Meinung
Glosse

No show: Wenn der Wirt schmoren muss

Abendblatt-Autorin Vanessa Seifert

Abendblatt-Autorin Vanessa Seifert

Foto: Andreas Laible / HA / A.Laible

Vergleich Hamburg-Berlin: Man sagt zu, um dann nie auf der Party zu erscheinen. Dit is Bärlin, wa?

Hamburg. Es ist mal wieder an der Zeit, sich mit der hippen Hauptstadt zu vergleichen. Einfach nur, weil Hamburg dabei einfach immer gut aussieht. Erst kürzlich erzählte mir eine Freundin, die seit Jahren in beiden Städten Veranstaltungen organisiert, die hohe „No show“-Rate, wie es so schön heißt, mache das Geschäft in Berlin unkalkulierbar. Im Klartext: Man sagt zu, um dann nie auf der Party zu erscheinen. Dit is Berlin, wa?

Jetzt darf sich meine Freundin offiziell bestätigt fühlen – durch eine Studie von Open Table, dem weltweit führenden Anbieter von Online-Reservierungen für Restaurants. Demnach zählt das Wort in Hamburg noch was, auch wenn es digital übermittelt wird. 53 Prozent der Hanseaten nehmen ihre Reservierung nicht nur wahr, sie kommen auch pünktlich.

Restaurants: Wenn ein Berliner zu spät kommt, dann auch richtig

Ganz anders das Ergebnis an der Spree: Nur 46 Prozent der Gäste erscheinen zur angegebenen Zeit im Restaurant. Und wenn ein Berliner schon zu spät kommt, dann auch richtig. Die Mehrheit erscheint nämlich frühestens nach 20 Minuten, viele noch später, manche halt gar nicht. Ist das dann arm(selig), aber sexy? Man weiß es nicht.

Die Pünktlichsten sind übrigens unsere südlichen Nachbarn aus Niedersachsen: 56 Prozent sitzen rechtzeitig im Lokal. Und sollten sie es doch mal nicht schaffen (21 Prozent), dann kommen sie spätestens nach neun (!) Minuten angehetzt, eher eher. Nicht so vorbildlich verhalten sich die Nordrhein-Westfalen, die nicht nur das Essen, sondern auch den Gastronomen ihrer Wahl gern mal schmoren lassen. Gern ein halbes Stündchen.

Übrigens gerade in meiner alten Heimatstadt Mönchengladbach. Was zeigt: Meine innere Uhr war schon immer auf Hamburg eingestellt...