Meinung
Glosse

Auf dem Präsentierteller

Idealerweise macht man Ausflüge dann, wenn möglichst wenig andere Zeit haben. Aber manchmal geht es eben nicht anders – weil die Kinder wochentags Schule haben, man selbst arbeiten muss oder weil man eben just am Wochenende das schöne Wetter nutzen will. Wer nicht so häufig an der See ist, dem fehlt ja die rechte Vorstellung, wie voll es dort werden kann.

Der Anfang verlief noch bestens: Was für ein Glück, wenn man am Strand parken kann, ohne sich festzufahren, und man dann auch noch die letzten beiden Strandkörbe am idealen Strandabschnitt ergattert. Ideal deshalb, weil das Toilettengebäude auf dem Pfahlbau in Sichtweite ist und das Strandrestaurant ebenfalls. Die Vorzeichen für einen entspannten Strandtag waren also bestens, wenn, ja wenn alle so gut organisiert wären wie die Parkwächter an der Strandüberfahrt.

Im Restaurant auf den Stelzen gäbe es noch viel Potenzial. Menschenmassen schieben sich über die Terrasse und gucken auf jeden Teller, um zu prüfen, ob die Gäste bald aufgegessen oder ausgetrunken haben und endlich Platz frei wird. Da wünschte man sich doch einen beherzten Kellner, der alle neuen Gäste am Eingang abfängt und sie erst dann zu Tisch bittet, wenn einer frei wird. Wieso klappt das in vielen Skihütten in den Alpen so hervorragend, wo es mittags ähnlich drängelig ist wie im Strandrestaurant? Man versteht es nicht!

Wenn Menschen auf meinen Teller starren

Das Angebot ist wie erwartet hochpreisig – und der Lage in erster Reihe geschuldet. Dass der American Beefburger mit Backensholzer Blaukäse und Pommes 18,50 Euro kostet, gehört jedoch in die Kategorie „unverschämt“. Bei der Bestellung von sechs Kids Burgern mit Pommes für je 9 Euro, der ohne Schnickschnack auskommt, weist die Bedienung darauf hin, dass das Angebot eigentlich nur für Kinder gelte, aber sie wolle mal ein Auge zudrücken. In Bayern und Österreich kann sogar ein Kind den Seniorenteller bestellen, dort geht es kulinarisch weniger prinzipiell zu.

Noch besser hätte uns allen der Kids Burger geschmeckt, wenn uns nicht ständig Platzsuchende auf die Teller gestarrt hätten. Was wir daraus lernen: Beim nächsten Strandtag packen wir einen Picknickkorb. Mit allem Drum und Dran. Und dann kann jeder essen, was und wie viel er mag – ob jung oder alt.