeitig nimmt der talentierte Sprössling an der Matheolympiade teil, macht in der 10. Klasse ein Auslandsjahr und lernt neben Englisch auch noch Französisch und Spanisch.

Es müssen keine Privatschulen sein, die diese Bildungskarriere ermöglichen. Auch an Einrichtungen mit engagierten Lehrern ist eine Menge möglich – und auch üblich. Wenn Schulen zudem auf Eltern setzen, die alles darum geben, dass ihr Kind einen ordentlichen Bildungsweg hinlegt, kann eigentlich nicht mehr viel schiefgehen. Doch wehe, ein Kind hat Schwierigkeiten, und es ist keiner da, der lesen übt. Pech gehabt, muss man ihnen kurzerhand sagen. Denn das zeigt die aktuelle PISA-Studie wieder einmal: Wer zu Hause nicht unterstützt wird, hat es schwer. Das trifft meist die sozial Schwachen.

Und das ist der Skandal, der aus der Studie hervorgeht: Nach wie vor hängt der Bildungserfolg von der sozialen Herkunft ab – obwohl die OECD seit 20 Jahren mahnt, Deutschland müsse mehr für die Bildungsgerechtigkeit tun. Die Folge dieser größten Schwäche im Bildungswesen: Viel zu viele Schüler schaffen noch nicht mal einen Schulabschluss. Zugegeben: Es ist schwer in Deutschland, die Balance zu finden. Engagierte Eltern lassen sich ungern reinreden. Das Bildungswesen passt sich diesem Elternwillen perfekt an. Und die meisten Eltern sind höchsterfolgreiche Lobbyisten ihrer Kinder. So gesehen ist es logisch, dass sozial schwache Kinder so häufig den Anschluss verpassen – es ist wie so oft in der Politik: Gibt es keine Lobby, passiert auch nichts.

Seite 3 Bericht zur neuen PISA-Studie