Meinung
Nachspiel

Luhukays riskantes Spiel mit dem FC St. Pauli

Bei jedem Training beweist Jos Luhukay, dass er vor Ehrgeiz brennt. So laut und aktiv wie er war in den vergangenen Jahren keiner seiner Vorgänger beim FC St. Pauli, schon gar nicht der im April beurlaubte, lethargisch wirkende Markus Kauczinski. Es ist nachvollziehbar, dass ein Cheftrainer, der selbst eine hundertprozentige Einstellung vorlebt, auch von seinem gesamten Umfeld dasselbe Maß an Professionalität erwartet.

St. Paulis Führung um Präsident Oke Göttlich hat sich bewusst für Luhukay entschieden, weil dessen Erwartungen an Spieler und Mitarbeiter immens hoch sind. Luhukay ist – im Gegensatz zu manchem Vorgänger – nicht allein damit zufrieden, dass er bei St. Pauli einen Job bekommen hat. Daher hat er keine Hemmungen, alles knallhart anzusprechen, was ihm missfällt. Mit seiner Kritik an der zu ausgeprägten Bequemlichkeit und Komfortzone hatte er definitiv recht. Und doch war es ein riskantes Spiel, am Tag vor dem ersten Saisonmatch öffentlich eine Generalabrechnung vorzunehmen.

Seine Mannschaft hat mit ihrem ordentlichen Auftritt in Bielefeld die Situation erst mal deeskaliert, auch wenn einige Spieler mit Teilen der Trainerkritik nicht einverstanden waren, dies auch äußerten. Luhukay war jetzt klug genug, die Meinungsfreudigkeit seiner Spieler zu loben. Gänzlich gebannt ist die Gefahr, einzelne zu verlieren, noch nicht.