Meinung
Kolumne

Der weiteste Weg lohnt sich – nicht

Der Autor ist Redakteur beim Abendblatt

Der Autor ist Redakteur beim Abendblatt

Foto: HA / Mark Sandten

Unser Autor über die Notwendigkeit des Tankens

Eine der unangenehmen Begleiterscheinungen des Autofahrens ist die Notwendigkeit des Tankens. Zwar ist der durchschnittliche Verbrauch deutscher Pkw seit 1997 um knapp anderthalb Liter auf 7,3 Liter pro 100 Kilometer gesunken. Dummerweise ist Benzin parallel geringfügig teurer geworden: Für 50 Liter Super zahlt man etwa 65 Euro – fürs gleiche Geld hätte man 1997 gut 85 Liter Sprit bekommen.

Dass sich die Preise dazu stündlich und nach höchst arkanen Regeln ändern, die mutmaßlich weder der Tankwart noch sonst irgendjemand versteht, treibt merkwürdige Blüten im Verhalten sonst geistig zumindest einigermaßen zurechnungsfähiger Autofahrer. Die ganz schlichten Gemüter tanken „immer nur für 20 Euro“. Und diejenigen, die ihren Abakus abends mit ins Bett nehmen, schwören auf das Internet: Dort findet man stets die günstigste Tankstelle weit und breit – das ist übrigens meistens die, die zwar in keiner Weise auf dem Weg liegt, dafür aber sage und schreibe zwei Cent billiger ist.

Vor lauter Stolz darüber, der Ölmafia ein Schnippchen geschlagen zu haben, vergisst der eine oder andere gern, dass auch der Weg zur Tankstelle Sprit verbraucht. Bei zwei Cent frisst schon ein Schlenker von wenigen Kilometern das ganze gesparte Geld wieder auf. Natürlich lässt sich das umgehen, dann aber nur unter Einbußen beim Komfort: Die mindestens Mittelalten erinnern sich garantiert noch an die Aral-Werbung mit dem gut gelaunten Fußgänger, der „I’m walking“ trällernd und den Reservekanister schwenkend an der teuren Konkurrenz vorbei zur nächsten Tankstelle seines Vertrauens wandert.