FC St. Pauli

Nach Luhukay-Schelte: Profis gehen auf Distanz zum Trainer

Wendet sich St. Paulis Mannschaft von Trainer Jos Luhukay nach seiner Generalkritik ab?

Wendet sich St. Paulis Mannschaft von Trainer Jos Luhukay nach seiner Generalkritik ab?

Foto: Tay Duc Lam / WITTERS

Am Tag vor dem Saisonauftakt hat St. Paulis Trainer Jos Luhukay heftige Kritik am Verein geübt. Spieler reagieren teils verärgert.

Hamburg. Kapitän Christopher Avevor fand die öffentliche Schelte gut, sein Stellvertreter Daniel Buballa dagegen nicht, und Innenverteidiger Marvin Knoll widerspricht sogar öffentlich: Mit seiner Generalkritik am eigenen Verein am Tag vor dem Saisonauftakt in der 2. Fußball-Bundesliga hat Trainer Jos Luhukay beim FC St. Pauli alle aufgerüttelt – aber auch manch einen verstimmt. An einen Rücktritt wie einst in Stuttgart denkt Querkopf Luhukay nach eigener Auskunft nicht, der Unterstützung der Clubbosse fühlt er sich sicher.

Spannend wird, ob der Niederländer mit seiner Kritik an der Qualität und Einstellung der Mannschaft den ein oder anderen Profi für sich verloren hat. „Natürlich freut man sich als Spieler nicht, wenn so was über den Verein gesagt wird“, sagte Buballa, immerhin Vizekapitän, nach dem 1:1 (1:0) bei Arminia Bielefeld bei Sky: „Erst recht, wenn es auch noch intern vom Chef kommt.“

Knoll meinte sichtlich verärgert: „Das ist die Meinung des Trainers. Ich habe eine andere. Und wenn er mit mir reden möchte, werde ich sie vertreten.“ In jedem Fall habe die Kritik Spuren in der Mannschaft hinterlassen. „Klar, dass so was nicht spurlos an einem vorbeigeht“, sagte Knoll: „Wir sind auch nur Menschen.“

Bornemann verteidigt Luhukay

Andreas Bornemann, der neue Geschäftsleiter Sport der Hamburger, war über den öffentlichen Vorstoß des Trainers am Sonntag nicht eingeweiht. „Das hat sich wohl aus der Pressekonferenz-Situation ergeben. Er muss so etwas nicht ankündigen“, sagte Bornemann: „Aber es durfte niemanden überraschen. Denn es ist nichts, was aus heiterem Himmel kommt. Intern ist das alles schon sehr oft gesagt worden.“ Dass sich Spieler pikiert fühlen, sei deshalb nicht angebracht. „Ich habe mir die Pressekonferenz noch mal in Ruhe angeschaut“, sagte Bornemann: „Er bleibt immer sachlich, wird nie persönlich. Deshalb muss sich niemand beleidigt fühlen.“

Bilder vom Spiel in Bielefeld:

Vereinspräsident Oke Göttlich will erst gar keinen Streit mit dem Trainer aufkommen lassen. „Diese Ehrlichkeit miteinander und vor unseren Fans ist wichtig, um Verbesserungen anzustoßen. Das geht nicht immer mit Nettigkeit, sondern dazu gehören auch klare Ansagen und offene Worte“, sagte Göttlich und signalisierte: Wir stehen hinter dem Trainer.

Mannschaft wollte in Bielefeld Reaktion zeigen

So sieht es auch Spielführer Avevor. „Die meisten von uns wissen, dass es nicht böse gemeint ist“, meinte dieser. Dass Klartext gesprochen wird, findet der Kapitän sogar gut. „Der Trainer hat von Anfang an gesagt, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt“, sagte Avevor: „Das ist einfacher, als wenn einer hintenrum erzählt.“

In der Hinsicht stimmte auch Knoll zu. „Es gibt Trainer, die nicht so ehrlich sind“, sagte der Ex-Berliner. In jedem Fall habe Luhukay das Team bei der Ehre gepackt. „Wir wollten eine Reaktion zeigen und haben gekämpft wie die Löwen“, sagte Knoll nach dem Unentschieden in Ostwestfalen, das nach der Führung durch Profi-Debütant Christian Joe Conteh (32.) nur wegen des Gegentreffers von Manuel Prietl in der Schlussminute kein Sieg wurde. „Unser Trainer ist eben Perfektionist. Selbst wenn wir 1:0 gewinnen, hat er noch was zu meckern“, meinte auch Buballa: „Das hilft uns, uns zu verbessern. Deshalb denke ich, dass er uns eigentlich nur helfen will.“

Luhukay selbst betonte, „dass ich immer total fair, ehrlich und direkt mit meiner Mannschaft umgehe.“ Das sei „ein Weg, der sehr viel Energie kostet. Aber der sich lohnen wird. Und ich spüre da auch volle Rückendeckung.“