Energie

Bessere Luft: Hamburg baut Landstrom im Hafen massiv aus

Bisher gibt es in Hamburg nur eine Landstromanlage am Cruise Center Altona (Archivbild).

Bisher gibt es in Hamburg nur eine Landstromanlage am Cruise Center Altona (Archivbild).

Foto: picture alliance/Christian Charisius/dpa

Zehn neue Anschlüsse für Frachter und Kreuzfahrtschiffe bis 2022. Viel Lob, aber auch Kritik für die Pläne des Senats.

Hamburg. Große Pläne für den Hamburger Hafen: Der rot-grüne Senat hat einen massiven Ausbau der Landstromversorgung für Schiffe beschlossen. So soll es bis 2022 acht Anschlusspunkte für Containerschiffe an Burchardkai, Europakai und Predöhlkai geben. Darüber hinaus soll das Landstromangebot auf alle bestehenden drei Kreuzfahrtterminals ausgeweitet werden. Bisher gibt es eine solche Anschlussmöglichkeit nur in Altona. Je eine Landstromanlage soll nun auch an den Kreuzfahrtterminals HafenCity und Steinwerder gebaut werden. Ziel ist es, dass Schiffe ihre Motoren nicht zur Stromversorgung laufen lassen müssen. Die Kosten des Vorhabens liegen laut Senat bei rund 76 Millionen Euro.

Laut Senat ist Hamburg der erste Hafen in Europa, der ein solches Angebot bereitstellen will. „Der Ausbau ist ein großer Schritt zu mehr Klima- und Umweltschutz“, sagte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). „Durch die Nutzung regenerativen Stroms aus diesen Anlagen können die bisherigen CO2- und Schadstoffemissionen während der Liegezeit vollständig vermieden werden.“ Mit dem Beschluss schaffe der Senat Planungssicherheit für Reedereien. Einen Anschlusszwang soll es aber zunächst nicht geben.

Hamburg und Landstrom – Vorbild für andere europäische Häfen

Unterdessen zeigen neueste Zahlen des Statistikamtes, dass die CO2-Belastung in Hamburg 2017 zwar gegenüber 2016 weiter zurückgegangen ist. Der Rückgang gegenüber dem Basisjahr 1990 lag bei 20,8 Prozent (2016: 18,7). Im Verkehrssektor hat der Ausstoß des Klimagases aber sogar zugenommen. Bis 2030 soll die Belastung gegenüber 1990 um 55 Prozent sinken.

Der Plan des rot-grünen Senats ist am Dienstag auf Zustimmung gestoßen – hat aber kritische Nachfragen hervorgerufen. So monierte CDU-Bürgermeisterkandidat Marcus Weinberg, dass Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) „nichts dazu sagt, wie wir die Reedereien dazu bewegen wollen, auf Landstrom umzusteigen“. Der Ausbau der Landstrominfrastruktur sei grundsätzlich gut, so Weinberg. „Es müssen aber Anreize zum Wechsel gesetzt werden.“ Hintergrund der Kritik: Die bisher einzige Landstromanlage am Containerterminal Altona wurde bisher kaum genutzt. Das mussten auch die Senatsvertreter zugeben, als sie jetzt den Plan vorstellten, bis 2022 acht Landstromanlagen für Containerschiffe und zwei neue für die Kreuzfahrtterminals zu bauen.

Landstrom viel teuerer als das Laufenlassen der Motoren

Bürgermeister Tschentscher wies daraufhin, dass bisher nur zwölf Prozent der Schiffe, die Hamburg anlaufen, technisch in der Lage seien, Landstrom zu beziehen. Hinzu kommt ein weiteres Hindernis bei der Umstellung: Laut Tschentscher ist der Landstrom derzeit noch etwa dreimal so teuer wie das Laufenlassen der Motoren zur Stromgewinnung während des Liegezeiten. Das hat auch mit der so genannten EEG-Umlage zu tun, durch die Erneuerbare Energien gefördert werden sollen. Diese verteuert den Landstrom.

Tschentscher kündigte an, am Donnerstag mit dem schleswig-holsteinischen CDU-Ministerpräsidenten Daniel Günther ein „Memorandum of Understanding“ zu unterzeichnen, mit dem die Förderung des Landstroms gefordert werden soll – auch durch eine Umstellung der Rahmenbedingungen.

Landstromprojekt soll 76 Millionen Euro kosten

Nach einer Erprobungsphase sollen die Landstromanschlüsse laut Senat 2023 in Betrieb gehen. Dabei rechnet die Stadt damit, dass es zu 300 Nutzungen pro Jahr kommen wird. Damit sollen bis 2025 fast 43.000 Tonnen des Klimagases CO2 eingespart werden. Zudem soll der Ausstoß vom giftigen Stickoxiden (NOx) um 1400 Tonnen zurückgehen, der von Feinstaub um neun und der von Schwefeloxiden um 25 Tonnen. Damit werde auch die in Hamburg problematische NOx-Belastung im Innenstadtbereich sinken, so Bürgermeister Tschentscher.

Laut Tschentscher muss der Plan noch von der EU genehmigt werden. Zwar werde es zunächst keinen Anschlusszwang in Hamburg geben, sagte Tschentscher. Er setze aber darauf, dass die Reedereien angesichts der weltweiten öffentlichen Diskussionen selbst zunehmend Wert darauf legten, umweltfreundlich zu arbeiten. Zudem laufe eine europaweite Diskussion über einen Abnahmezwang, so Tschentscher, der offenbar eine gemeinsame europäische Lösung für vorstellbar hält.

Problem: Nur ein Teil der Schiffe sind landstromfähig

„Die Handelswege über das Wasser sind schon heute die wirtschaftlichste und umweltfreundlichste Transportart im weltweiten Warenverkehr“, sagte Tschentscher. „Mit dem Landstromprojekt sind wir in Hamburg auch Vorbild und Wegbereiter für andere europäische Häfen, um die maritime Logistik noch klimafreundlicher zu machen.“

Insgesamt sei es auch angesichts der Diskussionen über den Klimaschutz wichtig, konkret zu handeln, betonte der Bürgermeister. „Nach dem konsequenten Ausbau der Landinfrastruktur für die E-Mobilität in der Stadt, der umfassenden Förderung des öffentlichen Nahverkehrs einschließlich des Baus neuer U- und S-Bahnen und der Schaffung einer Infrastruktur für den Betrieb von 100 Prozent emissionsfreier Busse zeigt Hamburg mit dem Ausbau der Landstromversorgung im Hafen ein weiteres Mal, wie nicht nur über Klimaschutz geredet, sondern dieser tatsächlich erreicht werden kann.“

Linken-Umweltpolitiker Stephan Jersch sprach mit Blick auf die Landstrompläne von einem „guten Signal“. Es sei „aber unverständlich warum hier wieder die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler den Preis aufbringen müssen und nicht die Verursacher dieser Gesundheits- und Umweltbelastung“, so Jersch. Ein Problem sei zudem, dass nur ein Teil der Schiffe landstromfähig ist. „Über eine Quotenrelegung sollten Reedereien verpflichtet werden, ihre Schiffe anzupassen und Landstrom zu nutzen“, forderte der Linken-Politiker.

Handelskammer-Vizepräses André Mücke sagte, es sei wichtig, „vor allem auf Anreize für eine freiwillige Nutzung zu setzen und sich weiter für eine europäische und internationale Harmonisierung der entsprechenden Rahmenbedingungen einzusetzen“.

"Starke Innovationen für unseren Hafen"

SPD-Umweltpolitikerin Monika Schaal setzte am Dienstag ein ehrgeiziges Ziel. „Wir wollen die komplette Stromversorgung von Schiffen im Hamburger Hafen durch Landstrom ersetzen und so beim Umweltschutz einen großen Schritt vorankommen“, sagte Schaal. „Alle Großschiffe, nicht nur Kreuzfahrtschiffe, sollen Landstromanlagen für ihre Stromversorgung nutzen, solange sie im Hafen liegen.“ Damit werde sichergestellt, dass die Vorgaben des Luftreinhalteplans bis 2025 erfüllt würden.

Grünen-Fraktionschef Anjes Tjarks sprach von einer „starken Innovation für unseren Hafen“ und einer „völlig neuen Dimension ökologischer Energieversorgung für Schiffe“. Die Initiative zeige, dass Hamburg in Sachen Klimaschutz und Luftreinhaltung nicht nur gute Ideen habe, sondern diese auch konsequent umsetze.