Meinung
Glosse

Grün für alle – da sehe ich rot

Alexander Josefowicz
Der Autor ist Redakteur beim Abendblatt

Der Autor ist Redakteur beim Abendblatt

Foto: HA / Mark Sandten

Hamburg. Ich weiß nicht so genau, was mir die Fahrradampel an der Kreuzung Königstraße/Reeperbahn mitteilen möchte: Vielleicht ist sie die Lichtzeichenanlage gewordene Allegorie auf Sein und Vergehen, Leben und Tod; vielleicht soll sie auch an die alte Rivalität zwischen der Stadt Altona und Hamburg erinnern. Was immer der tiefere Sinn dieser Ampel sein mag, eins ist sicher: Wer sich an die von ihr angezeigte Grünphase hält, der lebt gefährlich.

Fährt man die Königstraße hinunter und hat die letzten 100 Meter des Fahrradstreifens überlebt – dort geht der Radweg in eine Serie aus Schlaglöchern, Querfugen und anderen Unebenheiten über, die sich eigentlich nur ein Mountainbike-Hersteller ausgedacht haben kann –, wartet im Übergang zum Kiez die unlängst „fahrradfreundlich“ umgestaltete Kreuzung.

Und mit ihr eine (hoffentlich) einmalige Ampelschaltung: Während die Ampel für die Autos bereits Rot zeigt, leuchtet die für uns Radfahrer weiter grün. Gleichzeitig aber sehen die Linksabbieger gegenüber, die von der Reeperbahn auf die Pepermölenbek wechseln wollen, einen grünen Pfeil. Zu diesem Lichtzeichen weiß die Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung zu berichten: „Solange ein grüner Pfeil gezeigt wird, darf kein anderer Verkehrsstrom Grün haben, der den durch den Pfeil gelenkten kreuzt.“

Liebe Stadt Hamburg, ich weiß: Wir Radfahrer machen dir das Leben schwer. Wir meckern über mangelnde Investitionen und streiten uns mit Autofahrern um jeden Platz. Darauf aber mit einer Ampel zu reagieren, der zum Superschurken nur die gehässige Lache fehlt, halte ich trotzdem für etwas übertrieben.

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