Meinung
Schumachers Woche

Männer im Urlaub – oder: Gorillas auf Liegewiesen

Abendblatt-Kolumnist Hajo Schumacher

Abendblatt-Kolumnist Hajo Schumacher

Foto: Reto Klar

Hamburg. Ich mag Männer im Urlaub, vor allem dann, wenn sie an Ufer, Strand oder Beckenrand ins Plaudern geraten. Nur Angler sind zäh, von der Tageszeit her und ihrem eher nordfriesischen Mitteilungsbedürfnis.

Am Meer findet sich oft der notorisch Gutgelaunte, der sich gleich nach dem Frühstück ins hüfthohe Wasser stellt, immer eine Dose Bier im Anschlag. Er grölt etwas von „alle Fünfe gerade“ und Spaß, der sein muss. Das Wasser um ihn herum ist merkwürdig warm, die Gattin rot von Sonne und Peinlichkeit.

Resturlaub dem Arbeitgeber schenken

Im Sand liegt ein Herr in Gesundheitsschuhen auf dem Handtuch. Er protestiert hier: gegen die Gebühr für Sonnenliegen, die ihm jede Saison wieder ein Ärgernis sind. Er schwört, dass Urlaub in Bulgarien oder Laos viel billiger sei und das Frühstücksbüfett reichhaltiger. Wer zwischen Gute-Laune-Brüder und Preischecker gerät, will jeglichen Resturlaub seinem Arbeitgeber schenken.

Doch auch im heimischen Freibad lauern die Zierden der Männlichkeit, in Gestalt des Liegewiesengorillas etwa, der die Arme vom Oberkörper abgewinkelt hält als trage er ein Sixpack Rasierklingen unter den Achseln. Er flaniert im Leibchen, dessen Ausschnitt bis zum Bauchnabel reicht, solange an der Beckenkante, bis die Innenseiten der Oberschenkel wundgerieben sind; zu viele Muckis, die sich im Weg sind.

Unbestellte Abkühlung durch Monsterarschbombe

Da wird einem der Mustervati richtig sympathisch, der – Anfängerfehler – die Elternzeit im Hochsommer genommen hat und nun mit vollen Windeln, Biospinatglas und Sechsmonatigem jongliert. Unbestellte Abkühlung verschafft der halbwüchsige Bengel mit einer Monsterarschbombe. Jetzt nur die Klappe halten, sonst kommen die Brüders.

Und am Badesee? Da hat unser Freund gerade sein Klapprad abgestellt, streckt den strammen rotbraunen Ranzen aus, Resultat einer langen Grill- und Biersaison, und ist mit nichts bekleidet außer einer sehr großen Kamera. Zu Hause hat er bestimmt erzählt, er gehe Vögel fotografieren. Man muss sie einfach mögen, unsere Sommermänner.