Meinung
Glosse

Gewitterwolken auf dem Display – sind Sie auch App-hängig?

HA Redakteure ; Vanessa Seifert ;

HA Redakteure ; Vanessa Seifert ;

Foto: Andreas Laible / HA / A.Laible

Hamburg. Haben Sie auch diese Freunde, die so ein bisschen App-hängig geworden sind? Meine Lieblingsfreundin zum Beispiel vertraut in wichtigen Fragen im Prinzip nur noch ihrem Smartphone. Oder dieser Alexa, die jetzt bei denen wohnt. Neulich jedenfalls wollten wir mit den Kindern auf den Spielplatz.

Also ich wollte. Sie schrieb nämlich: „Schade, dass unser Plan ins Wasser fällt.“ Ich hatte kurz den Gedanken, sie sei vielleicht gar nicht in der Stadt. Denn dazu muss man wissen: Die Sonne schien. War aber natürlich keine valide Information, weil nur durch den schnellen Blick aus dem Fenster gesammelt. „Dann fängt der Regen jede Sekunde an“, antwortete meine Handy-Meteorologin. „Die Wahrscheinlichkeit für Niederschlag liegt laut App bei 90 Prozent.“ Was soll ich sagen, wir sind zu Hause geblieben.

Wenige Tage später kam sie mit der nächsten Prognose um die Ecke – und zwar, als sich ihre Zweijährige wütend auf dem Boden des Drogeriemarktes wälzte. „Gewitterwolken“, kommentierte meine Freundin. Gut, es war ein bisschen dunkel im Laden … Nee, sagte sie, sie habe jetzt diese tolle App runtergeladen, die die Entwicklungsphasen des Kindes mit entsprechenden Symbolen begleite. Also, Trotzphase gleich Blitz und Donner. Ich war kurz versucht zu sagen, dass man ja dann vermutlich bis zur Volljährigkeit des Nachwuchses in einem Tiefdruckgebiet lebe, wollte aber die gute Stimmung („Auf Regen folgt auch wieder Sonnenschein“) nicht trüben.

Neulich morgens war ich dann mit der Wahl der richtigen Kleidung überfordert. Der Blick aus dem Fenster half da in der Tat wenig. Da radelte erst eine Frau in kurzer Hose und Top vorbei, dann folgte ein Spaziergänger in Mantel mit Schal. Da habe ich dann einfach mal eine Wetter-App installiert ...