Meinung
Kommentar

Landstrom: Lieber kleine Schritte als keine

Abendblatt-Redakteur Jens Meyer-Wellmann

Abendblatt-Redakteur Jens Meyer-Wellmann

Foto: Bertold Fabricius

Hamburgs Pläne können Luft und Klima verbessern. Doch die Debatte um den Landstrom ist komplizierter, als man meint.

Manchmal hat Hamburgs Bürgermeister gleich doppelt recht. Peter Tschentscher wird in der Diskussion zum Klimaschutz nicht müde zu sagen, dass man endlich mal handeln müsse – dass konkrete Entscheidungen wichtiger seien als endlose Debatten darüber, ob Maßnahmen zu weit gingen oder zu lasch seien. Und zweitens betont der Bürgermeister immer wieder, dass man neben dem Klimaschutz nicht alles andere aus den Augen verlieren dürfe, also: Wirtschaft, Arbeit, Gerechtigkeit und Mobilität.

Mithin müsse gute Politik mehrere Ziele unter einen Hut bekommen. Denn, so könnte man es zusammenfassen: Was hätten wir davon, wenn wir kaum noch CO2 ausstießen, weil wir kaum noch Jobs hätten und uns wegen schwerster sozialer Verwerfungen gegenseitig an die Gurgel gingen?

Landstrom kein Zwang für die Reedereien

Dass Hamburg als erste europäische Hafenstadt massiv in Landstromanschlüsse auch für Containerschiffe investieren will, folgt dieser Logik. Man schafft zunächst ein Angebot, damit Schiffe die Motoren abschalten und Strom von Land beziehen können. Zur Abnahme sollen die Reeder derzeit nicht gezwungen werden – zu wenige Schiffe sind dafür ausgerüstet, und der Landstrom ist noch zu teuer.

Langfristig aber soll sich das ändern. Und dann könnte es mit dem Zwang ganz schnell gehen – mithilfe einer europäischen Regelung. Das hat auch Tschentscher durchblicken lassen. Mit der jetzigen Entscheidung gebe man den Reedereien „Planungssicherheit“, so der Bürgermeister. Übersetzt heißt das wohl: Liebe Reeder, sorgt bitte dafür, dass eure Schiffe landstromfähig, also sauberer werden! Sonst habt ihr nicht nur ein Imageproblem – sondern kommt auch irgendwann mit euren Dreckschleudern nicht mehr in Europas große Häfen.